| Regensburg

9,98 Sekunden! Owen Ansah sprintet Deutschen 100-Meter-Rekord

Der deutsche Sprinter Owen Ansah liegt vor einer Anzeigetafel, die die Zeit 9,98 anzeigt. © Stefan Mayer
Owen Ansah macht es noch einmal! Der Hamburger Sprinter verbesserte seinen eigenen Deutschen 100-Meter-Rekord bei der Sparkassen-Gala in Regensburg um eine Hundertstelsekunde auf 9,98 Sekunden. Darüber hinaus bestätigte Hürdensprinterin Rosina Schneider ihre Topform. Die Nachwuchsathletinnen und -athleten präsentierten sich ebenfalls in einer starken Verfassung, sodass zahlreiche Normen für die internationalen Höhepunkte erfüllt wurden.
Sandra Arm

Owen Ansah schreibt die deutsche Sprintgeschichte fort: Nach seinem ersten Rekordlauf 2024 bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig, wo der HSV-Sprinter als erster deutscher Sprinter unter 10 Sekunden lief und den Deutschen Rekord auf 9,99 Sekunden verbesserte, folgte nun die nächste Steigerung. 9,98 Sekunden – so schnell lief Owen Ansah im Finale bei der Sparkassen-Gala am Samstagabend in Regensburg und verbesserte seinen eigenen Rekord um eine Hundertstel. Nach seinem erneuten Rekordlauf feierte ihn die Tribüne. „Wir trainieren für solche Zeiten und solche Rennen. Dass mir das jetzt im zweiten Saisonrennen gelungen ist, ist schon eine Überraschung für mich. Dass die Zeit jetzt schon da ist, darüber freue ich mich schon sehr“, sagte der alte wie neue Rekordhalter.

Konstanz hat einen Namen: Yannick Wolf (Munich Athletics). Er bestätigte als Zweitplatzierter mit 10,14 Sekunden erneut die Norm für die Europameisterschaften in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August). Bei den Frauen ging der Sieg an die international für Portugal startende Tatjana Pinto (Cologne Athletics), die in 11,17 Sekunden ebenfalls unter der geforderten EM-Norm von 11,18 Sekunden blieb. Im Vorlauf lief es noch deutlicher schneller mit 11,09 Sekunden und steigerte damit den Landesrekord von Portugal um eine Hundertstel. Philina Schwartz (Berlin Athletics Capital Club), die im Winter den Hallen-DM-Titel gewann, stieg mit 11,30 Sekunden in die Sommersaison ein.  

Langsprinter jubeln über Bestzeiten

Das Rennen über 400 Meter bei den Frauen entschied Jana Lankner (LG Telis Finanz  Regensburg) in 52,15 Sekunden für sich. In dieser Saison war sie mit 51,89 Sekunden schon unter der Marke von 52 Sekunden geblieben. Gleich drei deutsche Langsprinter blieben unter 46 Sekunden. Schnellster über die Stadionrunde war Manuel Sanders (TV Wattenscheid 01) in 45,71 Sekunden. Hinter ihm hallten Jubelschreie durch das weite Rund: Thilo Traue (LG Stadtwerke München) und Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel) stießen in neue Dimensionen vor. Sie steigerten ihre persönlichen Bestzeiten auf 45,79 bzw. 45,92 Sekunden.

Drei Wettkämpfe innerhalb von einer Woche liegen jetzt hinter Hürdensprinterin Rosina Schneider (TV Sulz). Grandios ihr Hürdenauftakt beim „Golden Oval“ in Dresden mit 12,87 Sekunden, dem folgte nur wenige Tage später beim Liese Prokop Memorial in St. Pölten die nochmalige Bestätigung ihrer neuen persönlichen Bestzeit. An diese Leistungen knüpfte die 21-Jährige nun nahtlos in Regensburg an. Im Finale setzte sich die Jahresbeste in 12,91 Sekunden durch. „Diese Zeit habe ich nicht erwartet, aber darauf gehofft. Ich wusste schon, dass mein Vorlauf sehr anstrengend hinten raus war. Ich habe gemerkt, dass ich auf den letzten vier, fünf Hürden ein bisschen eingegangen bin – und dann im Finale nochmal die Nerven zu behalten, und das Rennen für sich zu entscheiden“, resümierte Rosina Schneider.

Rosina Schneiders nächster Start in Dessau

Diese nochmalige Spitzenzeit nach den zwei vorherigen Meetings war keinesfalls erwartbar. „Ich glaube, dass viele das nicht gedacht bzw. erwartet hätten, weil ich schon vorbelastet nach Regensburg gefahren bin. Aber vielleicht war ich auch einfach im Flow. Ich hatte mich auf diesen Wettkampf eingestellt, ich war mit dem Kopf da und deswegen war es für mich vielleicht ein Vorteil, dass ich die komplette Woche mit Wettkämpfen gestaltet habe“, erklärte sie ihre gute Frühform. Dafür nimmt sie jetzt eine kleine Pause. „Die nächsten Tage wird es bei mir dann etwas ruhiger. Ich steige wieder voll ins Training ein. Als Nächstes starte ich in zwei Wochen in Dessau, das ist ein cooles Meeting. Und ich habe auch noch vor, mich eventuell noch über die 100 oder 200 Meter zu beweisen. Ich möchte darauf nicht meinen Fokus legen, aber ich weiß, dass ich schnell bin.“

Ebenfalls unter der 13-Sekunden-Marke blieb Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen) in 12,95 Sekunden als Dritte. Sie erfüllte exakt die DLV-Bestätigungsnorm für die Europameisterschaften. Bei den Männern gelang Manuel Mordi (Hamburger SV) im 110-Meter-Hürden-Finale zwar nicht der erhoffte runde Lauf, dennoch setzte er sich in 13,98 Sekunden durch. Im Vorlauf war er in 13,94 Sekunden noch etwas schneller unterwegs. Nach verletzungsbedingter Zwangspause kehrte Tim Eikermann (TSV Bayer 04 Leverkusen) zurück auf die Bahn. Seine Zielzeit im Finale von 14,04 Sekunden quittierte er mit einem Lächeln und Daumen hoch.

Munachi Eze schnuppert an U18-Bestleistung

Die Nachwuchsathleten zeigten sich ebenfalls glänzend aufgelegt. U18-Hürdensprinterin Munachi Eze (LAC Quelle Fürth) hatte zunächst im Vorlauf etwas Windpech. Bei 2,1 Metern pro Sekunde Rückenwind sprintete sie 13,19 Sekunden. Im Finale passte es dann vom Wind (0,6 m/s), sodass sie sich auf die zweitschnellste Zeit einer deutschen Läuferin in dieser Jugendklasse steigern konnte. Sie verbesserte sich auf pfeilschnelle 13,16 Sekunden. „Ich bin sehr schockiert vom Finale, weil ich nicht dachte, dass es nochmals eine 13,1 wird und nicht schneller als im Vorlauf. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, sagte Munachi Eze, die einige Verbesserungen zum Vorlauf ausmachte. „Der Start war schon besser als im Vorlauf. Auch wie ich über die Hürden gelaufen bin, das war viel stabiler. Davor bin ich immer so schief gelaufen.“

Auch ohne Hürden ziemlich schnell unterwegs: Delisha Benelisa Domingos (TuS Lichterfelde) blieb im Vorlauf über 100 Meter in 11,36 Sekunden exakt eine Zehntel über der Deutschen U18-Bestleistung von Grit Breuer. Mit dieser Leistung avancierte sie zur zweitschnellsten deutschen U18-Athletin. Aufgrund ihres vorherigen Einsatzes in der DLV-Sprintstaffel verzichtete sie auf einen Start im Endlauf.

Deutsche Staffeln schnell unterwegs

Flott unterwegs waren die deutschen U20-Sprinter und Sprinterinnen mit der 4x100-Staffel: In der weiblichen Jugend blieb das DLV-Team I mit Emma Goretzka, Anne Böcker, Paula Springstein und Lena Anochili unter 44 Sekunden. Es setzte sich in 43,92 Sekunden durch. Dicht gefolgt vom DLV-Team II, das von der Deutschen U18-Rekordlerin im Hürdensprint Delisha Benelisa Domingos angeführt wurde. Sie übergab den Staffelstab an Daryl Ndasi. An dritter Position lief Mia Besser und als Schlussläuferin brachte Isabel Bormann den Staffelstab in 44,13 Sekunden ins Ziel. Beide Staffeln blieben unter dem geforderten Richtwert für die U20-WM (45,70 sec) in Eugene (USA; 4. bis 9. August). An die Spitze lief die Frauen-Staffel aus Österreich, die den Landesrekord auf 43,11 Sekunden verbesserte.

In der männlichen Jugend U20 schickte der DLV zwei Staffeln ins Rennen. Aber nur eine sollte das Ziel erreichen. Es war die zweite Staffel mit Enzo Kieß, Fjare Lorin Zirbus, Florian Lüthje und Philip Stroh, die in 40,41 Sekunden unter der U20-WM-Norm (40,75 sec) blieb. Das Gros der Staffelläufer stand anschließend noch für einen Einzelstart über 100 Meter im Block. Für ein starkes Ausrufezeichen sorgten die Sprinterinnen. Gleich im ersten Vorlauf gab es sieben neue Bestleistungen – und das bei regelkonformen Rückenwind von 1,9 Meter pro Sekunde. An die Spitze setzte sich Emma Goretzka (LAC Berlin) mit 11,36 Sekunden. Dicht gefolgt von Lena Anochili (Hamburger SV), die sich auf 11,39 Sekunden steigerte.

U20-Sprinter bereit für Eugene

Im Finale sollten auch jene beiden Nachwuchssprinterinnen den Sieg unter sich ausmachen. Die schnellsten Beine hatte dabei die junge Hamburgerin mit 11,40 Sekunden. Emma Goretzka folgte dahinter in 11,41 Sekunden. „Der erste Lauf war zum Reinkommen, schauen was ich kann. Letztes Wochenende war bereits ein guter Einstieg, aber man wollte sehen, wo jetzt das ganze Potenzial rausgeholt werden kann. Mit dem zweiten Lauf bin ich voll zufrieden mit. Gerade mit der Wärme und der Zeit dazwischen, das wurde mir jetzt ein wenig zum Verhängnis. Trotzdem bin ich sehr dankbar für meinen zweiten Lauf, ich konnte wieder viel Erfahrungen sammeln“, resümierte Emma Goretzka.

Rasant unterwegs waren die U20-Sprinter. Allen voran Lennox Schmidt (SCC Berlin), der im Vorlauf mit 10,38 Sekunden die schnellste Zeit auf die Bahn brachte. Mit seinem neuen Hausrekord unterbot er abermals die Norm für die U20-WM (10,50 sec). Er verzichtete ebenso wie Dreisprung-Spezialist Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München), der seine Bestzeit auf 10,56 Sekunden steigerte, auf das Finale. Das gewann Tyrese Stewart (TSV Amicitia Viernheim 1906/09) in 10,59 Sekunden.

Zwei U20-Langsprinterinnen unter 54 Sekunden

Auf der Stadionrunde gab es ebenfalls reichlich Grund zur Freude: Nicht nur purzelten viele neue Bestzeiten, so blieben Luna Fischer (VfL Eintracht Hannover) in 53,15 Sekunden und Eni Kuske (TSV Zirndorf) in 53,94 Sekunden deutlich unter der Norm für die U20-WM (54,50 sec). Dazu gelang Luna Fischer mit ihrer neuen Bestzeit zugleich der Sprung an die deutsche U20-Spitze. Ein ganzes Stück näherte sich Milan Stadler (Königsteiner LV) dem internationalen Richtwert, gefordert sind 47,40 Sekunden. Er meisterte die 400 Meter in neuer Bestzeit von 47,76 Sekunden und blieb mit seiner Siegerzeit sogar erstmals unter 48 Sekunden.

Die U20-Langhürdlerinnen überzeugten mit zwei WM-Richtwerten (59,75 sec): Rebekka Feirle (LG Östl. Bodenseekreis) steigerte ihre Bestzeit auf 57,82 Sekunden, womit sie sich den Tagessieg und die Spitzenposition in der deutschen Bestenliste holte. Von dieser Position verdrängte sie die bis dahin Führende Lynn Pöppelmann (TuS Köln rrh.), die sich ebenfalls steigern konnte und in 59,63 Sekunden auf Platz zwei kam. Als Erster über 400 Meter Hürden blieb Paul Ulland (TSV Fortschritt Mittweida 1949) unter der U20-WM-Norm von 52,25 Sekunden. Er setzte sich in neuer Bestzeit von 52,17 Sekunden durch und übernahm die Führung in der deutschen U20-Bestenliste.

Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...

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