Mehr als 1.600 Athletinnen und Athleten aus 49 Nationen: Das Alexander Stadium von Birmingham empfängt vom 10. bis 16. August die besten Leichtathletinnen und Leichtathleten Europas. Wer sind die Favoritinnen? Die Hoffnungsträgerinnen? Und mit welchen Erwartungen gehen die DLV-Athletinnen und -Athleten in diese Titelkämpfe? Wir werfen einen Blick voraus. Heute: die Entscheidungen im Straßenlauf und in den Staffel-Wettbewerben.
Frauen
Halbmarathon-Gehen
Italien oder Spanien – wer holt erstes EM-Gold?
Eine Disziplin, die in Birmingham ihre EM-Premiere feiert, ist das Gehen über die Halbmarathon-Distanz. Als Vorgänger gilt der Straßen-Wettbewerb über 20 Kilometer. Die Top-Favoritinnen kommen in Birmingham aus Italien und Spanien. Die beste Meldezeit bringt mit Antonella Palmisano (Italien; 1:32:21 h) die Tokio-Olympiasiegerin sowie Europameisterin von 2024 über 20 Kilometer Gehen mit, dicht gefolgt von María Pérez (1:32:51 h) aus Spanien, die sowohl 2023 als auch 2025 jeweils WM-Gold über 20 und 35 Kilometer gewann und bei den Olympischen Spielen Gold im Marathon-Gehen mit dem Team sowie Silber über 20 Kilometer holte. Seit Jahren sind die beiden Athletinnen bereits Konkurrentinnen, in jüngster Vergangenheit bildeten sie jedoch auch eine Trainingsgemeinschaft und dürften einander noch besser kennen – ob das ein Vorteil auf dem Weg zum EM-Erfolg sein kann?
Zu beachten sein werden darüber hinaus auch die Spanierinnen Antia Chamosa (1:33:45 h), WM-Siebte von 2025, und die erst 19-jährige Aldara Meilán (1:34:44 h), die im vergangenen Jahr Bronze bei der U20-EM holte. Und auch Italien hat eine weitere Medaillenkandidatin im Rennen: die U23-Europameisterin (10.000 m) Alexandrina Mihai. Herausgefordert werden die Geherinnen aus Spanien und Italien vor allem von dem französischen Duo Pauline Stey und Clemence Beretta sowie der Ukrainerin Lyudmila Olyanovska, die sich 2024 auf der Ziellinie noch EM-Bronze über 20 Kilometer Gehen schnappte. Deutsche Teilnehmerinnen sind im Halbmarathon-Gehen nicht am Start.
Titelverteidigerin: neu im Programm
Jahresbeste: Antonella Palmisano (Italien; 1:32:21 h)
DLV-Starterinnen: keine
Marathon-Gehen
Italienerin in der Favoritenrolle
Ebenfalls neu im Programm bei Europameisterschaften ist das Marathon-Gehen, welches den Wettbewerb über 35 Kilometer Gehen ablöst. Beide Distanzen, Marathon und Halbmarathon werden gleichzeitig gestartet. Als große Favoritin gilt dabei die 21-jährige Italienerin Sofia Fiorini, die mit mit einer Zeit von 3:25:42 Stunden – zugleich europäischer U23-Rekord – die Meldeliste anführt und die Konkurrenz der Weltmeisterin über 35 Kilometer Gehen von 2023 und 2025 nicht befürchten muss, da sich diese für einen Start im Halbmarathon-Gehen entschieden hat. Spannend wird indes die Frage nach der Form von Antigoni Ntrismpioti sein. Die 42-jährige Griechin hatte 2024 EM-Gold über 35 Kilometer Gehen gewonnen, in diesem Jahr aber erst einen Wettkampf im Halbmarathon bestritten – in einer Zeit von 1:36:33 Stunden.
Stark einzuschätzen sind neben der Italienerin Fiorini auch deren Teamkolleginnen Federica Curiazzi (3:32:21 h) und Eleonora Anna Giorgi (3:35:46 h) sowie die Polin Katarzyna Zdziebło, die im vergangenen Jahr schon 3:24:19 Stunden gegangen ist, in dieser Saison aber noch keinen Wettkampf über die Marathon-Distanz bestritten hat. Komplettes Neuland wird diese Strecke für Raquel González aus Spanien sein, die bei der EM 2024 Silber gewann.
Als Sechste der Meldeliste ist die Deutsche Meisterin Bianca Maria Dittrich (Spiridon Frankfurt) aufgeführt, die zwar mit 3:43:54 Stunden noch ein Stück von der europäischen Spitze weg ist, an einem gute Tag aber durchaus vorn mitgehen kann. Die zweite DLV-Athletin im Feld ist die 21-jährige Ada Junghannß (Erfurter LAC), die vergangenes Jahr 3:43:26 Stunden ging.
Titelverteidigerin: neu im Programm
Jahresbeste: Sofia Fiorini (Italien; 3:25:42 h)
DLV-Starterinnen: Bianca Maria Dittrich (Spiridon Frankfurt), Ada Junghannß (Erfurter LAC)
Marathon
Deutsches Team mit guten Aussichten
Der Boom in der deutschen Läuferszene ist auch im Marathon zu spüren – und mit Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) wollte der DLV auch eine der größten Medaillenhoffnungen auf die Straßen von Birmingham schicken. Doch trotz einer zuversichtlichen Prognose, zur EM rechtzeitig wieder fit zu sein, musste die 35-Jährige ihren Start nach einer OP an der Achillessehne absagen. Somit sind es andere, die in den Fokus rücken. Allen voran die Finnin Alisa Vainio, die die europäische Jahresbestenliste mit 2:20:39 Stunden anführt und für einen historischen Moment in der finnischen Leichtathletikgeschichte sorgen könnte. Die letzte EM-Medaille auf der Straße ging mit Gold für die Geherin Sara Essayah 1994 nach Finnland. Bereits bei der WM in Tokio vergangenes Jahr war Vainio als Fünftplatzierte beste Europäerin. Zudem gewann sie mit Landesrekord im Februar den Sevilla-Marathon.
Gefordert wird Vainio vor allem von den deutschen Läuferinnen um Fabienne Königstein (Hannover 96), die in der Meldeliste auf Platz vier rangiert. Im vergangenen Jahr lief sie beim Berlin-Marathon starke 2:22:17 Stunden – bis heute ihre Bestzeit. In diesem Jahr gewann sie in 2:24:31 Stunden bereits beim Hannover-Marathon den DM-Titel. Gemeinsam mit Laura Hottenrott (Düsseldorf Athletics), der die Strecke in Birmingham mit gut 600 Höhenmetern als Vize-Europameisterin im Berglauf entgegengenommen dürfte, sowie den für die Teamwertung nominierten Läuferinnen Nina Reuter (Frankfurt Athletics), Katharina Saathoff (Braunschweiger Laufclub) und Tabea Themann (Hamburg Running) ist es zudem das Ziel, den Mannschaftstitel von vor vier Jahren aus München zu verteidigen. In die Wertung gehen die Ergebnisse der besten drei Athletinnen einer Nation ein.
Etwas dagegen einzuwenden wird insbesondere das Team aus Spanien haben, deren beste Läuferin Laura Luengo eine Bestzeit von 2:22:31 Stunden mitbringt, in diesem Jahr aber noch keinen Marathon absolviert hat. Dennoch ist es eine Spanierin, die in der Meldeliste auf Platz zwei steht: Fatima Azzahraa Ouhaddou Nafie (2:24:05 h). Insgesamt haben alle fünf Läuferinnen des spanischen Teams Bestzeiten unter 2:25 Stunden. Zu rechnen sein wird auch mit der Italienerin Rebeca Lonedo (2:24:28 h) sowie der Polin Aleksandra Lisowska, die 2022 überraschend zu Gold lief. Und auch die Irin Fionnuala McCormack könnte sich mit bald 42 Jahren noch den Traum einer EM-Medaille erfüllen, bei der WM im vergangenen Jahr überzeugte sie als zweitbeste Europäerin auf Rang neun. Für die Mannschaftswertung nicht außer Acht zu lassen ist das Team aus dem Gastgeberland. Für Großbritannien am Start sind unter anderem die Olympiateilnehmerinnen von Paris 2024, Rose Harvey und Clara Evans, sowie die Bronzemedaillengewinnerin der Crosslauf-EM 2023, Abbie Donnelly.
Titelverteidigerin: Aleksandra Lisowska (Polen; 2:28:36 h; zuletzt 2022 im Programm)
Jahresbeste: Alisa Vainio (Finnland; 2:20:39 h)
DLV-Starterinnen: Laura Hottenrott (Düsseldorf Athletics), Fabienne Königstein (Hannover 96), Nina Reuter (Frankfurt Athletics), Katharina Saathoff (Braunschweiger Laufclub), Tabea Themann (Hamburg Running)
4x100 Meter
DLV-Quartett mit guten Medaillenchancen
„Hand“, „Hepp“, „Go“ – egal, mit welchem Codewort der Staffelwechsel der heraneilenden Sprinterin eingeleitet wird, erstaunlich ist stets, dass dieses interne Zeichen von der Teamkollegin in einer tosenden Stadionatmosphäre und in direkter Konkurrenz mit zumeist sieben weiteren Teams auf der Bahn überhaupt zu hören ist. Nicht zuletzt sind es dann auch die Wechsel, die oftmals über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Eine Staffel, die immer für eine Medaille gut ist, wenn der Stab innerhalb der vorgegebenen Zone sauber übergeben wird, ist das deutsche Quartett.
Zwar bringen sie in diesem Jahr „nur“ die drittschnellste Zeit (42,44 sec) mit nach Birmingham, haben jedoch oft genug bewiesen, wozu sie in der Lage sind. Bei der EM 2022 in München gewannen sie den Titel, 2024 und 2025 jeweils Bronze bei Olympischen Spielen und WM. Lediglich bei den World Relays in diesem Jahr konnten sie keinen Platz auf dem Podium erreichen – sind allerdings mit einer vielversprechenden Mischung aus erfahrenen Sprinterinnen wie Gina Lückenkemper (SCC Berlin), Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar) und Sophia Junk (LG Rhein-Wied) sowie Talenten wie der Deutschen Meisterin Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01) und Chelsea Kadiri (Sprintteam Wetzlar) bestens aufgestellt. Ziel wird es sein, es der favorisierten Staffel aus Großbritannien so schwer wie möglich zu machen – für diese geht es indes um die Titelverteidigung.
Die Lokalmatadorinnen können dabei nicht nur von der Energie des Heimpublikums profitieren, sondern auch von ihrer starken Besetzung um Dina Asher-Smith, Amy Hunt und Daryll Neita. Alle drei gewannen zusammen schon EM-Gold 2024 sowie olympisches Silber in Paris. In Stellung gebracht hat sich zudem das Team aus Spanien, das bei den World Relays hinter Jamaika und Kanada Bronze gewann und die bisher zweitschnellste Zeit (42,26 sec) auf die Bahn gebracht hat. Bei kleinen Patzern der Favoritinnen können zudem die Niederländerinnen, die vor zwei Jahren Bronze gewannen, sowie die Schweiz um Géraldine Di-Tizio Frey und Italien in den Fokus rücken. Bekanntlich ist in Staffelrennen aber vieles möglich – auch ein Überraschungssieg.
Titelverteidigerinnen: Großbritannien (41,91 sec)
Jahresbeste: Großbritannien (42,06 sec)
DLV-Staffelpool: Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01), Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar), Sophia Junk (LG Rhein-Wied), Chelsea Kadiri (Sprintteam Wetzlar), Sina Kammerschmitt (MTG Mannheim), Gina Lückenkemper (SCC Berlin), Judith Bilepo Mokobe (USC Mainz)
4x400 Meter
Niederlande peilt das Titel-Triple an
Staffel-Rennen sind in der Leichtathletik immer etwas Besonderes: Aus Einzelsportlern wird ein Team, dass nicht nur schnell sein, sondern auch die Wechsel sauber über die Bühne bringen muss. Entsprechend groß ist die Spannung bei diesen Rennen – trotz möglicher Favoriten. Zwar kann dem Quartett aus den Niederlanden diese Rolle zugeschrieben werden, doch ob es die vier Langsprinterinnen um Femke Broeders-Bol und Lieke Klaver tatsächlich schaffen werden, sich den dritten Titel in Folge zu holen, das entscheidet sich erst auf der Bahn. Zumal sie nur auf Rang vier der Meldeliste an den Start gehen. Angeführt wird diese von Norwegen (3:20,96 min) um Top-Läuferin Henriette Jæger vor Spanien (3:21,25 min) mit der Hallen-EM-Dritten Paula Sevilla und Großbritannien (3:21,28 min). Vor allem die ersten beiden Nationen können mit viel Selbstvertrauen ins Rennen gehen, nachdem sie bei den World Relays jeweils Landesrekord gelaufen sind.
Ebenfalls im Kampf um die Medaillen eingreifen können auch die Polinnen mit der amtierenden Europameisterin über 400 Meter, Natalia Bukowiecka, sowie die Staffel aus Tschechien mit der Hallenweltmeisterin Lurdes Gloria Manuel. Zudem sind auch die Medaillengewinnerinnen von vor zwei Jahren zu beachten, die Silberstaffel aus Irland und die Bronzestaffel aus Belgien. Für das deutsche Quartett wäre bereits der Einzug in das Finale ein erster Erfolg. Zum Aufgebot gehören unter anderem die Deutsche Meisterin Johanna Martin (1. LAV Rostock) und die DM-Zweite Jana Lakner (LG Telis Finanz Regensburg). Skadi Schier (SCC Berlin) musste hingegen nach gesundheitlichen Problemen auf einen EM-Start verzichten. Für sie reist Mona Mayer (Munich Athletics) mit nach Birmingham.
Titelverteidigerin: Niederlande (3:22,39 min)
Jahresbeste: Norwegen (3:20,96 min)
DLV-Staffelpool: Luna Bredau (VfL Wolfsburg), Irina Gorr (TSV Gräfelfing), Annkathrin Hoven (TSV Bayer 04 Leverkusen), Jana Lakner (LG Telis Finanz Regensburg), Johanna Martin (1. LAV Rostock), Mona Mayer (Munich Athletics)
Männer
Halbmarathon-Gehen
DLV-Geher vorn mit dabei
Italien, Spanien oder Deutschland? Auf dieses Rennen um die Top-Plätze könnte es beim Halbmarathon-Gehen hinauslaufen, denn mit Francesco Fortunato (1:23:00 h) und Andrea Cosi (1:23:59 h) stellen die Italiener die Nummer eins und drei der Meldeliste, während die Nummer zwei und vier mit Christopher Linke (Eintracht Frankfurt; 1:23:46 h) und Leo Köpp (LG Nord Berlin; 1:24:27 h) aus Deutschland kommen. Als Favorit auf den ersten EM-Titel in der neu aufgenommenen Disziplin gilt vor allem Francesco Fortunato, der 2024 Bronze über 20 Kilometer gewann und in diesem Jahr in sechs Rennen ungeschlagen ist. Aber auch Christopher Linke hat gute Erfahrungen mit EM-Rennen und stand 2022 als Zweiter über 35 Kilometer Gehen auf dem Podium. Die Frage wird vielmehr sein, ob er in Birmingham die kürzere Distanz im Halbmarathon absolviert oder das Marathon-Gehen – in beiden Disziplinen, die gleichzeitig gestartet werden, steht er auf der Meldeliste.
Zu den weiteren Athleten, die das Potenzial für eine Medaille mitbringen, zählt das spanische Trio mit Paul McGrath, EM-Zweiter von 2024 und WM-Dritter von 2025 über 20 Kilometer, sowie Álvaro López und dem spanischen Meister Diego Garcia. Beachtenswert ist darüber hinaus der Start von João Vieira aus Portugal, der mit 50 Jahren der älteste Athlet bei den Europameisterschaften in Birmingham 2026 sein wird. Als dritter deutscher Starter nimmt Frederick Weigel (OSC Potsdam; 1:27:30 h) die 21,1 Kilometer in Angriff.
Titelverteidiger: neu im Programm
Jahresbester: Francesco Fortunato (Italien; 1:23:00 h)
DLV-Starter: Leo Köpp (LG Nord Berlin), Christopher Linke (Eintracht Frankfurt), Frederick Weigel (OSC Potsdam)
Marathon-Gehen
Christopher Linke mit Medaillenchancen
Der auf dem Papier schnellste Europäer im Marathon-Gehen ist der Ungar Bence Venyercán, der sich Anfang März mit 3:03:45 Stunden in der Slowakei vor Karl Junghannss (Race Erfurt; 3:04:33 h) und Christopher Linke (Eintracht Frankfurt; 3:05:44 h) durchsetzte. Das DLV-Trio komplettiert Johannes Frenzl (Eintracht Frankfurt; 3:10,09 h). Dennoch sind es andere Athleten, die im Fokus stehen, wenn es um die Medaillenvergabe in der ebenfalls neu eingeführten Disziplin über 42,195 Kilometer geht. Zu nennen ist etwa der ehemalige Olympiasieger (20 km) und Weltmeister (35 km) Massimo Stano aus Italien, der immer wieder mit Formschwankungen zu kämpfen hat und noch nie eine Medaille bei einer EM gewinnen konnte. Nach einer verletzungsbedingten WM-Absage im vergangenen Jahr meldete er sich Mitte April wieder zurück auf der Straße und rangiert mit 3:07:38 Stunden auf Rang fünf der Meldeliste.
Vor ihm liegen neben dem Ungarn sowie den beiden DLV-Gehern noch der Schwede Perseus Karlström, der in Rom vor zwei Jahren EM-Gold über 20 Kilometer Gehen gewann. Bei seinem Debüt über die Marathon-Distanz wurden für ihn 3:04:50 Stunden gestoppt. Ebenfalls zu beachten sein werden der Franzose Aurélien Quinion (3:07:53 h) und der Spanier Miguel Angel Lopez, der zwar im Marathon-Gehen noch kein Ergebnis vorzuweisen hat, allerdings auf eine erfolgreiche Karriere und entsprechende Erfahrungen zurückblickt – unter anderem gewann er Gold und Bronze bei Weltmeisterschaften und wurde 2022 Europameister über 35 Kilometer Gehen.
Titelverteidiger: neu im Programm
Jahresbester: Alex Schwazer (Italien; 3:01:55 h)
DLV-Starter: Johannes Frenzl (Eintracht Frankfurt), Karl Junghannß (Race Erfurt), Christopher Linke (Eintracht Frankfurt)
Marathon
DLV-Team mit Europameister und Vize-Weltmeister
Eine oder sogar mehrere deutsche EM-Medaillen im Marathon – davon lässt sich zumindest träumen. Denn wenngleich das starke deutsche Aufgebot durchaus das Potenzial dafür hat, auf dem Podium zu landen, gilt ein Meisterschaftsrennen im Marathon immer auch als ungewisse Herausforderung, bei dem viel passieren kann. Dennoch wird es vor allem Amanal Petros (Hannover 96) sein, der als ein Goldfavorit an der Startlinie steht und nach WM-Silber im vergangenen Jahr endlich das ersehnte Einzelgold bei Europameisterschaften gewinnen will. Zwar hat der Deutsche Rekordhalter in diesem Jahr bislang „nur“ 2:08:31 Stunden vom London-Marathon stehen, allerdings zog er das Rennen ab der Hälfte nicht mehr voll durch. Wozu er in der Lage ist, hat er stattdessen Ende vergangenen Jahres beim Valencia-Marathon gezeigt, als er 2:04:03 Stunden lief.
Immer für eine Überraschung und außergewöhnliche Leistung zum Saisonhöhepunkt gut ist auch der Titelverteidiger Richard Ringer (LC Rehlingen), der sich nach einem sensationellen Schlussspurt auf dem letzten Kilometer 2022 in München mit Gold belohnte. Erst im April lief der 37-Jährige in 2:04:47 Stunden seinen schnellsten Marathon der Karriere. Sogar noch etwas schneller war beim Hamburg-Marathon Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier), der die Meldeliste mit den dort erzielten 2:04:45 Stunden anführt. Wenngleich es das Trio im Einzelwettbewerb nicht geschlossen auf das Podium schafft, bleibt noch die Mannschaftswertung. Kommen drei DLV-Läufer mit schnellen Zeiten durch, sind sie kaum zu schlagen und könnten sich nach Silber 2022 in München dieses Mal Gold sichern. Ebenfalls zum Team gehören der Deutsche Meister Tom Thurley (Munich Athletics), Simon Boch (Düsseldorf Athletics) und Erik Hille (Munich Athletics).
Stark einzuschätzen sind neben den Deutschen auch Emmanuel Roudolff (2:05:58 h) aus Frankreich und der Türke und Kaan Kigen Özbilen (2:04:16 h), ebenso wie der Brite Mahamed Mahamed (2:06:14 h) und der Israeli Maru Teferi (2:04:44 h), der in München Silber hinter Richard Ringer gewann.
Titelverteidiger: Richard Ringer (LC Rehlingen; 2:10:21 h; zuletzt 2022 im Programm)
Jahresbester: Bashir Abdi (Belgien; 2:04:19 h)
DLV-Starter: Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier), Amanal Petros (Hannover 96), Richard Ringer (LC Rehlingen), Simon Boch (Düsseldorf Athletics), Erik Hille (Munich Athletics), Tom Thurley (Munich Athletics)
4x100 Meter
DLV-Staffel fordert Favoriten aus Großbritannien
Mit Deutschem Rekord (37,67 sec) und Platz drei bei den World Relays in Botswana hat sich die deutsche Sprintstaffel bereits zu einem frühen Zeitpunkt in der Saison in Stellung gebracht und zählt seither zum Kreis der Medaillenkandidaten bei der EM in Birmingham. Bereits in Rom gewann das DLV-Quartett Bronze. Fraglich bleibt indes, wozu es auch ohne seinen schnellsten Läufer in der Lage ist – Owen Ansah (Hamburger SV) steht nicht mehr im Aufgebot und startet nur im Einzel. Vielleicht machen sich das seine Teamkollegen aber auch zunutze und reagieren aus Trotz mit einem phänomenalen Lauf – zu gönnen wäre es Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV), Robin Ganter (MTG Mannheim), Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar), Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar), Marvin Schulte (ASV Köln) und Jan-Eric Frehe (LG Brillux Münster) in jedem Fall.
Die größten Herausforderer kommen bei der Mission EM-Medaille unter anderem aus dem Gastgeberland. Die Briten überzeugen einmal mehr mit vier Sprintern, die in der Addition der Einzelzeiten sicher zu Gold stürmen können – allerdings gehören bei einer Staffel auch die Wechsel dazu. Und diese gilt es erst einmal sauber über die Bühne zu bekommen. Entsprechend sind auch Teams wie die Italiener um den zweifachen Europameister über 100 Meter Lamont Marcell Jacobs zu beachten. Das Quartett geht als Titelverteidiger an den Start. Und auch die Niederländer kommen mit dem klaren Ziel, sich nach EM-Silber 2024 und WM-Bronze 2025 erneut Edelmetall zu schnappen. Für eine Überraschung könnten die Schweiz oder Belgien sorgen.
Titelverteidiger: Italien (37,82 sec)
Jahresbeste: Deutschland (37,67 sec)
DLV-Staffelpool: Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV), Jan-Eric Frehe (LG Brillux Münster), Robin Ganter (MTG Mannheim), Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar), Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar), Marvin Schulte (ASV Köln)
4x400 Meter
Belgien in der Favoritenrolle
Belgien auf die Eins? Das zumindest ist das Ziel des erfolgsverwöhnten Quartetts bei Europameisterschaften, das in Birmingham seinen fünften EM-Titel über 4x400 Meter seit 2012 gewinnen will. Zugleich bringt das Team um Jonathan Sacoor, Robin Vanderbemden und Dylan Borlée „nur“ die drittschnellste Zeit (2:59,83 min) mit nach Großbritannien. Schneller waren in diesem Jahr sowohl die Staffeln aus den Niederlanden (2:58,22 min) sowie aus Portugal. Letztere stellte in 2:59,01 Minuten sogar einen Landesrekord auf und hat etwa den nationalen Rekordhalter João Coelho und den erst 19-jährigen U20-EM-Zweiten Pedro Afonso im Team.
Nicht zuletzt schielt auch Großbritannien auf eine Medaille. Das Quartett um Europarekordler Matthew Hudson-Smith und Charlie Dobson, die beide zur Gold-Staffel 2022 gehörten sowie 2024 gemeinsam Bronze bei den Olympischen Spielen gewannen, will an vergangene Erfolge anknüpfen und vor heimischer Kulisse zu Gold sprinten. Zwischen 1986 und 2002 standen sie bereits fünfmal in Folge ganz oben auf dem Podium. Herausgefordert werden sie unter anderem von den Staffeln aus Frankreich, Italien und dem DLV-Quartett. Die deutsche Staffel um den Deutschen Meister Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) lief bereits vor zwei Jahren zu Bronze.
Titelverteidiger: Belgien (2:59,84 min)
Jahresbeste: Niederlande (2:58,22 min)
DLV-Staffelpool: Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg), Fabian Dammermann (LG Osnabrück), Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel), Florian Kroll (LG Osnabrück), Manuel Sanders (TV Wattenscheid 01), Thilo Traue (LG Stadtwerke München)
Mixed-Wettbewerbe
4x100 Meter
Starkes DLV-Quartett mit Medaillenambitionen
Eine EM-Premiere gibt es in Birmingham für die 4x100-Meter-Staffeln Mixed. Umso erfreulicher, dass das deutsche Team als Favorit an den Start geht – seit den World Relays hält es mit 40,15 Sekunden den Europarekord in diesem noch jungen Wettbewerb. Und auch im Alexander Stadium sind hochkarätige Sprinter aus dem deutschen EM-Aufgebot am Start, etwa die Deutsche Meisterin Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01), Ex-Europameisterin Gina Lückenkemper (SCC Berlin), Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV) und Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar).
Obacht geben müssen die deutschen Sprinter vor allem auf die Lokalmatadoren aus Großbritannien, die etwa mit Amy Hunt, Dina Asher-Smith, Jeremiah Azu und Zharnel Hughes ein beeindruckendes Team an den Start stellen. Aber auch die Staffeln aus Spanien und den Niederlanden sind zu beachten, wenn es um die Medaillen geht. Insgesamt sind nur acht Staffeln für dieses Disziplin-Debüt gemeldet, neben den genannten Favoriten kommen noch die Staffeln aus Belgien, Italien, Portugal und der Schweiz dazu.
Titelverteidiger:innen: neu im Programm
Jahresbeste: Deutschland (40,15 sec)
DLV-Staffelpool: Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01), Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar), Sophia Junk (LG Rhein-Wied), Chelsea Kadiri (Sprintteam Wetzlar), Sina Kammerschmitt (MTG Mannheim), Gina Lückenkemper (SCC Berlin), Judith Bilepo Mokobe (USC Mainz), Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV), Robin Ganter (MTG Mannheim), Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar), Kevin Kranz (Sprintteam Wetzlar), Marvin Schulte (ASV Köln)
4x400 Meter
Offenes Rennen über 4x400 Meter Mixed
Die Titelverteidiger aus Irland fehlen in Birmingham. Entsprechend wird eine neue Gold-Staffel gesucht, die das Zusammenspiel von jeweils zwei Langsprintern und zwei Langsprinterinnen über 4x400 Meter am besten beherrscht und den Staffelstab sauber ins Ziel bringt. Ein Quartett in klarer Favoritenrolle ist dabei allerdings nicht auszumachen, wenngleich die Niederlande mit einem starken Team aufwarten und bereits vor zwei Jahren Bronze gewann. Die Frage wird sein, wer letztlich am Montagabend auf der Bahn steht – Femke Broeders-Bol wird aufgrund eines Einzelstarts über 800 Meter wahrscheinlich nicht die Staffel laufen, doch wie steht es um die Halleneuropameisterin Lieke Klaver und den U23-Europameister Jonas Phijffers?
Auch die Staffel aus Norwegen ist – abhängig von ihrer finalen Aufstellung – ein möglicher Anwärter auf EM-Gold. Möglich ist sowohl die Beteiligung von Karsten Warholm als auch von Henriette Jaeger. Hinzu kommt das Quartett aus dem Gastgeberland. Die Briten holten bereits Bronze bei den World Relays. Und auch Belgien wird eine Rolle spielen, wenn es um die Medaillen geht. Bei der Hallen-WM gewann die belgische Mixed-Staffel Gold vor Spanien und Polen – zu gern würden sie sich auch einen Freiluft-Titel sichern, zuletzt gab es Bronze bei der WM 2025. Überraschen könnte darüber hinaus auch die Staffel aus Polen oder die Teams aus Spanien und Frankreich.
Titelverteidiger:innen: Irland (3:09,92 min)
Jahresbeste: Großbritannien (3:09,69 min)
Kein DLV-Team