| Heilbronn

Tomohiro Shinno siegt auf dem Marktplatz, Falk Wendrich Siebter

Der japanische Hochspringer Tomohiro Shinno jubelt nach einem gelungenen Sprung vor einer vollen Zuschauertribüne. © Stefanie Wahl
Mit 2,25 Metern hat Tomohiro Shinno am Samstag das Hochsprung-Meeting in Heilbronn gewonnen. In einem ganz engen Feld wurde Falk Wendrich mit 2,22 Metern Siebter, während der zweitplatzierte Mateusz Kolodziejski über den Gesamtsieg in der What Gravity Tour jubelte.
Stefanie Wahl

Von wegen asiatische Zurückhaltung. Tomohiro Shinno strahlt und nimmt freudig seinen Siegersekt entgegen. Der dreimalige japanische Meister steht am Samstagnachmittag zwischen Kilianskirche und Rathaus auf dem Heilbronner Marktplatz und genießt das bunte Gewusel, das um ihn herum herrscht. Der 30-Jährige hat mit fehlerfreien 2,25 Meter die vierte Auflage von Hochsprung Heilbronn gewonnen. Er gibt sich alle Mühe über seine Freude zu sprechen und seine Emotionen preiszugeben, doch viel mehr als „happy“ und „amazing“ lassen seine Englischkenntnisse nicht zu.

Um das Glück des Mannes aus Hiroshima zu verstehen, bedarf es allerdings gar nicht mehr Worte. Seine eindrücklichste Sprache sind ohnehin seine Sprünge. Wem es gelingt, sich mit fünf Anläufen auf 2,25 Meter zu schrauben und nur denkbar knapp an 2,28 Metern zu scheitern, der zählt zu den weltbesten Athleten seiner Disziplin. Und wenn es dafür noch einen Beweis gebraucht hätte, ist es Platz zwei in der Gesamtwertung der What Gravity Tour. Nach den drei Stationen Banská Bystrica, Monte Carlo und Heilbronn – das Springen in Doha ist aufgrund der politischen Krisensituation im Nahen Osten abgesagt worden – hat sich Tomohiro Shinno mit Romane Beckford aus Jamaika mit je 39 Punkte die Position geteilt.

Besser ist nur Mateusz Kolodziejski gewesen. Der Pole hat 50 Punkte gesammelt – dank Platz zwei in Heilbronn mit 2,25 Metern. „Meine Konstanz ist der Schlüssel für meinen Gesamtsieg gewesen“, sagt der 24-Jährige aus Bydgoszcz, der von Wlodzimierz Michalski trainiert wird. Was er mit seiner Siegprämie in Höhe von 7.500 Euro machen wird? „Ganz ehrlich, das weiß ich noch nicht. Um Urlaub zu machen, habe ich jedenfalls im Moment keine Zeit. Ich muss jetzt erstmal auf dem schnellsten Weg nach Bellinzona kommen, denn am Sonntag habe ich dort meinen nächsten Wettkampf“, sagt der EM-Fünfte und signalisiert doch, dass er schon noch gerne in Heilbronn bleiben würde. Auch der sprunggewaltige Mateusz Kolodziejski hat die Atmosphäre mit 1.350 Zuschauern in der Arena am Rathaus sehr genossen.

Erick Portillo verliert Höhen-Poker

Vor den Augen des verletzten Vorjahressiegers Tobias Potye, der mit Freundin Laura Gröll nach Heilbronn gekommen ist, hat sich jedoch ein Mexikaner in die Herzen der Zuschauer gesprungen: Erick Portillo. Der Vizeweltmeister in der Halle ist einer von Vieren, die bei 2,28 Metern noch im Wettbewerb sind – und startet zugleich das Pokerspiel. Nach einem ersten gerissenen Versuch spart er sich die zwei noch verbleibenden auf.

Nachdem Mateusz Kolodziejski ebenso scheitert wie Tomohiro Shinno und auch Tokio-Olympiasieger Mutaz Essa Barshim seine Anlaufgeschwindigkeit an diesem Spätnachmittag aufgrund seiner Verletzung nicht perfekt in Höhe umsetzen kann, lässt Portillo die Latte auf die nationale Rekordhöhe von 2,32 Metern legen. Zwar fehlt ihm die letzte Spannung über der Latte, doch der smarte Springer lässt sich dennoch feiern. Nicht zuletzt dank seiner Musik, die alle mitgerissen hat. „Das ist normalerweise nicht die Musik, die ich höre. Aber mir gefällt das Lied, weil es mich an meinen Bruder und an meine Familie erinnert“, sagt der 25-Jährige. „Und die Menschen hier sind so super mitgegangen, da hat es doppelt Spaß gemacht. Es ist ein verrücktes Wochenende.“ Denn auch der Mexikaner reist schnell weiter nach Bellinzona.

Der einzige Deutsche im Feld, Falk Wendrich (LAZ Soest), zeigt sich auch nach der Europameisterschaft noch in guter Form und wird mit 2,22 Metern Siebter. „Es war der beste Wettkampf, deshalb bin ich unter Wert geblieben. Ich freue mich auf die biomechanische Auswertung, mein Körperschwerpunkt war glaube ich sehr hoch. Und dann ist bei 2,25 Metern etwas verlorengegangen. Der Boden ist tricky. Wenn man ihn trifft, geht es richtig ab. Aber plötzlich hat er mir nicht mehr das zurückgegeben und ich wusste nicht, woran es liegt. Aber die dichte Atmosphäre und mit Mutaz Essa Barshim zu springen war sehr inspirierend.“

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik.

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