| U20-EM 2017

Grosseto Tag 3: Die DLV-Athleten in den Vorrunden

78 DLV-Athleten kämpfen bei den diesjährigen U20-Europameisterschaften in Grosseto (Italien; 20. bis 23. Juli) um Gold, Silber und Bronze sowie um persönliche Erfolge und Bestleistungen. Wir berichten hier von Disziplin zu Disziplin, wie sich die deutschen U20-Talenten in den Vorrunden geschlagen haben.
Silke Bernhart

<link btn>U20-EM 2017 Grosseto

MÄNNLICHE JUGEND U20 

800 Meter, Halbfinale

DLV-Läufer schleichen geknickt aus dem Stadion

Nein, das war nicht das Halbfinale, welches Pascal Kleyer (LG Region Karlsruhe) sich erhofft hatte. Schon früh verlor er eine aussichtsreiche Position, war erst auf Rang sieben und nach 200 Metern sogar auf Rang acht zurückgefallen. Er hatte ein hartes Rennen erwartet, in dem sich nur die ersten Zwei direkt für das Finale qualifizierten. Dass er aber von hinten zusehen muss, wie vorne die Post abgeht, hatte er sicher nicht vorhergesehen.

Als Athanasios Kalakos (Griechenland; 1:48,59 min) vorne das Heft in die Hand nahm, war Pascal Kleyer nicht in der Verfolgergruppe dabei, sondern musste erst langsamere Athleten vor sich überholen. Da war der Zug abgefahren – es wurde Platz fünf in 1:53,64 Minuten. Dabei war der Karlsruher mit seiner neuen Bestzeit von 1:47,83 Minuten so hoffnungsvoll nach Grosseto gereist. Entsprechend enttäuscht schlich der sonst so fröhliche Athlet aus dem Stadion.

Humpelnd folgte ihm Constantin Schmidt (LC Cottbus). Er hatte im Rennen zuvor an der Startlinie gestanden und war nach 1:52,98 Minuten als Sechster im Ziel gewesen – ebenfalls zu wenig fürs Finale. Mit Beschwerden im Beuger konnte er die letzte Tempoverschärfung nicht mehr mitgehen.“ Bei der letzten Steigerung vor dem Rennen ist es mir reingefahren“, erklärte er, „in der ersten Runde lief es noch ganz gut, aber als nach 500 Metern alle vorbei gingen, habe ich mein Bein nicht mehr richtig hoch gekriegt.“

400 Meter Hürden, Halbfinale

Constantin Preis mit ordentlicher Zeit Siebter

Wichtige Zeit ging schon an der zweiten Hürde verloren: Über dieses Hindernis hüpfte Constantin Preis (TV Pforzheim) mehr, als dass er es überlief. Direkt waren wichtige Meter im Vergleich zur Konkurrenz verloren. Insgesamt aber machte der 19-Jährige, der in Moldawien geboren wurde, ein ordentliches Rennen und kam nach 52,14 Sekunden als Sechster ins Ziel. Zum Vergleich: Im Vorlauf war er 53,05 Sekunden gerannt, hatte da aber bereits über muskuläre Beschwerden geklagt. Seine Bestzeit steht bei 51,64 Sekunden.

Dass Constantin Preis sich mehr erhofft hatte, verdeutlichen das Tempo, mit dem er anschließend aus dem Innenraum und aus der Mixed Zone verschwunden war, sowie das ambitionierte Ziel, das er im Fragebogen für die <link>DLV-Teambroschüre verkündet hatte: Dort hatte er sogar mit einem Platz auf dem Podium geliebäugelt. Dafür wird man am Sonntag wohl unter 51 Sekunden laufen müssen – so wie am Samstag der Italiener Alessandro Sibilo (50,95 sec).

Dreisprung, Qualifikation

Paul Walschburger tankt trotz Quali-Aus viel Motivation

Die Technik passte vorne und hinten noch nicht. Aber Paul Walschburger (LG Stadtwerke München) steckte nur bei seinen Sprüngen den Kopf in den Sand – seiner Motivation für kommende Herausforderungen tat das Aus in der Qualifikation von Grosseto keinen Abbruch. Nur einer seiner Sprünge war gültig und wurde mit 14,39 Metern vermessen, zu wenig für das Finale, für das 15,38 Meter her mussten. In Runde drei geriet er beim Jump sogar so in Vorlage, dass er kopfüber im Sand landete.

„Das ist ein schlechter Trend bei mir“, lachte er anschließend. „Beim Jump mache ich hin und wieder einen Kopfsprung.“ Das soll in Zukunft anders werden. „Ich habe hier in den letzten zwei Tagen so viel gelernt, das hat sich schon wunderbar angefühlt, ich konnte es nur noch nicht im Wettkampf zeigen“, sagte der Münchner, der vor nicht einmal zwei Jahren zum Dreisprung gewechselt war. „Wenn ich das umsetzen kann, freue ich mich schon auf die nächsten Wettkämpfe.“

Diskuswurf, Qualifikation

Zwei DLV-Diskuswerfer ziehen ins Finale ein

Die Qualifikationsweite von 59,00 Metern war hoch angesetzt – so hoch, dass sie in der ersten Gruppe kein einziger Teilnehmer übertreffen konnte. Auch nicht Henrik Janssen (SC Magdeburg) mit 63,73 Metern als Europas Nummer eins des Jahres angereist. Doch im ersten Versuch flog seine Scheibe bis auf 57,84 Meter und damit bis auf die drittbeste Weite von Gruppe A. So konnte er beruhigt seine Tasche packen. Ebenso wie Tim Ader. Der trug sich mit 56,68 Metern und Platz sechs in die Ergebnislisten ein.

Nach Ende von Gruppe B stand fest, dass sich sogar die Top Neun aus Gruppe A qualifiziert hatten. Und leider auch, dass das Finale ohne Tobias Köhler stattfinden wird. Der Athlet vom SV Halle, der am Tag zuvor noch Platz acht im Kugelstoßen belegt hatte, brachte keinen gültigen Versuch zustande. Auch in Gruppe B konnte kein Werfer die 59,00 Meter überbieten. Mit den besten Weiten des Tages brachten sich der Pole Oskar Stachnik (58,43 m) und der Weißrusse Hleb Zhuk (58,33 m) in Position. Dann folgte schon Henrik Janssen.

4x400 Meter, Vorläufe

DLV-Quartett mit Vorlauf-Sieg ins Finale

Eine starke erste Runde von Lorenz Niedrig (TuS 09 Erkenschwick), starke erste 100 Meter von Florian Colon-Marti (TV Wattenscheid 01) – und das deutsche Quartett war weit enteilt. Justus Ringel (SC Potsdam) musste die Konkurrenz auf der Zielgeraden zwar wieder aufkommen lassen, übergab aber dennoch als Führender. Und dann machte sich Marvin Schlegel (LAC Erdgas Chemnitz) auf die Strecke. Am Vortag als Neunter noch knapp am Final-Einzug im Einzel gescheitert, brachte er seine Wut im Bauch und seine Erfahrung nun für die Staffel ein und hielt souverän einem letzten Angriff der Italiener stand. In 3:10,64 Minuten war mit dem Vorlauf-Sieg das direkte Final-Ticket gebucht.

„Wir wollten die direkte Qualifikation, Platz eins oder zwei“, erklärte Marvin Schlegel. „Auf der Zielgeraden habe ich schon ein bisschen geguckt und musste nicht mehr alles geben.“  – „Wenn ein 400-Meter-Läufer sind da noch umschauen kann, hat er noch Kraft“, bestätigte Florian Colon-Marti lachend. Dass er selbst nach 500 Metern einen so großen Vorsprung haben würde, damit hätte keiner vorher gerechnet, erklärte er. „Ich bin ja noch der 'Jüngling' im Team, meine Aufgabe war es, den Vorsprung der anderen zu halten“, sagte Justus Ringel, „ich glaube, das habe ich ganz gut gemacht. Ich bin zufrieden!“

 

WEIBLICHE JUGEND U20 

200 Meter, Halbfinale

Sophia Junk und Katrin Fehm stehen im Finale

Die Glanzvorstellung der deutschen Sprinterinnen geht weiter! Mit Sophia Junk (LG Rhein-Wied) und Katrin Fehm (ESV Amberg) stehen zwei DLV-Athletinnen um 18:30 Uhr im Finale! Und da ist besonders für Sophia Junk einiges drin: Die Rheinländerin zeigte ein fantastisches Halbfinale, in dem sie schon mit großem Vorsprung aus der Kurve kam, dann noch ein paar Meter zwischen sich und die Konkurrenz legte und eigentlich schon ab 150 Metern nur noch den Sieg nach Hause bringen musste. Locker rollte sie nach 23,48 Sekunden als Erste über die Ziellinie.

Katrin Fehm hatte in ihrem Vorlauf mit Maya Brunei (23,07 sec) die wohl größte Goldfavoritin neben oder besser gesagt genau vor sich. Aber sie ließ sich vom hohen Tempo der Britin nicht beirren, machte ihr eigenes Rennen und war damit schneller als der Rest des Feldes. In 23,60 Sekunden buchte auch sie mit einem großen Q direkt ihren Platz im Finale. Für dieses hat als Siegerin des dritten Halbfinals auch die Französin Estelle Raffai (23,40 sec) Medaillenansprüche angemeldet.

400 Meter Hürden, Halbfinale

Nele Weßel muss abreißen lassen

Nele Weßel hatte in 1:00,76 Minuten den letzten von 16 Plätzen im Halbfinale ergattert. Dort bestritt die Athletin vom SV Preußen Berlin auf den ersten 200 Metern ein offensives Rennen und schloss sogar zur vor ihr gestarteten Rumänin Iulia Nicoleta Banaga auf. Doch auf den letzten 150 Metern wurden die Beine schwerer und die Schritte zur Hürde kürzer. Mit ein paar Trippelschritten verlor sie jeweils an Boden und kam daher schließlich nach 1:00,60 Minuten als Achte ins Ziel.

An der Spitze des Feldes machte Agata Zupin ihr eigenes Rennen. Mit eindrucksvollen 56,62 Sekunden untermauerte die vielseitige Slowenin, die auch über 200 und 400 Meter Europas Nummer zwei des Jahres ist, ihre Favoritenrolle über 400 Meter Hürden. Mehr als eine Sekunde Vorsprung auf alle weiteren Athletinnen im Halbfinale sprechen eine eindeutige Sprache: Der Sieg im Finale wird nur über sie gehen.

Weitsprung, Qualifikation

Tabea Christ und Merle Homeier mit weiten Sätzen im Finale

Qualifikation bravourös gemeistert: Tabea Christ (SC Preußen Münster) machte gleich mit dem ersten Sprung das Finale klar – und zwar mit großem Q und Bestleistung! 6,20 Meter waren für das direkte Ticket in die Runde der besten Zwölf gefordert. Die 19-Jährige setzte ihre Marke bei 6,39 Metern in den Sand, acht Zentimeter weiter als je zuvor. „Wir haben in den letzten Wochen noch mal viel an der Technik und am Anlauf gefeilt“, verriet sie, „da habe ich mich schon viel sicherer gefühlt. Und die Anlage hier hat mir schon im Training gut gefallen!“

Tatsächlich scheint die Anlage von Grosseto gut zu sein für weite Sätze: Zuvor hatten bereits die deutschen Zehnkämpfer drei Bestmarken aufgestellt, auch im Weitsprung-Finale der männlichen U20 – ohne deutsche Beteiligung – waren sieben der Top Acht-Athleten Bestleistung gesprungen.

Da wollte sich natürlich auch Merle Homeier (VfL Bückeburg) nicht lumpen lassen. Mit einem ungültigen Versuch gestartet, machte sie in Runde zwei direkt das Finale klar. Bei etwas zu viel Rückenwind (+2,3 m/sec) landete sie bei 6,24 Metern (Bestleistung: 6,22 m) und konnte ebenfalls frühzeitig ihre Tasche packen.

4x400 Meter, Vorläufe

DLV-Staffel dominiert den Vorlauf

„Von vornherein Gas geben und durchziehen“, beschrieb Startläuferin Vanessa Aniteye (Hamburger SV) die Taktik des DLV-Quartetts. Und die ging auf ganzer Linie auf. Vanessa Aniteye, in diesem Jahr mit 53,69 Sekunden die deutsche Nummer drei und eine der Überraschungen der Saison, hatte bereits einen Vorsprung auf den Rest des Feldes herausgelaufen, als sie auf Meike Gerlach (TV Gladbeck) übergab. Diese hielt den Vorsprung ebenso wie Elena Kelety (Königsteiner LV), Schlussläuferin Alica Schmidt (MTV 1881 Ingolstadt) gab noch mal Gas und brachte den Stab sicher als Führende in 3:38,56 Minuten ins Ziel.

Im Finale wird es das DLV-Quartett dann im Kampf um die ganz vorderen Plätze vor allem mit der Staffel aus der Ukraine zu tun bekommen. In 3:36,78 Minuten brachten die ukrainischen Langsprinterinnen als Sieger des ersten Vorlaufs die schnellste Zeit auf die Bahn. In der nächsten Runde werden die Karten dann aber wieder neu gemischt – und auch die Staffel-Aufstellungen. Aller Voraussicht nach dürfte dann auch Corinna Schwab (TV Amberg) die deutsche Staffel verstärken. Sie steht am Samstag im 400-Meter-Einzelfinale.

 

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