| Interview der Woche

Lena Anochili: „Überglücklich und überwältigt von meiner Zeit“

Lena Anochili beim Sprint im Trikot des Hamburger SV © Dirk Gantenberg
Lena Anochili war am zurückliegenden Wochenende die Sprintkönigin der Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in Sindelfingen. Im Interview berichtet die Hamburgerin, wie sie die Titelkämpfe mit fünf Rennen an zwei Tagen erlebt hat, und reflektiert, was sie aus dem vergangenen Jahr gelernt hat. Außerdem verrät die 18-Jährige, ob sie künftig wie in Sindelfingen auf den Sprint oder auf ihre weitere starke Disziplin Weitsprung setzen wird.
Svenja Sapper

Lena Anochili, Hand aufs Herz: Wie müde sind deine Beine nach drei 60-Meter-Rennen und zwei 200-Meter-Rennen an zwei Tagen?

Lena Anochili:
Sehr, sehr müde! Ich habe im 200-Meter-Vorlauf die drei Rennen von gestern doch gespürt. Im Finale war es dann natürlich noch mal härter. Ich war aber noch fokussiert, der Kopf war voll da. Es waren nur die Beine müde. Der zweite Titel war hart erkämpft. 

Die Anstrengung hat sich aber auf jeden Fall ausgezahlt: Du hast an diesem Wochenende die Titel über 60 und 200 Meter abgeräumt. Herzlichen Glückwunsch dazu! Hättest du dir vorher träumen lassen, dass es so gut läuft?

Lena Anochili:
Davon geträumt habe ich auf jeden Fall. Dass es tatsächlich klappt, hätte ich aber nicht erwartet – umso glücklicher bin ich darüber!

Blicken wir einmal zurück auf dein 60-Meter-Finale. Nach dem Zieleinlauf wurde es erst spannend, dann emotional. Du hast den Titel mit einem Luftsprung gefeiert und auch ein paar Freudentränen vergossen …

Lena Anochili:
Ich war überglücklich! Dieser Titel bedeutet mir richtig, richtig viel, nachdem die letzte Freiluftsaison nicht gut für mich lief. Dass ich jetzt 7,27 Sekunden gelaufen bin, ist einfach überwältigend. Es war richtig eng. Jetzt freue ich mich, nächste Woche bei der DM in Dortmund noch mal starten zu dürfen, vielleicht wird es dort ja sogar noch schneller.

Über 200 Meter bist du im Finale nicht nur gegen deine drei Konkurrentinnen gelaufen, sondern auch gegen die Uhr und die Zeit von 24,01 Sekunden, die Anne Böcker im ersten Zeitfinale vorgelegt hat. Wie bist du dementsprechend das Rennen angegangen?

Lena Anochili:
Ich war relativ entspannt. Ich war mir sicher, dass ich auf jeden Fall unter 24 Sekunden laufen werde, musste aber trotzdem alles geben.

Du hast eben schon angesprochen, dass das vergangene Jahr für dich nicht nach Wunsch verlaufen ist. Was ist genau passiert?

Lena Anochili:
Nach meinem Start bei der U18-EM vorletztes Jahr war mein Ziel für 2025 natürlich die Teilnahme an der U20-EM in Tampere. Dann habe ich aber bei der Jugend-DM in Wattenscheid im Halbfinale einen Fehlstart gemacht und war raus aus dem Kampf um die Tickets. Das war schon bitter. Am nächsten Tag habe ich dann im Weitsprung probiert, mich noch zu qualifizieren. Aber da fehlte mir die Norm und der Wettkampf lief auch nicht so gut. Deswegen konnte ich leider nicht mit. 

Auch wenn Rückschläge schmerzen, so gehören sie doch zum Sportlerleben dazu. Was hast du aus dieser Erfahrung gelernt?

Lena Anochili:
Ich habe gelernt, mich nicht unterkriegen zu lassen. Es gibt immer Höhen und Tiefen, und Fehlstarts im Sprint kommen vor. Ich war einfach gezwungen, das Beste draus zu machen, weiterzuarbeiten und mir neue Ziele zu setzen. Und wie man jetzt sieht, kommt nach dem Tief immer wieder ein Hoch.

Apropos Ziele: Du hast den Weitsprung eben schon erwähnt, auch in dieser Disziplin bist du sehr talentiert – und hast vor einem Jahr bei der Jugend-Hallen-DM den Titel geholt. Diesen Winter bist du aber bislang nur im Sprint angetreten. Planst du in Zukunft weiter mit beiden Disziplinen oder liegt der Fokus jetzt ganz auf den Sprintstrecken?

Lena Anochili:
Beim Weitsprung hatte ich immer das Problem, dass mein Anlauf immer unterschiedlich war. Ich bin immer anders am Brett angekommen. Das hat mich sehr frustriert. Deshalb haben wir entschieden, dass ich mich jetzt erst mal auf den Sprint fokussiere. Da ist die Chance, international zu starten, auch größer, gerade weil es ja auch die Staffeln gibt.

Im Video: 
Lena Anochili siegt im Tausendstel-Krimi über 60 Meter vor Emma Goretzka
Auch 200-Meter-Gold: Lena Anochili ist die Sprintkönigin im Glaspalast

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