Die deutschen Hindernisläuferinnen haben am Donnerstag bei der EM in Birmingham die Plätze eins, drei und vier belegt. Gesa Krause krönte sich nach 2016 und 2018 zum dritten Mal zur Europameisterin. Trainingspartnerin Olivia Gürth spurtete zu Bronze. Pech hatte Lea Meyer: Die lange Führende stürzte auf Medaillenkurs liegend in den letzten Wassergraben, wurde aber trotzdem noch Vierte.
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"Ich habe mir mein sportliches Lebenswerk geschaffen." Mit diesem Satz fasste Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) das EM-Finale von Birmingham (Großbritannien) zusammen. Die 34-Jährige sicherte sich am Donnerstagabend zehn Jahre nach ihrem ersten EM-Titel Goldmedaille Nummer drei über 3.000 Meter Hindernis. Das ist vor ihr keiner Athletin bei Europameisterschaften gelungen. Auch die weiteren deutschen Läuferinnen untermauerten, wie stark der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) aktuell über die Distanz aufgestellt ist: Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier) gewann Bronze, Lea Meyer (VfL Löningen) schaffte es trotz eines Sturzes am letzten Wassergraben auf Platz vier.
Die Löningerin, EM-Zweite von 2022, war es, die von Beginn an das Heft in die Hand nahm, Gesa Krause stets an ihren Fersen. Eine Achtergruppe, bestehend aus den drei DLV-Athletinnen, den drei Französinnen um Titelverteidigerin Alice Finot, der britischen Jahresbesten Elise Thorner und U23-Europameisterin Ilona Mononen, setzte sich auf dem ersten Kilometer vom restlichen Feld ab und hielten das Tempo hoch. Bis zur Schlussrunde belauerten sich die Athletinnen gegenseitig.
Dann fielen Mononen und die beiden Französinnen Clara Entresangle und Flavie Renouard zurück, die Top Fünf lieferten sich den Showdown um die Medaillen. Seite an Seite gingen Gesa Krause und Lea Meyer auf die letzte Gegengerade, Alice Finot hielt mit. Krause zog an ihrer Teamkollegin vorbei und mit ihr Alice Finot. Und am letzten Wassergraben passierte es: Lea Meyer, die Medaille vor Augen, stolperte und fiel der Länge nach in den Wassergraben.
EM-Revanche gegen Finot geglückt
Krause und Finot spurteten wie vor zwei Jahren um Gold, diesmal mit dem besseren Ende für die DLV-Athletin: In 9:12,69 Minuten lief Gesa Krause zu Gold und ihrer insgesamt fünften EM-Medaille. 2024 hatte sie hinter Finot Silber und bereits 2012 als Nachwuchs-Athletin (nachträglich) Bronze gewonnen. Finot gewann diesmal in 9:14,24 Minuten Silber.
Im Kampf um Bronze verschaffte sich Olivia Gürth nach dem letzten Wassergraben die beste Ausgangsposition und ließ sich das Edelmetall auch nicht mehr nehmen. Nach Titeln bei U20 und U23-Europameisterschaften ist die 24-Jährige nun endgültig in Europas absoluter Spitze angekommen. Sie schnappte sich Bronze in Saisonbestzeit von 9:15,33 Minuten, dahinter kam in 9:17,07 Minuten schon Lea Meyer ins Ziel, die sich sofort aufgerappelt hatte und auf der Zielgeraden an Elise Thorner (9:18,14 min) vorbeistürmte.
Stimmen zum Wettbewerb
Gesa Krause (Silvesterlauf Trier):
"Jeder EM-Titel hat seine eigene Geschichte. Berlin 2018 war im eigenen Stadion natürlich wirklich besonders. Aber ich bin schon so viele Jahre dabei und weiß auch, dass solche Momente immer rarer werden. Deswegen bin ich einfach sehr, sehr stolz auf den heutigen Tag und darauf, nach acht Jahren wieder ganz oben auf dem Podium stehen zu dürfen. Das ist schon sehr, sehr besonders. Das war insgeheim das Ziel, das man doch nicht laut ausspricht, weil heute ja auch sehr starke Konkurrenz am Start war und mir das Leben natürlich auch nicht leicht macht. Ich hatte gesagt, ich muss für alles gewappnet sein. Eigentlich hatte ich gedacht, dass die Britin vor Heimpublikum noch ein bisschen mehr Druck macht. Mir war bewusst, dass es nicht so ein großes Gebummel wird. Aber bei vielen Meisterschaften ist es so, dass es sich auf dem letzten Kilometer entscheidet und man dann für alle Szenarien bereit sein muss. Heute bin ich einfach im Hier und jetzt und stolz auf diesen EM-Titel, weil ich weiß, diese Momente kommen nicht so häufig wieder. Ich möchte diesen goldenen Tag gebührend feiern, genießen und alles aufsaugen. Es ist ein ganz besonderer Moment, meinen Lebensgefährten und meine Tochter in die Arme schließen zu können. Es tut mir unfassbar leid, dass Lea gestürzt ist. Ich war auch schon in der Situation und das wünscht man niemandem."
Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier):
"Mein Plan heute war, so viele wie möglich hinter mir zu lassen, und wie viele es am Ende sind, sehe ich im Ziel. Ich war auf ein schnelles Rennen eingestellt und habe, ähnlich wie Gesa erwartet, dass die Britin und Lea das Rennen zusammen schnell machen. Zwischendurch gab es immer wieder Momente, in denen ich wusste, ich muss irgendwie Kontakt zu dieser Gruppe halten. Das hat den Kampfgeist noch einmal verstärkt zu merken: Wenn ich in dieser Gruppe bleibe, behalte ich meine Medaillenchance. Insgeheim habe ich ein bisschen auf eine Medaille spekuliert. Ich wusste, beim richtigen Rennverlauf kann es passieren."
Lea Meyer (VfL Löningen):
"Ich bin wahnsinnig enttäuscht und sehr sauer auf mich selbst. Das habe ich mir selbst eingebrockt, daran bin ich selbst schuld und kein anderer. Wir Deutschen haben in den letzten Wochen gezeigt, dass wir keine Angst haben, in den Mund zu nehmen, was wir von uns denken. Ich halte mich vom Leistungsvermögen her für die beste Hindernisläuferin Europas. Ansonsten kann man auch nicht nach so einem Sturz dastehen und es irgendwie schaffen, doch noch als Vierte ins Ziel zu kommen. Nichtsdestotrotz habe ich zu viele Fehler gemacht. Ich wollte das Rennen schnell machen. Aber es ist am Ende ein Meisterschaftsrennen, und Gesa und Alice sind absolut die besten Meisterschaftsläuferinnen, die es gibt. Es gibt keine so gute Meisterschaftsläuferin wie Gesa. Ich wusste, es geht nur, wenn ich sie müde mache. Ich glaube, ich hätte auch noch mal kontern können. Aber dann konzentriert man sich zu sehr auf das, was vor und hinter einem passiert, und passt nicht auf, was gerade direkt vor einem steht."