Am Freitag ist die Hallen-WM in Torun (Polen) gestartet. Am ersten und zweiten Tag der Meisterschaften ermitteln die Allrounder im Hallen-Siebenkampf ihren Weltmeister. Wie sich der Wettkampf mit DLV-Teilnehmer Manuel Eitel entwickelt, lesen Sie hier von Disziplin zu Disziplin.
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Tag 2
1.000 Meter
Ehammer macht Weltrekord klar, Eitel wird Neunter
Es waren Jeff Tesselaar (Niederlande) und Vilem Strasky (Tschechien), die sich über 1.000 Meter ein spannendes Duell um den Laufsieg lieferten. Die Augen waren jedoch erwartungsgemäß auf Simon Ehammer gerichtet, der sich die meiste Zeit in der Mitte des Feldes aufhielt und sich gegen Ende des Rennens ein Stück nach vorn arbeitete. Als der Schweizer als Vierter die Ziellinie überquerte, war beim Blick auf die Uhr schon klar: Der Hallen-Weltrekord von Ashton Eaton (USA) ist nach 14 Jahren Geschichte. Der zweimalige Zehnkampf-Olympiasieger hatte bei der Hallen-WM 2012 in Istanbul (Türkei) 6.645 Punkte erzielt.
Für Simon Ehammer gab es zum Abschluss der beiden Siebenkampf-Tage noch eine neue Bestzeit: 2:41,04 Minuten bescherten ihm 6.670 Punkte und damit den Weltrekord. Den Laufsieg holte sich Tesselaar in 2:32,49 Minuten knapp vor Strasky (2:33,25 min), für beide ebenso eine neue Bestzeit wie für den drittplatzierten Heath Baldwin (2:39,06 min), der damit zugleich Silber besiegelte: Mit Siebenkampf-Hausrekord von 6.337 Punkten verwies er seinen Landsmann Kyle Garland, der das Rennen in 2:43,43 Minuten zu Ende brachte und 6.245 Zähler sammelte, auf den Bronzerang. Strasky belohnte sich für sein starkes Rennen mit Platz vier und neuer Bestleistung von 6.188 Punkten. Insgesamt übertrafen sechs Athleten die Marke von 6.000 Punkten.
Manuel Eitel gehörte diesmal nicht dazu. Den 1.000-Meter-Lauf, der nicht zu seinen Paradedisziplinen zählt, brachte der Hallen-EM-Vierte von 2023 in 2:48,61 Minuten zu Ende und reihte sich mit 5.818 Punkten auf Rang neun ein. Im Kampf um eine Top-Acht-Platzierung musste er Jeff Tesselaar ziehen lassen, der vor der abschließenden Disziplin noch hinter dem Ulmer gelegen hatte und schließlich mit 5.960 Punkten noch Siebter wurde. Für den 29-Jährigen, der nach Verlegung seines Trainingsstandortes nach Großbritannien eigentlich gar nicht mit der Hallen-WM geplant hatte, ein Lern-Wettkampf mit Höhen und Tiefen und sicher einigen wertvollen Erkenntnissen für die Sommersaison, wenn wieder der Zehnkampf auf dem Programm steht.
Stimme zum Wettbewerb:
Manuel Eitel (SSV Ulm 1846)
"Zufrieden bin ich nicht ganz. Ich habe viel gelernt aus diesem Wettkampf und habe viel Spaß gehabt. Es lief ziemlich viel in Ordnung. Leider gab es zwei Disziplinen, die richtig schlecht liefen [Weitsprung und 60 m Hürden; Anm. d. Red.]. Die haben natürlich das Endresultat ziemlich gedrückt. Die Punktzahl ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Vor dem Hintergrund einer Beugerverletzung, die acht Wochen gedauert hat, im Dezember, und der Tatsache, dass ich kurzfristig nachgerückt bin, kann ich eigentlich mit den meisten Disziplinen zufrieden sein. Nach dem Trainerwechsel und dem Umzug nach England sind wir auf einem guten Weg. Ich nehme mit, dass ich die Hürden mehr kompetitiv machen muss. Ich muss da einfach mehr Routine kriegen, das hatte ich bisher nicht. Ich habe viel an der Technik gearbeitet, und das war heute mit der Aufregung bei so einer Hallen-WM komplett weg. Aber mein Trainer [Ashley Bryant] und ich werden das nachbesprechen. Ich habe mit Simon schon viele Wettkämpfe gemacht, ich kenne seine Entwicklung. Es war ein Bilderbuch-Siebenkampf, den er hier abgeliefert hat. So über sich hinauszuwachsen, ist genial, und ich gönne ihm das und freue mich mega für ihn."
Stabhochsprung
Eitel stellt Bestleistung ein – Ehammer auf Weltrekordkurs
Es liegt etwas in der Luft im Hallen-Siebenkampf von Torun! Nach dem Stabhochsprung ist endgültig klar: Simon Ehammer wird am Samstagabend um den Weltrekord laufen. 2:43,26 Minuten müsste er unterbieten, um die 14 Jahre alte Bestmarke von Ashton Eaton (6.645 pt) aus den Rekordlisten zu löschen. Ehammers Bestzeit steht bei 2:41,76 Minuten. Der Rekord ist drin! Mit 5,30 Metern, seiner besten Höhe jemals in einem Mehrkampf, fuhr der Schweizer im Stabhochsprung zugleich den vierten Disziplinsieg in der sechsten Disziplin ein. Und ist mit 5.808 Zählern im Zwischenstand weiter eine Klasse für sich.
Grund zur Freude hatte auch Heath Baldwin. Der US-Amerikaner, angereist mit einer Bestmarke von 4,86 Metern, bejubelte seinen ersten Fünf-Meter-Sprung und zog damit im Gesamtklassement an Kyle Garland vorbei, der nur 4,70 Meter meisterte. Mit 5.453 zu 5.409 Punkten heißt es über 1.000 Meter: Vorteil Baldwin, insbesondere da die abschließende Disziplin nicht zu Garlands Stärken gehört. Ein weiterer Medaillenkandidat katapultierte sich im Stabhochsprung hingegen ins Aus: Makenson Gletty, eigentlich ein starker Stabhochspringer, musste bei seiner Einstiegshöhe drei ungültige Versuche hinnehmen.
Deutlich besser lief es bei Manuel Eitel. Mit 5,00 Metern war sogar eine Bestleistung fällig. Zum insgesamt dritten Mal in seiner Karriere überquerte der 29-Jährige diese Marke. Damit machte er 20 Zentimeter auf seinen besten Hallen-Siebenkampf gut und geht mit 5.038 Punkten als Achter in die 1.000 Meter.
60 Meter Hürden
Weltbestzeit für Ehammer, holpriger Start für Eitel
Auch der zweite Tag im Siebenkampf begann mit einer Sprintdisziplin. Auch am zweiten Tag im Siebenkampf stürmte Simon Ehammer auf und davon. Und das in noch beeindruckenderer Manier als am Vortag. Der Schweizer erwischte einen Blitzstart (Reaktionszeit 0,118 sec) und war schon an der zweiten Hürde enteilt. 7,52 Sekunden – nicht nur neuer Hausrekord, sondern auch Weltbestzeit im Rahmen eines Hallen-Siebenkampfes! Zur Einordnung: In allen sechs Vorläufen über 60 Meter Hürden, die direkt im Anschluss stattfanden, wäre er mit dieser Zeit mindestens Zweiter geworden, nur fünf Spezialisten waren in der Vorrunde schneller.
Der Gegenspieler des Schweizers erwischte hingegen kein gutes Rennen. Kyle Garland (USA) nahm mehrere Hürden mit und wurde im dem Rennen mit 8,21 Sekunden Siebter und Letzter. Ein ähnliches Schicksal hatte zuvor im ersten Lauf Manuel Eitel (SSV Ulm 1846) ereilt. Schon die zweite Hürde touchierte er mit dem Nachziehbein, nahm danach alle weiteren Hürden mit und ließ in 8,58 Sekunden viele Punkte liegen.
So ist Simon Ehammers Vorsprung nach fünf von sieben Disziplinen auf mehr als 200 Punkte angewachsen. 4.804 Zähler hat er auf dem Konto, damit rückt nicht nur der Europarekord (6.558 pt) näher, sondern auch die 6.600 Punkte-Grenze, die bislang nur Weltrekordler Ashton Eaton (USA; 6.645 pt) und Kyle Garland (6.639 pt) je überboten haben. Der Zweitplatzierte (4.590 pt) muss sich nach dem Hürden-Patzer des Angriffes seines Landsmanns Heath Baldwin erwehren, dessen Punktekonto nach 7,80 Sekunden über die Hürden auf 4.543 Zähler angewachsen ist. Manuel Eitel, auf Platz zwölf zurückgefallen, hat bislang 4.128 Punkte eingeheimst.
Tag 1
60 Meter
Paukenschlag von Ehammer – Eitel gewinnt seinen Lauf
Das erste Ausrufezeichen in Torun setzte am Freitagvormittag Simon Ehammer. Der Hallen-Weltmeister von 2024 ließ die Konkurrenz in seinem Lauf stehen und stürmte in 6,69 Sekunden zu einer neuen Bestzeit. Seinen alten Hausrekord von 6,72 Sekunden hatte er vor vier Jahren bei der Hallen-WM in Belgrad (Serbien) aufgestellt, in seinem besten Hallen-Siebenkampf bei der Hallen-EM in Apeldoorn (Niederlande) 2025 waren für ihn 6,81 Sekunden in die Wertung eingegangen. So liegt der Schweizer mit 995 Zählern nach der ersten Disziplin bereits mit 44 Punkten im Plus.
Die zweitbeste Zeit des Vormittags sprintete der Sieger des ersten Laufs – und der hieß Manuel Eitel. Der Ulmer, der seit dem vergangenen Herbst in Großbritannien trainiert und ursprünglich gar nicht mit einem Hallen-WM-Start geplant hatte, überquerte die Ziellinie nach 6,91 Sekunden. Rang drei nach der ersten Disziplin teilen sich die Zweitplatzierten der beiden Läufe, Kyle Garland (USA) und Dario Dester (Italien; beide 6,93 sec).
Weitsprung
Ehammers Flugshow, Eitel lässt Punkte liegen
In der zweiten Disziplin ging die große Ehammer-Show erwartungsgemäß weiter: Der Schweizer, der im Freien schon bis auf 8,45 Meter geflogen ist, verbuchte gleich im ersten Durchgang einen Acht-Meter-Satz: 8,08 Meter. In Runde drei gelang die Steigerung auf 8,15 Meter. Mit dieser Weite lag er mehr als einen halben Meter vor dem zweitbesten Weitspringer Kyle Garland (7,58 m). Der US-Amerikaner schob sich damit auch in der Gesamtwertung mit 1.862 Punkten auf Platz zwei, Ehammer hat mit 2.094 Zählern schon einen beträchtlichen Vorsprung. Dritter ist aktuell Vilem Strasky (Tschechien; 1.802 pt), jedoch liegt eine ganze Reihe Athleten noch in Schlagdistanz.
Manuel Eitel büßte hingegen ein paar Punkte ein. Auf 6,80 Meter im ersten Durchgang folgten 6,91 Meter im zweiten und 6,98 Meter im dritten Versuch. Dass deutlich mehr drin gewesen wäre, zeigte sein dritter Sprung: Der Ulmer verschenkte am Brett 37,5 Zentimeter. So ging diesmal keine Sieben-Meter-Weite in die Wertung ein. Im Gesamt-Klassement ist der 29-Jährige, der in Bestform schon 7,61 Meter gesprungen ist, mit 1.724 Punkten auf Rang zwölf zurückgefallen.
Kugelstoß
Drei 16-Meter-Stoßer
Die drei auf dem Papier stärksten Kugelstoßer unter den Mehrkämpfern machten den Disziplinsieg unter sich aus. Und alle drei wuchteten ihr Arbeitsgerät auf Weiten jenseits der 16 Meter. Am weitesten kam mit 16,44 Metern der Este Rasmus Roosleht, dem nur 18 Zentimeter zur Bestleistung fehlten. Auch der Franzose Makenson Gletty (16,24 m) und Kyle Garland (16,21 m) konnten in ihrer Paradedisziplin glänzen. So verkürzte Garland den Punkte-Abstand zum führenden Simon Ehammer, der mit 14,87 Metern ein für ihn ordentliches Ergebnis erzielte.
Mit 2.876 Zählern liegt der Schweizer gegenüber seinem besten Hallen-Siebenkampf mit 14 Punkten im Plus. Sein erster Verfolger Garland hat 2.726 Punkte auf dem Konto. Der einzige Mehrkämpfer im Feld mit einer stärkeren Gesamt-Bestmarke als Ehammer (6.639 pt zu 6.506 pt) ließ in allen drei Disziplinen am Freitagvormittag Punkte liegen. Im Hochsprung wird der US-Amerikaner mit einer Bestmarke von 2,19 Metern sicher versuchen, weiter Punkte auf den Führenden gutzumachen.
Nach dem Dämpfer im Weitsprung gelang Manuel Eitel im Kugelstoßen wieder ein ordentliches Ergebnis. Mit 15,10 Metern bewegte er sich in ähnlichen Regionen wie in seinem besten Hallen-Siebenkampf, bei dem er die Kugel auf 15,27 Meter befördert hatte. Der Ulmer rangiert mit 2.520 Punkten auf Platz zehn, das Feld ist jedoch so dicht zusammengerückt, dass zum Franzosen Téo Bastien auf Rang fünf lediglich 34 Punkte fehlen. Platz drei im Zwischenklassement hat der zweite US-Amerikaner Heath Baldwin (2.632 pt) inne, dem Makenson Gletty (2.617 pt) mit seinem starken Kugelstoß ordentlich auf die Pelle gerückt ist.
Hochsprung
Kyle Garland läutet Aufholjagd ein
In den ersten drei Disziplinen war Kyle Garland stets etwas unter seinen Möglichkeiten geblieben. Doch im Hochsprung spielte der US-Amerikaner seine Stärke aus: Lediglich bei 2,11 Metern musste er zwei Fehlversuche hinnehmen, dann meisterte er nicht nur diese Höhe, sondern schwang sich auch im ersten Anlauf über 2,14 Meter. Damit war der Zweite der ewigen Weltbestenliste zwei Zentimeter besser als bei seinem besten Hallen-Siebenkampf. Der Athlet, der dem 25-Jährigen am längsten im Wettkampf Gesellschaft leistete, war sein Teamkamerad Heath Bandwin, der über 2,08 Meter floppte.
Doch auch Simon Ehammer ließ sich nicht lumpen: Mit 2,02 Metern kam er vier Zentimeter höher als in seinem besten Hallen-Siebenkampf. So ist für den Schweizer der Hallen-Europarekord von Sander Skotheim (Norwegen; 6.558 pt) in Reichweite. Auch die Führung konnte der 26-Jährige verteidigen: Mit 3.698 Zählern, 51 mehr als bei seiner Bestleistung, liegt er nach wie vor knapp vor Garland (3.660 pt). Am Samstag wird es spannend: Ehammer und Garland sind in den drei verbliebenen Disziplinen ähnlich stark, beide haben Stärken im Hürdensprint und Stabhochsprung und Schwächen im 1.000-Meter-Lauf.
Im Kampf um Platz drei hat sich Heath Baldwin mit seinem starken Hochsprung einen Vorteil gegenüber Makenson Gletty erarbeitet. Der US-Amerikaner hat mit 3.510 Punkten 99 Zähler mehr gesammelt als der Franzose. Manuel Eitel übernachtet mit 3.287 Punkten auf Rang acht. Mit 1,96 Metern ging für ihn im Hochsprung eine solide Höhe in die Ergebnislisten ein. Dabei bewies der 29-Jährige Nervenstärke, denn sowohl bei 1,93 als auch bei 1,96 Metern musste er in den dritten Versuch. Erst 1,99 Meter waren dann zu hoch für den Ulmer, für den die WM-Teilnahme unverhofft gekommen war.
Stimme zu Tag 1:
Manuel Eitel (SSV Ulm 1846)
"Mein erster Tag war eigentlich ganz ordentlich. Ich bin weitestgehend zufrieden dafür, dass das alles ein bisschen spontan für mich war und ich im Vorfeld noch keine Wettkämpfe gemacht hatte. Wir können aus allem viel lernen. 60 Meter hat gepasst, ich bin noch nicht richtig spezifisch schnell für einen Wettkampf gewesen. Weitsprung ist leider einfach nervig, weil da viele Punkte liegen und wir es noch nicht hinbekommen, das aufs Brett zu bekommen. Da steckt viel Arbeit drin. Es wird klappen, braucht aber noch seine Zeit. Ich bin froh, dass ich danach nicht den Kopf in den Sand gesteckt habe, sondern optimistisch geblieben bin und es als das, was es ist, bewertet habe: einen Status Quo für den Sommer, für den Zehnkampf. Dann eine sehr gute Kugelstoß-Leistung nahe an der PB dran und ein sehr solider Hochsprung, der mir Spaß gemacht hat. Es war ein cooler Wettkampf, hat Spaß gemacht mit den Jungs. Das Deutschlandtrikot zu tragen ist etwas Besonderes und ich hoffe, dass ich morgen genau so weitermachen kann."
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