| EM 2026

Birmingham Tag 2 | Die DLV-Athlet:innen in den Vorrunden

Der deutsche 400-Meter-Läufer Jean Paul Bredau läuft mit weit ausgebreiteten Armen ins Ziel. © Stefan Mayer
Saisonhöhepunkt der europäischen Leichtathletik: Vom 10. bis 16. August geht es bei der EM um Medaillen, Titel und Bestleistungen. 114 deutsche Athletinnen und Athleten stellen sich im Alexander Stadium von Birmingham der europäischen Konkurrenz. Wie das DLV-Team in den Vorrunden am Dienstag abgeschnitten hat und es seine Resultate einschätzt, lesen Sie hier.
mbn/pas/jhr

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Frauen

800 Meter | Vorläufe

Kolbe mit bester DLV-Zeit seit 1990, auch Becker läuft PB

Die Deutsche 800-Meter-Meisterin Smilla Kolbe lief im ersten von vier Vorläufen von Beginn an mutig hinter Olympiasiegerin Keely Hodgkinson (Großbritannien). Erst auf der Zielgeraden schob sich die Italienerin Eloisa Coiro noch an der Frankfurterin vorbei. Mit 1:57,80 Minuten belegte die 24-Jährige Rang drei und sicherte sich damit das große „Q“ fürs Halbfinale.

Noch bemerkenswerter war die Zeit: Smilla Kolbe setigerte ihre persönliche Bestleistung um mehr als eine Sekunde und blieb erstmals deutlich unter 1:58 Minuten. Mit 1:57,80 Minuten lief sie zudem die schnellste Zeit einer deutschen 800-Meter-Läuferin seit 1990. Keely Hodgkinson gewann den schnellen Vorlauf in 1:57,28 Minuten vor Eloisa Coiro (1:57,56 min), die Landesrekord lief, und erzielte damit zugleich die schnellste Zeit aller vier Vorläufe.

Deutlich bitterer verliefen die Europameisterschaften für Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler). Die 26-Jährige startete im zweiten Vorlauf auf Bahn acht. Bereits nach rund 200 Metern machten sich die Probleme im Hüft- und Oberschenkelbereich deutlich bemerkbar, ehe sie das Rennen in der Kurve vor der Zielgeraden schließlich aufgeben musste. Majtie Kolberg hatte in den vergangenen Wochen mit Hüftproblemen zu kämpfen und konnte zuletzt nur eingeschränkt trainieren. Den Lauf kontrollierte Femke Broeders-Bol (Niederlande) von vorne und gewann in 1:59,96 Minuten.

Im dritten Vorlauf stellte sich Jana Becker (Königsteiner LV) bei ihrer ersten großen internationalen Meisterschaft der Frauen einer hochklassigen Konkurrenz. Die 20-Jährige ging mutig mit der Jahresschnellsten Audrey Werro (Schweiz) mit und hielt bis weit in die zweite Runde Anschluss an die Spitze. Auf der Zielgeraden fehlten schließlich die letzten Körner fürs Weiterkommen. Mit 1:59,08 Minuten belegte Jana Becker Rang sechs, verbesserte ihre persönliche Bestleistung deutlich und bestätigte damit eindrucksvoll ihre starke Entwicklung in dieser Saison. Den Einzug ins Halbfinale verpasste die U20-Europameisterin nur um einen Rang. Audrey Werro gewann den Lauf souverän in 1:57,83 Minuten.

Stimmen zum Wettbewerb

Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt):
„Ich wusste, was ich draufhabe. Dass Keely Hodgkinson in meinem Lauf ist, wusste ich natürlich und mein Ziel war, mich dahinterzuhängen. Dass ich in dieser Form bin, wusste ich schon vorher, aber natürlich muss dann trotzdem alles zusammenpassen. Heute ist es sehr gut aufgegangen. Das Halbfinale war unser Ziel – und jetzt schauen wir mal, was geht.“

Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler):
„Ich weiß noch nicht genau, wie ich das in Worte fassen soll. Ich habe seit etwa einem Monat eine Verletzung mit mir herumgetragen und wollte hier unbedingt an der Startlinie stehen. Nach ungefähr 200 Metern hat es sehr stark in den Oberschenkel gezogen und ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass ich sicher weiterlaufen kann. Ich konnte zuletzt nicht voll trainieren und musste vieles anpassen. Trotzdem wollte ich hier alles geben. Heute hat es nicht gereicht, aber manchmal ist das so und es geht weiter.“

Jana Becker (Königsteiner LV):
„Das Niveau ist dieses Jahr gerade in Europa unfassbar hoch. Wenn man mit 1:59,08 Minuten keine Runde weiterkommt, spricht das für sich. Ich kann mir heute aber überhaupt nichts vorwerfen. Ich habe mein bestes Rennen des Jahres gezeigt, mich mit einer persönlichen Bestzeit belohnt und bin unfassbar mutig hinter Audrey Werro hergelaufen. Darauf kann ich für die nächsten Jahre aufbauen. Ich bin erst 20 Jahre alt und bin einfach stolz, dass ich mich auf dieser Bühne so präsentieren konnte.“


400 Meter Hürden | Halbfinals

Eileen Demes fehlen 14 Hundertstel zum Finale

Ein beherztes Rennen zeigte Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) in ihrem Halbfinallauf und zog ihren Rhythmus durch. Einzig die Überquerung der zehnten Hürde traf die Deutsche Meisterin nicht optimal und geriet etwas ins Straucheln. Das war auch der Moment im Rennen, in dem die Portugiesin Fatoumata Diallo etwas davonzog und als Zweitplatzierte in 54,34 Sekunden den direkten Finaleinzug klar machte. Das Halbfinale gewann Goldfavoritin Emma Zapletalová (Slowakei; 54,09 sec). 

Eileen Demes, die in diesem Sommer zwischenzeitlich von Rückenproblemen ausgebremst wurde, kam in der Saisonbestleistung von 54,63 Sekunden ins Ziel und belegte in der Endabrechnung den undankbaren neunten Platz. Nur in zwei Rennen im vergangenen Jahr war die 28-Jährige in ihrer Karriere bisher schneller unterwegs. Als Achtschnellste aller Läufe über ihre Zeit von 54,50 Sekunden zog die Französin Louise Maraval noch ins Finale ein. Unter 54,00 Sekunden blieben die Belgierin Paulien Couckuyt (53,87 sec) und die Italierin Ayomide Folorunso (53,93 sec).

Stimme zum Wettbewerb

Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg):
"Es lief bis zur zehnten Hürde wirklich gut. Ich bin erstmals in diesem Sommer den Rhythmus gelaufen, den ich mir vorgenommen hatte. Von der letzten Hürde war ich dann ein bisschen weit weg, bin in Rücklage geraten und konnte meinen Speed nicht mitnehmen. Da habe ich die entscheidende Zeit verloren. Nach dem ich Rückenprobleme habe, kann ich mir eigentlich keine Vorwürfe machen. Ich spüre auch jetzt nach dem Lauf eine Reaktion. Im Training konnte ich viele Einheiten nicht absolvieren. Ich bin im letzten Monat vielleicht einmal gesprintet, konnte kein Krafttraining machen und musste Hürdeneinheiten weglassen. Daraus habe ich das Beste gemacht. Aber es tut trotzdem weh, Neunte zu werden. Ich habe keine großen Fehler gemacht, und es hat trotzdem nicht gereicht. Ich laufe noch beim ISTAF und das ist für mich eigentlich immer ein gutes Pflaster."


100 Meter Hürden | Halbfinals

Rosina Schneider auf Augenhöhe mit Ditaji Kambundji

Der Weg bei der EM in Birmingham war für das junge deutsche Hürden-Trio am Dienstag leider nach dem Halbfinale beendet – und ging nicht ohne Schrecksekunde vonstatten: Die Deutsche Meisterin Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen), die in Wattenscheid noch in 12,69 Sekunden für Furore gesorgt hatte, erwischte ein holpriges Rennen und stürzte schließlich sogar an der siebten Hürde. Auf dem Boden liegend konnte sie nur zuschauen, wie die Konkurrenz um die Finaltickets sprintete. Glücklicherweise konnte sie anschließend aufrecht und scheinbar ohne größere Verletzung das Stadion verlassen.

Auch für Lia Flotow (1. LAV Rostock) war bei ihren ersten Europameisterschaften im Halbfinale Endstation: Wenngleich sie mit diesem Rennen ihr selbstgestecktes EM-Ziel schon erreicht hatte, wäre sie gerne noch ein wenig schneller gewesen als die 13,02 Sekunden, die ihr Platz fünf des ersten Halbfinale bescherten. 

Rosina Schneider (TV Sulz) war dagegen in einem hochklassigen Halbfinale bis kurz vor der Ziellinie mittendrin im Kampf um die acht Finalplätze. Und das im Duell mit Weltmeisterin Ditaji Kambunji (Schweiz), die sich nach einer Verletzungspause fit gemeldet hatte für die Mission EM-Gold. Beim Sieg von Mitfavoritin Nadine Visser (Niederlande; 12,69 sec) entschieden schließlich nur zwei Hundertstel über den Finaleinzug: Platz zwei und das große Q für Ditaji Kambundji (12,96 sec), Platz drei für Rosina Schneider (12,98 sec), die damit als Neunte nur um einen Platz die Finalqualifikation als eine der zwei Zeitschnellsten verpasste. 

Stimmen zum Wettbewerb:

Lia Flotow (1. LAV Rostock)
Ich bin richtig froh, dass ich hier am Start sein durfte, es hat richtig Spaß gemacht. Mein Ziel war es, erstmal überhaupt ins Halbfinale zu kommen. Ich konnte heute schön die Stimmung aufsaugen. Trotzdem wäre ich gerne ein bisschen schneller gewesen. Woran es lag, weiß ich jetzt noch gar nicht, das gucke ich mir gleich noch mal an. Heute war mein Start besser als gestern, aber gestern habe ich mich trotzdem noch ein bisschen besser gefühlt.

Rosina Schneider (TV Sulz)
Ich habe ein mega gutes Rennen erwischt, zwischen zwei so starken Konkurrentinnen. Gegen die Weltspitze laufen zu können ist der Hammer, das hat mich gut gepusht. Ich wollte dranbleiben, das habe ich bei Ditaji ganz gut geschafft. Leider hatten wir ein bisschen Pech mit dem Wind, 1,3 Meter pro Sekunde Gegenwind. Das macht mich schon ein bisschen traurig. Aber ich bin mega dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte, in so jungen Jahren bei einer EM zu stehen. Ich nehme mit, dass ich eine tolle Familie und Freunde habe, die extra hierher gekommen sind, um mich zu unterstützen. Dass ich an mich glauben darf. Dass nicht unbedingt ein Halbfinale immer schneller sein kann als im Vorlauf. Und ich nehme mit, dass ich bei so starken Konkurrentinnen ruhig bleiben kann.

Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen)
Soweit ist es okay. Ich denke, morgen wird alles weh tun. Ich bin mit meinem Fuß weggeknickt und auch auf meine Nase gefallen. Ich muss das alles erstmal sacken lassen, auch bis die ganzen Emotionen rauskommen. Mal denke ich: Das ist gar nicht echt, und dann fällt mir wieder auf, dass ich meine Chance verpasst habe. Nach den Deutschen habe ich gemerkt, dass mein Nachziehbein ein bisschen spät kommt, normalerweise ist das meine Stärke. Ich glaube, das liegt daran, dass ich ein bisschen schneller geworden bin, ein neues Timing habe. Das habe ich heute noch nicht auf die Reihe bekommen.


Stabhochsprung | Qualifikation

Anjuli Knäsche fehlt ein Platz

Mit einem Satz über 4,50 Meter war Anjuli Knäsche (VfB Stuttgart) vor zwei Jahren in Rom (Italien) ins EM-Finale eingezogen. In Birmingham hätte sie diese Höhe erneut benötigt, um am Donnerstag in der Runde der besten Zwölf mitzumischen. Doch die Deutsche Meisterin, die in diesem Sommer erstmals 4,60 Meter überqueren konnte, tat sich in der Qualifikation schwer. Schon für 4,25 und 4,40 Meter benötigte sie zwei Versuche, was sie schließlich den Finaleinzug kosten sollte. Bei 4,50 Metern fiel die Latte dreimal. Als 13. der Qualifikation muss sich Anjuli Knäsche höhengleich mit fünf Athletinnen, die weniger Fehlversuche benötigt hatten, aus dem EM-Wettbewerb verabschieden. Dieses Schicksal ereilte übrigens überraschend auch die WM-Dritte und zweimalige Hallen-Vize-Weltmeisterin Tina Sutej (Slowenien; 4,40 m). Lediglich die Olympiasiegerin von 2016 Ekaterini Stefanidi (Griechenland; 4,50 m) und die Französin Marie-Julie Bonnin (4,50 m) blieben ohne Fehlversuch.

Stimme zum Wettbewerb:

Anjuli Knäsche (VfB Stuttgart)
Naja, erstmal bin ich natürlich traurig, dass es am Ende wie schon vor vier Jahren an einem Fehlversuch lag. Letztendlich habe ich das Beste gegeben, was heute ging, aber es war nicht ausreichend. Die Saison war super, mit der bin ich zufrieden, trotzdem liegen viele Aufgaben vor mir. Einige Probleme als Athletin stammen sicherlich auch aus der Doppelbelastung Trainerin / Athletin, das ist manchmal einfach zu viel und meine eigenen Wettkämpfe stehen immer auf Rang zwei.
 

Männer

100 Meter | Vorläufe

Lucas Ansah-Peprah bucht das Halbfinal-Ticket

Die Sprinter im ersten 100-Meter-Vorlauf mussten am Dienstagvormittag im Alexander Stadium gegen eine massive Windwand (-3,0 m/sec) anlaufen. Unter ihnen auch Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV). Der Hamburger machte das Beste aus der Situation und lief mit 10,52 Sekunden auf Rang zwei. Dann musste gerechnet werden. Denn nur die zwölf schnellsten Sprinter erreichten das Halbfinale – unabhängig von der Zeit.

Da die zwei weiteren Läufe auch mit Gegenwind (-2,8 m/sec und -1,0 m/sec) zu kämpfen hatten, blieben die schnellen Zeiten in der Breite aus und Lucas Ansah-Peprah qualifizierte sich als achtschnellster Sprinter für das Halbfinale am Dienstagabend. Dort werden auch die bereits vorab qualifizierten Owen Ansah (Hamburger SV) und Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) ins Geschehen eingreifen.

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Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV):
„Mein Start war nicht der beste, aber hinten raus bin ich gut ins Laufen gekommen. Klar hat man den Gegenwind gespürt, aber ich habe das Beste herausgeholt. Der Lauf hat sich auch recht locker angefühlt. Nun geht es heute Abend im Halbfinale weiter.“

100 Meter | Halbfinals

Owen Ansah sprintet souverän ins Finale

Im EM-Halbfinale hat Owen Ansah (Hamburger SV) an die starken Leistungen seines Sommers angeknüpft und erneut bewiesen, dass er zu den besten Sprintern des Kontinents gehört. Als Zweiter seines Laufs zog der deutsche Rekordler in 10,20 Sekunden sicher in den Endlauf ein. Drei Hunderstel schneller war in dem Rennen Halleneuropameister Jeremiah Azu (Großbritannien; 10,17 sec). Die schnellste Zeit aller Halbfinals lieferte Titelverteidiger Marcell Jacobs (Italien; 10,08 sec) ab und unterstrich damit seine Ansprüche auf Gold. 

Bei seinem ersten Einzelstart bei einer internationalen Meisterschaft bei den Männern lief Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) bei 1,7 m/sec Gegenwind 10,37 Sekunden. In der Endabrechnung war dies Rang 14. Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV) war mit seinen 10,49 Sekunden als insgesamt 21. nicht zufrieden mit seinem Rennen.

Stimmen zum Wettbewerb

Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar):
"Es war ein sehr gutes Gefühl, hier zu sein. Der Lauf heute hat sich allerdings etwas unrund angefühlt. Ich bin am Anfang zwei-, dreimal gestolpert. Das hat meinen Lauffluss gestört. Den Wind habe ich versucht auszublenden. Auch wenn es nicht meine Bedingungen waren, sie waren für alle gleich. Jetzt konzentriere ich mich auf die Männer- und Mixedstaffel."

Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV):
"Mit Blick auf meine Saison wäre es ein kleines Wunder gewesen, wenn ich es ins Finale geschafft hätte. Dennoch wollte ich alles dafür geben. Es hat leider nicht geklappt. Es war kein gutes Rennen. Ich habe nicht auf das geachtet, was ich mir vorgenommen hatte. Es war nicht so druckvoll aus dem Block, wie ich es in den Probestarts gezeigt habe. Daraus muss ich lernen. Jetzt werde ich für die Staffel alles geben."


400 Meter | Halbfinals

Jean Paul Bredau meistert Hürde Halbfinale souverän

Er hat es wieder getan: Zwei Jahre nach Platz sieben in Rom steht Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) wieder in einem EM-Finale. Und der Deutsche Meister meisterte die Hürde Halbfinale souverän. Auf Bahn sieben ging Jean Paul Bredau das Rennen schnell an und kontrollierte auf der Zielgeraden das Feld. Nach 44,86 Sekunden lief er als Sieger ins Ziel und zur zweitbesten Zeit seiner Karriere. Nur bei seinem DM-Titel in Wattenscheid war der Niedersachse 14 Hundertstel schneller.

Jean Paul Bredau hielt im zweiten Halbfinale Patrik Simon Enyingi in Schach. Der Ungar hatte am Montag die Vorläufe mit 44,87 Sekunden dominiert und sicherte sich als Zweiter mit 45,03 Sekunden den weiteren direkten Finalplatz. Insgesamt blieben fünf Langsprinter in den Halbfinals unter 45 Sekunden, die Top-Zeit lieferte der Franzose Muhammad Abdallah Kounta ab. Er steigerte seine Bestzeit um 17 Hundertstel auf 44,38 Sekunden.

Im stark besetzten ersten 400-Meter-Halbfinale kämpfte Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel) bis zum Zielstrich. Am Montagvormittag hatte sich der 21-Jährige mit 45,79 Sekunden für das Halbfinale qualifiziert. Dort legte der Deutsche Vizemeister noch eine Schippe drauf und lief mit 45,66 Sekunden die drittschnellste Zeit seiner Karriere. Auf den letzten 50 Metern fing der Niedersachse noch den Slowaken Rok Ferlan ab und sicherte sich Platz sieben.

Nach einem superschnellen Angang lief Europarekordler Matthew Hudson-Smith, Namensgeber der Zielkurve im Alexander Stadium, mit 44,78 Sekunden als Zweiter ins Finale. Vor ihn schob sich noch U23-Europarekordler Jonas Phijffers (Niederlande; 44,63 sec. In der Endabrechnung belegte Thorben Finke mit 45,66 Sekunden Rang 20 der Halbfinals.

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Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg):
„Ich habe alles reingehauen, das Rennen hat schon ordentlich Körner gekostet. Mein Ziel war es, den Lauf von vorn zu gestalten und das Halbfinale zu gewinnen. Das ist mir gelungen. Ich wusste, dass einige gestern schon Rennen bestritten hatten. Um die Form zu testen, habe ich gestern noch einen schnellen 250-Meter-Lauf absolviert. Der hat sich super angefühlt. Da war mir klar, dass die Form passt. Morgen wird es ein enges Finale, alle Läufer sind eng beieinander.“

Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel):
„Ich habe die Atmosphäre in dem Stadion bei Flutlicht wirklich genossen. Es war dann ein superschnelles Rennen an der Spitze, da musste ich aufpassen, dass ich nicht überpace. Das ist mir gelungen. Betrachtet man den engen zeitlichen Abstand zwischen Vorlauf gestern und Halbfinale heute war es der beste „Doppelpack“ meiner Karriere. Wenn mir einen vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich im Halbfinale der EM stehe und zwei solche Rennen abliefere, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Jetzt packe ich mich erstmal in die Eistonne, um zu regenerieren. Denn schließlich steht ja noch die Staffel an.“


110 Meter Hürden | Vorläufe

Gregory Minoué läuft sicher ins Halbfinale

Gregory Minoué (Tracksrunner Bonn) ist bei seiner ersten Europameisterschaft der Männer ins Halbfinale über 110 Meter Hürden eingezogen. Der Deutsche Meister belegte im ersten von drei Vorläufen in 13,84 Sekunden Rang zwei und musste sich nur Damian Czykier (Polen; 13,75 sec) geschlagen geben. Bei 1,0 Metern pro Sekunde Gegenwind kam der 24-Jährige an der siebten Hürde kurz ins Straucheln, fing sich aber schnell wieder und brachte Rang zwei in seinem Vorlauf sicher ins Ziel.

Da sich die zwölf Zeitschnellsten aus den drei Vorläufen für die nächste Runde qualifizierten, war das Halbfinalticket anschließend ungefährdet. Gregory Minoué, der bei den Deutschen Meisterschaften mit 13,51 Sekunden seine Saisonbestzeit aufgestellt hatte, erzielte gemeinsam mit Elmo Lakka (Finnland) die siebtschnellste Zeit der Vorrunde. Schnellster war Milan Trajkovic (Zypern; 13,50 sec) vor Zeno Van Neygen (Belgien; 13,54 sec) und Samuel Bennett (Großbritannien; 13,57 sec). Die zwölf besten Europäer der Saison waren bereits direkt für das Halbfinale gesetzt, für das sich Gregory Minoué als einziger deutscher Starter ebenfalls qualifizierte.

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Gregory Minoué (Tracksrunner Bonn):
„Es war nicht mein bester Lauf, aber am Ende hat es gereicht und das ist das Wichtigste. Ich war wieder etwas zu fest und habe während des Rennens versucht, alles perfekt zu machen. Wenn dann etwas nicht funktioniert, kommt man nicht richtig in den Rhythmus. Eigentlich wollte ich den Vorlauf mit einer guten Zeit gewinnen. Morgen kann ich es besser machen. Jetzt heißt es erst einmal erholen, Physio, essen und dann den Fokus aufs Halbfinale richten.“


Hochsprung | Qualifikation

Falk Wendrich fliegt bei EM-Premiere ins Finale

Hochspringer Falk Wendrich (LAZ Soest) war am Dienstagvormittag als erster deutscher Starter an der Reihe – und erlebte einen wahren Qualifikations-Marathon. Mehr als anderthalb Stunden später stand fest: Der Deutsche Hallenmeister hatte sich mit eingestellter Saisonbestleistung von 2,23 Metern für da Finale qualifiziert. Der 31-Jährige nutzte seine letzte Chance bei dieser Höhe mit einem blitzsauberen Sprung.

2,10, 2,15 und 2,19 Meter hatte er im ersten Anlauf überflogen. Auch das hätte am Ende zum Sprung ins Finale ausgereicht. Eine starke Vorstellung in der morgendlichen Qualifikation – seiner ersten auf ganz großer internationaler Freiluft-Bühne. Das Finale wird am Freitagabend folgen. Dort sind die beiden Ukrainer Dmytro Nikitin und Roman Petruk sowie Jan Stefela (Tschechien). Das stark eingeschätzte Trio verpasste mit 2,19 bzw. 2,15 Metern den Sprung ins Finale.

Stimme zum Wettbewerb

Falk Wendrich (LAZ Soest):
„Ich habe es heute Vormittag gesagt: „Der Falke fliegt ins Finale.“ Ein wenig nervös war ich schon vor der Qualifikation. Aber es war eine gute Mischung aus Nervosität und Motivation. Ich bin super in den Wettkampf gekommen, auch der erste Versuch über 2,23 Meter war gut. Nur leider hat der Abstand zur Latte nicht gepasst. Auch im zweiten Versuch hatte ich die Höhe. Aber dann bin ich von oben auf die Latte gefallen. Plötzlich hat man dann nur noch einen Versuch. Der dritte Sprung über 2,23 Meter war dann super, wahrscheinlich der beste meiner Saison. Ich freue mich aufs Finale am Freitagabend im Stadion. Bis dahin werde ich mich ausruhen und vielleicht noch den Basketball in die Hand nehmen, um ein paar Körbe zu werfen.“


Diskuswurf | Qualifikation

Henrik Janssen sicher im Finale, Steven Richter wieder 13.

In einer Qualifikation kann man viel verlieren und wenig gewinnen. Das musste auch Henrik Janssen (SC Magdeburg) in seiner Karriere schon erfahren - bei den Olympischen Spielen 2024 war ihm in der Quali kein gültiger Versuch gelungen. In Birmingham lieferte der 28-Jährige dagegen eine souveräne Vorstellung ab. Sein erster Versuch landete bei 64,56 Metern, die letztlich schon sicher fürs Finale gereicht hätten. Im dritten Durchgang flog der Diskus dann sogar noch ran an die als direkte Qualifikationsweite geforderten 66,00 Meter. Gemessen wurden 65,42 Meter. In der Endabrechnung beider Gruppen war das die drittbeste Leistung des Tages. Die 66,00 Meter übertrafen nur Weltrekordler Mykolas Alekna (Litauen; 67,74 m) und Titelverteidiger Kristjan Ceh (Slowakei; 67,52 m). 

Die anderen beiden DLV-Athleten im Diskuswurf der Männer sind im Finale am Donnerstag (13. August) dagegen nicht dabei, eine bittere Erfahrung vor allem erneut für Steven Richter (LV 90 Erzgebirge). Denn der U23-Europameister kam mit 62,02 Metern aus seinem ersten Versuch auf den 13. Platz. Als Zwölfter gerade so noch das Finale erreichte der Niederländer Ruben Rolvink mit 62,19 Metern. Schon bei der WM im vergangenen Sommer hatte Steven Richter das Finale nur um einen Platz verpasst. Bei seinem ersten Start bei einer internationalen Meisterschaft in der Männerklasse erzielte Marius Karges (Eintracht Frankfurt) 60,73 Meter, die Platz 15 bedeuteten.

Stimmen zum Wettbewerb

Henrik Janssen (SC Magdeburg):
"Ich bin ganz gut zurechtgekommen, habe mich körperlich aber auch gut gefühlt. Es hat gut funktioniert. Der Wind hat ein bisschen gedreht, kam mehr oder weniger von hinten. Wenn man den Diskus etwas gehoben hat, ging es. Ich wollte nicht im ersten Versuch auf das große "Q" gehen, um keinen Ungültigen zu produzieren. Ich hatte mir 64einhalb vorgenommen. Das war solide. Dann habe ich etwas draufgepackt und gleich ins Netz geworfen. Das ist ein Klassiker. Die 65einhalb waren auch nicht vernünftig durchgearbeitet. Das lässt noch Möglichkeiten offen, weiter zu werfen. Ich möchte im Finale einen guten Wettkampf machen. Die Medaillenplätze werden ordentliche Weiten verlangen. Aber ich habe mir vorgenommen 68 Meter plus zu werfen. Damit kann man vorne angreifen und es könnte für eine Medaille reichen. Ich habe eine gute Form."

Steven Richter (LV 90 Erzgebirge):
"Der erste Versuch war eine gute Marke, auf die ich aufbauen wollte. Ich habe dann den Transfer nicht hinbekommen, an der richtigen Stelle mehr Gas zu geben. Dann war es technisch nicht gut. Der Ring war zuerst glatt, dann wurde er noch einmal abgeschliffen. Dadurch war der Ring staubig, ich habe versucht, etwas anders zu machen. Aber ich habe das richtige Mittel nicht gefunden."

Marius Karges (Eintracht Frankfurt):
"Es ist sehr schade. Ich habe mich gut gefühlt, habe mich super eingeworfen und dachte, es wird gut. Den ersten Versuch habe ich dann ein bisschen verschwendet, dann wieder in den Wettkampf zurückgefunden. Den dritten Wurf habe ich leider nicht getroffen. Ich werde es als Motivation mitnehmen, dass ich es hierher geschafft habe. Ich hätte es drauf gehabt. Manchmal braucht man den Wurf aus dem Training, den man durchbringt. Das habe ich heute nicht geschafft und dann reicht es nicht. Nach meiner Weite in Ramona hatte ich gehofft, mich auf einem Niveau von 63 bis 65 Metern einzupendeln. Das hat im Wettkampf noch nicht geklappt. Im Training haben sich schon Fortschritte gezeigt. Ich denke, ich brauche nur noch etwas Zeit, um das auch im Wettkampf umzusetzen."

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