| Essen

Tobias Potye krönt mit 2,30 Metern den ersten „Tag der Überflieger“

Der deutsche Hochspringer jubelt über einen gelungenen Sprung und schaut dabei auf die liegengebliebene Latte. © Stefan Mayer
Die hochsommerlichen Temperaturen konnten die Springerinnen und Springer am Samstag beim „Tag der Überflieger“ in Essen nicht stoppen. Allen voran Tobias Potye begeisterte die Fans auf dem Kennedyplatz mit seinem 2,30-Meter-Sprung. Am ersten Meetingtag gab es drei neue Veranstaltungsrekorde inklusive einer tollen Steigerung eines deutschen Hochsprung-Talents.
Martin Neumann

Fast acht Stunden Spitzensport mitten in der Essener Innenstadt: Der erste Tag der „Tage der Überflieger“ brachte faszinierende Leichtathletik-Disziplinen ganz dicht dran an die Menschen. Und die Tribünen am Kennedyplatz waren – trotz hochsommerlicher Temperaturen – gut gefüllt. Da geizten auch die Springerinnen und Springer nicht mit Top-Leistungen. So wurden beim zehnten Jubiläum gleich drei Meetingrekorde aufgestellt.

Bei den Hochspringern entschied der letzte Versuch der Konkurrenz über den Sieg. Christian Falocchi (Italien) und der Deutsche Hallenmeister Falk Wendrich (LAZ Soest) hatten bereits drei Fehlversuche über 2,27 Meter verbucht. Dann trat Tobias Potye (Munich Athletics) an – und meisterte blitzsauber 2,27 Meter und damit die EM-Norm für Birmingham.

Fünfter Springer im 2,30-Meter-Klub 2026

Damit aber nicht genug. Drei Minuten später hob Tobias Potye über 2,30 Meter ab – und die Latte fiel trotz Berührung nicht. Es war der erste 2,30-Meter-Sprung des 31-Jährigen seit zweieinhalb Jahren. Damit ist der ehemalige EM-Zweite der erst fünfte 2,30-Meter-Springer des Jahres. Nach einem Fehlversuch über 2,32 Meter verzichtete Tobias Potye auf weitere Versuche. Den Meetingrekord von Olympiasieger Hamish Kerr (Neuseeland) verpasste er damit nur um einen Zentimeter. „Vielen Dank an die Veranstalter für diese tolle Veranstaltung. Nun geht es vor den Deutschen Meisterschaften und Europameisterschaften wieder ins Training“, sagte Tobias Potye nach seinem Siegessprung.

Die größte Steigerung eines Meetingrekords gelang Gabriela Leon. Die US-Amerikanerin setzte sich im Stabhochsprung souverän mit 4,60 Metern durch. Erst 4,70 Meter waren für sie am Samstagabend zu hoch. Damit steigerte sie den Meetingrekord, den unter anderem Friedelinde Petershofen (SV Werder Bremen) hielt, um 25 Zentimeter. Die Bremerin sprang exakt ihre alte Rekordhöhe und wurde damit Sechste. Rang zwei ging mit 4,55 Metern an die Norwegerin Kitti Friele Faye.

Simon Plitzko und Kevin Brucha gleichauf

Ganz dicht an seinen eigenen Meetingrekord heran sprang Gerson Baldé. Der Portugiese flog auf dem Steg mit 8,15 Metern zum Sieg. Seine eigene „Essen-Bestmarke“ verpasste der Hallenweltmeister nur um fünf Zentimeter. Hinter Ex-Weltmeister Luvo Manyonga (Südafrika; 8,04 m) landete Simon Plitzko (TSG Bergedorf) mit 7,92 Metern im sechsten Versuch auf Rang drei.

Auf exakt dieselbe Weite kam Lokalmatador Kevin Brucha (TLV Germania Überruhr) und belegte Rang vier. Zu gern hätte der 24 Jahre alte Essener, der bei der ehemaligen estnischen Siebenkämpferin Ksenija Balta trainiert, erstmals in seiner Karriere die Acht-Meter-Marke übertroffen. Doch am Samstagabend sollte es (noch) nicht sein. Doch Kevin Brucha bewies einmal mehr sein aktuell hohes Niveau. Im Saisonverlauf war er bereits 7,91 und 7,95 Meter weit gesprungen. Die Acht-Meter-Premiere scheint damit nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Luka Herden (LG Brillux Münster) wurde mit 7,72 Metern Achter.

Jacob Thomä mit starker Steigerung auf 2,20 Meter

Bereits die Nachwuchsspringer ließen zum Meetingstart am Samstagnachmittag richtig krachen. Speziell die Hochspringer pushten sich zu einem wahren Höhenrausch. Zunächst jubelte Johannes Böcher (USC Mainz) nach einem blitzsauberen ersten Sprung über 2,12 Meter über eine neue Bestleistung und die Norm für die U20-WM Anfang August in Eugene (USA). Doch zum Sieg sollte das nicht reichen. In seinem ersten U20-Jahr steigerte Jacob Thomä (Eintracht Frankfurt) seinen Hausrekord gleich zweimal. Zunächst im zweiten Anlauf über 2,16 Meter um einen Zentimeter, um nur wenige Minuten später im ersten Versuch über 2,20 Meter zu fliegen.

„Es war zwar ein bisschen warm, aber die Stimmung war super. Kommendes Jahr würde ich natürlich gern bei den Männern springen“, jubelte der Teenager nach seinem Coup in Essen. Mit seiner neuen Bestleistung wurde Jacob Thomä zum ersten deutschen 2,20-Meter-Hochspringer in der U20 seit 2018. Vor acht Jahren sprang Luca Meinke (Schweriner SC) 2,21 Meter. Ebenfalls 2,20 Meter – allerdings im dritten Anlauf – überflog Svante Svensson und steigerte sich auch um fünf Zentimeter. Damit dürfen sich der Schwede und der Frankfurter nun neue U20-Meetingrekordler nennen.

Iryna Budzynska krönt Umstieg mit Meetingrekord

Auch die Weitspringerinnen sorgten für einen neuen Meetingrekord: Die vom Hürdensprint auf den Weitsprung umgestiegene Iryna Budzynska flog im fünften Versuch auf 6,73 Meter und steigerte damit die Bestmarke von Merle Homeier um 16 Zentimeter. Als beste deutsche Weitspringerin belegte Laura Raquel Müller mit 6,32 Metern Rang fünf. Die U20-Wettbewerbe entschieden Julian Karste (VfL Wolfsburg; 7,10 m) und Lynn Michelmann (TSV Asendorf; 6,22 m) für sich.

Den Sprung vom Leistungssport ins Privatleben absolvierte in Essen Mateusz Przybylko (TSV Bayer 04 Leverkusen). Der Hochsprung-Europameister von 2018 beendete am Samstag offiziell seine Karriere. Mehr dazu. Eine Bildergalerie zur Karriere und den letzten Sprung des Leverkuseners finden Sie auf Instagram.

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

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