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Geburtstag einer Sport-Legende: Ulrike Nasse-Meyfarth wird 70

© Gladys Chai von der Laage
Ulrike Nasse-Meyfarth hat mit ihren Olympiasiegen 1972 und 1984 Sportgeschichte geschrieben. Dabei musste die Hochspringerin zwischen ihren Triumphen viele Rückschläge überwinden. Am Montag (4. Mai) feiert die ehemalige Weltrekordlerin ihren 70. Geburtstag.
Martin Neumann / dpa

Am 4. September 1972 beginnt eines der bis heute größten Märchen des deutschen Sports. Im mit 80.000 Zuschauern besetzten Münchner Olympiastadion springt eine 16-jährige Gymnasiastin aus dem Kölner Vorort Wesseling im Hochsprung-Finale über 1,92 Meter. Nach dem Blick auf die liegengebliebene Latte reißt Ulrike Nasse-Meyfarth die Arme hoch – ein purer Freudentaumel folgt. Denn damit ist ihr – der damit bis heute jüngsten Einzel-Olympiasiegerin (16 Jahre und 123 Tage) in der Leichtathletik – die Goldmedaille nicht mehr zu nehmen. Und das mit neuem Weltrekord.

Damals trainierte sie bei Günter Janitz beim TuS Wesseling. Das dortige Stadion trägt seit 2004 ihren Namen. „Ich stamme aus Wesseling, hatte dort als Schülerin kurze Wege und gute Bedingungen. Es gab für mich keinen Grund zu wechseln und der Olympiasieg für den Verein war ja gar nicht absehbar. Ich bin auch davon vollkommen überrumpelt worden“, blickt die erfolgreichste Athletin des Vereins zurück. Bei den Deutschen Meisterschaften zuvor in München war die Hochspringerin mit 1,79 Metern lediglich Dritte geworden, ihre Bestleistung vor dem olympischen Finale lag bei 1,85 Metern.

Jüngste und älteste Hochsprung-Olympiasiegerin

Zwölf Jahre später wiederholte Ulrike Nasse-Meyfarth, die am Montag (4. Mai) ihren 70. Geburtstag feiert, den größtmöglichen olympischen Triumph. Mit 2,02 Metern triumphiert sie 1984 in Los Angeles bei ihrem letzten internationalen Wettkampf. Zwölf Jahre nach ihrem ersten Olympiasieg und nach unzähligen Rückschlägen und Tiefen. Gleichzeitig wird sie durch ihren zweiten Sieg die bis dato jüngste und älteste Hochsprung-Olympiasiegerin.

Zwischen ihrem ersten Olympiasieg und der EM 1982 in Athen konnte Ulrike Nasse-Meyfarth keine Medaille bei einer internationalen Freiluft-Meisterschaft in der Frauenklasse gewinnen. Die größte Enttäuschung war dabei wohl das Scheitern in der Olympia-Qualifikation 1976 in Montreal mit 1,78 Metern. Die Olympischen Spiele 1980 in Moskau verpasste sie aufgrund des Boykotts der westlichen Länder. „Zwölf Sommer Einsamkeit vergingen“ zwischen 1972 und 1984, beschrieb sie Jahre später in ihrer Biografie die Zeit zwischen München und Los Angeles.

Von 1,92 auf 2,03 Meter: Drei Weltrekorde innerhalb von elf Jahren

Ulrike Nasse-Meyfarth, wie sie seit 1987 nach der Hochzeit mit dem Rechtsanwalt Roland Nasse heißt, lebt seit den 1990er-Jahren in Odenthal im Bergischen Land in der Nähe von Köln. Ihre beiden gemeinsamen Töchter sind längst erwachsen und die Nasse-Meyfarths Großeltern. Über viele Jahre arbeitete die zweimalige Olympiasiegerin in der Nachwuchsabteilung vom TSV Bayer 04 Leverkusen, für den sie jahrelang selbst startete. Mittlerweile genießt sie ihren Ruhestand.

Gelegentlich tritt Ulrike Nasse-Meyfarth noch in der Öffentlichkeit auf, beispielsweise im Dezember bei „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden. Den Preis gewann die Hochspringerin selbst zwischen 1981 und 1984 viermal in Folge. Neben den zwei Olympiasiegen und den EM-Siegen 1982 im Freien und in der Halle sowie 1984 in der Halle sprang sie dreimal Weltrekord. 1972 in München stellte sie die Bestmarke der Österreicherin Ilona Gusenbauer ein, zehn Jahre später bei der EM in Athen verbesserte sie den Weltrekord von Sara Simeoni (Italien) um einen Zentimeter auf 2,02 Meter. Ihre Bestleistung von 2,03 Metern – aufgestellt 1983 beim Europacup in London – bedeutete ebenfalls Weltrekord.

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