| Straßenlauf-WM Kopenhagen

Robert Farken mit Chancen über die Meile, Agnes Ngetich Halbmarathon-Favoritin

 Der deutsche Mittelstreckler Robert Farken führt im Nationaltrikot ein Rennen vor den Verfolgern an. © Torben Flatemersch
Es ist WM-Zeit! Am Wochenende werden bei den Straßenlauf-Weltmeisterschaften in Kopenhagen die Titel über die Meile mit dem Deutschen Rekordhalter Robert Farken, über 5 Kilometer und im Halbmarathon vergeben. Wir blicken voraus auf die sechs Entscheidungen auf den Straßen der dänischen Hauptstadt.
Jörg Wenig

In Kopenhagen werden am Wochenende die Weltmeister im Halbmarathon sowie über 5 Kilometer und die Meile ermittelt. Mit Verspätung finden diese Titelkämpfe erstmals seit 2023 wieder statt. Vor drei Jahren hatte die Straßenlauf-WM, die aus der vorhergehenden Halbmarathon-WM hervorgegangen war, in Riga (Lettland) ihre Premiere. Doch die für 2025 in San Diego (USA) geplante zweite Auflage fiel aus. Die  Ausrichter konnten offenbar das für die Veranstalterstadt hohe Budget nicht stemmen. Die Sieger des kommenden Wochenendes werden anders als ihre Vorgänger nur für sehr kurze Zeit amtierende Weltmeister sein. Denn bereits im kommenden März finden die nächsten „World Road Running Championships“ in Yangzhou statt. 

Die Chinesen hatten ursprünglich den Zuschlag für die Halbmarathon-WM 2022 bekommen, jedoch fielen diese Titelkämpfe aufgrund der Corona-Pandemie aus. Der internationale Leichtathletik-Verband World Athletics hat noch nicht bekannt gegeben, wo die Straßenlauf-WM 2028 und 2029 stattfinden wird. Angesichts mehrerer internationaler Höhepunkte in kurzer Zeit und aufgrund der beginnenden Herbst-Marathon-Saison fehlen in Kopenhagen einige der besten Läufer der Welt. Der DLV ist in Dänemark mit Robert Farken vertreten: Der Leipziger hat im Meilenrennen gute Platzierungschancen. Allerdings sind gleich 71 Läufer für die 1.609,34 Meter gemeldet.

Die Rennen im Überblick

Meile | Frauen (Samstag, 10:10 h), Männer (Samstag, 10:30 h)

Wie viel hat Robert Farken noch im Tank?

Der US-Amerikaner Yared Nuguse ist als leicht favorisiert anzusehen über die Meile. Er hat eine Bestzeit über diese Distanz auf der Bahn von 3:43,97 Minuten und ist damit Nordamerika-Rekordler. Nuguses Landsmann Vincent Ciattei und der Brite Jake Heyward können ebenso in den Kampf um die Medaillen eingreifen wie Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig), der in diesem Jahr auf der Bahn zweimal den Deutschen Meilenrekord brach und sich auf 3:46,82 Minuten verbesserte. 

Wenn der 28-Jährige spät in der Saison noch Kräfte mobilisieren kann, hat er die vielleicht beste Chance bisher, eine große Medaille zu gewinnen. Zumindest ein sehr guter Saisonabschluss ist möglich. Allerdings ist das Feld mit 70 Athleten für einen Meilenlauf sehr groß. Außerdem bringt Robert Farken sehr wenig Erfahrung im Straßenlauf mit. Der WM-Sechste ist erst einmal bei einem Straßenrennen über die Meile gestartet. Unter anderem über die Straßenlauf-WM spricht Robert Farken in unserem Interview aus der vergangenen Woche.

Bei den Frauen ist die Äthiopierin Freweyni Hailu die Favoritin in einem Feld mit rund 50 Athletinnen. Vor drei Jahren hat sie in Riga bereits die Silbermedaille über die Meile gewonnen. Seitdem wurde sie zweimal Hallen-Weltmeisterin über 1.500 Meter. Über die Meile hat sie auf der Straße eine Bestzeit von 4:23,06 Minuten. Die Kenianerin Mirriam Cherop sowie die US-Amerikanerinnen Addison Wiley und Gracie Hyde gehören zu den Medaillenkandidatinnen.


5 Kilometer | Frauen (Samstag, 14:10 h), Männer (Samstag, 14:40 h)

Jakob Ingebrigtsen in der Favoritenrolle

Jakob Ingebrigtsen hat über 5.000 Meter schon alle großen Titel gewonnen: bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Der Norweger ist nun auch der große Favorit über 5 Kilometer auf der Straße. Vor drei Jahren war er in Riga nicht am Start, am Samstag kann er seine erste große Goldmedaille auf der Straße gewinnen. Zu seinen Konkurrenten gehören der Äthiopier Addisu Yihune, der eine Bestzeit von 12:54 Minuten aufweist, und der Europarekordler Jimmy Gressier (Frankreich; 12:51 min). Jakob Ingebrigtsen ist überhaupt erst ein 5-Kilometer-Rennen auf der Straße gelaufen: 2020 erreichte er mit 13:28 Minuten eine norwegische Rekordzeit.

Drei Läuferinnen stehen auf der Startliste, die Bestzeiten von unter 14:30 Minuten aufweisen können. Mit 14:19 Minuten ist die Kenianerin Caroline Nyaga die viertschnellste Läuferin der Geschichte über diese Distanz. Als Favoritin ist aber eher Likina Amebaw anzusehen. Die Äthiopierin, die zu Silvester 2025 das Rennen in Barcelona mit 14:23 Minuten gewann, zeigte in dieser Saison eine Reihe von starken 5.000-Meter-Rennen. So gewann sie die World Athletics Ultimate Championships vergangenes Wochenende in Budapest mit 14:30,36 Minuten, Anfang Juni in Rom war sie mit 14:18,41 Minuten vorn. Caroline Gitonga (Kenia) ist mit einer Bestzeit von 14:26 Minuten die Nummer drei auf der Startliste. Eine gute Rolle spielen können auch Diane van Es (Niederlande; PB: 14:33 min) und Jana van Lent (Belgien; PB: 14:36 min).


Halbmarathon | Frauen (Sonntag, 9:10 h), Männer (Sonntag, 9:45 h)

Kenia stellt starkes Team

Nicholas Kipkorir ist der schnellste Läufer auf der Halbmarathon-Startliste. Der Kenianer hat eine persönliche Bestzeit von 58:08 Minuten und erzielte diese vor sechs Monaten. In Lissabon war er damals Zweiter hinter Jacob Kiplimo (Uganda), der in Kopenhagen nicht laufen wird. Während auch die Nummer zwei auf der Startliste aus Kenia kommt, Gideon Rono steigerte sich in diesem Jahr auf 58:38 Minuten, fehlt Titelverteidiger Sabastian Sawe. Der Kenianer ist verletzt, hatte aber ohnehin nicht für die WM geplant, sondern wäre den Berlin-Marathon gelaufen.

Medaillenchancen haben auch der WM-Zweite von 2023, Daniel Ebenyo (Kenia), der 5.000- und 10.000-Meter-Weltrekordler Joshua Cheptegei (Uganda) und der schwedische Europarekordler Andreas Almgren (58:41 min), der Mitte August mit einem starken Solo unangefochten den 10.000-Meter-EM-Titel gewann. Zu beachten sein wird auch Tadese Worku. Mit seiner Bestzeit von 58:47 Minuten ist er der schnellste Äthiopier. Der Franzose Jimmy Gressier (59:45 min) wird tags zuvor auch über 5 Kilometer starten.

Eine klare Favoritin gibt es im Rennen der Frauen: Die Kenianerin Agnes Ngetich ist mit ihrer Bestzeit von 63:04 Minuten die zweitschnellste Halbmarathonläuferin der Geschichte. Sie hat in diesem Jahr bereits WM-Gold im Crosslauf gewonnen. Ihre Landsfrau Lilian Rengeruk (63:32 min) sowie die Äthiopierinnen Tsigie Gebreselama (64:21 min) und Ftaw Zeray (65:12 min) gehören zu den stärksten Konkurrentinnen von Agnes Ngetich. Gebreselama war 2023 Zweite bei der Cross-WM, Zeray belegte beim Halbmarathon-WM-Rennen 2023 den sechsten Rang. Eine gute Platzierung ist der aufstrebenden Klara Lukan (Slowenien) zuzutrauen. Im April steigerte die 26-Jährige den Europarekord über 10 Kilometer auf 29:51 Minuten.

Die Rennen werden bei Eurovisionsport im Livestream übertragen. Alle Informationen.

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