Mehr als 1.600 Athletinnen und Athleten aus 49 Nationen: Das Alexander Stadium von Birmingham empfängt vom 10. bis 16. August die besten Leichtathletinnen und Leichtathleten Europas. Wer sind die Favoritinnen? Die Hoffnungsträgerinnen? Und mit welchen Erwartungen gehen die DLV-Athletinnen in diese Titelkämpfe? Wir werfen eine Blick voraus. Heute: Die Entscheidungen auf der Bahn in den Einzeldisziplinen der Frauen.
100 Meter
Drei unter elf Sekunden
Drei europäische Sprinterinnen sind in dieser Saison bislang unter elf Sekunden geblieben. Europas Nummer eins ist seit den Schweizer Meisterschaften in Zürich am letzten Juli-Wochenende Géraldine Di Tizio-Frey. Die 29-Jährige brachte im Letzigrund-Stadion 10,96 Sekunden auf die Bahn. Mit einer Extra-Portion Rückenwind tritt bei ihrem Heimspiel Amy Hunt an. Die Britin, deren Saison-Bestzeit seit dem Diamond-League-Meeting in Stockholm (Schweden) Anfang Juni bei 10,97 Sekunden steht, holte vor wenigen Tagen bei den Commonwealth Games in Glasgow (Schottland) Silber und bestätigte ihre Bestzeit in 10,98 Sekunden.
Dritte Sub-11-Sekunden-Sprinterin des Jahres ist die amtierende EM-Zweite Ewa Swoboda (Polen). Die frühere Hallen-Europameisterin knackte sowohl vor Heimpublikum in Warschau (10,99 sec) als auch in Zagreb (Kroatien; 10,98 sec) die magische Schallmauer. Titelverteidigerin Dina Asher-Smith (Großbritannien; 11,13 sec) und Hallen-Weltmeisterin Zaynab Dosso (Italien; 11,07 sec) ist das in diesem Jahr noch nicht gelungen.
Das deutsche Trio geht mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen. Die erfahrene Rebekka Haase hat Anfang Juni ihre neun Jahre alte Bestzeit auf 11,04 Sekunden geschraubt und ist damit Nummer sieben der Meldeliste, konnte dieses Niveau aber zuletzt nicht mehr abrufen. Für U23-Athletin Chelsea Kadiri (beide Sprintteam Wetzlar; 11,17 sec) ist der erste Start bei den "Großen" eine ganz neue Erfahrung. Und München-Europameisterin Gina Lückenkemper (SCC Berlin; 11,21 sec) hofft, nachdem sie zuletzt durch einen Zeckenbiss ausgebremst wurde, pünktlich zum Saison-Höhepunkt wieder in Fahrt zu kommen. Die DLV-Athletinnen werden zudem auf eine alte Bekannte treffen: Tatjana Pinto, mittlerweile im Trikot Portugals unterwegs, zählt mit einer Saison-Bestzeit von 11,02 Sekunden zu den Favoritinnen.
Titelverteidigerin: Dina Asher-Smith (Großbritannien; 10,99 sec)
Jahresbeste: Géraldine Di Tizio-Frey (Schweiz; 10,96 sec)
DLV-Starterinnen: Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar), Chelsea Kadiri (Sprintteam Wetzlar), Gina Lückenkemper (SCC Berlin)
200 Meter
Britinnen in der Poleposition
Die ersten drei Namen in der Meldeliste gehören jeweils Britinnen. Dina Asher-Smith, Weltmeisterin von 2019 und zweimalige Europameisterin über dieser Strecke, bringt mit 22,28 Sekunden die beste Meldezeit mit. Dicht auf den Fersen ist ihr jedoch die amtierende WM-Zweite Amy Hunt, die über beide Sprintstrecken zu den Top-Favoritinnen zählt. Das starke britische Trio komplettiert die erst 21 Jahre alte Success Eduan (22,43 sec).
Alle drei waren damit schneller als Mujinga Kambundji vor zwei Jahren bei ihrem Sieg. Die Schweizerin gibt in Birmingham ihr internationales Comeback nach einer Babypause. In ihrem bisher einzigen Rennen seit der Geburt ihres Sohnes im zurückliegenden November legte sie die halbe Stadionrunde in 23,37 Sekunden zurück. Für die EM hat sie sich sicher eine Steigerung vorgenommen. Mit U23-Athletin Fabienne Hönke, die schon 22,50 Sekunden angeboten hat, stellt die Schweiz dennoch die Nummer vier der Meldeliste, nicht weit dahinter (22,69 sec) folgt schon die Dritte im Bunde, Léonie Pointet. Zu beachten sind ganz sicher auch die Irin Rhasidat Adeleke und die Spanierin Jael Bestue, die in diesem Jahr noch nicht ganz an ihre Bestzeiten von 22,34 beziehungsweise 22,19 Sekunden herangekommen sind.
Aber auch die drei deutschen Sprinterinnen wollen sich teuer verkaufen. Sophia Junk (LG Rhein-Wied), im Vorjahr schon drittbeste Europäerin bei der WM, kann mit einem Resultat im Bereich ihrer Saisonbestzeit (22,76 sec) auf einen Finalplatz schielen. Das gilt bei ihrem ersten Einsatz im Erwachsenenbereich auch für U20-Europameisterin Judith Mokobe (USC Mainz), die bei den Deutschen Meisterschaften trotz starkem Gegenwind 22,78 Sekunden auf die Bahn trommelte. Talea Prepens (TV Cloppenburg) möchte sicher gern an ihren EM-Auftritt vor zwei Jahren in Rom anknüpfen. Zu ihrer damals erzielten Bestzeit von 22,83 Sekunden fehlen der Olympia-Vierten im Zweierbob dieses Jahr nur drei Hundertstelsekunden.
Titelverteidigerin: Mujinga Kambundji (Schweiz; 22,49 sec)
Jahresbeste: Dina Asher-Smith (Großbritannien; 22,28 sec)
DLV-Starterinnen: Sophia Junk (LG Rhein-Wied), Judith Bilepo Mokobe (USC Mainz), Talea Prepens (TV Cloppenburg)
400 Meter
Eine Norwegerin ist die Gejagte
U23-Europameisterin Henriette Jæger ist auch in der Frauenklasse ganz oben angekommen: Mit 49,15 Sekunden führt die Norwegerin, die schon bei den Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen im Finale stand, die Meldeliste an. Auf den Fersen ist der 23-Jährigen jedoch eine Athletin, die noch zwei Jahre jünger ist: Lurdes Gloria Manuel (49,37 sec). Die Tschechin überraschte im Frühjahr die Weltelite mit Gold bei den Hallen-Weltmeisterschaften.
Ebenfalls immer für eine Medaille gut ist Hallen-Europameisterin Lieke Klaver (Niederlande; 49,58 sec). Die vierte Langsprinterin, die in diesem Jahr die 50 Sekunden unterboten hat, kommt aus dem Gastgeberland: Yemi Mary John (49,85 sec), im vergangenen Jahr Zweite bei den U23-Europameisterschaften hinter Henriette Jæger. Auch die weitere Britin Amber Anning und Titelverteidigerin Natalia Bukowiecka können deutlich unter 50 Sekunden laufen, wenngleich ihnen das in diesem Jahr noch nicht gelungen ist. Bukowiecka blieb vor zwei Jahren bei ihrem Sieg sogar unter der 49-Sekunden-Marke.
Erstmals die 51-Sekunden-Marke geknackt hat in diesem Sommer Johanna Martin (1. LAV Rostock). Die U20-Vize-Europameisterin rannte bei der U23-DM mit 50,57 Sekunden die beste Zeit einer deutschen Langsprinterin seit Grit Breuer im Jahr 2001 und rangiert in der Meldeliste immerhin auf Platz zwölf. Die Abiturientin hat bei den World Relays und der WM in Tokio (Japan) schon mit Staffel-Einsätzen Erfahrung gesammelt und freut sich nun auf ihren ersten Einzelstart im Konzert der Großen.
Titelverteidigerin: Natalia Bukowiecka (Polen; 48,98 sec)
Jahresbeste: Henriette Jæger (Norwegen; 49,15 sec)
DLV-Starterin: Johanna Martin (1. LAV Rostock)
800 Meter
Keely Hodgkinson vor Heimpublikum gefordert
Die 800 Meter explodieren. Von Jahr zu Jahr werden die Mittelstrecklerinnen immer schneller. Nach ihrem Hallen-Weltrekord (1:54,87 min) schien für Olympiasiegerin Keely Hodgkinson der Weg frei für eine erfolgreiche Freiluftsaison, gekrönt von der Titelverteidigung beim Heimspiel. Doch die Konkurrenz macht es der Britin nicht einfach. Allen voran Audrey Werro. Die Schweizerin sorgte bei den Diamond-League-Meetings in Stockholm (Schweden; 1:53,98 min) und Paris (Frankreich; 1:53,80 min) für Staunen. Sie katapultierte sich in der ewigen Weltbestenliste auf Rang drei.
Im Sog der erst 22-Jährigen steigerte sich Keely Hodgkinson in Stockholm auf 1:54,33 Minuten. In Paris war es Femke Broeders-Bol (Niederlande), die vom hohen Tempo der Schweizerin profitierte. Die 400-Meter-Hürden-Europarekordlerin ist mit ihrer neuen Bestzeit von 1:55,60 Minuten im Kreis der weltbesten 800-Meter-Läuferinnen angekommen. Diese drei Athletinnen werden im Alexander Stadium im Rampenlicht stehen. Erste Verfolgerinnen des Trios sind zwei Französinnen: Anais Bourgoin (1:55,65 min), die vor zwei Jahren Bronze holte, und die dreimalige Vize-Europameisterin Renelle Lamote (1:56,93 min).
Die genannten Zeiten untermauern das hohe Niveau der Disziplin. Vor zwei Jahren in Rom lief Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) mit 1:58,74 Minuten Bestzeit, die sie später bei den Olympischen Spielen auf 1:58,52 Minuten schraubte. Damals wurde sie EM-Fünfte. Mit 1:58,67 Minuten war die 26-Jährige in diesem Jahr ähnlich schnell unterwegs wie 2024, liegt aber dennoch "nur" auf Platz zwölf der Meldeliste. Dicht dahinter folgt Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt), die sich in diesem Jahr auf 1:58,99 Minuten gesteigert hat.
U20-Europameisterin Jana Becker (Königsteiner LV) reist mit einer Saisonbestzeit von 2:00,20 Minuten an, hat die magische Zwei-Minuten-Marke aber im vergangenen Jahr mit 1:59,59 Minuten unterboten und ist hochmotiviert für ihr Debüt bei den Erwachsenen. Die gerade 20-Jährige hat in dem Extraklasse-Feld nichts zu verlieren. Dass sie sich auch in Rennen mit starker Konkurrenz teuer verkaufen kann, hat sie schon oft genug bewiesen, ist aber (natürlich) in ihrem jungen Alter nicht vor taktischen Fehlern gefeit.
Titelverteidigerin: Keely Hodgkinson (Großbritannien; 1:58,65 min)
Jahresbeste: Audrey Werro (Schweiz; 1:53,80 min)
DLV-Starterinnen: Jana Marie Becker (Königsteiner LV), Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt), Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler)
1.500 Meter
Georgia Hunter-Bell mit Rückenwind
Erst vor wenigen Tagen bezwang Georgia Hunter-Bell bei den Commonwealth Games über 800 Meter Weltmeisterin Lilian Odira aus Kenia und sicherte sich Gold auf der Unterdistanz. Die Britin wird also mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen nach Birmingham weiterreisen. Mit 3:55,63 Minuten führt sie die europäische Jahresbestenliste vor Hallen-Europameisterin Agathe Guillemot (Frankreich; 3:56,24 min) an. Dritte der Meldeliste ist die portugiesische Aufsteigerin Patricia Silva, die vergangenes Jahr überraschend Hallen-WM-Bronze über 800 Meter gewann und in diesem Jahr mit 3:58,74 Minuten über 1.500 Meter erstmals unter vier Minuten blieb.
Saison-Bestmarken unter vier Minuten bringen auch die Polin Klaudia Kazimierska (3:59,24 min) und die Litauerin Gabija Galvydyté (3:59,74 min) mit. Dahinter lauern die beiden weiteren Britinnen Laura Muir (4:00,77 min) und Katie Snowden (4:00,91 min). Vor allem Muir sollte man nie abschreiben: Sie gewann auf dieser Strecke schon Olympia-Silber, WM-Bronze und zwei EM-Titel. Die Athletin, die 2024 den Titel holte, wird aus traurigen Gründen fehlen: Ciara Mageean (Irland) kämpft seit dem vergangenen Jahr gegen den Krebs und befindet sich zurzeit in Chemotherapie. Bei aller Konkurrenz werden viele Läuferinnen sicher an die Disziplinkollegin denken und ihr nur das Beste wünschen. Deutsche Läuferinnen sind über 1.500 Meter diesmal nicht am Start.
Titelverteidigerin: Ciara Mageen (Irland; 4:04,66 min)
Jahresbeste: Georgia Hunter-Bell (Großbritannien; 3:55,63 min)
DLV-Starterinnen: keine
5.000 Meter
Nadia Battocletti auf Mission Titelverteidigung
Vor zwei Jahren feierte Nadia Battocletti vor Heimpublikum in Rom ein umjubeltes Double über 5.000 und 10.000 Meter. Zu gern würde die Italienerin diesen Coup wiederholen. Einen Strich durch die Rechnung machen könnte ihr vor allem Maureen Koster. Die Niederländerin hat sich im Alter von 34 Jahren auf die neue Bestzeit von 14:33,56 Minuten gesteigert. Für die acht Jahre jüngere Battocletti stehen in diesem Sommer bislang 14:40,05 Minuten zu Buche, in Bestform war sie schon 17 Sekunden schneller.
Neben der Irin Sarah Healy (14:48,88 min) zählen auch zwei Britinnen zu den Medaillen-Kandidatinnen: Hannah Nuttall und die erst 20 Jahre alte Innes Fitzgerald haben beide auch das Potenzial für Zeiten unter 15 Minuten. In Richtung dieser Marke möchte sich auch Vanessa Mikitenko (Silvesterlauf Trier) entwickeln. Die Bestleistung der U23-Vize-Europameisterin und frisch gekürten Deutschen Meisterin steht bei 15:18,77 Minuten. Sie hat sich über das Ranking für ihre erste EM bei den Erwachsenen qualifiziert, bei der sie wertvolle Erfahrung sammeln kann.
Titelverteidigerin: Nadia Battocletti (Italien; 14:35,29 min)
Jahresbeste: Maureen Koster (Niederlande; 14:33,56 min)
DLV-Starterinnen: Vanessa Mikitenko (Silvesterlauf Trier)
10.000 Meter
Rechnung mit mehreren Unbekannten
Auch über 10.000 Meter führt Maureen Koster die Meldelisten an. Dicht auf den Fersen ist der Niederländerin jedoch die Belgierin Jana van Lent mit 30:51,18 Minuten. Auf Position drei der Meldeliste folgt dann schon Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen; 31:32,25 min), die vor zwei Jahren bereits EM-Neunte war. Ihr starkes Resultat hat sie jedoch bereits Ende März erzielt, danach konnte die Tübingerin mit einigen starken Unterdistanzleistungen aufwarten, wenngleich nicht jedes Rennen nach Wunsch verlief. Das gilt auch für Vereinskollegin Eva Dieterich, die mit 32:23,61 Minuten noch ein Stück von ihrer Bestmarke (31:45,18 min) entfernt ist.
Zudem haben einige der Favoritinnen in diesem Jahr noch gar kein 10.000-Meter-Rennen bestritten. Neben Titelverteidigerin Nadia Battocletti zählt dazu auch die Europarekordlerin im 10-Kilometer-Straßenlauf Klara Lukan. Die Slowenin ist auf der Straße schon 29:51 Minuten gelaufen. Auch die beiden weiteren Belgierinnen, Halbmarathon-Europameisterin Chloé Herbiet und Lisa Rooms, beide noch ohne Bahn-Resultat in diesem Jahr, haben mehr drauf, als die Meldelisten vermuten lassen.
Titelverteidigerin: Nadia Battocletti (Italien; 30:51,32 min)
Jahresbeste: Maureen Koster (Niederlande; 30:50,31 min)
DLV-Starterinnen: Eva Dieterich (LAV Stadtwerke Tübingen), Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen)
100 Meter Hürden
Nadine Visser vor der Krönung?
Zweimal Hallen-Europameisterin, zweimal Hallen-EM-Zweite, zwei Medaillen bei Hallen-Weltmeisterschaften. So die internationale Medaillen-Ausbeute von Nadine Visser. Die Niederländerin hat trotz ihrer absoluten Weltklasse-Bestzeit von 12,28 Sekunden noch nie eine Einzelmedaille unter freiem Himmel gewonnen. Bei den Europameisterschaften 2018 und 2022 wurde sie jeweils Vierte, 2024 Fünfte. Diese Bilanz möchte die 31-Jährige nun aufbessern. Mit 12,41 Sekunden geht sie als Jahresschnellste an den Start.
Dicht auf den Fersen ist ihr jedoch die Europameisterin von 2022 Pia Skrzyszowska (Polen; 12,44 sec). Damit sind die beiden auf dem Papier klar die stärksten Hürdensprinterinnen, zumal Titelverteidigerin Cyréna Samba-Mayela sich nach einer Verletzung noch nicht fit genug für die EM fühlt. Verletzungsprobleme hatte auch Weltmeisterin Ditaji Kambundji. Die Schweizerin ist seit Ende Mai nicht mehr gestartet, ihre Saisonbestzeit steht bei 12,62 Sekunden. Damit liegt sie in der Meldeliste hinter Sacha Alessandrini (Frankreich; 12,53 sec), Luca Kozak (Ungarn; 12,59 sec) und Laeticia Bapté (Frankreich; 12,60 sec).
Mit 12,69 Sekunden hat sich bei den Deutschen Meisterschaften Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen) ins Rampenlicht geschoben. Die 24-Jährige steigerte ihre Bestzeit damit gleich um 22 Hundertstel. Auch die beiden weiteren DLV-Hürdensprinterinnen haben in diesem Jahr famose Steigerungen hingelegt und stehen sinnbildlich für den Aufschwung der Disziplin, wenngleich zur absoluten europäischen Spitze noch ein Stück fehlt. Rosina Schneider (TV Sulz) präsentierte sich mit den sechs schnellsten Zeiten ihrer Karriere und der Bestmarke von 12,77 Sekunden am konstantesten. Lia Flotow (1. LAV Rostock) verbesserte sich von Rennen zu Rennen und ist als Dritte der Deutschen Meisterschaften nun bei 12,83 Sekunden angekommen. Das Trio kann geschlossen den Halbfinal-Einzug anpeilen.
Titelverteidigerin: Cyréna Samba-Mayela (Frankreich; 12,31 sec)
Jahresbeste: Nadine Visser (Niederlande; 12,41 sec)
DLV-Starterinnen: Lia Flotow (1. LAV Rostock), Rosina Schneider (TV Sulz), Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen)
400 Meter Hürden
Weg frei für Emma Zapletalova
Femke Broeders-Bol hat den 400 Meter Hürden den Rücken gekehrt und sich den 800 Metern zugewandt. So steht fest, dass es nach zwei Titeln der Dominatorin eine neue Europameisterin geben wird. Die besten Chancen kann sich Emma Zapletalova ausrechnen. Die Slowakin läutete im vergangenen Jahr mit WM-Bronze ihren Aufstieg ein und ist mit 52,30 Sekunden mittlerweile die Nummer zwei der ewigen europäischen Bestenliste. Auf ihre ersten Verfolgerinnen Paulien Couckuyt (Belgien; 53,90 sec) und U23-Europameisterin Emily Newnham (Großbritannien; 53,92 sec) hat sie mehr als anderthalb Sekunden Vorsprung.
Mit niedrigen 54er-Zeiten konnten auch die amtierende Vize-Europameisterin Louise Maraval (Frankreich) und Amalie Iuel (Norwegen; beide 54,05 sec) glänzen. Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) hat sich mit 54,67 Sekunden am Samstag in Oordegem (Belgien) pünktlich zum Saison-Höhepunkt in Position gebracht. Für die in Großbritannien geborene Langhürdlerin ist die EM ein halbes Heimspiel. Wenn die Stimmung beflügelt und die 28-Jährige den Aufwärtstrend fortsetzen kann, ist das Finale nicht außer Reichweite.
Mit Vanessa Baldé (Hamburger SV) ist auch eine zweite deutsche Athletin mit von der Partie. Sie hat im vergangenen Jahr als Zweite der U23-EM schon bewiesen, dass sie in internationalen Rennen förmlich explodieren kann. Jedoch hat die Hamburgerin eine lange Collegesaison in den USA hinter sich. Es bleibt abzuwarten, ob die 23-Jährige in Birmingham in den Bereich ihrer Bestzeit von 55,36 Sekunden vorstoßen kann.
Titelverteidigerin: Femke Broeders-Bol (Niederlande; 52,49 sec)
Jahresbeste: Emma Zapletalova (Slowakei; 52,30 sec)
DLV-Starterinnen: Vanessa Baldé (Hamburger SV), Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg)
3.000 Meter Hindernis
Ein starkes DLV-Trio auf Medaillenjagd
Wohl in keiner Disziplin sind die deutschen Läuferinnen in der Breite so stark wie über die Hindernisse. Gesa Krause (Silvesterlauf Trier), Lea Meyer (VfL Löningen) und Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier) rangieren auf den Plätzen zwei, drei und sechs der Meldeliste. Insbesondere Gesa Krause scheint in diesem Jahr stark wie nie: Die 34-Jährige stellte neue Bestzeiten über 1.500 und 3.000 Meter auf und lief über die Hindernisse in 9:07,50 Minuten die zweitbeste Zeit ihrer erfolgreichen Karriere. Nur bei ihrem Deutschen Rekord, der ihr 2019 WM-Bronze bescherte, war sie noch vier Sekunden schneller gewesen. Zuletzt steigerte sie beim Gewinn des deutschen Meistertitels in Bochum-Wattenscheid ihren eigenen Meisterschaftsrekord.
Lea Meyer war Anfang Juli beim Diamond-League-Meeting in Eugene (USA) in 9:09,13 Minuten schneller denn je. Und Olivia Gürth kommt nach holprigem Saisonbeginn immer besser in Fahrt. Ihre Saisonbestzeit steht bei 9:21,73 Minuten, bei den Deutschen Meisterschaften wurde sie Zweite hinter ihrer Vereinskollegin. Ihr Hausrekord von 9:15,17 Minuten liegt in dem Bereich, in dem sich U23-Europameisterin Ilona Mononen (Finnland; 9;15,18 min) und die Französin Clara Entresangle (9:17,88 min) als Vierte und Fünfte der Meldeliste bewegen.
Eine Athletin war jedoch noch schneller als die starken DLV-Läuferinnen: Elise Thorner. Die Britin hat mit 9:05,45 Minuten und 9:07,49 Minuten die beiden stärksten Zeiten des Jahres angeboten und holte zuletzt in Bestzeit Silber bei den Commonwealth Games. Sicher will sie dieses Niveau bei der EM vor Heimpublikum wieder bestätigen. Immer auf der Rechnung haben muss man auch Europarekordlerin Alice Finot. Die Französin siegte vor zwei Jahren vor Gesa Krause. In diesem Jahr stehen für sie bislang 9:26,74 Minuten zu Buche.
Titelverteidigerin: Alice Finot (Frankreich; 9:16,22 min)
Jahresbeste: Elise Thorner (Großbritannien; 9:05,45 min)
DLV-Starterinnen: Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier), Gesa Krause (Silvesterlauf Trier), Lea Meyer (VfL Löningen)