Von der U20 bis zu den Mastersklassen: Bei den Deutschen Langstreckenmeisterschaften in Celle hat sich am Samstag die deutsche Lauffamilie eingefunden, um ihre Meisterinnen und Meister zu ermitteln. Bei den Frauen zeigte über 10.000 Meter Blanka Dörfel ein beeindruckendes Rennen. Bei den Männern war Nick Jäger nicht zu schlagen.
Frauen / U23
10.000 Meter
Blanka Dörfel veredelt Gold-Solo mit EM-Norm
Das 10.000-Meter-Rennen lief am Samstagabend in Celle anders, als es wohl die meisten Experten erwartet hätten. Gleich nach dem Startschuss setzte sich Blanka Dörfel (Berlin Athletics) an die Spitze und spulte die Runden etwa in 76 Sekunden – gleichbedeutend mit 3:10 Minuten pro Kilometer – ab. Nach und nach schüttelte sie eine Konkurrentin nach der anderen ab. Zuletzt verlor Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen) den Anschluss. Zwar konnte die 24-Jährige die Pace auf der zweiten Streckenhälfte nicht mehr ganz halten, doch mit 31:53,60 Minuten steigerte Blanka Dörfel ihre Bahn-Bestzeit um zwei Minuten und darf mit erfüllter Norm als Deutsche Meisterin mit einem EM-Start in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) planen.
„Ich war mit gar keinem Ziel ins Rennen gegangen. Ich wollte einfach ein rundes Rennen laufen, auch wenn es hart wird. Und die zweite Rennhälfte war richtig hart“, sagte Blanka Dörfel nach ihrem Triumph. Silber sicherte sich Deutschlands Jahresschnellste Lisa Merkel mit 32:36,03 Minuten. Bronze ging unter der Anfeuerung ihrer Tochter an Marathon-Spezialistin Fabienne Königstein (Hannover 96; 33:03,27 min). Die Medaillenkandidatinnen Eva Dieterich (LG Stadtwerke Tübingen) und Elena Burkard (LG Farbtex Nordschwarzwald) konnten das Rennen nicht beenden. „Das war einfach nicht mein Tag“, sagte Elena Burkard.
Das U23-Rennen entschied Carolina Schäfer (TG Schwalbach) mit 33:14,94 Minuten vor Pia Schlattmann (LG Brillux Münster; 33:48,33 min) und Johanna Ewert (Hannover 96; 35:24,89 min) für sich. Allerdings wurde Pia Schlattmann aufgrund einer nicht genehmigten Einlegesohle in den Spikes nachträglich disqualifiziert. So ging Silber an Johanna Ewert, Bronze an Leonie Kruse (LG Brillux Münster; 35:30,76 min).
Für die Deutsche Meisterin Blanka Dörfel war das Rennen in Celle das erste des Jahres. Das zweite folgt kommendes Wochenende beim Halbmarathon in Mainz. „Weiter haben wir die Saison noch nicht geplant“, sagte die Berlinerin, die von Dieter Hogen trainiert wird. „Aber die zweite Hälfte war heute schon richtig hart. Vielleicht probiere ich in den kommenden Wochen, auch die EM-Norm über 5.000 Meter zu unterbieten.“
Männer / U23
10.000 Meter
Nick Jäger macht das Rennen
Die letzte Entscheidung des Tages war bis zur finalen Runde offen. Dann zündete Nick Jäger (Franconia Athletics) den Turbo und legte den nötigen Abstand zwischen sich und Jonathan Dahlke (TSV Bayer 04 Leverkusen). Der Hindernisspezialist vertraute dabei auf seine Grundschnelligkeit und behielt recht. Mit 29:17,45 Minuten setzte er sich vor dem Leverkusener (29:20,20 min) durch. Das Podium komplettierte der zweite Leverkusener Jona Bodirsky (29:24,87 min).
„Es war vielleicht nicht die feine Art, dass ich nur mitgelaufen bin und keine Führungsarbeit gemacht habe. Aber so sind Meisterschaftsrennen halt“, sagte Nick Jäger nach dem Lauf zu Gold. Für ihn war es das „erste echte 10.000-Meter-Rennen“ der Karriere. Nun konzentriert er sich wieder auf die kürzeren Strecken. „In zwei Wochen starte ich in Pliezhausen über 2.000 Meter Hindernis“, so Nick Jäger. Der Franke könnte in Celle übrigens zum Doppelmeister werden. Morgen ist er über 3x1.000 Meter für seinen Verein gemeldet. „Ob ich am Sonntag starte, werden wir aber erst kurzfristig entscheiden“, so Nick Jäger.
Die drei Medaillengewinner der U23 blieben allesamt unter 30 Minuten. Mit 29:43,21 Minuten ging der Sieg an Anton Saar (Erfurter LAC). Auf dem Silberrang folgte Lars Franken (LG Olympia Dortmund; 29:53,18 min), Bronze sicherte sich Christopher Dahlmeyer (TSV Bayer 04 Leverkusen) mit 29:58,08 Minuten.
Weibliche Jugend U20
5.000 Meter
Gloria Herold und Adda Werner fordern Julia Ehrle
Das Rennen begann wie erwartet: Julia Ehrle (LG Farbtex Nordschwarzwald) schlug ein schnelles Tempo an und setzte sich sofort vom Feld ab. Der Vorsprung der Top-Favoritin wuchs Runde um Runde. Allerdings nur auf der ersten Rennhälfte. Dann wurde die U20-Weltmeisterin im Berglauf deutlich langsamer, sie blickte sich immer wieder um und Adda Werner (SCC Berlin) und Gloria Herold (Race Erfurt) kamen immer dichter heran.
500 Meter vor dem Ziel hatte das Duo die Lücke geschlossen und zog an der Schwarzwälderin vorbei. Doch Julia Ehrle ließ sich nicht abschütteln. 300 Meter vor dem Ziel setzte sie zum Konter an – und der saß. Mit 16:36,38 Minuten lief die U20-EM-Dritte doch noch souverän zum Titel. Dahinter folgte in ihrem ersten 5.000-Meter-Rennen überhaupt Gloria Herold mit 16:39,80 Minuten. Bronze ging mit 16:44,99 Minuten an Adda Werner.
„Ich stecke aktuell mitten im Abitur. Aber den Sieg wollte ich mir natürlich nicht nehmen lassen“, sagte Julia Ehrle. Eingangs der letzten Runde sah Adda Werner noch extrem frisch aus, „doch auf den letzten 200 Metern waren keine Kräfte mehr da“, so die Berlinerin. Gloria Herold war mit Debüt-Silber natürlich zufrieden. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich auf der letzten Runde noch mithalten kann.“ Zwar verpasste das Trio die Norm für die U20-WM im August in Eugene (USA) von 16:25,00 Minuten. Doch alle drei werden in den kommenden Wochen weitere Möglichkeiten geben, die WM-Vorgabe zu attackieren.
Männliche Jugend U20
5.000 Meter
U18-Youngster Maximilian Rath macht das Rennen
Die U20-Läufer ließen es über 5.000 Meter zunächst ruhig angehen. Ein gutes Dutzend Läufer drehten in der Spitzengruppe im 3:00-Minuten-Schnitt ihre Runden. Erst etwa 1.200 Meter vor Schluss beschleunigte Benjamin Klonowski (TuS Lichterfelde) und sprengte die Spitzengruppe. Nur Maximilian Rath (LG Stadtwerke München) und Jonathan Albustin (LG Brillux Münster) hielten Anschluss.
Der Münchner hatte eingangs der letzten Runde keine gute Position, doch der Youngster – im Januar erst 17 Jahre alt geworden – nutzte eine Lücke zwischen seinen beiden Konkurrenten und schlüpfte hindurch. Es sollte der entscheidende Vorstoß sein. Denn bis zum Ziel gab Maximilian Rath den Vorsprung nicht mehr aus der Hand. Mit 14:36,86 Minuten siegte er vor Benjamin Klonowski (14:38:17 min) und Jonathan Albustin (14:39,66 min), der wie der Deutsche Meister noch der U18-Klasse angehört.
„Ich habe mich auf der letzten Runde noch richtig gut gefühlt. 300 Meter vor Schluss gab es dann diese kleine Lücke, die ich genutzt habe“, jubelte Maximilian Rath nach seinem Gold-Coup. Etwas enttäuscht war hingegen Benjamin Klonowski, der im Vorfeld starke Zeiten über 10 Kilometer (29:55 min) und im Halbmarathon (64:47 min) gezeigt hatte. „Diese Woche lief einfach nicht viel zusammen“, so der Berliner. Sein Ziel – die U20-WM-Norm von 14:08,00 Minuten – will er in den kommenden Wochen noch einmal in Angriff nehmen.
Masters Frauen
5.000 Meter
Annika Börner gewinnt enges W35-Rennen
Bei den jüngeren Mastersläuferinnen setzte sich schnell ein W35-Trio ab: Annika Börner (Ayyo Team Essen), Katka Wenzler (LG Würm Athletik) und Kerstin Bertsch (SSC Hanau-Rodenbach). Zu dritt spulten sie Runde um Runde ab. Erst auf dem letzten Kilometer beschleunigte Annika Börner deutlich und konnte Kerstin Bertsch abschütteln. Katka Wenzler blieb bis zum Schluss dran, konnte an ihrer Konkurrentin aber nicht mehr vorbeiziehen. Mit 17:39,19 Minuten setzte sich die Essenerin vor Katka Wenzler (17:36,08 min) und Kerstin Bertsch (17:48,76 min) durch. „Zuerst war das Tempo sehr langsam, so wie bei einem Halbmarathon. Dann wurde es aber schneller. Ich wusste, dass ich hinten raus schneller bin“, sagte W35-Siegerin Annina Börner.
Hinter dem „Youngster-Trio“ lief W45-Siegerin Elina Gradl (SC Kemmern) nach 18:25,17 Minuten ins Ziel. Dahinter folgte W40-Meisterin Alexandra Müller-Scholz (LG Göttingen; 18:29,71 min). Auch die schnellste W50-Läuferin ließ nicht lange auf sich warten. Simone Raatz (ASC Darmstadt; 18:42,68) gewann im ersten Jahr in ihrer neuen Altersklasse ihren insgesamt 32. DM-Titel. Dauerrivalin Christl Dörschel (LG Wenden) lief mit 19:29,62 Minuten auf den Silberrang.
Das erste Rennen des Nachmittags absolvierten die Mastersläuferinnen der Altersklassen W55 bis W85.Die herrschenden 26 Grad, pralle Sonne und frischer Wind forderten die Starterinnen neben den zwölfeinhalb Runden zusätzlich. Von Beginn an setzte sich Caterina Schneider (LT Ennert Bonn) an die Spitze und ließ sich den Sieg in der W55 nicht nehmen. Mit 20:46,17 Minuten siegte die Bonnerin deutlich vor W60-Siegerin Grit Dorczok (SF Neukieritzsch; 21:21,62 min). W70-Meisterin Lilo Hellenbrand (DJK Gillrath) war nach 23:15,93 Minuten im Ziel und damit knapp vor W65-Siegerin Belinda Wilke (TG Neuss; 23:22,81 min). Die weiteren Titel gingen in der W75 an Claire Schadeck-Gressel (STV Hünxe; 27:30,00 min) und an die älteste Starterin des Tages. W85-Siegerin Waltraud Bayer (LG Bremen Nord), Jahrgang 1939, absolvierte die zwölfeinhalb Runden in 39:52,03 Minuten.
Masters Männer
5.000 Meter
Danny Schneider hängt jüngere Konkurrenten ab
Der zweitälteste Läufer des Feldes im Rennen der M35, M40 und M45 drückte von Beginn an aufs Tempo: Danny Schneider (TSG Schwäbisch Hall) lief schnell einen großen Vorsprung auf seine zum Teil mehr als zehn Jahre jüngere Konkurrenz heraus. Diesen Vorsprung ließ er sich nicht mehr nehmen und lief als Erster nach 15:21,68 Minuten ins Ziel. „Kilometer drei und vier waren etwas langsamer. Aber ich musste noch ein paar Kräfte schonen, wenn die Verfolger kommen“, so Danny Schneider.
Die angesprochenen Verfolger machten zwar einige Meter gut. Einholen konnten sie Danny Schneider aber nicht. Denn besten Spurt in der M35-Klasse hatte Sebastian Elvers (TuS Sulingen). Auf den letzten 30 Metern zog er an Michael Eder (PTSV Rosenheim) vorbei und sicherte sich mit 15:30,49 Minuten den Titel. Knapp dahinter ging Silber mit 15:30,86 Minuten an den Rosenheimer. Auch die schnellsten M40-Läufer blieben unter 16 Minuten. Über den Titel jubelte nach 15:49,27 Minuten Philipp Sprotte (Hamburg Running), der sich vor Fabian Dichans (Ayyo-Team Essen; 15:53,47 min) durchsetzte.
Im zweiten Rennen wurden die Titel der M50, M55 und M60 vergeben. Ein Quintett aus drei M50- und zwei M55-Läufern drehte an der Spitze seine Runden. Vier Läufer blieben bis zum finalen Kilometer zusammen, die Entscheidung fiel erst auf der letzten Runde. Die besten Beine hatte auf den finalen 400 Metern Tim Gollisch. Der Läufer der LG Göttingen zog auf und davon und lief nach 16:41,35 Minuten zum Sieg. Es folgte M50-Vizemeister Carsten Hülss (ATS Buntentor Bremen; 16:45,25 min), der über viele Runden die Führungsarbeit gemacht hatte und M55-Sieger Mario Mahn (SV Unterwössen; 16:46,35 min).
„Die Sonne war schon extrem. Aber das Tempo war recht gleichmäßig und nicht zu schnell, sodass ich meine Schnelligkeit auf der letzten Runde ausspielen konnte“, sagte Tim Gollisch nach seinem Sieg. Auch Mario Mahn war zufrieden: „Das Tempo hat mir in die Karten gespielt“, so der M55-Meister. Markus Mey (Milers Colonia) musste auf dem letzten Kilometer abreißen lassen, mit 17:04,10 Minuten sicherte er sich M55-Silber. Wenig später kamen die schnellsten M60-Läufer ins Ziel. Den Titel sicherte sich Ingo Wissmann (SV Brackwede) mit 17:31,74 Minuten knapp vor Burkhard Wrenger (LG Lage-Detmold-Bad-Salzuflen; 17:41,21 min).
Den Auftakt für die drei Mastersläufe machten die Starter der Altersklasse M65 bis M85. Schnell setzte sich Helmut Strobl (LG Allgäu) an die Spitze und gab diese bis zum Ziel nicht mehr ab. Der Allgäuer gewann das Rennen und die M65-Wertung mit 19:45,26 Minuten. Hinter M65-Vizemeister Gerald Zielinsky (TSV Rot-Weiß Zerbst; 20:09,65 min) lief mit Wolfgang Leonhard ein zweiter Läufer der LG Allgäu mit 20:16,57 Minuten zum M70-Titel. Die Altersklasse M75 war eine klare Angelegenheit für Dietmar Schmidt (TuS 06 Waldbröl), der mit 23:26,13 Minuten triumphierte. Die weiteren Titel gingen in der M80 an Alfred Hermes (TV Huchem-Stammeln; 25:57,92 min) und in der M85 an Ernst Dieter Schmidt (Unterländer LG; 29:31,75 min).