Unter dem Motto: „Now or never“ – „Jetzt oder nie“ feierte die Lange Laufnacht in Karlsruhe am Samstag ihr 10-jähriges Jubiläum. Während für die absolute Spitzenleistung der junge Australier Cam Myers sorgte, überzeugten auch die deutschen Top-Läufer um Alexander Stepanov und Lisa Merkel sowie der U20-Nachwuchs.
Es war das zehnjährige Jubiläum und einmal mehr erwies sich die Lange Laufnacht in Karlsruhe am Samstag als eines der renommiertesten deutschen Laufevents auf der Bahn. Wenngleich der Titel angesichts des mehr als zwölfstündigen Wettkampftages untertrieben ist, waren es vor allem die Athletinnen und Athleten im Hauptprogramm, welche die hervorragenden Bedingungen bei bestem Sommerwetter im Carl-Kaufmann-Stadion für sich nutzten.
Allen voran der australische Youngster Cam Myers. Der erst 19-Jährige zeigte sich vollkommen unbeeindruckt von der international starken und zum Teil deutlich älteren Konkurrenz und zog sein Rennen kontrolliert durch. Erst gut 200 Meter vor dem Ziel drückte er im A-Lauf über 800 Meter aufs Tempo und setzte sich an die Spitze des Feldes – dicht an seinen Fersen verfolgt vom Deutschen Meister Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen). Doch während der 21-jährige Deutsche auf der Zielgeraden dem Antritt etwas Tribut zollen musste, spurtete Cam Myers souverän zu einem neuen Meetingrekord.
Alexander Stepanov zeigt aufsteigende Form
In 1:44,05 Minuten unterbot er als erster Läufer in Karlsruhe die 1:45-Minuten-Marke – der alte Meetingrekord stand bei 1:45,06 Minuten – und verwies den Schweizer Ramon Wipfli (1:45,13 min) und Alexander Stepanov (1:45,44 min) auf die Plätze. Als Drittplatzierter hatte der Sindelfinger Stepanov dennoch Grund zur Freude: Er steigerte seine Saisonbestleistung aus der Vorwoche (1:47,14 min) deutlich und baute seinen Vorsprung in der aktuellen deutschen Jahresbestenliste über 800 Meter der Männer aus.
Im Livestream-Interview der LG Region Karlsruhe lobte er die guten Bedingungen des Meetings und verriet, dass seine Form nach einer Wadenzerrung sowie einer Lebensmittelvergiftung im Trainingslager erst allmählich wieder steigt. Entsprechend gilt es für ihn zunächst, sich im Training weiter zu verbessern, Lücken zu füllen und an den Basics zu arbeiten, um spätestens bei den Deutschen Meisterschaften wieder in Top-Form zu sein und die Mission Titelverteidigung anzugehen. Für den Deutschen Vizemeister Tim Holzapfel (LV Pliezhausen 2012) wurden 1:47,98 Minuten gestoppt, Tobias Tent (LG Stadtwerke München) verbesserte sich auf 1:48,43 Minuten.
U20-WM-Norm für Guttke und Hirt
Die Siegerin über 800 Meter in der Frauenkonkurrenz war Liselot Smolders aus Belgien (2:01,74 min), als beste Deutsche lief U20-Athletin Helena Guttke (LC Top Team Thüringen; 2:03,60 min) auf Rang sieben. Damit blieb sie zugleich deutlich unter der Norm (2:07,50 min) für die U20-WM in Eugene (USA; 4.-9. August), gleichermaßen wie auch die Gesamtachte Leni Hirt (LG farbtex Nordschwarzwald; 2:03,60 min).
Beide Nachwuchsläuferinnen überzeugten bereits am Nachmittag im Vorprogramm, ebenso wie Tom Stöber (TV Wetzlar), der zwei schnelle Stadionrunden inklusive starkem Finish abspulte und im Ziel mit neuer Bestleistung belohnt wurde. Zugleich schob sich der 20-Jährige mit 1:46,90 Minuten auf Platz zwei der DLV-Jahresbestenliste über 800 Meter der Männer.
Vanessa Mikitenko zeigt Kampfgeist
Ihre Wettkampfklasse stellte über 1.500 Meter Vanessa Mikitenko (Silvesterlauf Trier) unter Beweis. Trotz eines unrunden Rennverlaufes und einem Stolperschritt, der sie kurz aus dem Rhythmus brachte, sicherte sich die 20-Jährige mit einer starken Zielgeraden in 4:11,79 Minuten knapp den Sieg vor Lera Miller (VfL Löningen; 4:11,92 min) und Marie Bilo (4:12,00 min) aus Belgien. Alle drei Athletinnen erreichten zugleich jeweils eine neue Bestzeit – für U20-Athletin Lera Miller war es zudem erneut die Norm (4:24,00 min) für die U20-WM. Diese konnte auch noch Vereinskollegin Paula Terhorst (4:16,81 min) unterbieten.
Welch erstklassiges Rennen die Männer über 1.500 Meter auf die Bahn brachten, beweist allein der Blick auf den bisherigen Meetingrekord (3:35,21 min) aus dem Jahr 2024. Gleich sieben Athleten blieben unter dieser Marke, am schnellsten unterwegs war dabei Martin Segurola aus Spanien. In 3:33,81 Minuten setzte er sich vor seinem Landsmann Adrian Ben (3:33,99 min) und Noah Baltus (Niederlande; 3:34,38 min) durch. Bester DLV-Athlet wurde Florian Zittel (Colonge Athletics; 3:37,55 min) auf Rang 13, der Deutsche Vizemeister Marc Tortell (Athletics Team Karben; 3:43,72 min) erwischte kein guten Renntag und blieb klar unter seinen Möglichkeiten.
Lisa Merkel schnuppert am EM-Ticket
Die längste in Karlsruhe gelaufene Distanz waren am Samstagabend die 5.000 Meter. Angeführt von der Italienerin Micol Majori (15:15,24 min), die mit Sicherheitsabstand zur Verfolgergruppe das Feld dominierte, zeigte dahinter vor allem Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen) ein gutes Rennen. Wenngleich sie auf der Schlussgeraden keinen Platz mehr gutmachen konnte und Vierte wurde, steigerte sie ihre Bestleistung auf 15:17,74 Minuten und blieb damit erstmals auch unter der DLV-Leistungs-Bestätigungsnorm (15:20,00 min) für die EM in Birmingham (Großbritannien; 10.-16. August). Die Deutsche Meisterin von 2024 Hanna Klein (LAV Stadtwerke Tübingen) lief bei ihrem Saisoneinstieg auf der Bahn 15:39,12 Minuten und wurde Fünfte.
Bei den Männern steigerte der Kenianer Ulaban Kosgei den Meetingrekord aus dem Jahr 2024 (13:28,15 min) auf starke 13:25,39 Minuten und ließ der Konkurrenz um den Äthiopier Kefyalew Sileshi Kifle (SV Fun-Ball Dortelweil; 13:31,11 min) sowie Yahya Aouina el Karboubi (Spanien; 13:38,32 min) keine Chance. Jona Bodirsky (TSV Bayer 04 Leverkusen) kam in 13:43,30 Minuten auf Rang fünf.
Starkes Hindernisrennen von U20-Läufer Jakob Rödel
Im Vorjahr noch mit Meetingrekord (9:33,06 min) als Siegerin geglänzt, stellte sich Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier) nach ihrer Chinareise, auf der sie zwei Rennen in der Diamond League gelaufen war, am Samstag über 3.000 Meter Hindernis als Tempomacherin zur Verfügung. Zunutze machte sich dies die Türkin Sümeyye Erol, die in 9:40,63 Minuten als Siegerin hervorging. Die schnellste Zeit einer DLV-Athletin ging auf das Konto von Lena Rossmanith (TSV Marktoberdorf), die in 10:20,70 Minuten die Norm für die U20-WM abhaken konnte und als Siegerin des ersten Laufes über 3.000 Meter Hindernis der Frauen im Gesamtergebnis Platz zwölf belegte.
Bei den Männern hieß der Sieger nach einem einsamen Rennen Osama Zoghlami (Italien; 8:21,67 min). Der Favorit setzte sich gegen Alejandro Quijada (Spanien; 8:23,73 min) und Corneöius Konor (Kenia; 8:28,31 min) durch. Für Robin Müller (LG Ohra Energie) wäre mit einer Bestzeit von 8:26,72 Minuten ebenfalls ein Platz auf dem Podium möglich gewesen, in Karlsruhe stoppte die Uhr für ihn allerdings bei 8:37,31 Minuten – Rang 14.
Für eine weitere starke Leistung am Nachmittag sorgte Hindernisläufer Jakob Rödel (SC DhfK Leipzig), der in 8:54,06 Minuten lediglich dem Franzosen Mathis Dubois (8:49,31 min) den Vortritt lassen musste und Zweiter wurde. Zugleich unterbot er erstmals in der Saison die Norm für die U20-WM über 3.000 Meter Hindernis (9:00,00 min) und schob sich in der DLV-Jahresbestenliste der männlichen U20 auf Rang drei nach vorn