Am Mittwoch beginnen in Eugene die U20-Weltmeisterschaften. Für die 70 DLV-Athletinnen und -Athleten geht es im legendären Hayward Field vor allem darum, erste Erfahrung auf Weltebene zu sammeln und ihre bestmögliche Leistung abzurufen. Den Grundstein dafür haben sie mit einigen bemerkenswerten Resultaten im Saisonverlauf bereits gelegt.
Für viele deutsche Nachwuchs-Athletinnen und -Athleten geht in dieser Woche ein Traum in Erfüllung. Denn das Hayward Field von Eugene im US-Bundesstaat Oregon, Austragungsort der U20-Weltmeisterschaften 2026, zählt zu den bekanntesten Leichtathletikstadien weltweit und versprüht das Flair von absoluter Weltklasse. Der Mythos dieser Sportstätte hat sich über Jahrzehnte aufgebaut.
Zahlreiche Weltrekorde wurden im Hayward Field erzielt, zuletzt Mitte Juni bei den NCAA-Meisterschaften von Hürdensprinter Ja'Kobe Tharp (USA). Zudem werden dort regelmäßig die US-Meisterschaften sowie das Diamond-League-Meeting "Prefontaine Classic" ausgetragen. Das Stadion war auch schon Schauplatz von globalen Titelkämpfen: 2022 wurde Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) dort Weltmeisterin im Weitsprung.
Bereits 2014 fanden U20-Weltmeisterschaften in Eugene statt. Damals standen unter anderem Stabhochspringer Oleg Zernikel (ASV Landau) und Dreispringer Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz) auf dem Podium – längst feste Größen in der europäischen Spitze ihrer Disziplinen. Und auch Sprintstar Gina Lückenkemper (SCC Berlin) hat gute Erinnerungen an das Hayward Field: Hier gewann sie 2014 – gemeinsam mit unter anderem Lisa-Marie Kwayie und Lisa Mayer – U20-WM-Bronze über 4x100 Meter. Acht Jahre später schloss sich mit Staffel-Bronze bei der WM in Eugene der Kreis.
Clara Hegemann mit starker Saison
Erinnerungen schaffen wollen auch die 70 DLV-Talente, die sich seit Mitte vergangener Woche im Precamp in Monmouth, Oregon auf die U20-WM eingestimmt haben. Verletzt absagen musste Paula Springstein (Ostsee Sprint- und Laufteam Rostock), sodass Anne Böcker (TSV Bayer 04 Leverkusen), ohnehin für die Staffel nominiert, über 200 Meter nachrückt. Das DLV-Team rangiert über 4x100 Meter auf Platz drei der Meldeliste – auf dem Papier eine von 13 Top-Acht-Platzierungen. Mit der 4x400-Meter-Staffel der weiblichen U20 sowie den Mixed-Staffeln über 4x100 und 4x400 Meter sind weitere DLV-Quartette aussichtsreich positioniert.
Doch auch im Einzel konnten einige Athletinnen schon Akzente setzen. Allen voran Hammerwerferin Clara Hegemann (LG Stadtwerke München). Die Deutsche U20-Rekordlerin liegt mit ihrer Bestmarke von 69,81 Metern auf Platz zwei der Meldeliste, lediglich die Finnin Pinja Kärhä, einzige 70-Meter-Werferin der Konkurrenz, kam schon weiter.
Mit U20-Europameisterin Nova Kienast (Berlin Athletics), die vor zwei Jahren als U18-Athletin schon U20-WM-Fünfte war, hat das DLV-Team im Hammerwurf ein zweites heißes Eisen im Feuer. Sie reist als Nummer acht der Meldeliste an. Bei der Junioren-Gala in Mannheim, für viele Talente die Generalprobe für die U20-WM, machte das Trio die Podestplätze unter sich aus – mit dem besten Ende für Clara Hegemann.
Erste Erfahrungen im Kreis der Weltelite
Ebenfalls in Mannheim überzeugte Dreispringerin Antonia Bronnert (VfL Löningen). Ihre 13,65 Meter waren lange sogar Weltjahresbestleistung ihrer Altersklasse. Mittlerweile sind zwei Athletinnen, darunter U18-Europameisterin Viktoria Angelova aus Bulgarien (13,98 m), vorbeigezogen. Die 19 Jahre alte Löningerin hat jedoch schon im vergangenen Jahr als Fünfte der U20-EM bewiesen, dass sie Bestleistungen liefern kann, wenn es zählt.
In Schlagdistanz zur Weltspitze lauern auch zwei deutsche Werferinnen. Kugelstoßerin Emily Scherf (SC Neubrandenburg), die bereits die 17-Meter-Marke geknackt hat, rangiert auf Platz vier der Meldeliste, Diskuswerferin Favour Adesokan (TV Wattenscheid 01) liegt mit 57,22 Metern in einem engen Feld auf Platz sechs. Jede Menge Selbstvertrauen getankt hat zuletzt Stabhochspringerin Anna Hiesinger (LAZ Ludwigsburg). Bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen steigerte sie ihre Bestmarke gleich um 20 Zentimeter auf 4,40 Meter und befindet sich damit ebenfalls auf Tuchfühlung zu den Favoritinnen.
Auch zwei Nachwuchs-Sprinterinnen haben schon mächtig Eindruck hinterlassen. In einem hochkarätigen Feld über 100 Meter Hürden, in dem schon vier Athletinnen unter 13 Sekunden geblieben sind, ist Daryl Ndasi (Munich Athletics) nach ihrer Steigerung auf 13,11 Sekunden die Nummer fünf. In den Top Ten der Meldeliste befindet sich 100-Meter-Sprinterin Emma Goretzka (LAC Berlin). Bei der Jugend-DM brillierte sie in 11,19 Sekunden und untermauerte ihre starke Form bei den Deutschen Meisterschaften der Erwachsenen mit 11,26 Sekunden und Rang zwei in einem Tausendstel-Finish.
Zwei Deutsche U20-Rekordler mit dabei
Auch in der männlichen U20 sind Sprint und Hürdensprint gut aufgestellt. Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth), der schon vor zwei Jahren bei der U20-WM in Lima (Peru) dabei war, egalisierte bei der Jugend-DM in Bochum-Wattenscheid in 10,14 Sekunden den Deutschen U20-Rekord über 100 Meter. Marc Leonard Hildebrand (Dresdner SC 1898) verbesserte die Top-Marke über 110 Meter Hürden gleich zweimal bis auf 13,22 Sekunden.
Beide zählen damit in Weltklasse-Feldern mit einem Sub-10-Sekunden-Sprinter und zwei Sub-13-Sekunden-Hürdensprintern zu den Final-Kandidaten. Der zweite deutsche 100-Meter-Starter Lennox Schmidt (SCC Berlin) gehört noch dem jüngeren U20-Jahrgang an, hat aber auch schon starke 10,25 Sekunden auf die Bahn gebracht. So ist zudem der Grundstein für ein starkes Staffel-Resultat gelegt.
Als Achter im Hammerwurf-Feld ist Matti Hummel (Eintracht Frankfurt), der jüngere Bruder des Vize-Weltmeisters Merlin Hummel, gut positioniert. Auch Hochspringer Jacob Thomä (Eintracht Frankfurt), der mit 2,20 Metern anreist, gehört zu den Final-Anwärtern. Die meisten weiteren DLV-Athleten gehen eher als "Underdogs" in die Meisterschaft – manchmal eine durchaus dankbare Ausgangsposition, um ohne Druck und zu hohe Erwartungen mit einem starken Resultat zu überraschen.
Internationale Klasse
Immerhin hat es die Konkurrenz auch in der U20-Altersklasse schon ordentlich in sich. Mit 400-Meter-Ass Quincy Wilson (USA) ist sogar ein Olympiasieger am Start. Der 18-Jährige kam vor zwei Jahren im Staffel-Vorlauf der Spiele in Paris (Frankreich) zum Einsatz. Unter anderem 400-Meter-Hürden-Läufer Michal Rada (Tschechien), Hochspringerin Izobelle Louison-Roe (Australien) und Geher Emiliano Barba (Mexiko) konnten bereits vor zwei Jahren U20-WM-Medaillen gewinnen und rechnen sich nun wieder Chancen aus.
Als U18-Athlet:innen schon in der U20 erfolgreich sein wollen beispielsweise Hochspringer Samuel James (Großbritannien), der bei der U18-EM in Rieti (Italien) mit einer 2,25-Meter-Flugshow beeindruckte, und die Slowenin Ziva Remic. Die amtierende U18-Europameisterin und U20-Vize-Europameisterin geht nach der Absage der Britin Phoebe Gill gemeinsam mit der Äthiopierin Habtam Gebeyehu als Favoritin ins Rennen. Auch im DLV-Team ist eine U18-Europameisterin mit von der Partie: Hürden-Talent Delisha Benelisa Domingos (TuS Lichterfelde) ist diesmal für die 4x100-Meter-Staffel nominiert.