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Gloria Herold – Neues Oval, neuer Erfolg

Vor fast genau einem Jahr startete Gloria Herold erstmals bei einem Leichtathletik-Wettkampf. Seitdem zeigt ihre Formkurve steil nach oben. Nach dem Sieg bei der U18-DM über 10 Kilometer und im Crosslauf im Herbst 2025 folgten in den vergangenen Wochen die U20-WM-Norm über 5.000 Meter und zwei Goldmedaillen bei der Berglauf-EM. Dabei stand die Sportkarriere der Erfurterin, die sie als Eisschnellläuferin begonnen hatte, bereits kurz vor dem Aus.
Martin Neumann

Eisschnelllauf und Leichtathletik sind sehr verwandte Sportarten. Auf Sprint- bis Langstreckendistanzen geht’s darum, die schnellste Zeit zu laufen. Entsprechend unterschiedlich fällt der Körperbau der Protagonistinnen und Protagonisten aus. Außerdem ist eine Stadionrunde – im Leichtathletik- wie Eisschnelllauf-Stadion – exakt 400 Meter lang. Dass aber Athletinnen oder Athleten von einer Sportart zur anderen mit Erfolg wechseln, ist eine Seltenheit.

Anders bei Gloria Herold (Race Erfurt). Die 17-Jährige startete erst im Frühjahr 2025 mit der Leichtathletik, nachdem sie als ehemalige Deutsche Jugend-Vizemeisterin im Erfurter Sportgymnasium die „Verbleibekriterien“ auf einer von zwei Eisschnelllaufstrecken nicht hatte erfüllen können. „Ich bin einfach nicht der Sprintertyp. Doch ich musste auch auf der kurzen Strecke unter der Vorgabe bleiben. Das ist mir leider nicht gelungen“, blickt sie zurück.

Seit dem Wechsel der Sportart ist die Schülerin die „Durchstarterin“ im Nachwuchslaufbereich und krönte ihren bisherigen rasanten Aufstieg mit Einzel- und Team-Gold bei der Berglauf-EM vergangenes Wochenende in Kamnik (Slowenien). Dabei fing sie bei ihrem erst zweiten Berglauf quasi auf der Ziellinie mit einer beeindruckenden kämpferischen Leistung die bis dato führende Tschechin Anna Kynčlová noch ab. „Es waren knapp vier Kilometer mit etwas mehr als 400 Höhenmetern. Abgesehen von den letzten 250 Metern lag ich die ganze Zeit vor der Tschechin. Am letzten Bergaufstück bin ich dann noch einmal an sie herangekommen und habe auf den letzten Schritten noch einmal alles versucht“, blickt Gloria Herold auf ihren Gold-Coup zurück.

Auf U20-WM-Norm folgt Doppelgold in Kamnik

Schlussendlich wurden mit 21:53 Minuten beide auf Platz eins gewertet, als Dritte folgte mit Julia Ehrle (LG Farbtex Nordschwarzwald) schon die zweite deutsche U20-Läuferin, das Gold-Trio komplettierte als Neunte Hannah Lösel (Eintracht Frankfurt; 23:27 min). „Berglaufen liegt mir einfach durch meine Beinkraft, die ich dabei gut einsetzen kann. Außerdem mag ich dieses freie Laufen, bei dem ich an meine Grenzen gehen kann. Dass ich aber um den Titel laufen kann, damit habe ich nicht gerechnet“, erzählt die Erfurterin.

Dass Gloria Herold auch auf dem Kunststoff-Oval zu den deutschen Laufhoffnungen zählt, bewies sie Ende Mai bei der „Langen Laufnacht“ in Karlsruhe. Mit 16:17,02 Minuten blieb sie in ihrem zweiten 5.000-Meter-Rennen deutlich unter der Norm für die U20-WM Anfang August in Eugene. Im nationalen Vergleich war in diesem Jahr nur U20-Berglaufweltmeisterin Julia Ehrle in dieser Altersklasse mit 16:05,35 Minuten flotter unterwegs.

Dass Gloria Herold überhaupt über Umwege zur Leichtathletik kam und binnen eines Jahres durchstartete, ist Enrico Aßmus zu verdanken. Der Thüringer Landestrainer hatte die Schülerin bereits vor ihrer Aufnahme am Sportgymnasium bei einem Leichtathletik-Test beobachtet und wusste um die läuferischen Qualitäten der aus einer Eisschnelllauffamilie im Landkreis Zwickau stammenden Athletin. Nach einer Probewoche war der „Sportartenwechsel“ perfekt und Gloria Herold konnte ihre Ausbildung am Sportgymnasium fortsetzen.

Laufeinheiten und Alternativtraining halten sich die Waage

Durch die deutlich stärkeren Stoßbelastungen für Knochen und Gelenke beim Laufen als beim „gleitenden“ Eisschnelllauf trainiert Gloria Herold in Erfurt sehr viel alternativ. Fünf Laufeinheiten pro Woche werden mit derselben Anzahl oder sogar mehr Einheiten auf dem Rad, im Schwimmbecken oder auf dem Stepper kombiniert. So soll das Talent vor Überlastungen geschützt werden.

In ihrem ersten U20-Jahr soll die WM in Eugene der Höhepunkt der Sommersaison werden. „Ich möchte in meiner Jugendzeit international starten und so weit wie möglich nach vorn laufen“, blickt die 17-Jährige voraus. Und natürlich träumt sie – wie alle Leichtathletik-Talente – von einem Start bei den Olympischen Spielen. Auf welche Strecke sie in Zukunft den Fokus legen wird, weiß die Schülerin noch nicht. „Aber eigentlich gilt: Je länger die Strecke, desto besser.“

Irgendwann will die mit einem sehr ökonomischen Laufstil ausgestattete Gloria Herold auf jeden Fall Marathon laufen, selbst Ultraläufe schließt sie nicht aus. Bis es so weit ist, will die Erfurter Aufsteigerin aber auf einem für sie immer noch neuen Oval für Furore sorgen.

Foto: Nicht nur auf der Bahn und beim Berglauf schnell – Gloria Herold gewann 2025 in Darmstadt U18-Gold bei der Cross-DM. 

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