Am dritten Tag der Hallen-DM in Dortmund standen die Mittelstrecken im Fokus. Vor allem Alexander Stepanov begeisterte mit einem furiosen Solo über 800 Meter. Im Weitsprung erweiterte Malaika Mihambo ihre Titelsammlung um den neunten Hallen-DM-Titel in Folge. Zum Abschluss durfte sich der SCC Berlin mit Sprint-Ass Gina Lückenkemper über den 4x200-Meter-Sieg freuen.
Zum Highlight wurde am dritten Tag der Hallen-DM in Dortmund das 800-Meter-Finale der Männer. Der Jahresbeste Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen), der die Hallen-WM-Norm von 1:45,90 Minuten im Vorfeld bereits unterboten hatte, legte ein furioses Solo hin. Direkt nach dem Start ging er an die Spitze und baute seinen Vorsprung stetig weiter aus. So rannte der WM-Teilnehmer allein gegen die Uhr. Und die stoppte bei 1:45,84 Minuten. Damit stürmte der 21-Jährige im Alleingang zu einer neuen Bestzeit. „Ich bin zufrieden, ich habe gewonnen und bin Bestzeit gelaufen“, sagte er und verriet zugleich, dass er sich sogar noch mehr zugetraut hatte: „Ich war eigentlich auf Kurs für den Deutschen Rekord, den wollte ich heute brechen. Aber ich bin viel zu schnell angegangen.“ Der deutsche Hallen-Rekord von Nico Motchebon steht seit 1995 bei 1:44,88 Minuten.
Auf den Silberrang lief mit 1:48,18 Minuten Rocco Martin (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig). Zu Bronze spurtete auf der Zielgeraden Tim Holzapfel (LV Pliezhausen 1912; 1:48,64 min). Knapp das Nachsehen hatte trotz neuer Bestzeit Noah Cais (Laufgemeinschaft Wehringen; 1:48,98 min), der lange auf Medaillenkurs gelegen hatte.
Tanja Spill fängt Smilla Kolbe ab
Eine ähnliche Taktik wählte im 800-Meter-Finale der Frauen Favoritin Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt). Doch Tanja Spill (TSV Bayer Dormagen) wollte die Jahresbeste nicht davonziehen lassen. Sie heftete sich an ihre Fersen und setzte vor der letzten Kurve zum Überholvorgang an. Smilla Kolbe konnte nicht mehr kontern. Und so stürmte Tanja Spill fünf Jahre nach ihrem ersten Hallen-DM-Titel zum zweiten – und unterbot mit 2:02,38 Minuten auch die Bestzeit, die sie 2021 bei ihrem ersten Titel in der Helmut-Körnig-Halle aufgestellt hatte.
„Als ich über die Linie gelaufen bin, war mein erster Gedanke: Wahnsinn, stimmt das wirklich? Und dann auch noch die PB dazu – das fühlt sich gerade total surreal an“, jubelte Tanja Spill. „Wir haben im Vorfeld gesagt: Die Bedingungen heute mit dem schönen Wetter draußen sind genauso wie vor fünf Jahren hier. Also lass es uns beim Heimspiel einfach nochmal genauso machen. Und genau das ist passiert.“
Für Geburtstagskind Smilla Kolbe, die am Sonntag 24 Jahre alt wurde, wurden auf Rang zwei 2:03,29 Minuten gestoppt, Bronze schnappte sich Jennifer Hauke (Hamburg Athletics; 2:04,75 min) knapp vor der sieben Hundertstel langsameren Verena Meisl (TV Wattenscheid 01).
Majtie Kolberg und Marius Probst nicht zu schlagen
In Abwesenheit der deutschen Jahresbesten Nele Weßel (Königsteiner LV), die auf den 1.500-Meter-Start verzichtet hatte, ging Titelverteidigerin Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) über 1.500 Meter als klare Favoritin ins Rennen, das Hindernis-Spezialistin Adia Budde (LAV Stadtwerke Tübingen) zunächst anführte. Zwei Runden vor Schluss schob sich die Freiluft-Meisterin von 2024 Vera Coutellier (Cologne Athletics) an die Spitze. Zugleich brachte sich außen Majtie Kolberg in Position. Auf der Schlussrunde konnte keine Kontrahentin der Favoritin folgen: In 4:20,47 Minuten lief sie zu ihrem zweiten Titel in Folge. Im Rennen um Silber und Bronze fing Adia Budde mit 4:21,01 Minuten knapp Vera Coutellier ab, die nach 4:21,27 Minuten ins Ziel lief.
Im 1.500-Meter-Finale der Männer nahm Favorit Marius Probst (TV Wattenscheid 01) das Heft in die Hand. Am ehesten konnte auf den ersten Runden Marvin Heinrich (Eintracht Frankfurt) folgen. Nach 1.000 Metern hatte sich ein Führungsquartett abgesetzt, dem auch Tobias Tent (LG Stadtwerke München) und Jan Dillemuth (Königsteiner LV) angehörten. Mit einem starken Finish rannte Marius Probst zum Sieg, 3:38,90 Minuten brachten ihm den dritten DM-Titel in Folge. Silber sicherte sich der erst 20 Jahre alte Tobias Tent, der in 3:40,69 Minuten noch an Marvin Heinrich (3:41,46 min) vorbeistürmte.
Jean Paul Bredau und Johanna Martin siegen über 400 Meter
Über 200 und 400 Meter wurden die Deutschen Meisterinnen und Meister in Zeitfinals ermittelt. Über die zwei Hallenrunden wurde Favorit Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) im zweiten Finallauf bis zum Schluss von Fabian Dammermann (LG Osnabrück) gefordert. Auf der Zielgeraden konnte er sich dann doch lösen und gewann in 46,21 Sekunden souverän. Fabian Dammermann wurde in 46,60 Sekunden Zweiter. Über Bronze jubelte Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel; 47,15 sec), der sich im ersten Zeitfinale mit hauchdünnem Vorsprung vor Tyrel Prenz (SC Potsdam; 47,17 sec) durchgesetzt hatte.
Im zweiten Zeitfinale über 400 Meter der Frauen kam es zum Duell zwischen Titelverteidigerin Johanna Martin (1. LAV Rostock), die im Vorlauf mit 51,92 Sekunden Bestzeit gerannt war, und Freiluft-Meisterin Skadi Schier (SCC Berlin), bis zur Hallen-DM mit 52,27 Sekunden die Jahresbeste. Bis eingangs der Zielgeraden sah es so aus, als würde die Berlinerin diesmal die Oberhand behalten. Doch dann legte Johanna Martin ein fulminantes Finish hin und machte in 52,09 Sekunden den Hattrick perfekt. Skadi Schier belohnte sich mit Silber und neuer Bestzeit von 52,26 Sekunden für ihr starkes Rennen. Bronze ging an die Siegerin des ersten Zeitlaufs, Luna Bulmahn (VfL Wolfsburg), die sich in 53,09 Sekunden ebenfalls über eine Bestzeit freuen durfte.
Malaika Mihambos neunter Streich
Im Weitsprung setzte die WM-Zweite Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) ihre Titelserie fort, die seit 2018 anhält. Nach 6,37 Metern zum Auftakt folgten zwei ungültige Versuche, bevor sie im vierten Durchgang mit 6,57 Metern die Siegweite sprang. Silber gewann die deutsche Jahresbeste Libby Buder (TSG Bergedorf) mit 6,41 Metern. Bronze holte sich die Leverkusenerin Anna-Elisabeth Ehlers. Die Mehrkämpferin, die am Samstag im Hochsprung Rang vier belegt hatte, schaffte es mit neuer Bestmarke von 6,35 Metern diesmal aufs Podium.
Ein spannendes Stabhochsprung-Duell lieferten sich die beiden Favoritinnen Jacqueline Otchere (MTG Mannheim) und Anjuli Knäsche (VfB Stuttgart). Bei 4,45 Metern übernahm Jacqueline Otchere die Führung, während Titelverteidigerin Knäsche auf die Höhe verzichtete. Die 4,50 Meter meisterte wiederum die Stuttgarterin, während Otchere ausließ. So fiel die Entscheidung bei 4,55 Metern. Bei dieser Höhe mussten beide in den dritten Versuch. Jacqueline Otchere war im dritten Anlauf erfolgreich und sicherte sich damit ihren zweiten Hallen-DM-Titel nach 2022. Auf dem Weg zu Bronze stellte Moana-Lou Kleiner (SC Potsdam) ihre Bestleistung von 4,40 Metern ein.
Im Hochsprung belohnte sich der früher oft von Verletzungen ausgebremste Falk Wendrich (LAZ Soest) für sein Durchhaltevermögen. Im Alter von 30 Jahren gewann er mit 2,19 Metern seinen ersten deutschen Meistertitel. Silber teilten sich mit 2,10 Metern Marlon Gräfe (LG Region Karlsruhe) und Niklas von Zitzewitz (VfL Eintracht Hannover), der Bestleistung sprang.
Svenja Pfetsch überrascht Jessica-Bianca Wessolly
Über 200 Meter der Frauen sorgte Svenja Pfetsch (Munich Athletics) für eine faustdicke Überraschung: In Bestzeit von 23,52 Sekunden hielt sie die Titelverteidigerin und Jahresbeste Jessica-Bianca Wessolly (VfL Sindelfingen) in Schach. Nach gesundheitlichen Problemen in der Vorbereitung gab es für die Sindelfingerin mit 23,60 Sekunden Silber, Bronze ergatterte mit Bestzeit von 23,77 Sekunden Daria Peter (LAV Stadtwerke Tübingen), Siegerin des ersten Zeitlaufs.
Bei den Männern wurde es über 200 Meter ebenfalls knapp. Doch schlussendlich gelang Robin Ganter (MTG Mannheim), der die Freiluftsaison des vergangenen Jahres verletzungsbedingt verpasst hatte, die Titelverteidigung. In 21,01 Sekunden setzte er sich knapp vor einem Duo der LG Stadtwerke München durch und gewann seinen vierten Titel in Folge. Karl Gattinger erkämpfte sich in Bestzeit von 21,06 Sekunden Silber vor Maximilian Achhammer (21,27 sec).
Youngster Peter Osazee fliegt am weitesten
Eines war vor dem Dreisprung-Finale klar: Es würde einen neuen Deutschen Hallenmeister geben. Denn Abonnement-Meister Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz) lässt aufgrund von Verletzungsproblemen die Hallensaison aus. Und so war es ein Youngster, der überraschend seinen ersten DM-Titel abräumte. Gleich im ersten Versuch flog Peter Osazee (MTG Mannheim) auf 15,80 Meter. Damit steigerte der 19-Jährige seinen Hausrekord von der U20-EM in Tampere (Finnland) um 19 Zentimeter. Der Jahresbeste Mohammed Amin Alsalami (LAC Berlin) kratzte im vierten Durchgang mit 15,78 Metern an der Führungsweite, es reichte aber knapp „nur“ zu Silber. Bronze gewann mit Bestleistung von 15,66 Metern der Chemnitzer Maximilian Skarke.
Den krönenden Abschluss bildeten die 4x200-Meter-Staffeln. Bei den Männern legte der TSV Bayer 04 Leverkusen mit Eddie Reddemann, Kristoffer Hildebrand, Gianluca Wessendorf und Younes El Makrini im zweiten Lauf 1:25,34 Minuten vor. Diese Zeit konnte keine Staffel unterbieten. Zu Silber rannte die LG Stadtwerke München als Sieger des dritten Laufs (1:25,80 min), Bronze ging an das LT DSHS Köln (1:27,11 min). Bei den Frauen siegte die Starbesetzung des SCC Berlin mit Skadi Schier, Sprintstar Gina Lückenkemper, Michelle Janiak und Lena Leege in 1:35,11 Minuten. Mit dem TSV Bayer 04 Leverkusen (1:35,75 min) und Munich Athletics (1:35,78 min) kamen die weiteren Medaillengewinnerinnen auch aus dem dritten und letzten Lauf.