München, Köln-Rhein-Ruhr oder Berlin: Am Samstag entscheidet die außerordentliche DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden darüber, welcher deutsche Kandidat bei der Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen geht. Die DOSB-Evaluierungskommission sieht München und Köln-Rhein-Ruhr fast gleichauf, deutlich dahinter folgt Berlin. Ein Überblick über das Wahl-Prozedere, die wichtigsten Bewerbungspunkte und wie es nach der Entscheidung am Samstag weitergeht.
Kurz vor der Entscheidung über den deutschen Olympia-Bewerber am Samstag hält die Evaluierungskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) das Münchner Konzept für am besten geeignet. Die Prüfer bewerteten die Pläne der bayerischen Landeshauptstadt für Sommerspiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 mit 87 von 100 Punkten knapp besser als den Vorschlag von Mitbewerber Köln-Rhein-Ruhr (85 pt). Berlin erhielt mit 74,6 Punkten eine deutlich schlechtere Gesamtnote.
Am Samstag fällt in Baden-Baden bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Entscheidung über den deutschen Olympia-Bewerber. Eine Wahlempfehlung, die möglich, aber nicht bindend gewesen wäre, hat die Kommission nicht ausgesprochen. Hamburg hat sich aus dem ursprünglichen Vierkampf bereits verabschiedet, nachdem sich die Bürgerinnen und Bürger Ende Mai mit einer Mehrheit von fast 55 Prozent gegen eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen hatten.
Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick
Wer entscheidet über den deutschen Olympia-Bewerber?
Die 42 olympischen Spitzenverbände dürfen am Samstag mit jeweils drei Stimmen für ihren Favoriten votieren und haben somit insgesamt 126 Stimmen. Stimmberechtigt sind damit auch die Verbände aus dem Wintersport. Ihre jeweils drei Stimmen dürfen die Fachverbände nicht aufteilen, sie müssen im Block an einen Bewerber vergeben werden. Zudem haben acht persönliche Mitglieder – darunter Profi-Fußballer Leon Goretzka und Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste – sowie die zehn Präsidiumsmitglieder des DOSB jeweils eine Stimme. Die Gesamtstimmenanzahl beträgt damit 144.
Um als nationaler Bewerber gewählt zu werden, ist eine absolute Mehrheit notwendig. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen muss auf einen Bewerber entfallen. Mehrere Wahlgänge sind somit möglich. Nicht stimmberechtigt sind die Landessportbünde sowie die nichtolympischen Spitzenverbände wie der Deutsche Schachbund oder der Deutsche Karate Verband. Auch der Deutsche Behindertensportverband ist vom Votum ausgeschlossen, obwohl es parallel auch um die Paralympics-Bewerbung geht.
Welche Faktoren gaben den Ausschlag für das Ergebnis der Evaluierungskommission?
Die Bewerber hatten Zeit, bis Anfang Juni ihre finalen Konzepte einzureichen. Diesen wurden dann anhand einer gemeinsam mit dem Bund entwickelten Matrix bewertet. Die Evaluierung führte der DOSB mit den olympischen Spitzenverbänden durch. München bekam knapp vor Köln-Rhein-Ruhr die Bestnote, Berlin belegte deutlich dahinter Platz drei.
Die Bewertung umfasste verschiedene Kategorien und Kriterien – zum Beispiel, wie groß die Chancen auf einen Zuschlag im internationalen Wettbewerb sind oder auch, wie groß die Unterstützung der Bevölkerung oder der jeweiligen Region ist. Auch die sogenannte sportfachliche und operative Eignung wie Reisezeiten, Hotelkapazitäten sowie die Unterbringung von Athletinnen und Athleten wurden bewertet.
Wann und durch wen wird die Entscheidung verkündet?
Die Entscheidung verkündet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag ab 13.45 Uhr (ARD und ARD-Livestream) an der Seite von DOSB-Chef Thomas Weikert. Steinmeier ist nicht der einzige Prominente, der an der außerordentlichen Mitgliederversammlung teilnimmt. Aus dem Sport werden unter anderem Tennis-Legende Boris Becker, Schwimm-Ikone Michael Groß, Pferdesport-Star Isabell Werth sowie Gewichtheben-Olympiasieger Matthias Steiner vertreten sein.
In welchen Punkten liegt München vorn?
Das ganz große Plus von München sind die kurzen Wege. Wie bei den Olympischen Spielen 1972 plant die bayerische Landeshauptstadt ihre Wettbewerbe zentral. Die Reisezeiten wurden vom DOSB anhand der Fahrtzeit um 3.00 Uhr nachts vom Olympischen und Paralympischen Dorf berechnet. München lag hier sowohl bei der Bewertung des DOSB als auch bei der Bewertung der Verbände klar an der Spitze. Auch Berlin landete in diesen beiden Kategorien vor Köln-Rhein-Ruhr. Insgesamt wurde Münchens Bewerbung im Oberpunkt „sportfachliche und operative Eignung“ als stärkstes der drei Konzepte eingeschätzt.
In welchen Punkten liegt Köln-Rhein-Ruhr vorn?
Die Trumpfkarte von Köln-Rhein-Ruhr ist die Anzahl von 17,6 Millionen Tickets, mit der die Bewerbung deutlich vor den beiden anderen Teilnehmern liegt. Sowohl die Ticketpotenziale als auch die möglichen Tageszuschauer bewertete der DOSB mit der Höchstpunktzahl von 100. Vor allem beim zweiten Aspekt fielen die beiden Widersacher gegen den Ballungsraum Nordrhein-Westfalen deutlich zurück. Auch bei der Kategorie „Internationale Strahlkraft Sport“ liegt Köln-Rhein-Ruhr nach DOSB-Angaben mit 100 Punkten an der Spitze und damit vor Berlin (82) und München (74,5). Die Verbände, die die sportartspezifischen Orte bewerten, sehen München vor Berlin und Köln-Rhein-Ruhr.
In welchen Punkten liegt Berlin vorn?
Was die internationale Strahlkraft abseits des Sports angeht, liegt Berlin vor München und Köln-Rhein-Ruhr.
Wie geht es nach der Entscheidung am Samstag weiter?
Für Deutschland geht es darum, sich nach dem Votum am Wochenende international in Stellung zu bringen und dem IOC Detailpläne und finanzielle Garantien vorzulegen. Die erste Vorauswahl für die Vergabe der Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein. Die nächste Phase strategischer Verhandlungen würde dann bis Ende 2028 laufen, ehe in den letzten Monaten bis zur entscheidenden IOC-Session Mitte 2029 nur noch die aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen verbleiben.
Wie stehen die Chancen im internationalen Vergleich?
Indien und Katar gelten als mögliche Kandidaten für 2036. Sollte das IOC einen Kandidaten aus Asien bevorzugen, müsste sich Deutschland mindestens noch weitere vier Jahre gedulden. Noch einmal aufgeschnürt werden soll das Thema dann aber nicht. Der am Samstag gewählte Kandidat soll auch für 2040 oder 2044 ins Rennen gehen. Der DOSB will dann mit einer überzeugenden Bewerbung bereitstehen, wenn Europa gefragt ist. Neben dem deutschen Kandidaten haben in Europa Budapest und Istanbul Olympia-Pläne, auch Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana prüfen einen Anlauf.