| Diamond League Oslo

Karsten Warholm entthront, DLV-Trio verkauft sich teuer

© Thomas Windestam for Diamond League AG
Beim Diamond League-Meeting in Oslo musste sich 400-Meter-Hürden-Weltrekordler Karsten Warholm am Mittwoch auch vor heimischem Publikum dem Brasilianer Alison dos Santos geschlagen geben. Das DLV-Trio bei dem Meeting Yemisi Mabry, Robert Farken und Emil Agyekum bestätigte die bisherigen Leistungen der auf die EM ausgerichteten Saison.
Jan-Henner Reitze

Der Weltrekordler über 400 Meter Hürden Karsten Warholm (Norwegen) sagt über sich selbst, ungern zu verlieren. Das gilt erst Recht vor heimischem Publikum. Am Mittwoch beim Diamond League-Meeting in Oslo (Norwegen) musste der dreimalige Weltmeister in 47,40 Sekunden allerdings wieder den Brasilianer Alison dos Santos (46,89 sec) ziehen lassen, der den Headliner des Abends schon zum Saisonauftakt in Keqiao und Xiamen (beides China) hinter sich gelassen hatte.

„Es war ein zerfahrenes Rennen, darüber bin ich sehr enttäuscht, besonders hier zu Hause“, erklärte Karsten Warholm. „Ich bin an der vierten Hürde hängengeblieben, was mich aus dem Rhythmus gebracht hat, und von da an musste ich hinterherrennen. Es gibt noch viel zu verbessern, also geht es für mich jetzt wieder ins Training. Ich freue mich schon auf London, wo ich hoffentlich Revanche nehmen kann.“ Immerhin: In diesem Sommer ist mit der EM in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) eine kontinentale Meisterschaft der Saisonhöhepunkt. Dort muss der Olympia-Zweite also nicht gegen seinen nun dreifachen Bezwinger antreten. 

Emil Agyekum (SCC Berlin) kam in dem Rennen zwar nicht ganz an seine Bestzeit von 47,72 Sekunden heran, die er erst am Sonntag in Stockholm (Schweden) aufgestellt hatte. 48,40 Sekunden und Rang fünf sind aber eine Bestätigung seines Leistungsniveaus und der nächste gelungene Härtetest auf internationaler Bühne. Als beste Meisterschaftsresultate im Einzel stehen bei WM- und EM bisher sechste Plätze. Möglich, dass es in Birmingham weiter nach oben geht.

Robert Farken geht mutig an und wird noch nicht ganz belohnt

Selbstbewusst und offensiv ging Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) sein Rennen über die Meile an. Der deutsche Rekordler ordnete sich hinter den Tempomachern ein und führte das Feld schließlich sogar als es in die Schlussrunde ging. Auf der Gegengeraden begann der Spurt um den Sieg und der DLV-Athlet konnte noch nicht ganz vorne mithalten. Im engen Einlauf kam er nach 3:49,74 Minuten als Zehnter ins Ziel, eine knappe Sekunde fehlte zu seinem deutschen Rekord (3:48,83 min). 

Nach der Auswertung des Fotofinish wurde der Kenianer Timothy Cheruiyot (3:48,21 min) auf Platz eins gesetzt. Yared Nuguse (USA) war eigentlich davon ausgegangen, vorne gewesen zu sein, wurde dann aber doch zeitgleich Zweiter. Das Podest komplettierte der Australier Cameron Myers (3:48,35 min).

Über 5.000 Meter hatte Maximilian Thorwirth (LAV Stadtwerke Tübingen) als Tempomacher keinen ganz einfachen Job, denn das Feld verlor zwischenzeitlich etwas den Anschluss. Beim ersten Kilometer waren dann wieder alle dran und die Durchgangszeit von 2:33,78 Minuten entsprach genau dem Plan der Veranstalter. Einige Athleten sparten dabei sogar soviel Energie, dass sie hinten raus nochmal deutlich schneller werden konnten. So war es der Äthiopier Addisu Yihune, der nicht nur wie in Xiamen (China) wieder als Erster über die Ziellinie ging, sondern in 12:47,62 Minuten auch deutlich Florian Bremm (Franconia Athletics; 12:56,80  min) an der Spitze der Weltjahresbestenliste ablöste. 

Insgesamt blieben zehn Athleten unter dieser Zeit. Auf Platz zwei stellte Birhanu Balew (Bahrain; 12:47,73 min) einen Asienrekord auf. Europarekordler Andreas Almgren (Schweden; 12:48,61 min) wurde Dritter. Als Achter unterbot der Australier Ky Robinson in 12:50,82 Minuten den Ozeanien-Rekord (12;55,76 min). Über 800 Meter triumphierte wieder der 17-Jährige Youngster Cooper Lutkenhaus (USA; 1:42,08 min), der Olympiasieger und Weltmeister Emmanuel Wanyonyi (Kenia; 1:42,09 min) um gerade einmal eine Hundertstel distanzierte. 

Yemisi Mabry konstant über 19 Meter

Im Kugelstoßen der Frauen übertraf Olympiasiegerin Yemisi Mabry (MTG Mannheim) gleich dreimal die 19-Meter-Marke. Dieses konstante Niveau mit der Tagesbestweite von 19,19 Metern brachte ihr Rang vier ein. Ganz vorne war es diesmal Hallen-Weltmeisterin Chase Jackson (USA), die mit 20,74 Metern den Sieg davon trug, nachdem Jessica Schilder die ersten beiden Stationen der Diamond League für sich entschieden hatte. Die Hallen-Weltmeisterin aus den Niederlanden wurde diesmal mit 20,11 Metern Zweite. Wieder den dritten Platz belegte Sarah Mitton (Kanada; 19,89 m).

Speerwerferin Yan Ziyi (China) hatte ihre Konkurrenz mit einem Wurf auf 67,11 Metern wieder im Griff. Die U20-Weltmeisterin bestätigte damit ihren zweitbesten Wurf der Geschichte (71,74 m), den sie beim Saisonauftakt in Xiamen rausgehauen hatte. Über 200 Meter der Männer kam U20-Weltrekordler Gout Gout (Australien) bei seinem Diamond League-Debüt als Sechster (20,60 sec) an. Olympiasieger Letsile Tebogo (Botswana; 19,84 sec) war an diesem Abend in einer anderen Leistungsklasse unterwegs.

Ihrer Konkurrenz über 100 Meter auf und davon stürmte Olympiasiegerin Julien Alfred (St. Lucia; 10,76 sec). Die Zeit geht wegen des Rückenwindes von 3,2 m/sec aber nicht in die Bestenlisten ein. Wie schon am Sonntag in Stockholm hieß der Sieger im Stabhochsprung Kurtis Marschall (Australien; 5,82 m). Diesmal war Emmanouil Karalis (Griechenland) als Sechster (5,62 m) der geschlagene Favorit. Einen Heimsieg mit einer starken Zeit (49,52 sec) feierte Henriette Jaeger (Norwegen) über 400 Meter. Mit Windunterstützung (+2,6 m/sec) landete Dreispringer Jordan Scott (Jamaika) bei 17,66 Metern. Eine Weit, die auch Hallen-Weltmeister Andy Diaz Hernandez (Italien; 17,59 m) nicht toppen konnte.  

Die Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik.

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