| Diamond League Rabat

Europarekord! 7:57,80 Minuten! Frederik Ruppert legt eindrucksvoll nach

Frederik Ruppert läuft jubelnd ins Ziel © Gladys Chai von der Laage
Mit Rang zwei und deutschem Rekord war Hindernisläufer Frederik Ruppert im vergangenen Jahr beim Diamond League-Meeting in Rabat in die Weltspitze vorgestoßen. Am Sonntag beeindruckte der 29-Jährige bei der diesjährigen Ausgabe des Meetings mit der nächsten Steigerung: Er durchbrach als erster Europäer in der Geschichte die Acht-Minuten-Grenze. Als Vierter meldete sich Speerwerfer Thomas Röhler erfolgreich zurück.
Jan-Henner Reitze

Kann sich ein solcher Traumlauf wiederholen? Es ist gut ein Jahr her, dass Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) beim Diamond League-Meeting in Rabat (Marokko) den deutschen Rekord über 3.000 Meter Hindernis pulverisierte, in 8:01,49 Minuten in die Weltspitze vordrang und als Zweiter hinter dem zweimaligen Olympiasieger und lokalem Headliner des Meetings Soufiane El Bakkali ins Ziel spurtete.

Die Antwort lautet: Ja! Und es geht sogar noch mehr! Am Sonntag bei der diesjährigen Auflage des Meetings waren es wieder die 3.000 Meter Hindernis, die den Schlusspunkt des Abends setzten. Und an der Spitze wurde ein Tempo für eine Zeit deutlich unter 8:00,00 Minuten angeschlagen. Frederik Ruppert ließ es zuerst etwas ruhiger angehen, saugte sich aber Stück für Stück an das Spitzentrio heran, das wieder von Lokalmatador Soufiane El Bakkali angeführt wurde. In der Schlussrunde hatte der DLV-Athlet noch Reserven, um am letztlich drittplatzierten Simon Koech (7:59,44 min) und viertplatzierten Edmund Serem (beide Kenia; 8:01,61 min) vorbeizuziehen.

Wie schon im Vorjahr dicht auf den Fersen von Sieger Soufiane El Bakkali (7:57,25 min) stürmte Frederik Ruppert als Zweiter in 7:57,80 Minuten ins Ziel. Damit unterbot er neben seinem deutschen Rekord auch den Europarekord (8:00,09 min) des Franzosen Mahiedine Mekhissi-Benabbad aus dem Jahr 2013 und blieb als erster Europäer unter acht Minuten. Weltweit sind in der Geschichte nur elf Athleten schneller gewesen.

Europarekord war im Wintertraining im Hinterkopf

„Rabat ist für mich ein Ort voller Emotionen. Das Rennen ähnelte sehr dem letzten Jahr, ich habe es quasi kopiert, aber die Konkurrenz war noch schneller. Nach den ersten 600 Metern habe ich nicht mehr voll an mich geglaubt, weil ich mich ziemlich eingerostet gefühlt habe", erklärte Frederik Ruppert nach seinem erneuten Coup. „Aber dann lief es einfach weiter, es war wieder ein Beschleunigungsrennen. Nach meinen 8:01 Minuten im letzten Jahr war der Europarekord definitiv mein Ziel.“

27:24,53 Minuten über 10.000 Meter hatten Ende März schon eine starke Form angedeutet. „Auch die letzten Trainingseinheiten waren fantastisch, das hätte ich letztes Jahr nicht geschafft. Ich wusste also, dass ich gut in Form war“, so der EM-Vierte. Als nächste Stationen sind in Turku (Finnland; 3. Juni) Starts über 5.000 Meter und Hengelo (Niederlande; 21. Juni) über 1.500 Meter geplant. 

„Es ist unglaublich, als erster Europäer die Acht-Minuten-Marke geknackt zu haben. Ich habe den ganzen Winter mit diesem einen Ziel vor Augen trainiert und keinen einzigen Trainingstag ausgelassen“, ergänzte der Athlet der LG Stadtwerke Tübingen. „Umso schöner ist es, dass sich die Mühe endlich auszahlt. Ich freue mich riesig auf die Europameisterschaften, alles andere ist ein Bonus.“ Ganz nebenbei ist die Norm (8:20,00 min) für die EM in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) auch in diesem Sommer abgehakt.

Thomas Röhler gleich wieder vorne dabei

Nach knapp sieben Jahren Abwesenheit meldete ich Thomas Röhler (LC Jena) zurück auf der Diamond-League-Bühne und mischte gleich wieder mit im Kampf ums Podest. 81,61 Meter zur Eröffnung reichten dazu am Ende nicht ganz. Der Olympiasieger von 2016 belegte Rang vier. Seit 2019 hatte der 34-Jährige mit verschiedenen Verletzungsproblemen zu kämpfen. In diesem Sommer klopft er wieder an der internationalen Klasse an und die Belastungsfähigkeit lässt wieder mehr Wettkämpfe zu.

„Es ist schon eine Weile her, aber es fühlt sich großartig an, wieder bei einem Diamond-League-Meeting dabei zu sein. Mein Körper ist in Topform, ich weiß, was ich tue, aber beim Speerwurf zählt jedes Detail. Der vierte Platz ist völlig in Ordnung“, erklärte der Europameister von 2018. „Es wäre schade gewesen, nach all den schwierigen Jahren nicht zurückzukommen, denn es macht mir immer noch riesigen Spaß.“ Am Donnerstag (4. Juni) ist in Rom (Italien) bei der nächsten Diamond-League-Station schon der nächste Auftritt geplant. 

In Rabat sicherte sich der zweimalige Weltmeister Anderson Peters (Grenada; 86,08 m) den Sieg. Aufsteiger Rumesh Tharanga (Sri Lanka; 85,97 m) kam auf Rang zwei vor dem Olympiasieger von 2012 und amtierenden Weltmeister Keshorn Walcott (Trinidad & Tobago; 82,52 m).

Valarie Sion und Yaroslava Mahuchikh dominieren

Eine Klasse für sich im Diskuswurf der Frauen war wieder einmal Valarie Sion (USA). Vier Würfe der zweimaligen Olympiasiegerin hätten für Platz eins gereicht, der weiteste an diesem Abend flog auf 68,75 Meter. Jorinde van Klinken (Niederlande) folgte mit 66,72 Metern vor der Überraschungs-Weltmeisterin von 2023 Laulauga Tausaga (USA; 65,94 m). Shanice Craft (SV Halle; 62,59 m) und Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen; 61,84 m) reihten sich auf den Rängen sieben und neun ein.

Ein ebenso souveräner Sieg gelang Hochsprung-Weltrekordlerin Yaroslava Mahuchikh (Ukraine). Die Olympiasiegerin meisterte bei ihrem Saisoneinstieg als einzige Athletin 1,97 Meter und scheiterte dann an 2,00-Metern beziehungsweise 2,02 Metern. Eleanor Patterson (Australien) und Angelina Topic (Serbien) meisterten als Zweite und Dritte jeweils 1,94 Meter. Imke Onnen (Cologne Athletics) musste sich diesmal mit 1,78 Metern und Rang zehn zufriedengeben.

Im Kugelstoßen der Männer war es diesmal Joe Kovas (USA; 22,58 m), der den dreimaligen Olympiasieger Ryan Crouser (USA; 21,59 m) besiegte. Olympiasiegerin Nina Kennedy (Australien) schwang sich als einzige Stabhochspringerin über 4,80 Meter.

Audrey Werro steigt fulminant ein, Max Burgin überrascht

In ihrem ersten Freiluft-Rennen des Sommers legte die Zweite der Hallen-WM über 800 Meter Audrey Werro (Schweiz) gleich mal 1:56,56 Minuten auf die Bahn. Insgesamt sieben Athletinnen blieben in dem Rennen unter 1:58,00 Minuten. Das Podest erreichten noch die Olympia-Zweite Tsige Duguma (Äthiopien; 1:57,24 min) und Weltmeisterin Lilian Odira (Kenia; 1:57,27 min).

Bei den Männern überraschte Max Burgin (Großbritannien) in 1:42,98 Minuten. Weltmeister Emmanuel Wanyoni (Kenia; 1:43,56 min) konnte den früh enteilten Sieger auf der Zielgeraden nicht mehr einholen. Die WM-Dritte über 400 Meter Hürden Emma Zapletalová (Slowakei; 52,82 sec) blieb erstmals in ihrer Karriere unter 53 Sekunden und damit auch ihrem eigenen Landesrekord. 

Kenny Bednarek lässt zwei Olympiasieger hinter sich

Zweimal Olympia-Silber hat Kenny Bednarek (USA) über 200 Meter gewonnen. Diesmal sprintete der 27-Jährige in 19,69 Sekunden den beiden Athleten davon, die ihm Olympia-Gold weggeschnappt hatten. Der Olympiasieger von 2024 Letsile Tebogo (Botswana; 19,96 sec) wurde Zweiter, der Olympiasieger von 2021 Andre de Grasse (Kanada; 20,16 sec) kam als Fünfter ins Ziel. 

Schnellste 100-Meter-Sprinterin war die Jamaikanerin Tina Clayton in 10,85 Sekunden. Außerhalb der Diamond League-Kategorie spulte Weltrekordlerin Tobi Amusan (Nigeria) die 100 Meter Hürden in 12,28 Sekunden ab.

Die Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik.

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