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Melitta Czerwenka-Nagel – "Grande Dame" der Masters-Leichtathletik verstorben

© Jörg Valentin
Mit Melitta Czerwenka-Nagel verliert die deutsche Masters-Leichtathletik eine prägende Figur. Die zweimalige "Masters-Leichtathletin des Jahres" ist am Dienstag nach kurzer schwerer Krankheit in Dudweiler verstorben.
Referat Sportentwicklung / svs

Eine der erfolgreichsten Masters-Leichtathletinnen Melitta Czerwenka-Nagel ist am Dienstag, dem 2. April 2024 im Alter von 93 Jahren, nach kurzer schwerer Krankheit in Dudweiler gestorben. Sie gehörte zu den schillerndsten und markantesten Sportlerinnen der Leichtathletik-Masters-Szene. Die 93-jährige Vorzeigeathletin betrieb den Laufsport mit viel Ehrgeiz, Willensstärke und Motivation den Laufsport und sammelte dabei viele Rekorde sowie nationale und internationale Medaillen.  

Ihre Leidenschaft fürs Laufen entdeckte die Saarländerin erst im Alter von 48 Jahren und startete zuletzt für die LAG Saarbrücken. Gleich bei ihren ersten Deutschen Meisterschaften holte sie den Titel über 5.000 Meter. Danach folgten in ihrer rund vierzigjährigen Läuferinnen-Karriere viele nationale und internationale Titel. Melitta Czerwenka-Nagel war insgesamt 15-mal Weltmeisterin und 33-mal Europameisterin und hält noch immer den Freiluftweltrekord in der W90 über 800 Meter und Hallenweltrekorde in der Altersklasse W85 über 800, 1.500 und 3.000 Meter sowie in der Altersklasse W90 über 400, 800 und 1.500 Meter.  

National und international mit Preisen bedacht

Für ihre sportlichen Leistungen wurde sie vielfach ausgezeichnet. Erst vor zwei Wochen verlieh ihr Ministerpräsidentin Anke Rehlinger den Verdienstorden, die höchste Auszeichnung des Saarlandes. Die höchste sportliche Ehre erfuhr sie 2006 in Monaco, als sie im Rahmen der IAAF-Gala (heute: World Athletics Awards) von der World Masters Association (WMA) auf großer Bühne zur Welt-Senioren-Leichtathletin gekürt wurde. Außerdem wurde sie von einer Fachjury und der Leichtathletik-Community 2020 und 2022 zu Deutschlands Masters-Athletin des Jahres gewählt.

Insbesondere die Würdigung 2022, als ihr DLV-Präsident Jürgen Kessing die Auszeichnung überreichte, war für Melitta Czerwenka-Nagel ein besonders „schöner Höhepunkt meines Läuferlebens, in der vollbesetzten Halle, zunächst einmal die Größten der deutschen Leichtathletik zu beobachten und mitzufiebern. Die Ehrung war ein Event für mich voller Emotionen“,  schrieb sie damals in einem Dankesbrief an den DLV-Manager Masters David Deister.  

Beim letzten Start Weltrekord

Hinter diesen Auszeichnungen stecken bemerkenswerte Erfolgsserien. 2020 steigerte sie zum Beispiel innerhalb von zwei Wochen in der Klasse W90 die Weltrekorde über 400 Meter um mehr als 30 Sekunden und über 800 Meter um 51 Sekunden.

Die Grundlage für die Ehrung für das Jahr 2022 hatte die Saarländerin bei den Hallen-Europameisterschaften der Senioren im portugiesischen Braga 2022 gelegt. Sie gewann zwei Goldmedaillen in der Klasse W90. Zunächst über die 800 Meter in einer neuen Weltrekordzeit von 5:27,80 Minuten. Sie steigerte dabei den immer noch aktuellen Rekord um 1:47,09 Minuten. Drei Tage später verbesserte sie die 1.500-Meter-Bestmarke um eine knappe Minute auf 11:38,34 Minuten. Kurz vor der Hallen-EM hatte sie bereits über 400 Meter den Hallenrekord auf 2:20:76 Minuten verbessert. 

Für Melitta Czerwenka-Nagel waren die Meisterschaften das "Salz in der Suppe". Der direkte Kontakt zu ihren Mitstreiterinnen und das Gefühl, sich mit ihnen messen zu dürfen, machte für sie die Faszination am Laufsport aus. Aus der geplanten Wettkampfpause für den Rest des Jahres 2022 wurde aus gesundheitlichen Gründen letztlich ein definitives Karriere-Ende. Melitta Czerwenka-Nagel bestritt also ihre letzten Wettkämpfe in Braga im März 2022 mit Weltrekorden. 

Es geht eine Botschafterin für die Leichtathletik 

„Ich durfte Melitta im vergangenen Jahr persönlich kennenlernen. Für mich war Melitta Czerwenka-Nagel eine prägende Grande Dame der Leichtathletik. Auf sympathische und stolze Weise hat sie der aufstrebenden Mastersbewegung national wie international Respekt verliehen und ihr ein charismatisches Gesicht gegeben. Wir werden ihre dynamische Art und Begeisterung für die Leichtathletik vermissen“, so Dr. Ralf Buckwitz, DLV-Vorstand Sportentwicklung. 

Mit ihrer positiven Lebenseinstellung und wertschätzenden Art war sie ein Vorbild für jüngere Generationen und hat Werbung für die Leichtathletik als lebenslange Sportart gemacht. Melittas Empfehlung: Sport treiben, solange es geht!  

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