Die deutschen Hindernis-Asse haben abgeliefert. In einem taktischen Finale krönte sich Europarekordler Frederik Ruppert zum Europameister, Karl Bebendorf lag zwischenzeitlich recht weit zurück, gewann aber noch Bronze. So gab es wie 1986 in Stuttgart zwei EM-Medaillen für die deutschen Hindernisläufer. Niklas Buchholz lief in seinem nächsten großen Finale auf Rang neun.
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Mit weit ausgebreiteten Armen und dem rechten Daumen als Geste des baldigen Vaterglücks lief Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) am Sonntagabend im EM-Finale über 3.000 Meter Hindernis ins Ziel. Der Europarekordler war damit im Alexander Stadium seiner Favoritenrolle gerecht geworden und krönte sich mit 8:25,33 Minuten zum Hindernis-König von Birmingham. Damit ist der Tübinger der erste deutsche Hindernis-Europameister seit Damian Kallabis 1998 in Budapest
Während des gesamten Rennens hielt sich Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) an der Schulter des Führenden Daniel Arce. Der Spanier führte die 16 Läufer über die ersten, recht gemächlichen Runden. Erst auf dem letzten Kilometer ging es richtig zur Sache. Und Der Europarekordler diktierte das Tempo von der Spitze weg. Zwar kam Ruben Querinjean noch einmal stark auf, doch gefährden konnte der Luxemburger den Europameister nicht. Mit 8:25,61 Minuten gewann er Silber.
Karl Bebendorf läuft mit schneller Schlussrunde zu Bronze
Im Rennen um Bronze sah es lange so aus, als hätte Karl Bebendorf (Dresdner SC) einen zu langen Weg. Denn der Deutsche Meister hatte sich im Rennen zunächst zurückgehalten und eine der hinteren Positionen eingenommen. So ging er mit einem Rückstand von etwa 15 Metern in die letzte Runde. Das war zu viel, um noch ganz vorn angreifen zu können. So gewann er wie 2024 in Rom Bronze (8:26,65 min). Zwei deutschen EM-Medaillen über 3.000 Meter Hindernis hatte es letztmals vor 40 Jahren gegeben. 1986 in Stuttgart lief Hagen Melzer zu Gold und Helsinki-Weltmeister Patriz Ilg auf den Bronzeplatz.
Der dritte deutsche Läufer Niklas Buchholz (Franconia Athletics) erarbeitete sich in der Anfangsphase des Rennens eine gute Ausgangsposition, die er verteidigte. Doch als das Tempo auf den letzten 500 Metern angezogen wurde, konnte der der Pace an der Spitze nicht mehr folgen. Mit 8:31,08 Minuten lief der WM-Finalist auf Platz neun.
Stimmen zum Wettbewerb
Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen):
„Es ist genau das Szenario eingetreten, auf das wir hintrainiert haben. Auch vom Tempo her. Deswegen war ich mir zum Schluss auch ziemlich sicher, dass ich die letzte Runde aktiv gestalten kann. Das macht mich sehr happy. Die interne Konkurrenz pusht natürlich, aber man will natürlich immer der Bessere sein. Die guten Resultate im Hindernislauf sind das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung. Die gibt es aber im gesamten Laufbereich. Das gilt auch für die Frauen. Gesa Krause ist natürlich ein Vorbild für jeden im Hindernislauf. Auch Lea Meyer hat Respekt verdient, dass sie im Finale so lange von vorn für das Tempo sorgt.“
Karl Bebendorf (Dresdner SC):
„Natürlich war mein Ziel, Gold zu holen. Das hat nicht geklappt. Trotzdem habe ich eine Medaille gewonnen, obwohl meine Ambitionen andere waren. Ich habe einen taktischen Fehler gemacht, bin zu weit hinten gelaufen. Aber ich wollte Kräfte sparen und dem Gerangel aus dem Weg gehen. Das muss ich mir ankreiden. Vor zwei Jahren habe ich mich noch super gefreut über Bronze. Diesmal ist es etwas anders, weil ich mein Umfeld für den Sport um 180 Grad gedreht habe. Freddie hat noch nicht so viele Rennen gegen mich gewonnen. Diesmal hat er wieder einen Punkt im internen Duell gemacht.“
Niklas Buchholz (Franconia Athletics):
„Meine Taktik war, mich vorn einzureihen. Das hat auch super geklappt. So konnte ich Kräfte schonen. Als das Tempo dann angezogen wurde, wurde es gleich superschnell. Das fehlt mir einfach der Speed auf der letzten Runde, der nötige Gang, um noch einmal zu beschleunigen. Ich hatte hinten raus keine guten Beine mehr, aber die anderen Jungs sind in diesem engen Feld hinten raus auch gut. Ich wäre gern unter die Top 8 gelaufen, nun ist es Rang neun geworden.“