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Jada Julien – Eine neue Herausforderin betritt den Ring

Die deutsche Hammerwerferin Jada Julien konzentriert sich vor dem Wurf. © Theo Kiefner
Kontinuierlich näherte sich Hammerwerferin Jada Julien in diesem Sommer der 70-Meter-Marke. Doch übertreffen konnte sie diese Marke nicht – bis zum Abendsportfest vergangene Woche in Chemnitz. Sie beförderte dort ihr Arbeitsgerät auf 70,48 Meter und damit erstmals über diese magische Weitenmarke. Das bedeutete Platz zwei in der deutschen Jahresbestenliste und die DLV-Bestätigungsnorm für die EM in Birmingham. Damit ist die 22-Jährige bei der DM in Bochum nun erste Herausforderin der arrivierten Werferinnen.
Sandra Arm

DM 2026

Erstmals über 70 Meter, die-EM-Bestätigungsnorm abgehakt und eine Woche vor der DM in Bochum-Wattenscheid plötzlich mit 70,48 Metern die Nummer zwei in Deutschland: Das Abendsportfest vergangene Wochen in Chemnitz lief für Hammerwerferin Jada Julien (LV 90 Erzgebirge) perfekt. Dabei war ihr Start in Chemnitz mehr als ungewiss. Ein Infekt beschäftigte Jada Julien die zwei Wochen zuvor. „Ich hatte überlegt, nicht zu starten. Wollte den Wettkampf aber nicht gänzlich abschreiben. Ich dachte mir, dass ich probiere und schaue nach dem Einwerfen, ob ich weitermache oder nicht“, erklärt die 22-Jährige, die aufgrund der Erkältungssymptome ohne jegliche Erwartungen startete. Die Frage, die sie sich stellte: Was traue ich mir selbst zu?

Wider Erwarten lief das Einwerfen recht gut, sie entschied sich fürs Weitermachen. Der erste Versuch saß: 70,48 Meter. „Ich war danach total baff. Ich würde nicht sagen, dass der Wurf aus dem Nichts kam, aber ich habe ihn einfach nicht erwartet. Selbst mit dem Wissen, dass der Hammer im Training schon zweimal über 70 Meter geflogen ist.“ Und genau in dem Moment, wo sie ohne Druck und mit Freude in den Wettkampf ging, sollte ihr der große Wurf gelingen. „Das macht echt viel aus, wenn du gelöster in so einen Wettkampf gehen kannst. Du bist viel lockerer im Oberkörper und nicht so verkrampft. Das ist auch eine Lernerfahrung“, weiß Jada Julien jetzt.

Zwei Versuche jenseits der Bestweite

Es sollte bei diesem einen Wurf über 70 Meter bleiben. Mit 69,21 Meter war auch der zweite Versuch über der bisherigen persönlichen Bestleistung (69,10 m). Und was noch wichtiger war: Sie übertraf in Chemnitz die EM-Bestätigungsnorm von 69,50 Metern. Damit darf die Sächsin sich berechtigte Hoffnungen auf einen Start Mitte August in „Birmingham“ machen. Allerdings ist das Rennen um die 30 Startplätze sehr knapp. Einen wichtigen Schritt Richtung EM kann sie daher mit einer guten DM-Platzierung und einer ordentlichen Weite bei der DM in Bochum-Wattenscheid machen.

Dass ihre Saison erst im Juni und nicht wie gewöhnlich schon im Mai bei den Halleschen Werfertagen begann, lag in Fußproblemen begründe, die sich nach dem Wintertrainingslager in Albufeira einstellten. „Wie sich dann im Weiteren herausstellte, war es eine Belastungsfraktur im Mittelfuß. Es ging zu der Zeit gar nichts mehr“, erklärt Jada Julien ihre Zwangspause. Auf eine OP konnte verzichtet werden. Stattdessen hieß es Ruhe bewahren. „Ich hatte Glück und konnte im April wieder langsam mit dem Training beginnen. Aufgrund des späten Einstiegs in die Saison hatte ich natürlich auch einige Bedenken, ob ich trotz kürzerer Vorbereitungszeit für die Saisonhöhepunkte an mein Leistungsniveau anknüpfen kann“, zeigt sie sich einerseits erleichtert, andererseits unsicher.

In Schönebeck platzt der Knoten

Gefühlt hatte Jada Julien beim SoleCup in Schönebeck (20. Juni) den Schlüsselmoment ihrer bisherigen Saison. „Da ist innerlich der Knoten geplatzt. Meine Ängste und Bedenken haben sich langsam aufgelöst. Ich wusste, dass ich etwas kann. Als Drittplatzierte konnte ich mich im Frauenfeld beweisen und habe dadurch enorm an Selbstvertrauen gewonnen.“ Genau in jenem Wettkampf steigerte sie sich auf 68,92 Meter. Wenige Tage zuvor hatte sie bereits in Erfurt nah an die 70-Meter-Marke mit 69,10 Metern geworfen. Diese letzten Wochen haben sie auf ihrem sportlichen Weg weiter bestärkt, trotz der Rückschläge geduldig zu sein und gelehrt, locker zu bleiben – und das stets mit einem Lächeln auf den Lippen.

Für Jada Julien steht nun bereits die zweite DM in Bochum-Wattenscheid an. Vor drei Wochen trumpfte sie bei ihren letzten U23-Meisterschaften groß auf. Sie verließ den Ring als Deutsche U23-Meisterin mit einer Siegerweite von 66,66 Metern. „Mein Trainer meinte dann zum Spaß, jetzt muss ich einen ausgeben. Das habe ich gern gemacht“, sagt sie schmunzelnd. Für sie war es ein solider Wettkampf. Mit ihrem ersten 70-Meter-Wurf hat sie sich nun für ihren zweiten DM-Start in eine gute Position geschoben. Nämlich auf Platz zwei der deutschen Jahresbestenliste hinter Aileen Kuhn (Eintracht Frankfurt; 72,11 m) – und zugleich die DLV-Bestätigungsnorm von 69,50 Metern für die EM erfüllt. Das haben auch Samantha Borutta (Eintracht Frankfurt; 70,28 m) und die Deutsche U20-Rekordlerin Clara Hegemann (LG Stadtwerke München; 69,81 m). Es ist also alles angerichtet für einen spannenden Wettbewerb um die DM-Medaillen.

Mit einem Lächeln auf den Lippen

Unter Druck setzen lassen möchte sie sich nicht. Der Wettkampf in Chemnitz hat ihr Potenzial gezeigt. „Ich freue mich jetzt umso mehr auf meinen DM-Start. Ich will den Wettkampf genießen, begleitet von einem Lächeln sowie einer positiven Grundeinstellung – das hat mir zuletzt sehr geholfen“, sagt Jada Julien, die nur auf sich schauen will und auf das vertraut, was sie kann. Natürlich in Feinabstimmung mit ihrem Trainer Steve Harnapp, der die gebürtige Dresdnerin seit 2019 in Chemnitz betreut. „Mein Trainer gibt mir nach den Versuchen mit seiner Rückmeldung viel Sicherheit. Manchmal muss ich auch gar nicht zu ihm hin. Da gestikuliert er nur, und ich weiß, was er sagen möchte.“

Schließlich ist Hammerwurf eine anspruchsvolle wie komplexe Disziplin. Aber genau das reizt Jada Julien. Bis 2018 war sie noch in allen Disziplinen unterwegs und zeigte dort durchweg gute Leistungen. Dann kam die Anregung vom Verein, sich mal im Hammerwurf auszuprobieren – ein Volltreffer: Bereits in ihrem zweiten Wettkampf knackte sie die damalige D-Kader-Norm. Dieser Erfolg beflügelte sie so sehr, dass sie auch in anderen Disziplinen wie Sprint, Hürdenlauf, Staffel und dem Block-Mehrkampf Wurf ein neues Leistungsniveau erreichte.

In der neunten Klasse in neue Trainingsgruppe

Ihr heutiger Trainer sah sie damals bei einem dieser Wettkämpfe, sprach sie an und schlug ihr einen Wechsel in die Wurfgruppe an den Olympiastützpunkt Chemnitz vor. Diesen Schritt wagte sie mitten im neunten Schuljahr. Der Wechsel trug sofort Früchte: Schon nach kurzer Zeit feierte sie den Deutschen Meistertitel im Hammerwurf der U16. Seither geht sie mit dem Hammer auf Weitenjagd.

Viel Zeit, Geduld und Verständnis braucht es für die Technik. „Beim Werfen bin ein sehr perfektionistischer Mensch. Ich brauche das Gefühl, dass sich ein Wurf für mich richtig gut anfühlt“, erzählt Jada Julien. Dieses leichte Gefühl verspürte sie zuletzt beim Abendsportfest in Chemnitz. Es könnte sie weitertragen – bestenfalls über Bochum-Wattenscheid sogar bis nach Birmingham.

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