Der Hamburger Sprinter Owen Ansah ist am Freitag bei der EM in Birmingham der 200-Meter-Konkurrenz davongerannt: Seinem starken Schlussspurt konnte auf der Zielgeraden niemand folgen. Einen neuen deutschen Rekord und die erste deutsche Zeit unter 20 Sekunden vereitelte der zu starke Rückenwind.
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Eine Medaille der Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien) hatte Owen Ansah (Hamburger SV) schon in der Tasche, als er am Freitag für das 200-Meter-Finale in den Startblock stieg: Bronze über 100 Meter. "Mein Trainer sagt immer, dass ich über 200 Meter noch besser bin", hatte er anschließend verkündet und damit weitere Medaillenambitionen durchblicken lassen. Im Alexander Stadium gelang ihm drei Tage später das wohl beste 200-Meter-Rennen seiner Karriere. Und niemand konnte mithalten.
Auf Position drei bog Owen Ansah auf die Zielgerade ein, dann konnte er auf den letzten 100 Metern seine große Stärke ausspielen. Nach 150 Metern war er mit der Spitze gleichauf, mit den letzten Schritten zog er auf und davon. Im Ziel zeigten die Uhren 19,95 Sekunden – sieben Hundertstel unter dem deutschen Rekord von Joshua Hartmann (ASV Köln). Bei irregulärem Rückenwind von 2,5 Metern pro Sekunde währte die Freude darüber nur kurz. Die Freude über die Goldmedaille, die dem 25-Jährigen anschließend um den Hals gehängt wurde, tröstete darüber ganz offensichtlich schnell hinweg. Es liegt 44 Jahre zurück, dass ein Deutscher über 200 Meter auf dem EM-Podium stand: 1982 wurde Olaf Prenzler für die DDR Europameister, auf Rang drei lief damals Frank Emmelmann (ebenfalls DDR) ins Ziel.
Die Silbermedaille ging an den Europameister von 2022 Zharnel Hughes (Großbritannien; 20,16 sec). Über die Bronzemedaille durften sogar zwei Athleten jubeln: Auf die Tausendstelsekunde zeitgleich überquerten nach 20,251 = 20,60 Sekunden Eseosa Fostine Desalu (Italien) und Timothé Mumenthaler (Schweiz) die Ziellinie.
Stimme zum Wettbewerb:
Owen Ansah (Hamburger SV):
Das ist ein unfassbar gutes Gefühl. Ich habe irgendwie die Europameisterschaft gebraucht, um mein Potenzial hier in Europa zu präsentieren. Der nächste Step ist es, der großen Welt zu zeigen, wer ich bin. Mein Trainer Sebastian Bayer wird bestimmt auch bei diesem Rennen noch etwas finden, bei dem er sagt: Das hat noch nicht so gut funktioniert. Daran werden wir arbeiten. Aber alles, was heute in mir drinsteckte, habe ich auf die Bahn gelegt. Ich bin einfach glücklich, dass ich die EM mit zwei Medaillen verlassen kann. Mit einer Goldmedaille. Das ist verrückt. Ich habe bei der Anreise gesagt, ich möchte Deutschland wieder auf die Karte bringen. Das habe ich geschafft. Ich möchte die Medaille meinem Sohn widmen. Er ist drei Jahre alt. Er hat mir vorher gesagt: Papa, zünde den Turbo. Das habe ich auf der Zielgeraden gemacht. Und ich möchte die Medaille meinem Trainer Sebastian Bayer widmen.