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EM-Historie (I): Von Turin bis Brüssel oder als die EM laufen lernte

Die Leichtathletik-EM 2018 vom 6. bis zum 12. August im Berliner Olympiastadion wird das größte Sportereignis auf deutschem Boden im kommenden Jahr. Die Europameisterschaften haben eine große Tradition seit ihrer Premiere 1934 in Turin. In unserer historischen EM-Serie präsentieren wir Geschichten, Stars und Sternchen dieser bedeutenden Titelkämpfe. Heute: Von Turin 1934 bis Brüssel 1950.
Ewald Walker

Europa war schon immer ein Motor herausragender Sportveranstaltungen: Die Olympischen Spiele hatten ihre neuzeitliche Wiedergeburt 1896 in Athen (Griechenland), die ersten Leichtathletik-Weltmeisterschaften fanden 1983 in Helsinki (Finnland) statt. Die Premiere der Europameisterschaften ging 1934 in Turin (Italien) über die Bühne.

Der Start erfolgte aus heutiger Sicht mit einem Novum: Weil Frauen insgesamt erst spät Zutritt zum Wettkampfsport erhielten, waren sie in Turin noch außen vor und trafen sich parallel in London (Großbritannien) bei den Frauen-Weltspielen. Erster kontinentaler „König der Athleten“ wurde Mehrkämpfer Hans-Heinrich Sievert (Eimsbütteler TV).

Gisela Mauermayer (TV Nymphenburg), als 16-fache Weltrekordlerin die wohl bedeutendste deutsche Leichtathletin dieser Zeit, wurde in London Doppel-Siegerin im Fünfkampf und Kugelstoßen. Noch heute steht in Stuttgart am Stadion eine Mauermayer-Statue – allerdings ziemlich verloren vor einer reinen Fußball-Arena.

Sportpolitische Einflüsse, Frauen-Premiere 1938 in Wien

Wie später noch öfter standen auch schon diese Europameisterschaften in Turin unter politischen Einflüssen. Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten hatte neun deutsche Athleten (als „Reaktionäre der Sportbewegung“) nicht für das EM-Team nominiert. Zwei Jahre später wurde die Jüdin Gretel Bergmann ebenfalls von Tschammer und Osten aus dem Olympiateam geworfen. 25 Nationen waren am Start, Deutschland holte siebenmal Gold.    

1938 in Wien (Österreich) feierten die Frauen Premiere bei der EM. Mit 1,70 Meter sprang Dora Ratjen Weltrekord im Hochsprung. Sie wurde bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin der Jüdin Gretel Bergmann vorgezogen. Auf der Heimreise holte man Ratjen in Magdeburg aus dem Zug und entlarvte sie bei einer Geschlechtskontrolle als Mann.     

Doppel-Erfolg für Rudolf Harbig in Paris

Die kontinentalen Titelkämpfe der Männer wurden 1938 in Paris (Frankreich) ausgetragen. Dort war der deutsche Ausnahmeläufer Rudolf Harbig auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Der Weltrekordläufer wurde zweifacher Europameister – über 800 Meter und als Schlussläufer der 4x400 Meter-Staffel.

Oslo (Norwegen; 1946) und Brüssel (Belgien; 1950) waren Austragungsorte der ersten Nachkriegs-Titelkämpfe und die ersten gemeinsamen Europameisterschaften für Männer und Frauen. Deutschland war als Kriegsverursacher außen vor. Parallel zur EM fanden 1946 in Frankfurt also die Deutschen Meisterschaften statt. International war es die große Ära der Elsje Blankers-Koen. Die „fliegende Hausfrau“ aus den Niederlanden gewann bei drei Europameisterschaften acht Medaillen und lief 20 Weltrekorde im Sprint und über die Hürden. 

Von 1934 bis 1966 wurden die Europameisterschaften (mit Kriegsunterbrechung 1942) alle vier Jahre in der Mitte einer Olympiade ausgerichtet. 1969 und 1971 wurde dieser Rhythmus unterbrochen, ab 1974 gab es die Leichtathletik-EM wieder im vierjährigen Rhythmus. Erst seit Helsinki 2012 findet die EM im zweijährigen Rhythmus statt.

Austragungsorte der Leichtathletik-Europameisterschaften von 1934 bis 2018

1934  Turin (ITA)1969  Athen (GRE)1998  Budapest (HUN)
1938  Paris (FRA)1971  Helsinki (FIN)2002  München (GER)
1946  Oslo (NOR)1974  Rom (ITA)2006  Göteborg (SWE)
1950  Brüssel (BEL)1978  Prag (CZE)2010  Barcelona (ESP)
1954  Bern (SUI)1982  Athen (GRE)2012  Helsinki (FIN)
1958  Stockholm (SWE)1986  Stuttgart (GER)2014  Zürich (SUI)
1962  Belgrad (SRB)1990  Split (CRO)2016  Amsterdam (NED)
1966  Budapest (HUN)1994  Helsinki (FIN)<link http: www.berlin2018.info>2018 Berlin (GER)
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