| Interview der Woche

Domenika Mayer: „Diese Zeit trage ich im Herzen“

© Norbert Wilhelmi
Es war nicht nur der vierte Sieg beim Hannover-Marathon, sondern auch ein riesiges Ausrufezeichen, das Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) am Sonntag bei den Deutschen Marathon-Meisterschaften in Hannover gesetzt hat. Mit ihrer Zeit von 2:21:26 Stunden lief sie die zweitschnellste jemals gelaufene Zeit einer deutschen Marathonläuferin. Im Interview der Woche spricht sie über das besondere Rennen, ihre Beziehung zum Hannover-Marathon und ihre EM-Vorbereitung.
Birte Grote

Domenika Mayer, herzlichen Glückwunsch zu dieser starken Leistung, wie fühlen Sie sich kurz nach dem Rennen?

Domenika Mayer:
Ich bin sehr glücklich, dass ich diese Zeit laufen konnte, Deutsche Meisterin geworden bin und hier in Hannover wieder einen guten Marathon laufen konnte.

Mit den drei schnellsten Frauen des Vorjahrs war der DM-Marathon stark besetzt. Mit welchen Erwartungen sind Sie in das Rennen gegangen?

Domenika Mayer:
Ich hatte auf jeden Fall eine Drucksituation einerseits durch die starke Konkurrenz und andererseits, weil ich eine schnelle Zeit erreichen wollte. Das waren meine beiden Herausforderungen. Aber wir haben das gut gehandelt. Ich hatte mir einen Tag gewünscht, an dem ich zu Beginn fliegen darf und nicht von Anfang an kämpfen muss.

Hat sich dieser Wunsch erfüllt?

Domenika Mayer:
Ja, es ging am Anfang gut. Aber bei Kilometer zehn habe ich angefangen zu zweifeln, ob es nicht doch etwas zu schnell ist. Ich habe mir dann gut zugeredet. Ich weiß, dass die Strecke, wenn es durch die Stadt geht und kurviger wird und etwas hoch und runter geht, nicht schneller wird, sodass man hinten heraus ein bisschen langsamer wird. Deswegen kam das gut hin und ich kann sagen, dass ich unseren Plan gut umsetzen konnte.

Mit welcher Tempovorgabe sind Sie das Rennen angegangen?

Domenika Mayer:
Ich bin so angegangen, dass bei Halbmarathon eine Zielzeit von 2:21:02 Stunden gestanden hätte. Demnach habe ich zirka 20 Sekunden verloren, was aber durch die eben genannten Gründe völlig in Ordnung ist. Ich war ja nun schon einige Male in Hannover am Start und wusste schon, wo es mir schwerfallen wird. Genauso war es dann auch. Bis Kilometer 15 komme ich immer gut durch. Wenn man dann durch die Eilenriede läuft, wird es bis zirka Kilometer 25 zäh. Dann werden die Beine müde und man muss sich durchquälen.

Das klingt so, als hätten Sie schon relativ früh kämpfen müssen.

Domenika Mayer:
Das kann ich. Ich kämpfe dann um jeden Schritt. Ich denke mir: Je schneller ich laufe, desto schneller bin ich im Ziel (lacht). Die Pacemaker haben mich auch sehr gut motiviert. Das Motorrad, das vor uns gefahren ist, hat mir allerdings Probleme bereitet, weil das immer hin- und hergefahren ist  und zwischendurch auf die Tube gedrückt hat. Das war nicht angenehm, wenn man genau von vorn die Abgase abbekommt. Davon habe ich echt Magenprobleme bekommen. Da wäre ein E-Motorrad in der heutigen Zeit eigentlich kein Problem mehr. Ich konnte das dann aber zusammen mit meinem Pacemaker gut kommunizieren, danach ist das Motorrad neben uns gefahren.

Das war heute Ihr vierter Sieg in Hannover und der dritte in Folge. Was bedeutet Ihnen das?

Domenika Mayer:
Das ist Sicherheit für mich. Ich komme hier nach Hannover und weiß, alles ist angerichtet. Die haben hier so viel Hoffnung in dieser Veranstaltung und das merkt man einfach, das trägt dich mit auf der Strecke und bringt dich auch nach Hause. Wir haben daheim wirklich lange überlegt, ob wir noch einmal herfahren, weil man eigentlich auch neue Reize und etwas Aufregendes für die Motivation braucht. Aber durch die starke Konkurrenz hatte ich die Motivation. Und es hat mir auch wieder gezeigt, dass dieser Marathon zu einer guten Zeit im Jahr stattfindet, man eine schnelle Strecke hat und hier abliefern kann.

Sie haben in dieser Saison schon mit einer starken Bestzeit von 68:08 Minuten im Halbmarathon vorgelegt und auch eine schnelle 10-Kilometer-Zeit angeboten. Bei der Deutschen Meisterschaft über 10 Kilometer in Uelzen haben Sie das Rennen jedoch nicht beendet. Welche Probleme hatten Sie da?

Domenika Mayer:
Ich kam aus einer Trainingswoche und wollte richtig schnell laufen. Gleichzeitig hatte ich noch einige Einheiten für den Marathon vor mir. Während des Rennens, und das war natürlich falsch, weil zwei Kilometer auch nichts mehr ausgemacht hätten, hatte ich das Gefühl, dass gar nichts mehr geht und bin dann ausgestiegen. Ich hatte das Gefühl, dass ich wirklich stehe und alle an mir vorbeilaufen. Ich wollte das Marathontraining nicht gefährden und habe in dem Moment die falsche Entscheidung getroffen. Das ging einfach zu schnell und dann war die Entscheidung schon getroffen. Da war der Aufwand, so viele Kilometer zu der Veranstaltung zu fahren, natürlich umsonst.

Konnten Sie diese Situation schnell abhaken?

Domenika Mayer:
Ja, auf jeden Fall. Manchmal läuft es gut, und manchmal auch nicht. Die Zeiten aus den anderen Wettkämpfen haben mir das Selbstbewusstsein für heute gegeben.

Nun sind Sie seit Sonntag Zweite in der „ewigen deutschen Bestenliste“ (siehe Statistik unten). Welche Bedeutung hat das für Sie?

Domenika Mayer:
Das bedeutet, dass ich weiß, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und ich weiß, dass das immer noch nicht das Ende ist. Wir wollen Schritt für Schritt aufbauen. Es soll nicht so sein, dass wir all-in für irgendeinen Marathon gehen und danach nichts mehr läuft. Die Zeit trage ich im Herzen, aber ich arbeite weiter, um mich weiter zu verbessern.

Ihr Saisonhöhepunkt dürfte der Marathon bei der EM in Birmingham sein. Haben Sie sich dafür schon konkrete Ziele gesetzt?

Domenika Mayer:
Ja, überleben (lacht). Dort werden ja acht Runden gelaufen und es geht die ganze Zeit bergauf und bergab. Ich bin eigentlich jemand, der schnelle Strecken mag und Zeiten gerne nachjagt. In Birmingham wird dann auch mal schön, etwas anderes zu haben. Andererseits muss man auch aufpassen, dass man sich nicht verletzt. Ich gehe auf jeden Fall mit Respekt an die Strecke. Es wird interessant, weil nicht nur die schnellsten Frauen eine Chance auf die vorderen Plätze haben.

Ihre Erfahrungen aus dem Berglauf könnten Ihnen da zugutekommen.

Domenika Mayer:
Bei mir ist das so: Was man trainiert, das funktioniert. In Berlin beim Halbmarathon war ich etwas langsamer als in Barcelona, weil wir vor Barcelona mehr Tempo trainiert haben und vor Berlin spezifisch Ausdauer. So ist es mit den Bergen auch. Deswegen werde ich das natürlich trainieren. Es ist auch ganz schön, einen neuen Fokus zu haben. Ein wenig muss ich mich aber mit der Strecke noch arrangieren.

Wie wird Ihre Vorbereitung auf die EM aussehen?

Domenika Mayer:
Ich werde in St. Moritz trainieren. Da habe ich ja auch die Berge. Da ich zwei schulpflichtige Kinder habe, steht noch nicht fest, wie lange ich dort trainieren werde. Aber ich kann mich auch zu Hause gut darauf vorbereiten.

Top 10: „Ewige deutsche Bestenliste“ Marathon

2:19:19 h | Irina Mikitenko (TV Wattenscheid 01), 28.9.2008 Berlin
2:21:26 h | Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg), 12.4.2026 Hannover
2:21:47 h | Melat Kejeta (Laufteam Kassel), 7.1.2024 Dubai
2:22:17 h | Fabienne Königstein (MTG Mannheim), 21.9.2025 Berlin
2:24:30 h | Laura Hottenrott (PSV GW Kassel), 3.12.2023 Valencia
2:24:35 h | Katrin Dörre-Heinig (SC DHfK Leipzig), 25.4.1999 Hamburg
2:24:54 h | Deborah Schöneborn (SCC Berlin), 14.1.2024 Houston
2:24:56 h | Katharina Steinruck (LG Eintracht Frankfurt), 28.1.2024 Osaka
2:25:37 h | Uta Pippig (SCC Berlin), 24.9.1995 Berlin
2:25:42 h | Fate Tola Geleto (LG Braunschweig), 30.10.2016 Frankfurt

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

Mehr:
Domenika Mayer überragt mit 2:21:26 Stunden – Tom Thurley jubelt über ersten DM-Titel

Teilen
#TrueAthletes – TrueTalk

Hier finden Sie alle Folgen des Podcasts des Deutschen Leichtathletik-Verbandes!

Zum Podcast
Jetzt Downloaden
DM-Tickets