Saisonhöhepunkt der europäischen Leichtathletik: Vom 10. bis 16. August geht es bei der EM um Medaillen, Titel und Bestleistungen. 114 deutsche Athletinnen und Athleten stellen sich im Alexander Stadium von Birmingham der europäischen Konkurrenz. Wie das DLV-Team in den Vorrunden am Samstag abgeschnitten hat und es seine Resultate einschätzt, lesen Sie hier.
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Frauen
Weitsprung
Malaika Mihambo: Erst Zitterpartie, dann Jubel
Ähnlich wie zuvor beim Weitsprung im Rahmen des Siebenkampfes wehte der Wind an der Grube auch bei den Spezialistinnen stark von hinten. Einige Athletinnen konnten diese Bedingungen gleich im ersten Durchgang für sich nutzen: Hallen-Europameisterin Larissa Iapichino (Italien) flog bei unzulässigem Rückenwind (+2,2 m/sec) auf 6,94 Meter, die EM-Dritte von 2024 Agate de Sousa (Portugal) bei gerade noch gültigem Wind (+1,7 m/sec) sogar auf 7,00 Meter. Auch Commonwealth-Games-Siegerin und Heim-Favoritin Jazmin Sawyers (6,90 m; +2,5 m/sec) und die Französin Hilary Kpatcha (6,88 m; +2,2 m/sec) machten kurzen Prozess und übertrafen die geforderte Qualifikationsweite von 6,80 Metern deutlich.
Deutlich spannender machte es wieder einmal Malaika Mihambo (LG Kurpfalz). Die Titelverteidigerin landete im ersten Durchgang bei 6,32 Metern. Beim zweiten trat sie deutlich über. So stand die 32-Jährige vor ihrem dritten Sprung mit dem Rücken zur Wand. Und auch diesmal hielten ihre Nerven: Angetrieben von +3,3 Meter/Sekunde Rückenwind flog sie auf 7,10 Meter und verschenkte dabei sogar noch 23 Zentimeter am Brett. Damit führte sie die Reihe der Qualifikantinnen an. 6,61 Meter waren schließlich für die Top 12 notwendig, das letzte kleine q holte sich die Französin Yanis David.
Auch den beiden weiteren deutschen Weitspringerinnen machte der böige Wind zu schaffen. Mikaelle Assani (Karlsruher SC) brachte im ersten Durchgang einen weiten Satz in der Grube, der nur um 0,7 Zentimeter übertreten war. Anschließend folgte ein Sicherheitssprung auf 6,52 Meter, in Runde drei konnte sie sich nicht mehr steigern. So verpasste die Karlsruherin das Finale als 18. – war aber zugleich froh und dankbar, nach einem Verletzungsjahr wieder im Kreis von Europas besten Weitspringerinnen mitmischen zu können. Ganz bitter verlief ihr EM-Debüt für Imke Daalmann (TSV Bayer 04 Leverkusen): Sie kam mit dem Wind gar nicht zurecht und musste drei ungültige Versuche hinnehmen.
Stimmen zum Wettbewerb
Malaika Mihambo (LG Kurpfalz):
„Ich habe nach dem ersten Sprung noch mal einen Schalter umgelegt. Im zweiten hat dann der Anlauf nicht mehr gepasst, deswegen musste ich im dritten einen Meter zurückgehen. Da hieß es dann: Genauso mutig und stark anlaufen wie vorher auch. Und einen gültigen Sprung machen, der auch weit genug ist. Das ist mir zum Glück gelungen. Ich weiß, dass mir Drucksituationen helfen, mich noch besser zu fokussieren. Das ist wie ein Weckruf, den man manchmal braucht. Jetzt mal schauen, wie es morgen ist. Da ist das Wetter wahrscheinlich wieder kühler. Meine drei Meter Rückenwind wird es wahrscheinlich morgen nicht geben. Das ist schon ein bisschen heftig. Ich versuche, im Finale einfach mein Bestes zu geben, noch konzentrierter an den Start zu gehen und vom ersten Wettkampfsprung an in den Anlauf reinzukommen, den wir jetzt bei den letzten zwei Sprüngen gemacht haben. Und dann bin ich sehr zuversichtlich.“
Mikaelle Assani (Karlsruher SC):
„Es ist so ein Geschenk, hier zu stehen. Nach dem letzten Jahr kann ich das teilweise selbst gar nicht glauben. Aber ich muss auch sagen, dass ich ein bisschen traurig bin. Ich habe so hart dafür gearbeitet und merke, dass ich langsam wieder an meine alte Leistung rankomme. Ich hätte mich auch auf jeden Fall im Finale gesehen. Es sind gemischte Gefühle, aber ich kann super stolz auf mich sein, dass ich mich wieder so zurückgekämpft habe. Jetzt gilt es, bei den nächsten Meisterschaften wieder anzugreifen.“
Imke Daalmann (TSV Bayer 04 Leverkusen):
„Ich hätte mir den Finaleinzug zugetraut. Dass es das nicht geschenkt gibt, war mir klar. Dass es möglich ist, war mir aber auch klar. Mit dem Wind war es schon den ganzen Sommer über schwierig, ich hatte da immer meine Probleme. Heute war der Wind eigentlich relativ konstant von hinten und hat sich nicht so viel gedreht. Deswegen will ich es jetzt auch nicht auf den Wind schieben, das war schon ich. Es war die erste EM für mich und ich hoffe, dass ich noch einmal die Chance bekomme und es dann besser machen kann.“
4x100 Meter
Verletzung vereitelt Finaleinzug
Für die deutsche 4x100-Meter-Staffel der Frauen ist der Traum vom EM-Finale bereits im Vorlauf geplatzt. Das Quartett mit Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01), Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar), Sophia Junk (LG Rhein-Wied) und Gina Lückenkemper (SCC Berlin) ging im zweiten von zwei Vorläufen auf Bahn sechs ins Rennen und lag nach den ersten Wechseln zunächst aussichtsreich im Rennen. Beim ersten Wechsel musste Jolina Ernst zwar noch einmal kurz nachfassen, brachte den Staffelstab aber sicher zu Rebekka Haase. Auch der zweite Wechsel auf Sophia Junk verlief sauber und schnell, anschließend lief die 27-Jährige eine starke Kurve.
Beim letzten Wechsel kam es dann zu Problemen. Als Sophia Junk den Staffelstab an Gina Lückenkemper übergeben wollte, verspürte sie plötzlich ein Stechen im linken Oberschenkel und verlor dadurch die Kontrolle über die Bewegung. Die Übergabe misslang, die deutsche Staffel konnte das Rennen nicht beenden.
Den zweiten Vorlauf gewann die Schweiz in 42,38 Sekunden vor Polen (42,63 sec) und Ungarn (42,84 sec). Im ersten Lauf setzte sich Italien mit der insgesamt schnellsten Vorlaufzeit von 42,22 Sekunden vor Großbritannien (42,37 sec) und Portugal (43,06 sec) durch.
Stimmen zum Wettbewerb:
Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01):
„Es war ein tolles Gefühl, bei so einer großen Meisterschaft zum ersten Mal auf der Bahn zu stehen. Es war etwas aufregender als sonst, aber ich glaube, ich habe das ganz gut gemacht. Natürlich hätte ich mich gefreut, heute Abend noch einmal zeigen zu können, was wir draufhaben.“
Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar):
„Wir sind mit guten Voraussetzungen in das Staffelrennen gegangen und waren gut vorbereitet. Die Wechsel waren heute bewusst noch etwas weniger risikoreich angelegt. Wenn dann aber eine Verletzung passiert, ist das natürlich bitter – vor allem für Sophia. Wir feiern als Team gemeinsam die Erfolge, aber wir leiden genauso mit, wenn sich jemand verletzt.“
Sophia Junk (LG Rhein-Wied):
„Ich bin in den Wechselraum gelaufen, da war noch alles super. In dem Moment, als ich den Staffelstab nach vorne geschoben habe, hat es mir links in den Beuger geschossen. Dadurch bin ich nach rechts gesprungen und habe den Wechsel verpasst. Im ersten Moment ging es dann natürlich vor allem darum, was mit der Verletzung ist.“
Gina Lückenkemper (SCC Berlin):
„Sophia ist normalerweise eine absolute Bank bei den Wechseln und klärt eigentlich jede Situation. Der Ablauf hat auch heute gut gepasst. Als sie dann aber nur meinen kleinen Finger erwischt hat und kein Druck mehr nachkam, wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmt. Natürlich ist das für uns als Team sehr ärgerlich, aber am ärgerlichsten ist es für Sophia. Jetzt geht es erst einmal darum, dass sie wieder fit wird.“
Männer
4x100 Meter
DLV-Staffel zieht souverän ins Finale ein
Die deutsche 4x100-Meter-Staffel der Männer hat sich souverän für das EM-Finale qualifiziert. Im zweiten und letzten Vorlauf trat das deutsche Quartett mit Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar), Marvin Schulte (ASV Köln), Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) und Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV) auf Bahn neun an. Kevin Kranz erwischte eine starke Kurve und übergab sauber auf Marvin Schulte. Auf der Gegengeraden hielt Marvin Schulte die deutsche Staffel im Rennen um die vorderen Plätze. Der zweite Wechsel auf Heiko Gussmann erfolgte erst spät in der Wechselzone und war entsprechend knapp, gelang aber dennoch sauber. Die letzte Übergabe auf Lucas Ansah-Peprah war bewusst auf Sicherheit angelegt.
Auf der Schlussgeraden brachte Lucas Ansah-Peprah Rang zwei in 38,57 Sekunden ins Ziel. Nur Italien war in diesem Vorlauf mit 38,50 Sekunden schneller, Belgien belegte in 38,84 Sekunden Rang drei. Damit sicherte sich das DLV-Quartett das große „Q“ fürs Finale. Im ersten Vorlauf hatte sich Großbritannien in der insgesamt schnellsten Vorlaufzeit von 38,29 Sekunden durchgesetzt. Dahinter folgten die Niederlande in 38,82 Sekunden und Griechenland in 39,17 Sekunden.
Stimmen zum Wettbewerb:
Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar):
„Aus meiner Sicht war es sehr gut. Ich bin gut rausgekommen und habe einen starken Lauf hingelegt. Ich konnte den Staffelstab ziemlich weit vorne übergeben und auch der Wechsel war super.“
Marvin Schulte (ASV Köln):
„Kevin hat sehr gut auf mich gewechselt. Ich denke, beim Wechsel ist sogar noch ein bisschen Platz nach hinten. Auf der Gegengeraden hatte ich mit dem Gegenwind zu kämpfen, konnte meinen Lauf aber trotzdem gut durchziehen. Auf Heiko habe ich sehr spät gewechselt, was uns zugutegekommen ist. So konnten wir ihn direkt vorne in die Kurve schicken.“
Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar):
„Den Wind habe ich in der Kurve eigentlich gar nicht gemerkt, ich bin einfach durchgelaufen. Schwieriger war eher, dass niemand direkt vor mir war und ich deshalb nicht richtig einschätzen konnte, wo wir im Rennen stehen.“
Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV):
„Für uns war wichtig, im Vorlauf auf Sicherheit zu gehen. Gerade der Wechsel zwischen Heiko und mir war noch sehr sicher, da können wir im Finale auf jeden Fall noch einiges herausholen. Wir wollen noch eine Schippe drauflegen und um eine Medaille kämpfen. Gold würden wir natürlich auch gerne nehmen.“