Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund haben sieben Athletinnen und Athleten erstmals in der Aktivenklasse ganz oben gestanden. Die meisten von ihnen sind neue Gesichter, andere waren schon mehrfach nah an ihrem ersten nationalen Titel. Wir stellen die neuen Meisterinnen und Meister vor, heute Dreispringer Peter Osazee (MTG Mannheim).
Peter Osazee
MTG Mannheim
Bestleistung:
Dreisprung: 15,61 m (2025); 15,80 m (Halle; 2026)
Erfolge:
Sechster U20-EM 2025
Neunter Europäische Jugendspiele 2023
Deutscher Hallenmeister 2026
Der Dreisprung der Männer wird in Deutschland seit Jahren von Max Heß (LAC Erdgas Chemnitz) geprägt. Im Nachwuchsbereich sind zwar verschiedene Athleten bei internationalen Meisterschaften dabei gewesen, den Anschluss an die internationale Klasse im Männerbereich hat bisher aber keiner von ihnen herstellen können, auch weil sie von Verletzungen ausgebremst wurden.
Internationale Erfolge aus der U20 bringt auch Peter Osazee mit. Der 19-Jährige ist mit dem Jahreswechsel in die Männerklasse aufgestiegen und möchte sich auch dort in Richtung der internationalen Spitze entwickeln. Einen ersten Schritt hat die zurückliegende Hallensaison gebracht. Der Mannheimer sicherte sich in Abwesenheit des Seriensiegers Max Heß seinen ersten deutschen Meistertitel – und das mit persönlicher Bestleistung (15,80 m).
Mit einem Trainerwechsel und dem Studienstart sind die Weichen für eine Karriere im Leistungssport gestellt, die gerade erst beginnt. Das nächste Ziel ist die 16-Meter-Marke.
Behutsamer Start ...
In seiner Kindheit in Mannheim hat Peter Osazee schon einmal in die Leichtathletik hineingeschnuppert, aber erst einmal keinen Gefallen daran gefunden und sich anderen Hobbys gewidmet. Ein zweiter Anlauf ergab sich 2019. „Am Ende der Sommerferien hat mich ein Freund gefragt, ob ich zum Talentcamp der MTG Mannheim mitkommen möchte“, erzählt der heutige Leistungssportler. „Das hat mir Spaß gemacht und ich habe mit dem Training in der Freizeitgruppe begonnen.“
Trotz Corona-Pandemie blieb der damalige Schüler diesmal dabei und probierte sich im gesamten Spektrum an Disziplinen aus, bis hin zum Hammerwurf. Die Sprint- und Sprungleistungen waren schon damals die besten, unter anderem mit 5,90 Metern als M15-Athlet im Weitsprung. Deshalb folgte mit dem Aufstieg in die Altersklasse U18 der Wechsel in die Gruppe von Thorsten Brendel, wo das Training mehr auf diesen Bereich ausgerichtet war und auch der Dreisprung auf dem Programm stand.
... führt zur internationalen Einsätzen
Nach 13,30 Metern im ersten U18-Jahr fiel im Jahr 2023 die 14-Meter-Marke und es öffneten sich Türen zu ersten internationalen Einsätzen. Beim Ausscheidungswettkampf für das European Youth Olympics Festival (EYOF) landete Peter Osazee als Sieger bei 14,46 Metern. Das bedeutete die Qualifikation für die Reise nach Maribor (Slowenien). „Dort dabei zu sein, war eine tolle Erfahrung. Ich habe gesehen, wohin es im Sport gehen kann.“ Die erste internationale Erfahrung endete auf Rang neun und war eine Bestätigung, in der Leichtathletik gut aufgehoben zu sein.
In der U20 sammelte der Dreispringer zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen bei Deutschen Jugendmeisterschaften ein, ganz oben stand er bei der Jugend-Hallen-DM 2025 im Weitsprung (7,28 m). Und im Dreisprung gab es im vergangenen Jahr auch das nächste internationale Erfolgserlebnis: Platz sechs bei der U20-EM in Tampere (Finnland) mit Bestleistung von 15,61 Metern. „Im Finale musste ich im dritten Versuch zulegen, um den Endkampf zu erreichen. In dem Moment ist mir eine PB gelungen.“ Also als es drauf ankam, geliefert.
Studienstart und Wechsel zu Markus Triebert
So wuchs Peter Osazee Stück für Stück in den Sport hinein und mit seinem Schulabschluss im vergangenen Jahr war klar, dass er weiter auf den Dreisprung setzen wollte. Dank seiner starken Leistungen wurde der Abiturient ins Programm des Spitzensport-Stipendiums der Metropolregion Rhein Neckar aufgenommen und nahm im vergangenen Herbst ein Bachelor-Studium als Unternehmensjurist auf.
„Durch das Stipendium habe ich die Möglichkeit, mein Studium mit dem Sport zu verbinden. Ich kann zum Beispiel Prüfungen verschieben, wenn ein wichtiger Wettkampf ansteht, und habe immer jemanden, der mich bei solchen Themen unterstützt und berät“, erzählt der Student.
Auch sportlich brachte der vergangene Herbst eine Veränderung, denn Markus Triebert übernahm die Betreuung der Trainingsgruppe. Auch die Anzahl der Einheiten pro Woche erhöhte sich von vier auf sechs. „Ich würde sagen, dass ich damit erst so richtig mit Leistungssport begonnen habe.“ Ein Schwerpunkt lag in der Athletik. „Da habe ich noch immer Luft nach oben und begonnen, aufzuholen.“ Neben der Freiluft-Bestleistung im Weitsprung von 7,38 Metern stehen bisher außerdem im Sprint 7,06 Sekunden über 60 Meter und 11,10 Sekunden über 100 Meter.
Dank Bestleistung bei Hallen-DM ganz oben
Die erste Hallensaison nach der U20 begann mit konstanten Ergebnissen jenseits der 15-Meter-Marke. So ganz wollte aber noch kein Sprung zusammenpassen. „Mal hat es am Brett nicht gepasst, mal war mindestens einer der Teilsprünge alles andere als perfekt.“ Die Bestleistung gelang beim wichtigsten Wettkampf der Wintersaison, also wie schon bei der U20-EM zum richtigen Zeitpunkt. Im ersten Versuch der Hallen-DM in Dortmund wurden 15,80 Meter gemessen. „Da hat endlich mal alles einigermaßen zusammengepasst.“
Drucksituationen versucht Peter Osazee in positive Energie umzuwandeln. „Ich konzentriere mich drauf, dass ich Spaß am Sport habe. So versuche ich mich von Nervosität und Druck beflügeln zu lassen. Das gelingt nicht immer, aber ich arbeite daran.“ Dass an diesem Tag der Hallen-DM keiner aus der Konkurrenz mehr weiter flog und gleich im ersten Winter in der Männerklasse der DM-Titel herauskam, ist die nächste Bestätigung, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen.
„Ich werde alles geben und daran arbeiten, mich in allen Bereichen weiter zu verbessern und schauen, wo die Reise hingehen kann.“ Langfristig ist der Anschluss an die internationale Spitze der Männer das große Ziel. Auf dem Weg dahin bietet im kommenden Jahr die U23-EM eine Zwischenstation. Im bevorstehenden Sommer soll als nächste Etappe die 16-Meter-Marke fallen.
Video: Peter Osazee siegt mit neuer Bestleistung
Video-Interview: Peter Osazee: "Zum richtigen Zeitpunkt ist alles zusammengekommen"
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Im Vorfeld des männlichen Dreisprungwettbewerbes der Hallen-DM war zu erwarten, dass es ein durchaus spannender Wettbewerb werden könnte, da sich mehrere Kandidaten Medaillenchancen ausrechnen durften. Dass Peter gleich mit dem ersten Versuch den Titel gewinnt, war jedoch eine kleine Überraschung. Erfreulich ist, dass Peter noch ein sehr junger Athlet ist, der im Vorjahr noch Jugendlicher war, und sich in der Breite ein Generationenwechsel abzeichnet.
Die neue Bestleistung von 15,80 Metern stellt einen schönen Fortschritt dar. Insgesamt sah das ganze System sehr viel stabiler als im Vorjahr aus. Erkennbar bessere Bodenkontakte zeugen von mehr Kontrolle über die Sprungfolge. Peter bringt ideale körperliche Voraussetzungen für den Dreisprung mit und kann bereits sehr hohe Anlaufgeschwindigkeiten realisieren, die langfristig deutliche Verbesserungen zulassen sollten.
Kurzfristig wird das Ziel sein, die 16-Meter-Marke zu übertreffen. Dass diese effektive Weite bereits in den Beinen steckt, zeigte sein zweiter Versuch bei der DM, wo Peter deutlich freier in den Absprung lief, dieser allerdings ungültig war. Peter springt einen tendenziell jumpdominierten Dreisprung mit einer etwas unterdurchschnittlichen Hopweite. Bei Veränderung der Zeitmuster mit ein wenig mehr Ruhe im ersten Sprung sehe ich Potenzial für Weiten deutlich über 16 Meter.