Beim 43. Mainova Frankfurt-Marathon stehen am Sonntag aus deutscher Sicht vor allem Amanal Petros, Samuel Fitwi und Richard Ringer im Fokus. Bei den Frauen gibt Blanka Dörfel ihr Marathon-Debüt und hat sich dafür viel vorgenommen. Wenn das Wetter mitspielt, können am Main Rekorde fallen.
Wird der 43. Mainova Frankfurt-Marathon am Sonntag ein Rennen der Rekorde? Eine Reihe von Bestmarken könnten in Gefahr geraten, sofern – und das ist der Knackpunkt – das Wetter mitspielt. Bei Männern und Frauen könnten am Sonntag die hochkarätigen Streckenrekorde in Gefahr geraten, die bei 2:03:42 Stunden beziehungsweise 2:17:25 Stunden stehen. Zudem ist eines der schnellsten Marathon-Debüts einer deutschen Läuferin möglich. Und schließlich könnte eine Weltbestzeit in der Altersklasse der M50 bei den Männern fallen.
Vieles wird aber vom Wetter abhängen. Wird es am Sonntagmorgen nasskalt und windig, werden sich kaum Rekorde brechen lassen. Beruhigt sich das Wetter rechtzeitig, könnten gute Bedingungen für Top-Leistungen herrschen.
Die Veranstalter verzeichneten für den Frankfurt-Marathon die Rekordzahl von 19.720 Anmeldungen aus 128 Nationen. „Wir freuen uns riesig über diesen Anmelde-Rekord. In 25 Jahren haben wir den Mainova Frankfurt-Marathon in jeglicher Hinsicht in eine ganz andere Dimension gebracht“, sagte Race-Direktor Jo Schindler, der die Verantwortung nach diesem Rennen abgeben wird.
Stärkstes Männerfeld der Geschichte
Mit vier Läufern, die persönliche Bestzeiten von unter 2:05:00 Stunden aufweisen, ist das Elitefeld der Männer in der Breite der Spitze so stark besetzt wie nie zuvor. Es zeichnet sich eine Jagd auf den deutschen Rekord und vielleicht sogar auf die europäische Bestzeit ab.
Die schnellsten drei deutschen Läufer der Geschichte stehen im Mittelpunkt. Amanal Petros (Hannover 96), der bei den Europameisterschaften im August in Birmingham seinen ersten internationalen Titel gewann, hält den Deutschen Rekord mit 2:04:03 Stunden. Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier) steigerte sich als Zweiter des Hamburg-Marathons im April auf 2:04:45 Stunden und hält damit die deutsche Jahresbestzeit. Richard Ringer (LC Rehlingen), Marathon-Europameister von München 2022, hat eine offizielle Bestzeit von 2:05:46 Stunden, lief aber in Boston auf der nicht rekordkonformen Strecke im Frühjahr 2:04:47 Stunden.
Petros, Fitwi, Ringer: Große Bühne für die deutschen Marathon-Stars
„Meine Vorbereitung in Kenia lief sehr gut. Wenn das Wetter passt, dann kann es passieren“, antwortete Amanal Petros auf die Frage, ob er neben seinem Deutschen Rekord von 2:04:03 Stunden auch den Europarekord von 2:03:36 Stunden angreifen möchte. Damit würde er zugleich auch den Streckenrekord brechen, den der Kenianer Wilson Kipsang 2011 mit 2:03:42 Stunden aufgestellt hatte. „Ich träume schon seit einigen Jahren davon, den Europarekord zu brechen“, sagte Amanal Petros.
Der Marathon-Europameister wird aber mit Samuel Fitwi zumindest einen nationalen Konkurrenten haben, der ihm Paroli bieten möchte. „Wenn das Wetter gut ist, ist der Deutsche Rekord auf der flachen Strecke in Frankfurt möglich. Ich bin gut vorbereitet und möchte auf jeden Fall meine persönliche Bestzeit unterbieten“, sagte Samuel Fitwi. Nicht ganz so schnell wird Richard Ringer voraussichtlich das Rennen angehen. „Nach dem EM-Marathon hatte ich ein muskuläres Problem. Ich habe bei der Vorbereitung auf Frankfurt dann alles auf eine Karte gesetzt und es hat funktioniert. Voraussichtlich werde ich am Sonntag nicht ganz vorne mitlaufen, sondern mich eher in einer zweiten Gruppe einsortieren“, sagte der Europameister von 2022.
Sieger von 2024 und Masters-Weltrekordler dabei
Zwei Athleten, die den deutschen Läufern einen Strich durch die Rechnung machen könnten, sind Andualem Belay (Äthiopien), der eine Bestzeit von 2:04:44 Stunden aufweist, und Benard Biwott. Der Kenianer hatte in Frankfurt vor zwei Jahren überraschend bei seinem Debüt triumphiert. Damals lief er 2:05:54 Stunden, danach gewann er 2025 in Paris mit 2:05:25 Stunden. „Mein Ziel ist es, am Sonntag zu gewinnen. Ich denke, ich kann eine Zeit von ungefähr 2:04:00 Stunden erreichen“, sagte Benard Biwott.
Für einen weiteren Höhepunkt könnte Mark Kiptoo in Frankfurt sorgen. Der Kenianer hatte das Rennen 2014 gewonnen und stellte vier Jahre später hier mit 2:07:50 Stunden einen Masters-Weltrekord auf. Als nunmehr 50-Jähriger will Mark Kiptoo nun eine weitere Altersklassen-Bestmarke brechen. Die aktuelle Weltbestzeit in der „M50“ hält Titus Mamabolo. Der Südafrikaner war bereits 1991 in Durban 2:19:29 Stunden gelaufen.
Schnelle Frauen auf Siegkurs
Bei den Frauen stehen zwei Läuferinnen mit Bestzeiten von unter 2:20:00 Stunden auf der Startliste: Zeineba Yimer (Äthiopien) und Betsy Saina (USA) haben Zeiten von 2:18:47 Stunden beziehungsweise 2:19:17 Stunden erreicht. Stark einzuschätzen ist zudem die Kenianerin Marion Kibor, die sich im Frühjahr in Hamburg auf 2:21:12 Stunden verbesserte. Mit Meskerem Assefa geht eine ehemalige Frankfurt-Siegerin ins Rennen. Die Äthiopierin lief bei ihrem Triumph 2018 mit 2:20:36 Stunden ihren derzeitigen persönlichen Rekord.
Die 28-jährige Zeineba Yimer, die sich in diesem Frühjahr in Barcelona als Dritte auf 2:18:47 Stunden verbessert hatte, hatte vor vier Wochen beim Berlin-Marathon Pech. Aufgrund von Magenproblemen musste sie das Rennen vorzeitig beenden. „Jetzt will ich die flache Strecke in Frankfurt für eine Bestzeit nutzen. Ich habe auch den Streckenrekord im Blick und will diese Zeit ebenfalls unterbieten“, sagte Zeineba Yimer. Ihre Landsfrau Hawi Feysa hatte diese Marke von 2:17:25 Stunden vor zwei Jahren aufgestellt.
Nach einer Babypause will sich Betsy Saina am Sonntag mit einem starken Rennen zurückmelden. Die aus Kenia stammende US-Amerikanerin peilt eine Halbmarathon-Durchgangszeit von 70:00 Minuten an. Mit dem Ziel, unter 2:20:00 Stunden zu laufen, geht auch Marion Kibor ins Rennen.
Blanka Dörfel nimmt sich starkes Debüt vor
Für eine Überraschung sorgen könnte Blanka Dörfel (Berlin Athletics). Die 24-jährige Läuferin geht locker in ihr Marathon-Debüt. „Ich werde ohne Uhr laufen und auf mein Gefühl vertrauen“, sagte Blanka Dörfel, die auf diese Weise schon mehrfach beachtliche Leistungen erreicht hat. Zuletzt hat sie sich rund zweieinhalb Monate lang im Höhentraining in Boulder (Colorado) auf den Frankfurt-Marathon vorbereitet.
Ihre im Frühjahr in Mainz gelaufene Halbmarathon-Bestzeit von 68:08 Minuten deutet darauf hin, dass sie ein starkes Debüt laufen kann. Die schnellste Debüt-Zeit einer deutschen Läuferin erreichte bisher Melat Kejeta, die 2019 in Berlin nach 2:23:57 Stunden im Ziel war. „Ich will den kürzeren Distanzen nicht den Rücken kehren, möchte fortan in meiner Karriere aber voll auf Marathon setzen. Ich traue mir zu, in die deutsche und dann auch in die europäische Spitze vorzustoßen“, gibt sich die Langstrecklerin selbstbewusst.
Topläufer:innen mit persönlichen Bestzeiten
MÄNNER
Amanal Petros | GER | 2:04:03 h
Andualem Belay | ETH | 2:04:44 h
Samuel Fitwi | GER | 2:04:45 h
Richard Ringer | GER | 2:04:47 h
Benard Biwott | KEN | 2:05:25 h
Haimro Alame | ISR | 2:06:04 h
Antenayehu Dagnachew | ETH | 2:06:55 h
Jiregna Geleta | ETH | 2:06:57 h
Derara Hurisa | ETH | 2:08:09 h
Jirata Dinki | ETH | 2:08:18 h
Abe Gashahun | ETH | 2:08:35 h
Lemawork Ketema | AUT | 2:10:44 h
FRAUEN
Zeineba Yimer | ETH | 2:18:47 h
Betsy Saina | USA | 2:19:17 h
Meskerem Assefa | ETH | 2:20:36 h
Siranesh Yirga | ETH | 2:21:08 h
Marion Kibor | KEN | 2:21:12 h
Janet Ruguru | KEN | 2:23:00 h
Mehret Gemeda | ETH | 2:23:29 h
Milicent Jelimo | KEN | 2:24:19 h
Obse Abdeta | ETH | 2:27:14 h
Martina Strähl | SUI | 2:28:07 h
Selam Fente | ETH | 2:28:22 h
Aselef Amare | ETH | 2:28:47 h
Blanka Dörfel | GER | Debüt
Der hessische Rundfunk (HR) überträgt das Rennen am Sonntag (25. Oktober) ab 9:55 Uhr live im TV und Stream. Von 18:45 Uhr bis 19:45 Uhr zeigt der Sender zudem eine Zusammenfassung des Rennens.