| Interview der Woche

Andreas Hofmann: „Man wird auf jeden Fall sehen, dass mit mir wieder zu rechnen ist“

Im vergangenen Jahr bremste eine Ellenbogen-OP Speerwerfer Andreas Hofmann aus und kostete den Vize-Europameister die ersehnte Olympia-Teilnahme. Jetzt möchte der Mannheimer wieder angreifen und ist heiß auf die neue Saison mit den beiden Höhepunkten WM und Heim-EM in München. Im Interview spricht er über seinen Weg zurück nach der Operation, erzählt vom Trainingslager im türkischen Belek und verrät, was ihn bei seinem Comeback besonders antreibt.
Svenja Sapper

Andreas Hofmann, die wichtigste Frage vorneweg: Wie geht es Ihnen aktuell?

Andreas Hofmann:

Mir geht es sehr gut, danke der Nachfrage! Dem Ellenbogen geht es super. Ich habe die OP letztes Jahr sehr gut weggesteckt. Das hat mir im Sommer auch Mut gemacht, doch noch die Olympia-Norm zu schaffen oder unter die Top Drei in Deutschland zu kommen und damit das Ticket zu lösen. Leider hat das ja nicht ganz geklappt. Dieses Jahr steht daher im Zeichen des Comebacks.

Der Weg zurück zu alter Stärke führte über Belek, wo Sie vor wenigen Wochen gemeinsam mit anderen deutschen Top-Speerwerfern im Trainingslager waren …

Andreas Hofmann:

Das Trainingslager war super – bis auf das Wetter, leider. Das hat mir nicht so in die Karten gespielt. Es war sehr windig und noch relativ frisch. Aber alle Sportler, die schon mal in Belek waren, wissen: Die Trainingsbedingungen dort sind sehr gut. Man muss sich um nichts kümmern, hat auch die Zeit, ein bisschen an der Maximalkraft zu feilen. Sowohl mein Trainer Lutz Klemm als auch ich waren sehr zufrieden mit den Ergebnissen, die sich nach zwei Wochen dort gezeigt haben.

Was klappt zurzeit schon wieder gut im Training – und woran müssen Sie auf dem Weg in die neue Saison noch feilen?

Andreas Hofmann:

Es gibt immer etwas zu verbessern (lacht). An der Technik feilen kann man immer. Jetzt komme ich gerade aus der Maximalkraftphase immer mehr in die spezielle Kraft, wo es auch mehr um Schnelligkeit geht. Jetzt gilt es, mehr und mehr den langen Anlauf anzugehen, damit auch beim Abwurf die Technik wieder stimmig wird. Und damit ich auch im Training sehr gute Weiten stehen habe und mit einem noch besseren Gefühl Richtung Mai und erste Wettkämpfe blicken kann. Aber ich bin sehr zufrieden mit den Würfen und mit der Menge an Würfen, die ich gerade mache. Ich kann momentan alles sehr gut umsetzen und bin genau im Trainingsplan. Unter dem Strich bin ich sehr zufrieden damit, wie es meinem Körper geht. Ich stehe sehr gut da und kann meine Voraussetzungen schon wieder gut in Weite ummünzen. Als wir am Freitag den Speer geworfen haben, sah das schon sehr gut aus. Sowohl technisch, wie ich den Speer getroffen habe, als auch in der Weite. So kann es weitergehen!

Wann geht es denn für Sie mit Wettkämpfen weiter?

Andreas Hofmann:

Am 15. Mai in Offenburg ist der Saisoneinstieg geplant. Ich gehe davon aus, dass dort auch die restliche deutsche Konkurrenz an den Start gehen wird. Danach habe ich den ein oder anderen Wettkampf in der Planung, aber möchte mich ungern jetzt schon darauf festlegen. Der Fahrplan hängt auch davon ab, wie die kommenden Wochen verlaufen.

Nach bärenstarken Jahren hatten im vergangenen Jahr neben Ihnen auch andere deutsche Speerwerfer mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Wie schätzen Sie die Konkurrenzsituation momentan ein?

Andreas Hofmann:

Im Trainingslager hat man natürlich gesehen, wie der ein oder andere drauf ist, aber letztendlich trainiert jeder für sich. Wer schlussendlich welche Weiten in diesem Jahr zeigen kann – das wird man sehen. Ich möchte natürlich auch keine voreiligen Schlüsse ziehen, wie es bei den anderen laufen könnte. Letztlich schaue ich nur auf mich. Ich warte auf jeden Fall ab, was die anderen im Wettkampf so zeigen werden, werde mich aber darauf einstellen, dass die Konkurrenz wieder stark ist und ich mich nach der Verletzung und nach der Operation wieder profilieren muss. Man wird auf jeden Fall sehen, dass mit mir wieder zu rechnen ist.

Blicken wir noch einmal zurück auf das vergangene Jahr: Nach einer Ellenbogenverletzung mit anschließender OP mussten Sie sich wieder ins Wettkampfgeschehen zurückkämpfen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an 2021 denken?

Andreas Hofmann:

Als ich Anfang Februar operiert wurde, war für mich die Saison erst einmal abgehakt. Für mich war klar, dass ich in diesem Jahr nicht an den Start gehen werde. Aber die Reha hat sich so gut entwickelt, dass ich es doch noch probiert habe. Natürlich war mir klar, dass ich alles in eine Waagschale werfe. Ich hatte auch ein weinendes Auge. Die drei Wochen, als ich dann zuhause gesessen bin im Juli, waren schon echt hart. Ich saß wie auf glühenden Kohlen, ob ich doch noch mitkomme, falls einer von den dreien, die für Tokio nominiert waren, ausgefallen wäre. Mir war vorher bewusst, dass es auch nicht klappen kann. Daher muss ich das akzeptieren, dass es so gekommen ist.

Zum zweiten Mal nach 2016 haben Sie eine Teilnahme an den Olympischen Spielen als viertbester Deutscher knapp verpasst. Haben Sie den Speerwurf-Wettkampf in Tokio mitverfolgt oder sich während der Spiele vom Sport eher ferngehalten?

Andreas Hofmann:

Eher Zweiteres. (lacht)

Die Wettkampfpause konnten Sie für sich anderweitig nutzen und haben Ihren Bachelor abgeschlossen. Thema der mündlichen Prüfung war „Postoperative Rehabilitation im Leistungssport nach einer Stabilisierungsoperation des Innenbandes am Ellenbogen durch eine Bandplastik“. Geht Ihre studentische Laufbahn weiter?   

Andreas Hofmann:

Ich habe im Oktober letzten Jahres einen Masterstudiengang im Fach „Management und Leadership“ an der SRH Hochschule in Heidelberg begonnen. Seitdem bin ich auch sehr gut vorangekommen, was die Kurse und Prüfungen betrifft. Speerwurf und Studium sind gut im Einklang. Ich bin auch sehr froh, an einer Hochschule zu studieren, die den Leistungssport unterstützt und mir auch gewisse Freiheiten lässt, was Prüfungen betrifft. Ich habe mich natürlich nicht umsonst für einen Studiengang im Bereich Management entschieden – ich hoffe schon, dass ich nach meiner sportlichen Karriere in eine Führungsposition reinkomme. Am liebsten in einem größeren Sportverein. Wo es mich dann nach der Karriere letztendlich hintreibt, werden wir sehen. Auf jeden Fall möchte ich dem Sport treu bleiben.

Zurück zum Sportlichen: In diesem Jahr stehen bekanntlich gleich zwei Highlights an – die Weltmeisterschaften in Eugene und die Heim-EM in München. Mit welchem Gefühl sehen Sie den Saisonhöhepunkten entgegen?

Andreas Hofmann:

Mit einem sehr guten, weil ich weiß, dass ich die Quali-Norm auf jeden Fall werfen kann und auch werfen werde. Ich bin da sehr positiv eingestellt und freue mich natürlich auf beide Großereignisse. Nachdem ich die Heim-EM 2018 in Berlin ja miterleben durfte – und das sehr erfolgreich –, freue ich mich auf die EM in München noch ein bisschen mehr als auf die Weltmeisterschaften in Eugene. Es ist einfach ein ganz besonderes Erlebnis vor Heimpublikum antreten zu dürfen, und wenn dann auch noch ein tolles Ergebnis dabei rauskommen sollte, umso mehr.

Was trauen Sie sich zu?

Andreas Hofmann:

Weiter werfen als je zuvor.

Was treibt Sie auf Ihrem sportlichen Weg an, woraus ziehen Sie Ihre Motivation?

Andreas Hofmann:

Ich setze mir selbst Ziele, die ich erreichen möchte, weil ich weiß, welches Potenzial noch in mir schlummert. Was in mir steckt und raus möchte. Ich fühle mich körperlich und geistig fit, sowohl in der nationalen als auch in der internationalen Konkurrenz mitzumischen und allen zu zeigen, dass ich wieder da bin. Das will ich nicht nur den anderen zeigen und beweisen, sondern auch mir selbst.

Woraus schöpfen Sie Kraft?

Andreas Hofmann:

Aus meiner Familie, die mich unterstützt, wo immer es geht. Mein Vater hält mir den Rücken frei, er managt alles, was im Sport und drum herum passiert. Egal was geschieht, ich kann mich immer an meine Familie wenden, an meine Eltern. Wir können über alles offen und ehrlich sprechen und ich kann auch immer eine offene und ehrliche Meinung erwarten. Außerdem habe ich einen sehr guten Draht zu meinem Verein, der MTG Mannheim, und dem Olympiastützpunkt Rhein-Neckar, die mir in vielen Belangen zur Seite stehen und kleinere Steine, die – sei es sportlich oder beruflich – in meinem Weg liegen, für den sportlichen Erfolg wegräumen. Ich bin mit meinem Umfeld sehr zufrieden und erfahre viel Rückhalt.

Was muss dieses Jahr passieren, damit Sie am Ende sagen können: „Dieses Jahr war #hammerfettbombekrass“?

Andreas Hofmann:

(lacht) Ein hammerfettbombenkrasser Wurf! Ich freue mich tierisch auf diese Saison. Ich habe meinem Trainer schon letzten Freitag gesagt: „Ich kann es gar nicht erwarten, den ersten Versuch beim ersten Wettkampf zu machen.“ Es kribbelt in den Fingern, das ist schon klar. Auch wenn man den Fortschritt sieht, den man im Training erfährt – hauptsächlich, was die Technik betrifft, aber auch bei der Weite, die Schritt für Schritt immer besser wird. Dann spürt man die Vorfreude, die immer größer wird. Und umso schöner ist das Gefühl, wenn ich im Wettkampf endlich wieder meine Leistung zeigen kann.

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