Amanal Petros ist Marathon-Europameister! Der Deutsche Rekordhalter setzte sich nach zwei Dritteln des Rennens am Sonntag in Birmingham ab und stürmte als Sieger ins Ziel. Samuel Fitiw und Richard Ringer hielten lange mit und liefen auf die Plätze neun und zehn. Damit gab es obendrauf Silber in der Team-Wertung.
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Im Marathon der Männer wollte Amanal Petros (Hannover 96) das Rennen von Beginn an schnell machen. Auf der schwierigen Strecke – acht Runden plus eine Start- und Zielpassage mit insgesamt mehr als 600 Höhenmetern – drückte der Deutsche Rekordhalter direkt aufs Tempo und sorgte für eine kleine Spitzengruppe. Bereits bei Kilometer zehn waren nur noch neun Läufer vorn dabei. Neben Amanal Petros auch Titelverteidiger Richard Ringer (LC Rehlingen) und Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier). Ein wichtiger Aspekt für die Teamwertung. Denn die schnellsten drei Läufer pro Nation bei maximal sechs Startern bilden die EM-Mannschaftswertung.
Wenige Kilometer später bekam die Spitzengruppe Gesellschaft. Angeführt von Simon Boch (Düsseldorf Athletics) kamen rund ein Dutzend Läufer wieder heran. Erst nach der 25-Kilometer-Marke wurde die nächste Attacke gesetzt. Erneut war er Amanal Petros, der auf einem Bergaufstück nach der Verpflegungsstelle das Tempo anzog. Bis zur 30-Kilometer-Marke arbeitete er sich einen Vorsprung von 25 Sekunden auf die ersten sieben Verfolger heraus. Darunter Richard Ringer und Samuel Fitwi. Simon Boch verlor hingegen etwas an Boden. Erik Hille und Tom Thurley (beide Munich Athletics) durchliefen die 30-Kilometer-Marke an Position 34 und 40.
Nach 30 Kilometern zieht Amanal Petros auf und davon
Bis zur 35-Kilometer-Marke baute Amanal Petros seinen Vorsprung auf 48 Sekunden aus, während Richard Ringer die auf neun Läufer angewachsene Verfolgergruppe anführte. Knapp vier Kilometer vor dem Ziel verlor Samuel Fitwi etwas den Anchluss, kämpfte sich aber wenige Minuten später wieder zurück in die Gruppe. An der Spitze zog Amanal Petros weiter auf und davon. Bei der 40-Kilometer-Marke hatte der Hannoveraner seinen Vorsprung weiter ausgebaut. 54 Sekunden zeigten die Uhren an. Nur Richard Ringer konnte an diese Stelle das Tempo der Verfolgergruppe nicht mehr halten.
Knapp sieben Minuten später lief Amanal Petros als Europameister und Nachfolger von Richard Ringer jubelnd und mit der deutschen Fahne um die Schultern am Victoria Square ins Ziel. Mit 2:09:11 Stunden stellte er auf der schwierigen Strecke wie die Frauensiegerin sogar einen neuen Meisterschaftsrekord auf. Hinter dem neuen Europameister lief Pietro Riva (Italien; 2:09:11 h) zu Silber, Gashu Ayale (Israel; 2:09:21 h) zu Bronze. Samuel Fitwi (2:09:47 h) und Richard Ringer (2:10:05 h) folgten auf den Plätzen neun und zehn.
Israel im Team 26 Sekunden schneller
In der Team-Wertung mussten sich die drei deutschen Top-Läufer nur ganz knapp dem Trio Israels geschlagen geben. Mit 6:29:03 Stunden lagen sie nach zusammengerechnet 126,585 Kilometern 26 Sekunden hinter den Team-Europameistern. Bronze ging mit 6:32:12 Stunden an Frankreich.
Auch die weiteren drei deutschen Läufer strahlten im Ziel, nachdem sie die harte Strecke bewältigt hatten. Simon Boch lief mit 2:12:55 Stunden auf Rang 21. Sieben Plätze dahinter folgte mit 2:16:22 Stunden Erik Hille. Das DLV-Sextett vervollständigte Tom Thurley als 37. in 2:18:56 Stunden. Mit seinem Sieg wurde Amanal Petros zum zweiten deutschen Europameister nach Richard Ringer 2022 in München.
Stimmen zum Wettbewerb
Amanal Petros (Hannover 96):
„Das war der härteste Marathon meines Lebens, die Strecke war so eine große Herausforderung. Die vielen Kurven und Anstiege haben richtig Kraft gekostet. Aber ich habe das in Kenia schon sehr gut trainiert. Wir haben uns vorher den Kurs angeschaut und überlegt, entweder bei 25 oder 30 Kilometern zu attackieren. Nachdem ich das Tempo erhöht hatte, habe ich einfach weitergemacht. Ich bin gestern erst in Birmingham angekommen, weil es Probleme mit der Einreise gab. Ich danke dem DLV, dass er sich um alles gekümmert hat und es alles noch geklappt hat.“
Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier):
„Es war das härteste Rennen in meinem Leben, ich total müde, habe aber für das Team durchgezogen. Die Strecke bei den Olympischen Spielen in Paris war auch nicht einfach, aber nicht zu vergleichen mit dem Hoch und Runter hier in Birmingham. Klar hätte ich auch gern eine Einzelmedaille gewonnen und habe bis Kilometer 41 alles probiert. Aber es ging einfach nicht, die Beine waren total müde. Im Team wollten wir Gold holen, können uns aber auch über Silber freuen. Denn Israel war extrem stark.“
Richard Ringer (LC Rehlingen).
„Leider ist bei mir ein Schmerz hinten in den Oberschenkel reingezogen. Der war so heftig, dass ich fast aufgehört hätte. Ohne Teamwertung weiß ich nicht, ob ich zu Ende gelaufen wäre. Es ist schade, dass es am Ende nicht ganz mit Team-Gold geklappt hat. So ist es Silber wie 2022 in München. Die Einzelplatzierung ist okay, wenn man die körperlichen Umstände bedenkt. Die Strecke in Boston war auch hart und ich hatte Probleme. Da konnte ich mich aber besser durchkämpfen.“
Simon Boch (Düsseldorf Athletics):
„Am Anfang haben die schnellen Jungs etwas mit uns gespielt. Da das Tempo so unrhythmisch war, bin ich mit meiner Pace wieder nach vorn gelaufen. Die letzten zehn Kilometer waren hart, da haben meine Oberschenkel gut gekocht. In der Vorbereitung habe ich mich auf diese Strecke eingestellt, allerdings konnte ich nach ein paar Problemen erst etwas später ins Training einsteigen. Daher wusste ich, dass ich in guter Form bin, aber nicht in Top-Top-Shape.“
Erik Hille (Munich Athletics):
„Ich habe mir eine Top-30-Platzierung zum Ziel gesetzt, das hat mit Platz 28 dann auch geklappt und ich bin zufrieden. Die Strecke hatte es wirklich in sich. Mit den Bergaufpassagen bin ich gut klargekommen. Bergab dann gar nicht, da gab es bei mir eklatante Mängel. Ich freue mich, dass wir im Team eine Medaille gewonnen haben und natürlich für Amanal, den neuen Champion.“
Tom Thurley (Munich Athletics):
„Ich habe auf der Strecke sehr, sehr gelitten. Für mich war es ja meine erste internationale Meisterschaft, darum habe ich versucht, die letzten zwei Runden noch einmal zu genießen. Am Ende kann ich zufrieden sein. In der Vorbereitung hatte ich immer wieder Probleme. So habe ich versucht, irgendwie diese Strecke zu überstehen. Dafür war es am Ende ganz gut.“