| Goldenes Oval Dresden

Steven Richter: Mit neuer Konstanz und frischem Wind zum „Beinahe“-Heimspiel

Porträt von Diskuswerfer Steven Richter © Kai Peters
Steven Richter gilt als der „Shootingstar“ der deutschen Wurfszene. Am 31. Mai startet der Chemnitzer beim Goldenen Oval Dresden. Der 23-Jährige hofft, dass sein Fanclub im Heinz-Steyer-Stadion und seine neue Stärke seiner Scheibe im Wettstreit mit Favorit Matthew Denny sprichwörtliche Flügel verleihen.
Svenja Sapper

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An das Heinz-Steyer-Stadion in Dresden hat Diskuswerfer Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) nur die besten Erinnerungen: Vergangenes Jahr bei den Deutschen Meisterschaften flog seine Scheibe dort bis auf 68,27 Meter, das reichte für Rang zwei und bescherte ihm das WM-Ticket. „Da hatten wir richtig schönen Wind“, erinnert sich der 23-Jährige. „Bei guten Bedingungen geht es beim Goldenen Oval hoffentlich wieder Richtung 68 Meter.“

Am 31. Mai kommt es beim Goldenen Oval Dresden zum Aufeinandertreffen mit Matthew Denny. Der Olympia-Dritte aus Australien ist mit seiner Bestleistung von 74,78 Metern der zweitbeste Diskuswerfer der Geschichte. Nur Weltrekordler Mykolas Alekna (75,56 m) war je besser. „Ich würde Matthew Denny gern ärgern“, gibt sich Steven Richter kampfeslustig. „Man muss aber anerkennen, dass er einer der Weltbesten ist. Auf dieses Niveau möchte ich gerne kommen.“

Beim bislang besten Wettkampf seiner Karriere lag der Sachse nur vier Zentimeter hinter dem Australier. Es war der 9. April, als Steven Richter im Werferparadies Ramona (USA) gleich fünfmal die 70 Meter übertraf und sich auf 74,00 Meter steigerte. Nur acht Zentimeter fehlten zum Deutschen Uralt-Rekord von Jürgen Schult. „Er hat mir danach auch gratuliert und geschrieben: Die neun Zentimeter hättest du auch weiter werfen können“, berichtet Steven Richter.

Neues Niveau

Dem Diskuswerfer ist es wichtig, die Weite aus Ramona adäquat einzuordnen. „Es erwarten jetzt viele, dass man in jedem Wettkampf 70 Meter werfen kann. Aber bevor man Ramona als Ort für Diskuswurf-Wettkämpfe entdeckt hat, hat 30 Jahre lang niemand in diese Region geworfen. Dieser Ort ist einzigartig. Die Weite zeigt, was unter perfekten Bedingungen möglich ist.“ Sein großes Ziel: „Im Stadion zwischen 68 und 70 Meter werfen, damit kann man Medaillen gewinnen.“

Zu seinem Trip nach Ramona hat der Chemnitzer noch eine Anekdote parat: Vor dem Wettkampf ließ er seine Disken von ChatGPT analysieren. „Ich wusste, es gibt Disken, die viel Ringgewicht haben, und Disken, die wenig Ringgewicht haben“, erzählt er. Für Ramona wählte er basierend auf der KI-Analyse eine Scheibe, deren äußerer Ring viel Gewicht mitbringt eine gute Wahl, wie sich herausstellte. „Der Vorteil ist, dass sich der Diskus in der Luft durch dieses hohe Ringgewicht wieder mehr ausbalanciert, auch wenn er im Abwurf ein bisschen wackelt. Das kommt mir als explosivem und schnellem Werfertypen sehr entgegen, gerade wenn der Wind die Scheibe so stark angreift wie in Ramona.“

Steven Richter hat in diesem Jahr mit seinem Trainerteam einige Umstellungen vorgenommen und schon große Fortschritte gemacht. „Ich merke, dass ich jedes Jahr auf einem höheren Niveau einsteige als im Jahr zuvor.“ Momentan arbeitet er mit seinem Trainerteam vor allem an der Technik und Beweglichkeit. „Kraft habe ich genug und auch eine hohe Drehgeschwindigkeit, ich bin sehr explosiv“, beschreibt er seine Stärken.

Mit Fanclub im Heinz-Steyer-Stadion

Diese Stärken will er am 31. Mai beim Goldenen Oval unter Beweis stellen. Von seiner Heimatstadt Chemnitz, wo er neben dem Sport Wirtschaftswissenschaften studiert, braucht er mit dem Auto nicht einmal eine Stunde bis nach Dresden. So hat der 23-Jährige auch im Bekanntenkreis schon die Werbetrommel gerührt. Seine Familie und viele Freunde werden ihm im Heinz-Steyer-Stadion die Daumen drücken. „Es ist ein wunderschönes Stadion. Wenn man fast in der Heimat so ein tolles Meeting hat, muss man das nutzen. Für meine Familie ist es natürlich leichter, mich in Dresden zu unterstützen, als nach China zur Diamond League zu fliegen.“

So bleibt zu hoffen, dass seine Scheibe mit dem „Fanclub“ im Rücken besonders weit fliegt und Steven Richter im Kampf um die Startplätze für die Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien) ein weiteres Ausrufezeichen setzen kann. Zunächst muss sich der 23-Jährige gegen die starke innerdeutsche Konkurrenz um Henrik Janssen (SC Magdeburg) durchsetzen. Dann lautet das große Ziel: EM-Finale. Denn ein internationales Finale hat er in der Erwachsenenklasse bislang noch nicht erreicht. Doch Steven Richter gibt sich zuversichtlich: „Ich bin auf jeden Fall besser drauf als letztes Jahr.“

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