| Birmingham 2026

Die große EM-Vorschau II | Männer: Bahn

Der deutsche Langsprinter Jean Paul Bredau während eines Rennens. © Jan Papenfuß
Mehr als 1.600 Athletinnen und Athleten aus 49 Nationen: Das Alexander Stadium von Birmingham empfängt vom 10. bis 16. August die besten Leichtathletinnen und Leichtathleten Europas. Wer sind die Favoritinnen? Die Hoffnungsträgerinnen? Und mit welchen Erwartungen gehen die DLV-Athleten in diese Titelkämpfe? Wir werfen eine Blick voraus. Heute: die Entscheidungen auf der Bahn in den Einzeldisziplinen der Männer.
Paula Schröder

EM 2026 Birmingham

100 Meter

Titelverteidiger Marcell Jacobs ist der Gejagte

Mit dem Titelverteidiger und Jahresbestem Marcell Jacobs (Italien; 9,96 sec) sowie Romell Glave (Großbritannien; 9,97 sec) reisen die beiden schnellsten Europäer des Jahres nach Birmingham. Direkt dahinter folgt bereits Owen Ansah (Hamburger SV). Der Deutsche Meister über 100 und 200 Meter verbesserte Anfang Juni seinen eigenen Deutschen Rekord auf 9,98 Sekunden und zählt damit zum erweiterten Favoritenkreis.

Das britische Team ist neben Romell Glave mit dem Vierten und dem Sechsten der europäischen Jahresbestenliste Jeremiah Azu (10,00 sec) und Louie Hinchliffe (10,01 sec) in der Breite hervorragend besetzt und darf vor heimischem Publikum auf zusätzliche Unterstützung bauen. Aus deutscher Sicht komplettieren der Deutsche Vizemeister Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar; 10,06 sec), der in der Meldeliste auf Position sechs geführt wird, und der für Yannick Wolf (Munich Athletics) nachgerückte Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV; 10,15 sec) das DLV-Aufgebot. Gelingt Owen Ansah ein Lauf auf dem Niveau seines Deutschen Rekords, könnte er im Finale eine gute Rolle spielen.

Titelverteidiger: Marcell Jacobs (Italien; 10,02 sec)
Jahresbester: Marcell Jacobs (Italien; 9,96 sec)
DLV-Starter: Owen Ansah (Hamburger SV), Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV), Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar)


200 Meter

Zharnes Hughes mit Heimvorteil

Mit Zharnel Hughes (Großbritannien; 20,04 sec) führt ein Lokalmatador und der Europameister von 2022 die europäische Jahresbestenliste an. Zu seinen größten Herausforderern zählen Eseosa Fostine Desalu (Italien; 20,11 sec) und Owen Ansah (Hamburger SV; 20,13 sec). Der zweimalige Deutsche Meister reist sowohl über 100 als auch über 200 Meter als Nummer drei Europas nach Birmingham. Ebenfalls zum erweiterten Favoritenkreis zählen der Belgier Antoine Snyders (20,24 sec) und der Ire Sean Aigboboh (20,27 sec). Titelverteidiger Timothé Mumenthaler (Schweiz) geht mit einer Saisonbestzeit von 20,31 Sekunden an den Start.

Komplettiert wird das deutsche Aufgebot vom Deutschen Rekordhalter Joshua Hartmann (ASV Köln; SB 20,43 sec) und Kameron Horton (Cologne Athletics). Kameron Horton rangiert mit seiner Saisonbestzeit von 20,29 Sekunden ebenfalls unter den zehn schnellsten Europäern des Jahres. Damit reist das DLV-Trio mit berechtigten Hoffnungen auf ein starkes EM-Ergebnis nach Birmingham.

Titelverteidiger: Timothé Mumenthaler (Schweiz; 20,28 sec)
Jahresbester: Zharnel Hughes (Großbritannien; 20,04 sec)
DLV-Starter: Owen Ansah (Hamburger SV), Joshua Hartmann (ASV Köln), Kameron Horton (Cologne Athletics)


400 Meter

Europarekordler Matthew Hudson-Smith in der Poleposition

Vor heimischem Publikum gehört der Olympia-Zweite Matthew Hudson-Smith (Großbritannien; 44,09 sec) zu den großen Favoriten. Dahinter lauern mit Samuel Vessat (Frankreich; 44,24 sec), Attila Molnár (Ungarn; 44,47 sec) und Muhammad Abdallah Kounta (Frankreich; 44,55 sec) gleich mehrere Langsprinter, die sich Hoffnungen auf eine Medaille machen dürfen. Mit Ben Jefferies (Großbritannien; 44,66 sec) und Charles Dobson (Großbritannien; 44,69 sec) stellt das Gastgeberland zudem zwei weitere Läufer, die bereits unter 44,70 Sekunden geblieben sind.

Mitten in diesem Feld steht auch der Deutsche Meister Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg; 44,72 sec). Der 26-Jährige reist zeitgleich mit dem Niederländer Jonas Phijffers als Nummer acht der europäischen Jahresbestenliste nach Birmingham, liegt nur wenige Hundertstelsekunden hinter Charles Dobson und darf bei einem Lauf auf dem Niveau seiner Saisonbestzeit vom Finale träumen. Komplettiert wird das DLV-Aufgebot von Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel; 45,08 sec). Für den Niedersachsen steht in Birmingham der erste Einzelstart bei einer großen internationalen Meisterschaft an.

Titelverteidiger: Alexander Doom (Belgien; 44,15 sec)
Jahresbester: Matthew Hudson-Smith (Großbritannien; 44,09 sec)
DLV-Starter: Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg), Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel)


800 Meter

Ein Rennen ohne klaren Favoriten

Die 800 Meter der Männer versprechen eines der spannendsten Rennen der EM zu werden. Zwischen dem Jahresbesten Mark English (Irland; 1:42,97 min) und dem Zweitschnellsten Max Burgin (Großbritannien) liegt gerade einmal eine Hundertstelsekunde. Mit Ben Pattison (Großbritannien; 1:43,34 min), David Barroso (Spanien; 1:43,60 min) und Francesco Pernici (Italien; 1:43,60 min) bringen gleich mehrere Athleten Medaillenpotenzial mit nach Birmingham. Titelverteidiger Gabriel Tual (Frankreich) reist mit einer Saisonbestzeit von 1:43,66 Minuten an und zählt mit seiner internationalen Erfahrung erneut zum Favoritenkreis.

Aus deutscher Sicht steht Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen; 1:45,13 min) vor seiner ersten Freiluft-EM bei den Männern. Der 21-Jährige trifft auf ein Feld voller internationaler Spitzenläufer und will die Chance nutzen, sich auf großer Bühne zu beweisen. Dass der Deutsche Meister für eine Überraschung gut sein kann, bewies er vergangenes Wochenende mit der Steigerung seiner 400-Meter-Bestzeit auf 46,19 Sekunden. Das zeigt: Das Tempo für eine schnelle Zielgerade ist da.

Titelverteidiger: Gabriel Tual (Frankreich; 1:44,87 min)
Jahresbester: Mark English (Irland; 1:42,97 min)
DLV-Starter: Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen)


1.500 Meter

Gute Ausgangsposition für Robert Farken

Mit Meilen-Weltrekordler Josh Kerr (Großbritannien) und Titelverteidiger Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) fehlen über 1.500 Meter gleich zwei der größten Namen Europas. Josh Kerr hatte die Europameisterschaften von Beginn an nicht in seine Saisonplanung aufgenommen und sich stattdessen auf die Commonwealth Games konzentriert, während Jakob Ingebrigtsen nach einer Verletzungspause seinen Fokus in Birmingham auf die 5.000 Meter legt. Damit ist der Weg frei für einen neuen Europameister.

Die Favoritenrolle übernehmen nun Azzedine Habz (Frankreich; 3:29,80 min) und Jake Wightman (Großbritannien; 3:29,95 min), aber auch Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig). Der Deutsche Rekordhalter reist mit einer Saisonbestzeit von 3:30,09 Minuten als Nummer drei der Meldeliste nach Birmingham und darf von einer Medaille träumen. Zum Favoritenkreis zählen natürlich auch Weltmeister Isaac Nader (Portugal; 3:30,43 min) und Paul Anselmini (Frankreich; 3:31,36 min). Komplettiert wird das deutsche Aufgebot von Marc Tortell (Athletics Team Karben), der sich mit einer Saisonbestzeit von 3:33,76 Minuten für den EM-Start empfehlen konnte.

Titelverteidiger: Jakob Ingebrigtsen (Norwegen; 3:31,95 min)
Jahresbester: Josh Kerr (Großbritannien; 3:27,62 min)
DLV-Starter: Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig), Marc Tortell (Athletics Team Karben)


5.000 Meter

Jakob Ingebrigtsen kehrt zurück, Mohamed Abdilaahi muss passen

In der Meldeliste steht Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) ganz hinten, für seine Chancen bedeutet das jedoch wenig. Der Titelverteidiger hat aufgrund einer Achillessehnenoperation in dieser Saison noch kein einziges Rennen bestritten und startet deshalb ohne Saisonbestzeit per Wildcard. In Birmingham konzentriert sich Jakob Ingebrigtsen vollständig auf diese Strecke und gehört trotz fehlender Wettkampfpraxis erneut zu den großen Goldfavoriten.

Die schnellste Zeit der gemeldeten Athleten aus 2026 bringt Dominic Lobalu (Schweiz; 12:52,54 min) mit. Dahinter ist die Spitze eng zusammengerückt: Angeführt wird diese von Florian Bremm (Franconia Athletics; 12:56,80 min) und 10.000-Meter-Weltmeister Jimmy Gressier (Frankreich; 12:57,79 min). Europarekordler Andreas Almgren (Schweden), mit 12:48,61 Minuten in diesem Jahr schnellster Europäer, konzentriert sich auf die 10.000 Meter. Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics; 12:57,90 min) muss leider auf einen Start in Birmingham verzichten. Eine Fußverletzung bremst den Deutschen Rekordler aus.

Titelverteidiger: Jakob Ingebrigtsen (Norwegen; 13:20,11 min)
Jahresbester: Andreas Almgren (Schweden; 12:48,61 min)
DLV-Starter: Florian Bremm (Franconia Athletics)


10.000 Meter

Offenes Rennen über 25 Runden

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics; 26:56,58 min) fehlt der schnellste Europäer des Jahres über 10.000 Meter. Damit rücken der Titelverteidiger Dominic Lobalu (Schweiz), der zweitschnellste Läufer dieser Saison Mike Foppen (Niederlande; 27:20,52 min) und Andreas Almgren (Schweden) stärker in den Fokus. Der Schwede bringt mit 26:52,87 Minuten die schnellste persönliche Bestzeit des Feldes mit.

Damit sind längst nicht alle Favoriten genannt: Denn mit Jimmy Gressier (Frankreich) will der amtierende 10.000-Meter-Weltmeister auch im kontinentalen Vergleich ganz nach vorn laufen. Obwohl der 29-Jährige in diesem Jahr die 25 Stadionrunden noch nicht bestritten hat, deuten seine Zubringerleistungen auf eine Top-Form und ein mögliches Titelrennen mit Andreas Almgren hin. Dahinter wollen München-Europameister Yemaneberhan Crippa (Italien) und Isaac Kimeli (Belgien) ihre Medaillenchance nutzen. Nach dem Ausfall von Mohamed Abdilaahi findet das Rennen ohne deutsche Beteiligung statt.

Titelverteidiger: Dominic Lobalu (Schweiz; 28:00,32 min)
Jahresbester: Mohamed Abdilaahi (Cologne Athletics; 26:56,58 min)
DLV-Starter: keiner


110 Meter Hürden

Fünf Hürdensprinter innerhalb von fünf Hundertsteln

Über 110 Meter Hürden fehlt mit Michael Obasuyi (Belgien; 13,10 sec) der schnellste Europäer des Jahres. Auch Titelverteidiger Lorenzo Simonelli (Italien) steht nicht auf der Meldeliste. Damit bietet das Rennen um den Titel viele Möglichkeiten. Angeführt wird das Feld von Just Kwaou-Mathey (Frankreich; 13,20 sec), der als Nummer zwei der europäischen Jahresbestenliste nach Birmingham reist. Zwischen dem Franzosen und dem Fünften der Meldeliste, Theo Pedre (Frankreich; 13,25 sec), liegen lediglich fünf Hundertstelsekunden. Dazwischen haben sich Jason Joseph (Schweiz; 13,24 sec) sowie Enzo Diessl (Österreich; 13,25 sec) und Elie Bacari (Belgien; 13,25 sec) eingereiht. Enger könnte die Ausgangslage kaum sein.

Für Deutschland geht Gregory Minoué (Tracksrunner Bonn; 13,51 sec) an den Start. Der 23-Jährige trifft in Birmingham auf ein dicht besetztes Feld, in dem bereits kleine Fehler über Weiterkommen oder Ausscheiden entscheiden können. Gelingt Gregory Minoué ein Lauf im Bereich seiner Saisonbestzeit, könnte er sich im Rennen um die Halbfinals behaupten. Insgesamt sind elf Hürdensprinter mit Saisonbestzeiten von 13,30 Sekunden und schneller gemeldet.

Titelverteidiger: Lorenzo Simonelli (Italien; 13,05 sec)
Jahresbester: Michael Obasuyi (Belgien; 13,10 sec)
DLV-Starter: Gregory Minoué (Tracksrunner Bonn)


400 Meter Hürden

Deutsches Duo fordert Karsten Warholm

Am dreimaligen Welt- und Europameister Karsten Warholm (Norwegen; 46,61 sec) führt auch in Birmingham kaum ein Weg vorbei. Der Titelverteidiger steht erneut an der Spitze der europäischen Jahresbestenliste. Im Alexander Stadium will er sein viertes EM-Gold in Folge nach Berlin 2018, München 2022 und Rom 2024 perfekt machen. Doch direkt dahinter folgen zwei deutsche Hoffnungen: Emil Agyekum (SCC Berlin; 47,45 sec) reist nach seinem Deutschen Rekord als Nummer zwei Europas an, Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV; 48,08 sec) ist der drittschnellste gemeldete Langhürdler. Damit geht das DLV-Duo als erste Verfolger des großen Favoriten ins Rennen.

Besonders Emil Agyekum hat mit seinem Rekordlauf beim Diamond-League-Meeting in London gezeigt, dass er bereit ist, in neue Dimensionen vorzustoßen. Owe Fischer-Breiholz kennt das Gefühl, bei internationalen Meisterschaften ganz oben zu stehen: 2025 gewann er den U23-EM-Titel und später auch die Deutschen Meisterschaften der Männer. Hinter dem Spitzentrio lauern unter anderem Jesús David Delgado (Spanien; 48,11 sec), Carl Bengtström (Schweden; 48,11 sec) und Matic Ian Guček (Slowenien; 48,16 sec). Zehn EM-Starter bringen Saisonbestzeiten von unter 48,50 Sekunden mit. Das zeigt die starke Breite der europäischen Läufer in dieser Disziplin.

Titelverteidiger: Karsten Warholm (Norwegen; 46,98 sec)
Jahresbester: Karsten Warholm (Norwegen; 46,61 sec)
DLV-Starter: Emil Agyekum (SCC Berlin), Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV)


3.000 Meter Hindernis

Deutsches Trio gibt den Ton an

Ein deutsches Duell könnte die Entscheidung über 3.000 Meter Hindernis prägen. Europarekordler Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen; 7:57,80 min) und Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898; 8:05,55 min) belegen die ersten beiden Plätze der europäischen Jahresbestenliste. Frederik Ruppert durchbrach im Mai als erster Europäer die Acht-Minuten-Marke, Karl Bebendorf unterstrich seine starke Saison zuletzt mit seinem siebten deutschen Meistertitel. Mit Niklas Buchholz (Franconia Athletics; 8:15,27 min) zählt zudem ein dritter DLV-Läufer zu den besten acht Europäern des Jahres.

Die ersten internationalen Verfolger sind allen voran Daniel Arce (Spanien; 8:11,42 min) und Nicolas-Marie Daru (Frankreich; 8:11,81 min). Titelverteidiger Alexis Miellet (Frankreich) reist mit einer Saisonbestzeit von 8:21,41 Minuten an, hat bei Meisterschaftsrennen aber bereits bewiesen, dass mit ihm zu rechnen ist. Auch Ruben Querinjean (Luxemburg; 8:14,22 min) sollte man auf der Rechnung haben. Die Ausgangslage ist dennoch außergewöhnlich: Gleich drei deutsche Läufer zählen in Birmingham zum Kreis der Medaillenkandidaten. Letztmals ganz oben auf dem EM-Podest über 3.000 Meter Hindernis stand 1998 ein deutscher Läufer: Der frühere Deutsche Rekordler Damian Kallabis war in Budapest (Ungarn) nicht zu schlagen. Damals waren Frederik Ruppert und Karl Bebendorf ein beziehungsweise zwei Jahre alt.

Titelverteidiger: Alexis Miellet (Frankreich; 8:14,01 min)
Jahresbester: Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen; 7:57,80 min)
DLV-Starter: Karl Bebendorf (Dresdner SC), Niklas Buchholz (Franconia Athletics), Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen)

EM 2026 Birmingham

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