Einige deutsche Top-Athletinnen und -Athleten nutzten das optimale Leichtathletik-Wetter am Sonntag beim Rehlinger Pfingstsportfest für Siege, Stadionrekorde und Normen zum Saisoneinstieg. Malaika Mihambo siegte im Weitsprung ebenso wie Eileen Demes und Owe Fischer-Breiholz über 400 Meter Hürden jeweils mit EM-Norm. Henrik Janssen war mit dem Diskus so nah wie noch nie am schwedischen Weltmeister Daniel Ståhl dran.
Publikumsliebling Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) machte es spannend bei der 61. Auflage des Internationalen Rehlinger Pfingstsportfestes. Bei ihrem Weitsprung-Saisoneinstieg kam die Tokio-Olympiasiegerin am Samstag zwar schon im zweiten Versuch auf gute 6,70 Meter, im dritten Durchgang wurde sie aber mit 6,81 Metern von der Olympia-Achten Ackelia Smith (Jamaika) übertroffen und lag bis zum sechsten Versuch nur noch auf Rang zwei. Bei ihrem letzten Sprung bewies sie dann wieder ihre berühmte Nervenstärke und holte sich mit 6,82 Metern unter dem lauten Jubel der Zuschauer doch noch den Sieg.
„Das war heute ein ganzes Stück Arbeit“, verriet sie anschließend. „Mit dem Einstieg bin ich aber auf jeden Fall zufrieden. Darauf kann man aufbauen. Mehrere Trainingsbestleistungen zeigen, dass noch viel Potenzial da ist.“ In der Halle habe sie sich unter Wert verkauft. Nun freut sich die 32-Jährige, dass es draußen direkt weiter ging als in der gesamten Indoor-Season, „obwohl der Sprung noch gar nicht richtig getroffen war.“ Nebenbei übertraf sie auch die Norm (6,77 m) für die Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien, 10. bis 16. August) und stellte einen neuen Meetingrekord auf.
Fischer-Breiholz und Demes überzeugen mit Sieg und EM-Norm
Über 400 Meter Hürden konnte sich Sieger Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) in starken 48,36 Sekunden über die EM-Norm freuen. „Ich wusste, dass heute einiges möglich ist. Das war eine super Zeit und ein super Einstieg. Ich bin extrem zufrieden“, strahlte er nach dem Lauf. Nach seinem schnellsten bisherigen Saisoneinstieg sieht der U23-Europameister aber noch weitere Steigerungsmöglichkeiten. „Hürdentechnisch war noch nicht alles perfekt. Der Lauf war zum Teil auch noch etwas unrund.“ Für die EM gibt er das Finale als Ziel aus. Platz zwei belegte im Bungertstadion der EM-Siebte Matic Ian Guček (Slowenien; 48,40 sec).
Bis ins EM-Finale soll es auch für Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) gehen. Sie siegte in Rehlingen mit neuem Meetingrekord von 55,07 Sekunden und stieg so schnell wie noch nie in eine Saison über 400 Meter Hürden ein. „Vom Rhythmus her war das bis auf die zehnte Hürde schon ganz gut. Da habe ich heute noch einen Schritt zu viel gemacht und mich nicht getraut“, analysierte sie ihren Lauf. „Ich habe auf eine solche Zeit gehofft und bin im Großen und Ganzen schon zufrieden, will mich aber noch steigern.“
Da sie in Großbritannien geboren ist und die doppelte Staatsbürgerschaft hat, sei die EM in Großbritannien ein „großes Ding“ für sie. „Da freue ich mich schon drauf und möchte ins Finale. Zudem habe ich diese Saison auch die 54 Sekunden als nächste Schallmauer im Blick.“ Die in Rehlingen Zweitplatzierte Elena Kelety (Frankfurt Athletics) hatte sich von der Zeit „ein bisschen mehr erhofft“, will aber auf dem Rennen aufbauen und hat ebenfalls das EM-Finale als Ziel im Kopf.
Diskus-Weltmeister Daniel Ståhl siegt knapp vor Henrik Janssen
Einen weiteren Meetingrekord gab es im hochkarätig besetzten Diskuswurf der Männer. Hier siegte der schwedische Weltmeister Daniel Ståhl mit 69,01 Metern vor Henrik Janssen (Sportclub Magdeburg). 68,54 Meter bedeuteten für den Deutschen Meister Saisonbestleistung und erneut EM-Norm. „Nur knapp 50 Zentimeter auf Daniel hatte ich auch noch nicht und schlagen konnte ich ihn noch nie. In dem Feld heute Platz zwei, da kann ich nicht meckern“, freute er sich. Dritter wurde Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) mit 64,58 Metern vor dem bisherigen Meetingrekordhalter Lukas Weißhaiding (Österreich; 63,20 m).
Bei den Frauen sicherte sich die deutsche Jahresbeste Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen) mit 62,63 Metern im letzten Wurf noch den Sieg vor der lange führenden Leia Braunagel (Eintracht Frankfurt; 62,05 m). „Es war sehr schwierig heute. Technisch habe ich es nicht ganz hinbekommen“, haderte die Siegerin im Anschluss. „Ich habe mich dann an die EM in Rom erinnert, als ich auch nur noch eine Chance hatte und mich zwingen musste, weit zu werfen. An einem Tag wie heute zählt der Sieg dann mehr als die Weite.“
Yemisi Mabry als Zweite trotzdem zufrieden
Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Mabry (MTG Mannheim) hatte in Rehlingen den größten Fanclub dabei, musste sich am Ende aber mit 18,81 Metern und Rang zwei zufrieden geben. „Nach einer Mandelentzündung bin ich noch nicht wieder bei alter Stärke. Das kenne ich aber schon von letzter Saison. Heute war Saisonbestleistung, daher bin ich auch mit Platz zwei voll im Plan“, bilanzierte sie. „Das Training ist komplett auf die EM ausgerichtet, um dort 20 Meter anbieten und um die Medaillen mitkämpfen zu können.“ Mit 19,45 Metern sicherte sich Fanny Roos (Schweden) ihren zweiten Sieg in Rehlingen nach 2024. Dritte wurde Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge), die wie Mabry auf 18,81 Meter kam.
Über 400 Meter der Frauen konnte sich Johanna Martin (1. LAV Rostock) gleich zum Saisonauftakt über eine neue persönliche Bestzeit freuen. Sie hatte in 51,30 Sekunden nur knapp das Nachsehen gegenüber Paris Peoples (USA; 51,24 sec) und war selbst ein wenig überrascht. „Mit der Zeit habe ich nach dem ganzen Abi-Stress nicht gerechnet. Damit bin ich auf jeden Fall sehr zufrieden“, freute sie sich. „Nur schade, dass noch genau eine Zehntelsekunde zur EM-Norm gefehlt hat.“ Die nächste Chance bietet sich bereits am kommenden Sonntag (31. Mai) beim Goldenen Oval in Dresden (hier gibt's Tickets).
Smilla Kolbe mit schnellstem bisherigen Season-Opener
Über 800 Meter der Frauen lagen die ersten vier Läuferinnen alle innerhalb von nur 35 Hundertstelsekunden. Beim Sieg der Französin Charlotte Dumas in 2:00,49 Minuten hinterließ auch die Deutsche Meisterin Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) als Vierte in 2:00,81 Minuten einen starken Eindruck. „Damit bin ich sehr zufrieden. Das war mein bisher schnellster Season-Opener“, strahlte sie. „Ich hätte aber noch etwas früher den Endspurt anziehen können. Am Ende hatte ich noch zu viel Energie.“
Bei den Männern attackierte der Deutsche Meister Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen; 1:47,14 min) dagegen zu früh und wurde als Führender auf der Zielgeraden beim Sieg von Ramon Wipfli (Schweiz; 1:46,42 min) noch bis auf Rang acht durchgereicht. Für das stärkste Mittelstreckenresultat sorgte über 1.500 Meter der Norweger Narve Gilje Nordås in 3:32,52 Minuten, bei den Frauen gewann die Britin Sarah Calvert (4:12,01 min). Im Hochsprung triumphierte Marija Vuković (Montenegro) mit 1,94 Metern.
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