Die deutsche Leichtathletik trauert um Fred Eberle. Der Württemberger prägte über Jahrzehnte die Sportart und war mehr als 20 Jahre lang im DLV-Präsidium tätig. Für den ehemaligen DLV-Präsidenten Clemens Prokop war Fred Eberle das „pädagogische Gewissen“ der Leichtathletik. Fred Eberle verstarb am Dienstag im Alter von 83 Jahren.
Einer der prägendsten Gestalter der deutschen Leichtathletik lebt nicht mehr: Fred Eberle ist am Dienstag im Alter von 83 Jahren verstorben. Über Jahrzehnte setzte sich der ehemalige Hammerwerfer aus Schwäbisch-Gmünd für die Weiterentwicklung der Leichtathletik ein. Mehr als zwei Jahrzehnte lang brachte er seine Erfahrung und Kompetenz im Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ein, unter anderem als DLV-Vizepräsident Bildung und Wissenschaft sowie als Kinder- und Zukunftsbeauftragter. Ende 2017 zog er sich aus dem DLV-Präsidium zurück. Für den Württembergischen Leichtathletik-Verbandes (WLV) war er mehr als 30 Jahre lang im Präsidium tätig. Seit 1993 fungierte er als Vizepräsident, bevor er vom Verbandstag des WLV 2018 zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.
„Mit Fred Eberle verliert die deutsche Leichtathletik einen Vordenker, Anpacker und Mahner. Er hat unseren Sport über Jahrzehnte gestaltet und weiterentwickelt. Das Mitgefühl der gesamten deutschen Leichtathletik gilt seinen Angehörigen und Freunden“, sagt der DLV-Aufsichtsratsvorsitzende Jochen Schweitzer. Der DLV-Ehrenpräsident Dr. Clemens Prokop hatte Fred Eberle als „Gesamtkunstwerk und das pädagogische Gewissen der deutschen Leichtathletik“ gewürdigt.
Entdecker und Trainer von Sigi Wentz
Trotz seiner langen Funktionärslaufbahn hörte Fred Eberle nie auf, Trainer zu sein. Zu seinen prominentesten Schützlingen zählte die Zehnkampf-Legende Sigi Wentz. Ihn betreute er 14 Jahre lang und feierte mit dem Mehrkämpfer zahlreiche internationale Medaillen wie Olympia-Bronze (1984), WM-Silber und Bronze (1983 und 1987) sowie EM-Bronze (1986). Der hauptberufliche Lehrer war stets ein klarer Verfechter einer dualen Ausbildung von Sport und Beruf. „Leistungssport verlangt nicht nur physische Komponenten, sondern auch geistige Fähigkeiten“, sagte Fred Eberle und folgerte daraus: „Der Leistungssport ist auch eine besondere pädagogische Aufgabe.“
Mehr als 25 Jahre lang machte sich der Württemberger um die Neugestaltung und Weiterentwicklung der Kinderleichtathletik verdient. „Die Leichtathletik für Kinder und Schüler darf keine reduzierte Erwachsenen-Leichtathletik sein“, war sein klares Credo. Im Team erarbeitete er eine kindgerechte Leichtathletik, zu deren Grundgedanken die altersgemäße, herausfordernde Leichtathletik unter Berücksichtigung des Teamgedankens zählten. Die Umsetzung der Ideen erfolgte in Projekten wie DLV-Bewegungscamps, öffentlichkeitswirksamen Aktionstagen „Leichtathletik in Aktion“ in Städten und Stadien sowie in umfassenden Handreichungen und Lehrplänen („Leichtathletik in der Schule“) für die Praxis.
Fred Eberle hat große Spuren hinterlassen
„Fred Eberle hat in vielen Bereichen der Leichtathletik tiefe Spuren hinterlassen. Für sein jahrelanges Wirken sind wir ihm unendlich dankbar. Ohne ihn wäre die heutige, moderne Kinderleichtathletik nicht so entwickelt und umgesetzt worden“, sagt DLV-Vorständin Dr. Kristin Behrens. Für seine Verdienste würdigte der DLV den begeisterten Musiker bereits 2002 mit dem DLV-Ehrenschild und 2008 mit dem Hanns-Braun-Preis und damit der höchsten Auszeichnung der deutschen Leichtathletik, die für „besondere Leistungen und außerordentliche Verdienste“ vergeben wird.
Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lehrwart für die Trainer- und Übungsleiterausbildung in Württemberg initiierte Fred Eberle 1972 den bis heute legendären Nikolauslehrgang für Trainer und Übungsleiter in Schwäbisch Gmünd mit regelmäßig weit mehr als 100 Teilnehmenden. Dort stellten sich im Lauf der Jahrzehnte Größen der Leichtathletik in den Dienst der Lehre und Ausbildung gestellt: Deutsche Sportidole wie die Olympiasieger Ulrike Meyfarth, Klaus Wolfermann, Christian Schenk, Willi Holdorf und Jürgen Schult sowie der legendäre Kipchoge Keino aus Kenia waren schon in Gmünd.
Der Deutsche Leichtathletik-Verband mit seinen 19 Landesverbänden wünscht der Familie und den Angehörigen von Fred Eberle viel Kraft in dieser schweren Zeit. Fred Eberles Wirken für die gesamte Leichtathletik wird unvergessen bleiben.
Das Foto zeigt Fred Eberle bei der Verleihung des Hanns-Braun-Preises bei den Deutschen Meisterschaften 2008 in Nürnberg.