Am Abschlusstag der World Athletics Ultimate Championships in Budapest haben Melissa Jefferson-Wooden und Kenneth Bednarek nach den 100 Meter auch die 200 Meter für sich entschieden. Hinter einem Top-Trio über 400 Meter Hürden steigerte Emil Agyekum als Vierter seinen Deutschen Rekord. Im Hochsprung meisterte Gianmarco Tamberi 2,37 Meter.
Mit zwei Doppelsiegen ist am Sonntag in Budapest (Ungarn) die Premiere der World Athletics Ultimate Championships zu Ende gegangen. Nach ihrem Erfolg am Vortag über 100 Meter stürmte Melissa Jefferson-Wooden (USA) auch über 200 Meter zum Sieg. Dabei steigerte die Dreifach-Weltmeisterin ihre Bestzeit um 21 hundertstel Sekunden auf 21,47 Sekunden. In der Geschichte waren nur Weltrekordlerin Florence Griffith-Joyner (21,34 sec) und die zweimalige Weltmeisterin Shericka Jackson (Jamaika; 21,41 sec) noch schneller. Trotz starker 21,77 Sekunden musste sich Olympiasiegerin Gabby Thomas (USA) deutlich geschlagen geben. Auf Rang drei folgte mit Kayla White (21,93 sec) eine weitere US-Amerikanerin.
Auch bei den Männern machte ein US-Athlet den Doppelsieg im Sprint perfekt und sicherte sich damit unterm Strich 300.000 US-Dollar Preisgeld. Kenneth Bednarek distanzierte in 19,52 Sekunden ebenso den Olympiasieger über die 200 Meter. Letsile Tebogo (Botswana; 19,76 sec) wurde Zweiter knapp vor Courtney Lindsey (USA; 19,79 sec).
Die beiden Sprintfinals setzten den Schlusspunkt hinter drei Leichtathletik-Abende, die kompakte Wettbewerbe mit den Stars aus aller Welt boten, in einem Jahr ohne Meisterschaft auf globaler Ebene. DLV-Vorständin Dr. Kristin Behrens: „Die Ultimate Championship kann ein wichtiger Innovation Hub für die Weiterentwicklung der Leichtathletik sein: kompakt, mutig inszeniert, mit neuen Formen von Content und Visualisierung und den Athletinnen und Athleten sichtbar im Mittelpunkt. Entscheidend ist jetzt, genau zu schauen, was funktioniert hat und was verbessert werden sollte, was nachhaltig trägt und welche Impulse wir daraus mitnehmen können. Aus DLV-Sicht waren der Sieg von Merlin Hummel zum Auftakt und der Deutsche Rekord von Emil Agyekum am Sonntag die besonderen Highlights.“
Alison dos Santos wieder unter 46 Sekunden, Emil Agyekum steigert sich
An der Spitze wurde das Finale über 400 Meter Hürden der Männer zum erwarteten Showdown zwischen den drei besten Athleten der vergangenen Jahre über diese Distanz. Weltrekordler Alison dos Santos (Brasilien) blieb in 45,98 Sekunden als erster Athlet der Geschichte zum zweiten Mal unter 46,00 Sekunden und verfehlte seine Bestmarke aus Zürich (Schweiz) nur um 18 hundertstel Sekunden. Weltmeister Rai Benjamin (USA), der sich in diesem Sommer überwiegend auf die Flachstrecke konzentriert hatte und in Budapest über diese Strecke am Samstag schon Zweiter (44,15 sec) geworden war, kam erneut auf Position zwei (46,40 sec) ins Ziel, vor dem enthronten Weltrekordler Karsten Warholm (Norwegen; 46,78 sec).
Das Trio war schon auf den ersten 200 Metern zum DLV-Vertreter in diesem Finale Emil Agyekum (SCC Berlin) aufgelaufen, der sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen ließ, sondern so gut es ging dran blieb. Der EM-Zweite wurde mit der nächsten satten Steigerung seines d-Deutschen Rekords* auf 47,10 Sekunden und dem vierten Platz belohnt.
Bei den Frauen legte Jasmine Jones (USA) die schnellste Zeit ihres Sommers hin - für sie war es ihr sechstes Rennen der Saison. In 52,46 Sekunden sicherte sich die 24-Jährige die 150.000 US-Dollar Siegprämie. Schneller war sie nur bei ihrem WM-Silber (52,08 sec) im vergangenen Jahr und Rang vier bei Olympia (52,29 sec). Europameisterin und Diamond League-Seriensiegerin Emma Zapletalová (Slowakei; 52,68 sec) musste sich geschlagen geben, die schon ihr 13. Rennen des Sommers bestrott. Die Siegerin des Diamond League-Finals Anna Cockrell (USA; 53,09 sec) wurde Dritte. Nur zwei Hundertstel dahinter (53,11 sec) verabschiedete sich die Olympiasiegerin von 2016 Dalilah Muhammad (USA) als Vierte im Alter von 36 Jahren vom Leistungssport.
Julian Weber auf Rang drei, Flugshow von Gianmarco Tamberi
Der Sieger der Commonwealth Games und des Diamond League-Finals im Speerwurf Rumesh Tharanga Pathirage (Sri Lanka) auch im Kampf um die 150.000 US-Dollar für den Sieg in Budapest durch. Im sechsten Durchgang schleuderte der 23-Jährige den Speer auf 91,09 Meter und krönte damit eine starke Saison. Der zweimalige Weltmeister Anderson Peters (Grenada; 86,18 m) wurde Zweiter. Nur 19 Zentimeter belegte Europameister Julian Weber (USC Mainz; 85,89 m) Rang drei, dem bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen noch ein Platz auf dem Treppchen fehlt.
Der Hochsprung wurde zur Flugshow von Gianmarco Tamberi. Der Europameister und Olympiasieger von 2021 lag schon nach einem erfolgreichen zweiten Versuch über 2,30 Meter in Front. Diese Höhe meisterte nur noch der US-Amerikaner JuVaughn Harrison, allerdings im dritten Anlauf. Der konnte den Italiener allerdings nicht mehr verdrängen, der auch noch im ersten Versuch über 2,33 Meter, 2,35 Meter sowie im zweiten Versuch über 2,37 Meter floppte und sich feiern ließ. Sein Sieg stand allerdings erst nach einem aufgesparten Fehlversuch von JuVaughn Harrison an 2,39 Metern fest. Platz drei ging an den Mexikaner Erick Portillo (2,26 m).
Im Dreisprung der Frauen lagen zwischen der Siegerin Saly Sarr (Senegal; 15,06 m) und Davisleidis Velazco (Kuba; 15,04 m) nur zwei Zentimeter. Ihre Landsfrau und Weltmeisterin Leyanis Pérez Hernández brachten 14,90 Meter Rang drei.
Robert Farken wird für mutiges Rennen nicht belohnt
Eine mutige Taktik wählte Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) über 1.500 Meter, der das Feld bis zur Schlussrunde anführte und für Tempo sorgte. In aussichtsreicher Position wurde der 28-Jährige 200 Meter vor Schluss im Gerangel aus dem Tritt gebracht. Am Ende lief der Deutsche Meister in 3:32,90 Minuten als Elfter ins Ziel. In seinem ersten Rennen des Sommers über diese Distanz setzte sich Meilen-Weltrekordler Josh Kerr (Großbritannien; 3:29,35 min) vor dem Sieger des Diamond League-Finals Cameron Myers (Australien; 3:29,68 min) durch. Als Dritter lief der US-Amerikaner Hobbs Kessler (3:30,73 min) ein.
Zweimal WM-Silber und Olympia-Bronze hat Djamel Sedjati (Algerien) über 800 Meter schon gewonnen. Diesmal hatte der 27-Jährige das beste Finish und lief in starken 1:41,91 Minuten zum Sieg. Dass diese starke Zeit möglich war, lag an Marco Arop (Kanada), der das Feld in 49,67 Sekunden durch die erste Runde geführt hatte und am Ende in 1:42,28 Minuten Zweiter wurde. Erst dann folgte Weltmeister und Olympiasieger Emmanuel Wanyonyi (Kanada; 1:42,44 min). Als Fünfter lief der beste Europäer im Rennen Francesco Pernici in 1:42,67 Minuten italienischen Landesrekord.
Über 5.000 Meter der Frauen ergriff die Äthiopierin Likina Amebaw auf der zweiten Rennhälfte die Initiative und setzte sich immer weiter vom Feld ab. Auf der Schlussrunde schrumpfte der Vorsprung zwar, aber es reichte in 14:30,36 Minuten zum Sieg. Im Spurt der Verfolgerinnen sicherte sich Jessica Hull (Australien) mit Bestleistung (14:32,39 min) Rang zwei vor der nächsten Äthiopierin Fantaye Belayneh (14:32,62 min).
Die Mixed-Staffel über 4x400 Meter entschied wie schon das Rennen über 4x100 Meter das Quartett aus den USA (3:08,32 min) für sich. Die Staffel aus Großbritannien brachte die 20-Jährige Schlussläuferin Charlotte Henrich mit einem beherzten Rennen noch auf den zweiten Rang (3:09,40 min) nach vorne. Rang drei ging an die Niederlande (3:09,57 min).
*vorbehaltlich Ratifizierung