Mit einer deutschen Bestleistung über 2.000 Meter Hindernis und einer Flugshow im Weitsprung haben Lokalmatador Karl Bebendorf und Weitspringerin Malaika Mihambo am Sonntag für Höhepunkte beim „Goldenen Oval“ in Dresden gesorgt. Acht Disziplinen endeten im mit 10.000 Zuschauern ausverkauften Heinz-Steyer-Stadion mit einem DLV-Sieg und sieben mit neuen Meeting-Rekorden. Für internationale Top-Leistungen sorgten die Sprintsiegerinnen mit und ohne Hürden und Diskus-Ass Matthew Denny.
Das malerische und mit 10.000 Zuschauern ausverkaufte Heinz-Steyer-Stadion in Dresden ist am Sonntag wieder eine perfekte Kulisse für einen stimmungsvolles Leichtathletik-Spektakel gewesen. Und viele DLV-Stars und ihre starke internationale Konkurrenz nutzten diese Bühne beim „Goldenen Oval“ für hochkarätige Leistungen.
Sportlich zu Hause auf der Dresdner Bahn ist Hindernis-Spezialist Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898), der bei seinem Zieleinlauf über 2.000 Meter Hindernis allen Grund hatte, seinen Jubel herauszuschreien und das Publikum von den Sitzen riss. Von Pacemaker und WM-Finalist Niklas Buchholz (Franconia Athletics) auf den ersten 1.500 Metern perfekt auf Kurs gebracht, legte der EM-Dritte eine starke Schlussrunde hin, blieb in 5:18,29 Minuten deutlich unter seiner Deutschen Bestzeit (5:20,03 min) aus dem Vorjahr und wurde vom ganzen Stadion gefeiert.
Dresden statt Diamond League
„Ich bin wieder zurück und da, wo ich letztes Jahr in Dresden aufgehört habe. Das war wie eine Befreiung für mich und ein unglaublich geiles Gefühl. Es war das, was man sich wünscht, vor heimischer Kulisse performen zu können. Obwohl ich für das Diamond League Meeting heute Abend eine Einladung hatte, stand nie zur Debatte, mich gegen das Goldene Oval zu entscheiden. Nichts kann mich dazu bringen, bei diesem Meeting hier nicht zu laufen“, sagte Karl Bebendorf nach seinem erneuten Rekordlauf.
Von der Stimmung begeistert war auch Jan Donhauser, Erster Bürgermeister von Dresden. „Ausverkauftes Stadion, grandiose Athletinnen und Athleten sowie eine weltweite TV-Präsenz für Dresden: Der DLV hat alles richtig gemacht, denn mit dem Goldenen Oval haben wir wieder ein Weltklasse-Leichtathletik-Meeting in Sachsen. Wir möchten die Zusammenarbeit fortsetzen, damit die Sport-Fans wieder ein so tolles Leichtathletikfest erleben können,“ erklärte er. Auch der nächste Termin des Meetings steht schon fest. Das Goldene Oval 2027 ist für den 30. Mai geplant.
Malaika Mihambo und Yemisi Mabry begeistern
Wieder einmal etwas Geduld benötigten Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) und das Publikum im Weitsprung der Frauen. Für die Olympiasiegerin von 2021 ging erst erst nach drei Fehlversuchen so richtig los. Mit 6,72 Metern übernahm die zweimalige Weltmeisterin im vierten Durchgang die Führung und legte in ihrem folgenden Sprung 6,87 Meter nach. Das war, na klar, Meeting-Rekord. Schon eine Woche zuvor in Rehlingen war die 32-Jährige 6,82 Meter weit gesprungen. Stärker in eine Saison gestartet ist sie zuletzt 2022. Die Jamaikanerin Ackelia Smith (6,54 m) wurde Zweite vor Imke Daalmann (TSV Bayer 04 Leverkusen; 6,52 m).
Auch im Kugelstoßen überzeugte eine Olympiasiegerin aus den Reihen des DLV. Yemisi Mabry (geborene Ogunleye, MTG Mannheim) nutzte die Unterstützung der Fans für ihre ersten 19-Meter-Versuche des Sommers. Als die 27-Jährige zum zweiten Mal in den Ring trat, flog ihre Kugel auf 19,16 Meter, zum Abschluss legte sie noch einmal fünf Zentimeter drauf (19,21 m) und siegte ungefährdet vor der Schwedin Fanny Roos (18,73 m) und Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge; 18,48 m). „Die Stimmung war total toll, allein als wir vorgestellt wurden, sind die Leute auf den Rängen ausgeflippt und haben sich total gefreut, uns zu sehen. Das ist ein wertschätzendes Gefühl für uns Athletinnen und Athleten und pusht uns natürlich auch für den Wettkampf“, bilanzierte Yemisi Mabry.
Emil Agyekum und Smilla Kolbe stürmen vorne weg
In weiteren Disziplinen purzelten die Meeting-Rekorde geradezu. Dafür sorgte zum Beispiel Langhürdler Emil Agyekum (SCC Berlin). Schon im vergangenen Jahr hatte der 27-Jährige einen überaus erfolgreichen Sommer mit einem Meeting-Rekord (48,36 sec) in Dresden begonnen und letztlich mit seinen ersten Zeiten unter 48 Sekunden (47,83 sec; 47,98 sec) und Rang sechs bei der WM in Tokio (Japan) gekrönt. Diesen Sommer mit der EM in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) als Höhepunkt eröffnete der Vorjahressieger mit einer von ihm bekannt starken zweiten Rennhälfte und der Steigerung des Meeting-Rekords auf 48,23 Sekunden. Damit blieb er auch gleich wieder unter der EM-Norm (49,00 sec). Matic Ian Guček (Slowakei; 48,49 sec) und Bassem Hemeida (Katar; 48,77 sec) komplettierten das Podium.
Ein bärenstarkes Rennen legte auch Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) über 800 Meter der Frauen hin. 300 Meter vor Schluss beschleunigte die Deutsche Meisterin, setzte sich eingangs der Zielkurve an die Spitze und gab die Führung nicht mehr aus der Hand. In 2:00,02 Minuten fehlten nur drei Hundertstel zur Zwei-Minuten-Grenze und eine Sekunde zur Bestzeit. Ihre zweitschnellste Zeit der Karriere bedeutete neben dem Sieg aber auch Meeting-Rekord. Mit Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler; 2:00,67) ging auch der zweite Rang an eine DLV-Athletin vor der Kanadierin Maeliss Trapeau (2:00,76 min).
Yannick Wolf beweist Nerven wie Drahtseile
Von zwei Fehlstarts im 100-Meter-Finale der Männer ließ sich Yannick Wolf (Munich Athletics) nicht aus seiner Konzentration bringen. Nach einem starken Start zog der Deutsche Meister von 2023 sein Rennen knallhart durch und war in 10,13 Sekunden nicht zu schlagen. Seine Saisonbestzeit drückte der 26-Jährige um zwei Hundertstel und stellte ebenfalls einen Meeting-Rekord auf. Zweiter wurde der Kubaner Jenns Fernandez (10,18 sec) vor dem Portugiesen Delvis Santos (10,25 sec).
Über 100 Meter der Frauen zog Sade McCreath ihrer Konkurrenz davon. Bei ihrem Sieg sorgte sie mit 11,06 Sekunden für den nächsten Meeting-Rekord. Gina Lückenkemper (SCC Berlin) sprintete als Zweite zu einer Saisonbestleistung von 11,23 Sekunden vor der Italienerin Gloria Hooper (11,25 sec) und Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar; 11,26 sec), die im Vorlauf in 11,22 Sekunden etwas schneller unterwegs war.
Rosina Schneider und Skadi Schier steigern ihre Bestzeiten
Im Rennen über 100 Meter Hürden der Frauen schraubte die US-Amerikanerin Rayniah Jones den Meeting-Rekord auf 12,64 Sekunden und gewann vor der Ungarin Anna Toth (12,79 sec). Einen perfekten Einstieg in ihre Sommersaison legte Rosina Schneider (TV Sulz) als Dritte hin. In 12,87 Sekunden blieb die 21-Jährige auf Anhieb zwei Hundertstel unter ihrer Bestzeit und eine Hundertstel unter der EM-Norm (12,88 sec). Als Vierte unterbot erstmals in ihrer Karriere die ebenfalls erst 21-jährige Lia Flotow (1. LAV Rostock; 12,97 sec) die 13,00-Sekunden vor der Siebten der Hallen-WM Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen; 13,01 sec) und der Deutschen Meisterin Ricarda Lobe (MTG Mannheim; 13,07 sec).
Über 400 Meter der Frauen waren es die Siegerin und Hallenweltmeisterin mit der Staffel Paris Peoples (USA; 50,93 sec) und die Britin Nicole Yeargin (51,24 sec), die Deutschlands beste Athletinnen über die Stadionrunde zu schnellen Zeiten zogen. Allen voran die Deutsche Freiluft-Meisterin Skadi Schier (SCC Berlin), die ihre knapp drei Jahre alte Bestzeit als Dritte um zwei Zehntel auf 51,63 Sekunden steigerte. Ganz knapp dahinter folgte die Deutsche Hallenmeisterin Johanna Martin (1. LAV Rostock; 51,67 sec) vor Langhürdenspezialistin Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg; 52,13 sec).
Merlin Hummel und Bo Kanda Lita Baehre feiern Siege
Im Diskuswerfen der Männer wiederholte der Olympia-Dritte Matthew Denny (Australien; 67,76 m) seinen Vorjahressieg. Dahinter musste der Chinese Abuduaini Tuergong noch einmal zittern, ob seine 66,39 Meter aus Durchgang eins für den zweiten Platz reichen würden. Denn Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) fand immer besser in den Wettkampf und schleuderte die Zwei-Kilo-Scheibe im vierten Versuch ebenfalls deutlich über die 66-Meter-Marke. Gemessen wurden schließlich 66,36 Meter, die Rang drei bedeuteten. Henrik Janssen (SC Magdeburg) belegte mit 65,99 Metern Rang vier.
Quer durch das Heinz-Steyer-Stadion flogen auch 7,26-Kilogramm Wurfgeräte. Die Fliehkräfte der Hämmer am besten beherrschte an diesem Nachmittag Vizeweltmeister Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt). Der 24-Jährige erzielte die Tagesbestweite von 76,90 Metern gleich im ersten Durchgang. Dieser Weite am nächsten kamen der Tscheche Volodymyr Myslyvcuk (75,95 m) und Armin Szabados (Ungarn; 75,27 m).
Einen weiteren DLV-Sieg landete Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics) im Stabhochsprung. Bis einschließlich 5,70 Meter meisterte der 27-Jährige alle Höhen im ersten Anlauf. Erst die EM-Norm von 5,82 Meter war dann zu hoch, genauso wie für den zweitplatzierten Niederländer Menno Vloon und den drittplatzierten Türken Ersu Sasma. Die beiden schafften ebenfalls 5,70 Meter, leisteten sich vorher aber Fehlversuche.
Nach seinem unglücklichen Sturz und Handbruch bei einem Rennen in Australien meldete sich Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) fit zurück auf der Bahn. Über 1.000 Meter fehlte dem 28-Jährigen in 2:17,17 Minuten nur eine Zehntel zum Sieg. Knapp die Brust vorn hatte der Pole Bartosz Kitlinski (2:17,07 min).
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