Die deutschen Marathon-Geher hatten am Samstagvormittag bei der EM mit einigen Problemen zu kämpfen. Trotzdem gab es zwei Top-10-Platzierungen und durch Christopher Linke nach Schuhwechsel einen Deutschen Rekord (vorbehaltlich Ratifizierung).
EM 2026 Birmingham Zeitplan LIve-Ergebnisse
42 Ein-Kilometer-Rennen mit jeweils etwa zehn Höhenmetern. Zwischendrin die Halbmarathon-Entscheidung bei Männern und Frauen. Die Marathon-Geher und -Geherinnen mussten am Samstagvormittag in der City von Birmingham extrem aufmerksam sein, um bei der extremen Belastung den Überblick zu bewahren.
Christopher Linke (Eintracht Frankfurt), seit Jahren einer der dominierenden deutschen Geher, reihte sich wie gewohnt unter den Top-Athleten ein und lag bei Halbmarathon nur rund 70 Sekunden hinter der Spitze. Doch dann bekam der EM-Zweite von München Probleme. Aufgrund einer schmerzhaften Blase konnte er das Tempo nicht mehr halten und entschied sich, nach etwa 28 Kilometern den Schuh zu wechseln.
Neuer Schuh, neues Tempo
Danach konnte Christopher Linke wieder das Tempo forcieren und belegte nach 42 Runden durch die City Rang acht. Mit 3:02:58 Stunden stellte er – trotz „Boxenstopp“ – einen neuen Deutschen Rekord (vorbehaltlich Ratifizierung) auf. Den Referenzwert von 3:04:30 Stunden unterbot der Frankfurter damit klar.
Ebenfalls eine neue Bestleistung ging sein Team- und Trainingspartner Johannes Frenzl. Bei 30 Kilometern hatte der Frankfurter sich auf einen Top-10-Platz nach vorn gearbeitet. Doch auf den finalen zehn Kilometern verließen Johannes Frenzl etwas die Kräfte. Nach 42,195 Kilometern belegte Johannes Frenzl mit 3:09:12 Stunden Platz 15. Damit steigerte der 24-Jährige seine Bestleistung um eine knappe Minute. Der dritte deutsche Starter Karl Junghannß (Race Erfurt) musste kurzfristig am Samstagmorgen auf einen Start bei der EM verzichten.
An der Spitze übernahm Mitfavorit Massimo Stano fünf Kilometer vor Schluss die Spitze und gab diese bis zum Ziel nicht mehr ab. Nach Olympia- und WM-Gold gewann der Italiener mit 2:56:49 Stunden nun auch EM-Gold. Dahinter gingen die weiteren Medaillen an Miguel Ángel Lópezc (Spanien; 2:56:57 h) und Aurélien Quinion (Frankreich; 2:59:29 h). Der bis zum letzten Kilometer auf Platz zwei liegende Ungar Bence Venyercsán musste kurz vor Schluss noch eine Vier-Minuten-Strafe absitzen und wurde am Ende mit Landesrekord von 3:01:18 Stunden Sechster.
Ada Junghannß macht Platz um Platz gut
Bei den Frauen arbeitete sich Ada Junghannß (Erfurter LAC) – Schwester von Karl Junghannß – im Verlauf des Rennens Platz um Platz nach vorn und sicherte sich mit 3:40:37 Stunden als Neunte einen Top-10-Platz. Ihre Bestzeit aus dem Vorjahr steigerte die Tübingerin dabei gleich um drei Minuten. Richtung Top-10-Platzierung war auch Bianca Maria Dittrich (Spiridon Frankfurt) unterwegs. Sie musste das Rennen aber nach der 30-Kilometer-Marke gesundheitlich angeschlagen aufgeben.
An der Spitze ging Sofia Fiorini die Marathon-Distanz so schnell wie keine Frau zuvor. Die Italienerin jubelte nach 3:15:11 Stunden über die Goldmedaille. Silber gewann die Polin Katarzyna Zdzieblo mit 3:19:50 Stunden und neuem Landesrekord, Bronze ging an Raquel González (Spanien; 3:20:49 h).
Stimmen zum Wettbewerb
Christopher Linke (Eintracht Frankfurt):
„Die Konkurrenz war unglaublich stark und ist sehr schnell losgegangen. Da dachte ich mir: „Was ist denn hier los?“ Leider habe ich bei Kilometer 15 extreme Fersenprobleme bekommen. Es muss eine extrem große Blase gewesen sein, anders kann ich mir die Schmerzen nicht erklären. Ich habe mit dem Gedanken gespielt auszusteigen. Habe mich dann aber durchgekämpft und konnte nach dem Schuhwechsel wieder deutlich schneller gehen. Dass es am Ende noch der Deutsche Rekord geworden ist, freut mich natürlich ungemein. Mein Ziel bleibt weiter, den Marathon unter drei Stunden zu gehen. Dann natürlich ohne Probleme und auf einer einfacheren Strecke. Wie man aber vier Wettbewerbe auf einer Ein-Kilometer-Runde gleichzeitig austragen kann, ist mir ein Rätsel. Für die TV-Kommentatoren war das wahrscheinlich eine Riesen-Herausforderung. Gleichzeitig ist es schwierig, dass alle Distanzen dieselbe Würdigung erhalten.“
Johannes Frenzl (Eintracht Frankfurt):
„Ich habe viel riskiert und bin ein hohes Tempo gegangen. Das ging bis Kilometer 32 gut, nur leider ist ein Marathon 42 Kilometer lang. Das Auf und Ab auf jeder Runde hat schon Kraft gekostet. Gern hätte ich meine Meldeleistung mit einem Top-10-Platz bestätigt, das ist mir leider nicht gelungen. Platz 15 ist es geworden, das ist in Ordnung.“
Ada Junghannß (Erfurter LAC):
„Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, was die Zeit und die Platzierung angeht. Denn die Strecke war nicht einfach, man musste beim Belag immer aufpassen, dass man nicht stolpert. Die ersten anderthalb Stunden war es mit den Halbmarathon-Gehern recht chaotisch. Das musste man mehr als sonst aufpassen. Natürlich hätte ich gern den Wettkampf zusammen mit meinem Bruder bestritten. Aber leider konnte er nicht starten.“