| Oregon 2022

WM Tag 2 | Die DLV-Athlet:innen in den Vorrunden

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2022 in Eugene, Oregon (USA) gehen in den zweiten Tag! Wie die DLV-Athletinnen und -Athleten in den Vorrunden abgeschnitten haben und wie sie ihre Leistungen einschätzen, lesen Sie hier.
Silke Bernhart

WM 2022 Eugene

FRAUEN


100 METER | Vorlauf


DLV-Ergebnis:
Gina Lückenkemper (SCC Berlin): 11,09 sec | 3. Platz VL 2 (Q)
Alexandra Burghardt (LG Gendorf Wacker Burghausen): 11,29 sec | 6. Platz VL 5

Stimmen zum Wettbewerb:

Gina Lückenkemper:
Vorneraus hat es im Warm-up deutlich besser geklappt. Ich denke, ich werde mir gleich von Lance [Trainer Lance Brauman] wieder anhören kann: Gina, wenn du den Schuss hörst, darfst du loslaufen, du musst nicht erst warten, bis alle anderen losgelaufen sind oder bis der Schuss verhallt ist. Ich hatte heute im Kopf einfach doch ein paar mehr Gedanken im Kopf als bei den letzten Rennen, da hatte ich mehr Ruhe. Aber es waren alles Gedanken der Glückseligkeit, weil ich einfach so froh bin, dass ich jetzt hier bin und dass es jetzt endlich losgeht und dass ich meinen Einzelstart hier machen kann. Aber: Ziel erreicht, wir wollten das große Q. Und morgen rennen wir das Halbfinale, als ob's das Finale wäre, und dann schauen wir mal, wie weit wir damit kommen. Es wird morgen ein Hauen und Stechen um die Finalplätze gebe, aber ich haben auf jeden Fall vor, da mitzuhauen und mitzustechen (lacht). Hier in Eugene habe ich mein erste internationale Medaille geholt, 2014 bei der U20-WM mit der 4x100 Meter Staffel, mit Lisa-Marie Kwayie, Lisa Mayer und Chantal Butzek. Von daher habe ich sehr gute Erinnerungen in Eugene.

Alexandra Burghardt:
Der Start war ganz gut, ich merke, dass es vorne schon klappt und dass die Kraft nach dem Norovirus wieder da ist. Hintenraus fehlen mir einfach die Läufe. Ich habe vier Wochen quasi kein Sprinttraining gemacht, ich hatte im Trainingslager eine Knieverletzung, die dann muskulär alles durcheinander gebracht hat, und Anfang Juni am Bizeps Femoris einen Muskelhüllen-Riss. Dann war ich einen Tag wieder in Spikes, dann kam der Norovirus. Jetzt bin ich seit zwei Wochen wieder im Training und habe da natürlich auch keine langen Läufe gemacht. Die Form vom Mai ist nicht verloren. Ich glaube, die muss ich einfach wieder aufwecken, und dann kommt sie wieder. Ich merke, dass ich bei Rückschlägen ein bisschen ruhiger bin. Ich habe im letzten Jahr sehr viel erreicht, auf das ich sehr, sehr stolz bin. Das gibt mir eine gewisse Ruhe, weil ich im Soll und im Reinen bin mit mir selbst. Aber umso ärgerlicher ist es jetzt trotzdem, weil ich aus diesen ganzen Abenteuern eine Top-Form mitgenommen hat, ich war im Mai besser drauf als letztes Jahr.


1.500 METER | Halbfinale


DLV-Ergebnis:
Hanna Klein (LAV Stadtwerke Tübingen): 4:04,62 min | 8. Platz HF 1
Katharina Trost (LG Stadtwerke München): 4:05,87 min | 7. Platz HF 2

Stimmen zum Wettbewerb:

Hanna Klein:
Ich glaube, ich habe dieses Mal im Rennverlauf alles richtig gemacht, aber ich hatte trotzdem einen leeren Tank. Und das tut weh. Ich musste abreißen lassen und konnte nicht dagegenhalten. Ich habe versucht, mich ranzubeißen, aber die Beine haben es nicht hergegeben. Wir haben hier eine super Qualität, das sind Weltmeisterschaften, auch die Europäerinnen sind richtig stark. Daher muss man sich nicht schämen, nicht ins Finale gekommen zu sein, aber es war mein Traum.

Katharina Trost:
Der Sturz [von Mitfavoritin Winnie Nanyondo eingangs der Zielgeraden] hat mich nicht beeinträchtigt, das war kurz vor mir. Mir hat er eher geholfen, weil die, die vor mir, waren kurz irritiert, und ich konnte innen vorbeigehen. Ich dachte, dass wir ein bisschen schneller anlaufen, weil das erste Rennen deutlich schneller war. Ich war ein bisschen weiter hinten, weil vor mir so ein Haufen war und ich nicht auf Bahn zwei laufen wollte. Das Gerangel war deutlich mehr als noch im Vorlauf. Aber ich bin echt zufrieden damit, wie ich gelaufen bin, gerade mit der letzten Runde. Davor hatte ich ein bisschen Bammel, weil meine Beine schon nach zwei Runden schwer waren. Auch mit der Zeit bin ich an sich zufrieden, zwei knackige Rennen innerhalb von 24 Stunden, das hilft mir in jedem Fall für die EM.


3.000 METER HINDERNIS | Vorlauf


DLV-Ergebnis:
Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier): 9:21,02 min SB | 7. Platz VL 2 (q)
Lea Meyer (ASV Köln): 9:30,81 min | 8. Platz VL 1

Stimmen zum Wettbewerb:

Lea Meyer:
Ich bin zu dicht draufgelaufen, habe zu sehr auf die anderen geachtet anstatt auf mich selbst, und dann zu viele Tippelschritte gemacht. Dann bin ich mit den Spikes blöderweise hängengeblieben. Und ja, dann läuft man eben so dagegen. Im ersten Moment war es dann wie frisch geduscht, aber ich muss sagen: Das Nasse war in dem Moment dann das kleinste Problem. Ich merke es jetzt schon, hinten unterer Rücken, Steißbein, das ist nicht so toll. Ich glaube, ich habe nicht die sanfteste Landung hingelegt. Und ich glaube, ich kann mich glücklich schätzen, dass nicht mehr passiert ist. Aber es war nach 400 Metern, da war das Adrenalin hoch genug, da steht man auf und rennt weiter, besonders wenn man weiß, man war selbst dran Schuld. Ich wollte ins Ziel kommen und trotzdem eine gute Zeit hinlegen. Ich wollte zeigen: Das war doof, das war ärgerlich, das passiert. Aber man lernt nur aus Fehlern. Das war einer, der tut sehr weh. Trotzdem bestätigt mir das, dass ich deutlich schneller laufen kann als 9:30. Ich bin bei den Deutschen Meisterschaften eine 9:30 im Alleingang gelaufen und hier eine mit einem Sturz. Ich kann eine deutliche PB laufen, und das mache ich in diesem Jahr auch noch!

Gesa Krause:
Das war wirklich haarscharf. Und ich bin unfassbar dankbar und glücklich, dass die Sterne heute auf meiner Seite standen. Und dass ich in mein sechstes WM-Finale in Folge einziehen darf. Das Jahr war nicht easy und mein erstes Rennen auch wirklich nicht gut. Jetzt habe ich eine Menge draufgepackt, aber ich musste langen bangen, ob es reicht, weil im letzten Rennen nur einen schneller sein durfte, ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Manchmal muss man auch Glück haben, und es hat sich gelohnt, bis zum letzten Meter zu fighten.


HOCHSPRUNG | Qualifikation


DLV-Ergebnis:
Marie-Laurence Jungfleisch (VfB Stuttgart): 1,86 m |

Stimmen zum Wettbewerb:
Es war erst mein vierter Wettkampf in diesem Sommer, und ich habe gemerkt, dass ich die Wettkampf-Routine brauche. Davon lebe ich, das Training kommt nie ansatzweise an den Wettkampf heran. Ich hatte Achillessehnen-Probleme und konnte erst relativ spät einsteigen. Dazu gab es international recht wenige Wettkämpfe für mich, in Deutschland auch nicht mehr so viele. Ich hoffe, dass ich vor der EM noch springen kann, um ein bisschen mehr in die Routine zu kommen. Aber es geht in die richtige Richtung! Die Anläufe sind alle noch unterschiedlich, ich muss den Anlauf perfektionieren, um in die richtige Position zu kommen und zu steigen. Daran arbeite ich. Im letzten Jahr habe ich mir wegen der Achillessehne einen ganz neuen Anlauf erarbeitet, das braucht einfach Zeit, ich bin ja nun auch schon 31, und es nicht so einfach, das mit dem neuen Anlauf dann so hinzubekommen.


DREISPRUNG | Qualifikation


DLV-Ergebnis:
Neele Eckhardt-Noack (LG Göttingen): :13,93 m | 20. Platz
Jessie Maduka (TV Wattenscheid 01): 13,30 m | 27. Platz

Stimmen zum Wettbewerb:

Neele Eckhardt-Noack:
Ich habe mich körperlich und mental gut gefühlt, aber es lief technisch einfach gar nicht. Und dann können da auch keine weiten Sprünge bei rauskommen. Das Niveau bei uns weltweit ist im Moment so hoch, dass das nicht reicht, um weiterzukommen. Es war klar, dass man 14,20 Meter braucht, um weiterzukommen. Natürlich ist das enttäuschend, ich glaube es war mein zweitschlechtester Wettkampf diese Saison – das war der maximal schlechte Zeitpunkt, um da technisch so zu "strugglen". Was mir aufgefallen ist: Ich habe relativ wenige Sprünge im Training gemacht, weil ich enorm viele Wettkämpfe gemacht habe. Die musste ich aber auch machen, um die Norm hierfür zu springen. Es war auch so geplant. In Richtung München brauche ich dringend ein paar gute Technik-Einheiten, und dann kriegen wir das auch ganz gut in den Griff. Denn die Physis ist auf jeden Fall da.

Jessie Maduka:
Ich habe keine Ahnung, was heute das Problem war. Ich habe mich gut gefühlt, ich hatte im Vorfeld ein gutes Gefühl. Normalerweise, wenn ich technisch unsauber springe, tut mir alles weh. Aber es tut mir gerade nichts weh. Ich weiß nicht, ob es das Adrenalin ist, oder ob ich einfach zu langsam angetrabt bin. Wir haben versucht, schnell über das Brett zu kommen, weil ich die Tendenz habe, da immer ein bisschen abzubremsen und die Schritte langzuziehen. Aber es scheint nicht so gut geklappt zu haben. Jetzt werde ich mich erstmal mit meinem Trainer zusammensetzen und das besprechen. Und das dann hoffentlich mit Blick Richtung München wieder ausbessern.

 

MÄNNER


1.500 METER | Vorlauf


DLV-Ergebnis:
Christoph Kessler (LG Region Karlsruhe): 3:37,57 min | 10. Platz VL 1

Stimme zum Wettbewerb:

Christoph Kessler:
Es wäre schon mehr gegangen, ich hätte schon um Platz sieben, acht mitlaufen können, wenn ich den Antrifft nicht verpasst hätte. Darum habe ich jetzt gemischte Gefühle. Ich hatte eigentlich eine Position, die für mich in Ordnung war. Aber sobald man rausgeht, kriegt man links und rechts eine mit. Also, ich kann mir nicht so richtig viel vorwerfen. Im Hinblick auf die EM war es wichtig, mal so einen Lauf mitgemacht zu haben. Letztes Jahr bin ich noch 3:40 gelaufen. Ich hatte schon ein paar 1.500er, aber da hatten die Leute um mich herum dasselbe Niveau. Daher war das taktisch eine ganz andere Erfahrung. Nichtsdestostrotz hätte ich mir vor dem Vorlauf mehr zugetraut, das muss ich ehrlicherweise sagen. An sich habe ich über 1.500 Meter international mehr Chancen, mal bei einer WM ins Halbfinale zu kommen oder bei einer EM im Finale vorne mitzurennen. Aber mit einer 1:45,2 kann man auch über 800 Meter zufrieden sein, deswegen schreiben wir die nicht ganz ab. Und anscheinend hat ja das Training über beide Strecken ganz gut gepasst.


110 Meter HÜRDEN | Vorlauf


DLV-Ergebnis:
Gregor Traber (LAV Stadtwerke Tübingen): 13,81 sec | 7. Platz VL 3

Stimme zum Wettbewerb:

Gregor Traber:
Mein Knie ist völlig blau. Das war wieder ein sehr unrunder Lauf. Hätte ich mir nicht eine 13,4er Zeit nach den Trainingsleistungen nicht zugetraut, wäre ich gar nicht angereist. Weil ich genau sowas wie jetzt vermeiden wollte. Auch wenn es natürlich schwierig war mit den Vorleistungen, die waren ja grottig, für meine Verhältnisse. Aber da waren die Rennen auch grottig. Und jetzt habe ich das im Training endlich stabilisieren können. Und dann wieder sowas. Das ist der nächste Rückschlag. Ich muss sagen: Ich bin einfach erschöpft. Wenn man sich die ganze Zeit aufbäumen muss, kostet das Kraft. Es macht keinen Spaß hinterherzulaufen. Nicht nur den anderen hinterherzulaufen, sondern auch den eigenen Ansprüchen.

WM 2022 Eugene

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