In Arona war Anna-Elisabeth Ehlers Anfang Juni der Durchbruch im Siebenkampf gelungen. In Talence legte die erst 20-Jährige nach: Mit sechs Bestleistungen in sieben Disziplinen und einer Gesamt-Punktzahl von 6.374 Punkten beeindruckte sie im Kreis der Weltelite. Nur Olympiasiegerin Nafissatou Thiam war am Freitag und Samstag noch stärker. Vanessa Grimm und Mareike Rösing, die ihre Bestleistung erneut steigerte, komplettierten das starke deutsche Trio.
Für die Siebenkämpferinnen, die in die Weitsprung-Gruppe B eingeteilt waren, begann der zweite Wettkampftag beim "Decastar"-Meeting in Talence (Frankreich) erst um 14:00 Uhr. Dann jedoch setzte Anna-Elisabeth Ehlers (TSV Bayer 04 Leverkusen) ihren Kurs vom Freitag fort: Eine Bestleistung nach der nächsten! Mit 6,48 Metern war die 20-Jährige stärkste Weitspringerin im Feld und übernahm damit sogar die Gesamtführung. Im Weitsprung sammelte sie fast ebenso viele Punkte wie in ihrem besten Siebenkampf in Arona auf Teneriffa, bei dem windunterstützte 6,51 Meter in die Ergebnislisten eingegangen waren.
Auch die beiden weiteren Siebenkämpferinnen überzeugten im Weitsprung. Mareike Rösing (USC Mainz) flog bis auf 6,15 Meter – die zweitbeste Weite ihrer Karriere und zwölf Zentimeter weiter als in ihrem 6.105-Punkte-Siebenkampf bei der Mehrkampf-DM in Hannover. Vanessa Grimm (Königsteiner LV) blieb mit 6,09 Metern auf Kurs. Die beiden favorisierten Belgierinnen, Olympiasiegerin Nafissatou Thiam und die Olympia-Dritte Noor Vidts, mussten sich hingegen mit 6,05 beziehungsweise 6,00 Metern begnügen.
Im Speerwurf konnte dann die Olympiasiegerin ihre Stärke ausspielen. Mit 51,51 Metern bog "Nafi" Thiam auf die Siegerstraße ein. Mit zwei persönlichen und einer Saisonbestleistung fiel auch die Bilanz der DLV-Siebenkämpferinnen positiv aus. Mareike Rösing war mit Hausrekord von 47,97 Metern zweitbeste Speerwerferin. Vanessa Grimm schob sich mit 45,43 Metern auf Gesamt-Rang vier nach vorn. Und Anna-Elisabeth Ehlers, für die der Speerwurf nicht zu den stärksten Disziplinen zählt, knackte mit 40,78 Metern erstmals die 40-Meter-Marke und ging als Zweitplatzierte in die 800 Meter.
Drei Bestleistungen am zweiten Tag
Es war Noor Vidts, auf dem Papier die stärkste 800-Meter-Läuferin unter den Top Drei, die das Feld über 800 Meter zunächst anführte. Doch die Leverkusenerin ließ sich von der Konkurrentin nicht einschüchtern. Sie heftete sich an die Fersen der Belgierin und konnte sie schließlich gemeinsam mit der Neuseeländerin Maddie Wilson überholen. In 2:11,82 Minuten holte sie sich den Laufsieg und schraubte ihre Bestzeit aus Arona um zwei Sekunden nach unten. Der Disziplinsieg ging an die Französin Celia Perron (2:08,50 min), die den ersten Lauf gewonnen hatte.
Vanessa Grimm teilte sich das Rennen ebenfalls gut ein und lief nach 2:12,73 Minuten Seite an Seite mit Noor Vidts (2:12,69 min) über die Ziellinie. Mareike Rösing folgte in 2:14,96 Minuten. Damit war ein herausragendes Teamergebnis für das deutsche Trio besiegelt. 6.482 Punkte bescherten Nafissatou Thiam den Sieg vor Anna-Elisabeth Ehlers, die auf ihr Resultat von Arona (6.216 pt) 158 Punkte draufpackte und somit 6.374 Zähler einstrich.
Starkes Jahr für den deutschen Siebenkampf
Hinter ihrer Vereinskameradin, der EM-Fünften Sophie Weißenberg (6.496 pt), und Vanessa Grimm (6.381 pt) hat sich die 20-Jährige auf Rang drei der deutschen Jahresbestenliste eingereiht, hinter der Ungarin Sarolta Kriszt (6.407 pt), die bei der EM Sechste geworden war, ist sie zudem in Europas U23 die Nummer zwei. Anna-Elisabeth Ehlers untermauerte damit ihre Position als Shootingstar der deutschen Siebenkampf-Szene, die in diesem Jahr einen Boom erlebt.
Wie stark der deutsche Mehrkampf zurzeit aufgestellt ist, zeigen auch die Resultate von Vanessa Grimm und Mareike Rösing: Mit 6.256 Punkten landete die Königsteinerin hinter Noor Vidts (6.329 pt) auf Rang vier. Mareike Rösing konnte ihre erst drei Wochen alte Bestleistung von der Mehrkampf-DM in Hannover noch einmal steigern und wurde mit 6.167 Punkten Sechste. Damit ist sie eine von sieben DLV-Athletinnen, die in diesem Jahr die 6.150 Punkte übertroffen haben.
Neben den Talence-Starterinnen kann noch eine Reihe weiterer Athletinnen im kommenden Jahr um die nationale Spitzenposition und gegebenenfalls Tickets für die WM in Peking (China) kämpfen, für welche die Direktnorm mit 6.550 Punkten hoch angesetzt ist: Mit der 22 Jahre jungen WM-Fünften Sandrina Sprengel (VfB Stuttgart), der erst 20 Jahre alten Emma Kaul (USC Mainz) und der 23-jährigen Marie Dehning sowie Serina Riedel (SV Halle), die in diesem Jahr von Verletzungen ausgebremst wurde, in Bestform aber auch schon 6.322 Punkte erzielt hat, sieht die Zukunft des deutschen Siebenkampfes rosig aus.
Sander Skotheim knackt WM-Norm
Eine Punktlandung auf die WM-Norm im Zehnkampf gelang dem Sieger von Talence: Sander Skotheim. Der EM-Dritte aus Norwegen sahnte vor allem über 110 Meter Hürden (14,13 sec) und im Stabhochsprung (5,31 m) viele Punkte ab. Mit 8.630 Zählern überbot er die Vorgabe des Weltverbandes um zehn Punkte.
Rang zwei sicherte sich mit 8.599 Zählern der US-Amerikaner Hakim McMorris, der seinen Hausrekord um 179 Punkte verbessern konnte. Auch ein Franzose schaffte es beim Jubiläumsmeeting, der 50. Ausgabe des "Decastar", aufs Podium: Der EM-Dritte von 2024 Makenson Gletty (8.381 pt) rettete einen Punkt Vorsprung auf Harrison Williams (USA) ins Ziel.
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