Saison-Höhepunkt für die U20-Talente: Vom 5. bis 9. August finden in Eugene, Oregon (USA) die U20-Weltmeisterschaften statt. 70 deutsche Nachwuchs-Athletinnen und -Athleten stellen sich im weltberühmten Hayward Field der internationalen Konkurrenz. Wie die DLV-Talente am Mittwoch in den Vorrunden abgeschnitten haben und wie sie ihre Resultate einschätzen, lesen Sie hier.
Live-Ergebnisse Livestream Das DLV-Team
Weibliche U20
100 Meter | Vorlauf
DLV-Duo locker eine Runde weiter
Die deutschen Sprinterinnen haben in diesem Jahr schon mit starken Zeiten geglänzt. Und auch beim Saison-Höhepunkt lieferten Emma Goretzka (LAC Berlin) und Lena Anochili (Hamburger SV) im Vorlauf ab! Emma Goretzka, im vierten von acht Läufen gestartet, kam gut aus den Blöcken und musste sich lediglich der Jamaikanerin Theianna-Lee Terrelonge geschlagen geben, die in 11,21 Sekunden die beste Zeite der Vorrunde sprintete. In 11,29 Sekunden wurde sie Zweite und war damit sogar Drittschnellste der ersten Runde.
"Ich hätte den Lauf gerne gewonnen, bin aber trotzdem sehr zufrieden", erklärte die Deutsche U20-Meisterin hinterher. Bei der U20-DM in Wattenscheid hatte sie mit 11,19 Sekunden ihre Bestzeit aufgestellt und zwei Wochen später, ebenfalls im Lohrheidestadion, in 11,26 Sekunden Silber bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen gewonnen. Dieses neue Niveau untermauerte sie im Hayward Field. "Das hat mir Selbstvertrauen gegeben. Es hat riesig Spaß gemacht", sagte die 18-Jährige, die vor dem Halbfinale am Abend gur regenerieren, sich von den Physios behandeln und einen Powernap machen will.
Auch Lena Anochili zog als Vorlauf-Zweite ins Halbfinale ein. Sie war im letzten Vorlauf im Einsatz, den U18- und U20-Europameisterin Kelly Douala aus Italien in 11,35 Sekunden gewann. Für die Hamburgerin wurden 11,41 Sekunden gestoppt. "Ich bin auf jeden Fall zufrieden", bilanzierte sie. "Ich war ein bisschen nervös, aber nicht sehr. Auf der Bahn war es ganz schön warm, auch im Callroom vorher schon, das war nicht einfach."
100 Meter | Halbfinale
Ab ins Finale!
Die beiden DLV-Sprinterinnen knüpften im Halbfinale nahtlos an ihre starken Auftritte aus dem Vorlauf an. Zuerst stand Lena Anochili auf der Bahn. Wie schon im Vorlauf bekam sie es mit Kelly Douala zu tun, die das Halbfinale in 11,36 Sekunden gewann. Zweite wurde Jady Emmanuel aus St. Lucia (11,42 sec). Und den dritten Platz schnappte sich mit 11,47 Sekunden die Hamburgerin! Da im Hayward Field neun Bahnen zur Verfügung stehen, die auch alle genutzt werden sollen, bedeutete das zugleich die direkte Final-Qualifikation.
Kurz darauf zog Emma Goretzka nach. Auch sie wurde trotz eines nicht optimalen Starts (Reaktionszeit 0,164 sec) Dritte in ihrem Lauf. Für die Deutsche U20-Meisterin wurden 11,40 Sekunden gestoppt. Somit stehen zum ersten Mal seit dem Jahr 2010 zwei DLV-Sprinterinnen im 100-Meter-Finale. Vor 16 Jahren in Moncton (Kanada) war das Leena Günther und Tatjana Pinto gelungen, die zwei Jahre später gemeinsam Europameisterinnen mit der 4x100-Meter-Staffel bei den Frauen wurden. Den Laufsieg sicherte sich die Jamaikanerin Shanoya Mikalia Douglas in 11,21 Sekunden vor Mariah Maxwell (USA; 11,25 sec). Deren Zwillingsschwester Mia Maxwell war in 11,13 Sekunden als Siegerin des zweiten Halbfinals die Schnellste am Mittwochabend.
800 Meter | Vorlauf
Leni Hirt steht im Halbfinale
Der schnellste der fünf Vorläufe war der zweite. In dem Rennen war auch Leni Hirt (LG farbtex Nordschwarzwald) im Einsatz. Die Deutsche U20-Meisterin hielt lange gut mit, musste aber auf der Zielgeraden den fünften Platz, der ihr das große Q beschert hätte, wieder abgeben. In 2:07,63 Minuten wurde sie Sechste und ärgerte sich zunächst.
Doch in der Mixed Zone erreichte sie die Botschaft, dass die Kenianerin Nancy Jepngetich, die das Rennen gewonnen hatte, wegen einer Bahnübertretung disqualifiziert worden war. "Dann bin ich weiter?", fragte die 18-Jährige. "Das wäre der Wahnsinn! Ich will mich jetzt gar nicht freuen, denn so etwas wünscht man niemandem", gab sie sich sportlich fair. Jedoch hätte die Zeit von Leni Hirt ohnehin für ein kleines q gereicht. So ging die beste Vorlaufzeit auf das Konto der Japanerin Rin Kubo (2:03,27 min), die vor zwei Jahren bereits U20-WM-Sechste geworden war.
Im ersten Rennen war mit Ziva Remic aus Slowenien eine weitere große Favoritin am Start. Die noch 16-Jährige ist amtierende U18-Europameisterin und U20-Vize-Europameisterin. Sie entschied das taktische Rennen in 2:09,86 Minuten für sich. Helena Guttke (RACE Erfurt) lag lange gut im Rennen um die Halbfinal-Plätze, musste dann aber am Ende abreißen lassen. "Ich habe in der Kurve zu viel investiert, als ich außen vorbei musste", bilanzierte sie nach Rang sieben in 2:11,26 Minuten. "Ich ärgere mich, ich wäre gern besser gelaufen."
3.000 Meter Hindernis | Vorlauf
Lena Rossmanith sammelt Erfahrung
Der Start in einem Weltklasse-Feld war eine ganz neue Erfahrung für Lena Rossmanith (TSV Marktoberdorf). "Ich habe gleich gemerkt, dass das Tempo ganz schön schnell für mich ist", sagte die Deutsche U20-Meisterin später. "Bisher war ich es gewohnt, dass ich relativ allein laufen konnte. Jetzt war das ganz anders, da konnte ich auch nicht so gut nach innen oder außen ausweichen."
Vor allem die Kenianerin Mercy Chepngeno Koskey sorgte für ein hohes Tempo und lief bald allein vorneweg. Dahinter setzten sich Wosane Asefa (Äthiopien) und Fanny Szalkai (Schweden) vom restlichen Feld ab, das Trio blieb geschlossen unter zehn Minuten. Eine Klasse für sich war in 9:36,19 Minuten, zugleich die beste Zeit der Vorrunde, Koskey. Lena Rossmanith büßte am Ende ein paar Plätze ein und kam in 10:29,47 Minuten auf Platz zehn. Für einen Finalplatz hätte sie Achte werden müssen. "Es war eine tolle Erfahrung, in dem schönen Stadion laufen zu dürfen", fand die noch 17-Jährige, deren Bestzeit bei 10:13,23 Minuten steht.
Stabhochsprung | Qualifikation
Lotte Gretzler und Anna Hiesinger ziehen souverän ins Finale ein
Lotte Gretzler (USC Mainz) gelang eine Qualifikation wie aus dem Bilderbuch: Sowohl bei ihrer Einstiegshöhe von 3,95 Metern als auch bei 4,10 Metern musste sie nur einmal Anlauf nehmen. Damit war das Finalticket perfekt. "Um ehrlich zu sein: Es lief besser, als ich mir vorgestellt hatte", verriet sie. "Ich dachte, dass ich höher springen muss, um ins Finale zu kommen. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich unten gut draufgehe auf den Stab und den gut treffe. Dann wird mein ganzer Sprung besser. Der Versuch über 4,10 Meter ist mir gut gelungen. Im Finale möchte ich die Atmosphäre auf jeden Fall genießen. Ich bin sehr dankbar, dass ich in einem WM-Finale stehe. Und natürlich würde ich gerne meine Bestleistung angreifen." Die steht (noch) bei 4,22 Metern.
Anna Hiesinger (LAZ Ludwigsburg), die bereits bei 3,80 Metern eingestiegen war, leistete sich bei 4,10 Metern einen Schönheitsfehler, dann flog auch sie über die Latte. "Ich hatte keinen optimalen Tag heute", fand sie. "Aber es ist gut zu wissen, dass es trotzdem für solche Höhen locker reicht." 13 Springerinnen meisterten 4,10 Meter, die nächste Höhe musste dann keine Athletin mehr angehen. "Ich habe mich ready gemacht für die 4,20 Meter und hatte auch richtig Bock, die Höhe zu springen", sagte Anna Hiesinger. "Aber das hebe ich mir fürs Finale auf!"
Diskuswurf | Qualifikation
Favour Adesokan macht kurzen Prozess
Einen beeindruckenden Auftritt legte in der Diskuswurf-Qualifikation Favour Adesokan (TV Wattenscheid) hin. Die Deutsche U20-Meisterin, die in dieser Saison stabil auf hohem Niveau ist, musste nur einmal in den Ring steigen. Die Scheibe flog auf Anhieb auf 56,14 Meter. Damit übertraf sie die direkte Qualifikationsmarke von 55,00 Metern klar und erreichte zudem die drittbeste Weite der Qualifikation. In der ersten Gruppe warf nur die Chinesin Chenyi Ma (57,72 m) weiter, in Gruppe B erzielte deren Landsfrau Yixin Su die Tagesbestweite von 58,06 Meter.
In der zweiten Gruppe war auch Anna-Maria Weber (VfB Stuttgart) mit von der Partie. Die 19-Jährige, die vergangenes Jahr im Kugelstoß-Finale der U20-EM gestanden hatte, war zufrieden mit ihrem internationalen Debüt im Diskuswurf, wenngleich 51,09 Meter nicht für einen Finalplatz reichten. "51 Meter – das ist okay, das ist das, was ich das ganze Jahr über geworfen habe", sagte die Stuttgarterin, die Diskuswurf und Kugelstoß gleichermaßen trainiert. "Natürlich wäre ich gern ins Finale gekommen. Aber Platz 15 der Welt hört sich jetzt auch nicht so schlecht an, das kann nicht jeder von sich behaupten." Für den Finaleinzug wären 52,58 Meter notwendig gewesen. Weiter hat die 19-Jährige erst einmal in ihrer noch jungen Karriere geworfen.
Siebenkampf Tag 1
Rundum gelungener erster Tag von Maria Schnemilich
Schon nach den 100 Metern Hürden klatschte Maria Schnemilich (1. LAV Rostock) zufrieden in die Hände. 13,89 Sekunden bedeuteten einen guten Auftakt für die 19-Jährige. In einem Siebenkampf war sie noch nie schneller. Im Hochsprung wurden anschließend Erinnerungen an ihren Bronze-Siebenkampf bei der U18-EM in Banskà Bystrica (Slowakei) 2024 wach. Denn mit 1,75 Metern egalisierte sie ihren Hausrekord, den sie damals aufgestellt hatte. Mit 1.904 Punkten ging die Rostockerin sogar als Vierte in die Mittagspause.
Am Abend konnte sie nahtlos an ihre guten Leistungen des Vormittags anknüpfen: Erst gab's eine neue Bestleistung (10,79 m) im Kugelstoßen. Und dann gewann sie in Saison-Bestzeit von 25,01 Sekunden ihren 200-Meter-Lauf. Damit war Maria Schnemilich in allen vier Disziplinen besser als beim Qualifikationswettkampf in Bernhausen. Mit 3.377 Punkten liegt sie auf Rang sechs.
Elenor Servatius (TSV Bayer 04 Leverkusen) erlebte dagegen ein Wechselbad der Gefühle: Mit Saison-Bestleistungen über 100 Meter Hürden (14,35 m) und im Hochsprung (1,69 m) konnte sie zufrieden sein. Mit dem Kugelstoß-Resultat von 10,96 Metern haderte die Leverkusenerin hingegen und mit den 26,06 Sekunden über 200 Meter war sie sehr unglücklich. Mit 3.155 Punkten rangiert sie zur Halbzeit auf Platz 19.
Die ersten drei Plätze machen Athletinnen unter sich aus, die vor allem Maria Schnemilich gut kennt: Enni Virjonen (Finnland), U18-Europameisterin von Banskà Bystrica und U20-EM-Dritte von 2025, führt mit 3.676 Punkten. Mit 23,99 Sekunden über 200 Meter konnte sie sich an der Französin Zola Ndouma-Mola (3.669 pt) vorbeischieben, die zuvor mit 14,72 Metern das Kugelstoßen gewonnen hatte. In Banskà Bystrica vor zwei Jahren hatte die Französin im Kampf um Bronze mit einem Pünktchen Rückstand gegen Maria Schnemilich den Kürzeren gezogen. Dritte ist mit 3.632 Punkten die Britin Thea Brown – Vize-Europameisterin von Banskà Bystrica. Die starke Weitspringerin, die in ihrer Paradedisziplin sogar U20-EM-Zweite ist, wird sicher in der ersten Disziplin des zweiten Tages angreifen.
Stimmen zu Tag 1:
Maria Schnemilich (1. LAV Rostock)
Hürde war ein sehr guter Einstieg. Ich brauche tendenziell einen Lauf, um richtig reinzukommen, daher bin ich mit den 13,89 Sekunden sehr zufrieden. Hochsprung war das Highlight: Ich bin in dieser Saison noch nicht über 1,70 Meter gesprungen und dann direkt 1,75 Meter. Das hat mich sehr gefreut und ich habe zurückgedacht an Banskà Bystrica, als es ganz ähnlich gelaufen ist. Mit dem Kugelstoßen bin ich auch zufrieden, obwohl ich gerne die 11 vorne gehabt hätte. Ich habe jetzt viel Kugel trainiert und das Bestmögliche rausgeholt. Über 200 hätte ich mir eine Zeit unter 25 Sekunden gewünscht, aber es ist nicht ganz einfach mit der Wärme, das darf man nicht unterschätzen. Ich freue mich morgen auf alles, der zweite Tag ist momentan mein stärkerer mit Weitsprung und Speerwurf. Auch auf die 800 Meter freue ich mich, wenn man es geschafft hat.
Elenor Servatius (TSV Bayer 04 Leverkusen)
Allgemein kann ich sagen, dass ich mit dem ersten Tag deutlich zufriedener bin als bei der Qualifikation. Vor allem mit der "Season's Best" über die Hürden. Auch im Hochsprung bin ich noch einen Zentimeter höher gekommen als letztes Mal. Die Kugel hätte durchaus weiter fliegen können, aber es ist, wie es ist. An den 200 Metern habe ich dieses Jahr grundsätzlich ein bisschen zu knabbern. Wir werden sehen, wie es weitergeht, grundsätzlich ist nichts verloren. Morgen freue ich mich vor allem auf die Atmosphäre. Es war super, das erste Mal international zu starten, vor diesem Publikum zu stehen, auf dieser Bahn. Vor allem freue ich mich darauf, weit zu springen, den Speer weit zu werfen, wenn möglich eine Bestleistung aufzustellen, und nach den 800 sagen zu können: Ich hab's geschafft – meine ersten Meisterschaften im Deutschlandtrikot!
Männliche U20
100 Meter | Vorlauf
Jakob Kemminer macht's spannender als gewünscht
Die Top Drei eines jeden Vorlaufs zogen über 100 Meter ins Halbfinale am Abend ein. Für den Achten der Meldeliste Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth) eigentlich eine Pflichtaufgabe. Doch der Deutsche U20-Meister tat sich schwer, schon der Start geriet eher schwerfällig. Zum Glück ist der 19-Jährige so stark, dass auch ein suboptimales Rennen reichte, um die nächste Runde klarzumachen. In 10,32 Sekunden wurde er beim Sieg des Schweizers Akira Eghagha (10,28 sec) Dritter. "Ich habe mich nicht schlecht gefühlt, aber ich habe vorne einfach Meter liegenlassen, und damit auch Hundertstel", sagte er. "Auch hintenraus musste ich kämpfen. Das muss ich heute Abend besser machen." Bis dahin stehen für ihn ein Abstecher zum Physio, ein Mittagessen im Hotel und Regeneration auf dem Programm.
Vierter im Rennen von Jakob Kemminer wurde der Südkoreaner Chae-min Jun in 10,33 Sekunden. Damit verdrängte er Lennox Schmidt (SCC Berlin), der sich bis dahin noch Hoffnungen auf den Halbfinal-Einzug hatte machen dürfen, aus dem Kreis der Zeitschnellsten. Der erst 18-Jährige hatte ein in der Breite starkes Rennen erwischt, in dem er mit 10,42 Sekunden nur Sechster wurde. Die Viert- und Fünftplatzierten schafften es eine Runde weiter, der Berliner leider nicht. "Ich habe mich eigentlich am Start nicht schlecht getroffen", sagte er. "Im Ziel dachte ich erst, ich bin Fünfter. Platz sechs ist schon hart." Das Rennen gewann der Südafrikaner Marko Ferreira, der die drittschnellste Zeit der ersten Runde sprintete. Schneller waren der US-Amerikaner Tate Taylor in 10,05 und der Jamaikaner Gary Card in 10,07 Sekunden.
100 Meter | Halbfinale
Endstation Halbfinale
Schon die Vorläufe hatten es angedeutet: Bei Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth) muss im Halbfinale eine Steigerung her, wenn er im Kampf um die Finalplätze ein Wörtchen mitreden will. Der Deutsche U20-Rekordler erwischte in seinem Halbfinale den Start besser als im Vorlauf, kam danach aber nicht richtig ins Fliegen. In 10,36 Sekunden belegte er Platz fünf. Den dritten Platz, der ihm ein großes Q beschert hätte, verfehlte er um vier Hundertstel.
An der Spitze brillierte wie schon im Vorlauf Tate Taylor. Der US-Amerikaner war in 10,06 Sekunden fast ebenso schnell wie in der Vorrunde und geht damit im Finale als Favorit ins Rennen. Dahinter positionierten sich – ebenfalls wie im Vorlauf – Marko Ferreira (10,13 sec) und Gary Card (10,16 sec).
800 Meter | Vorlauf
Halbfinal-Ticket der verdiente Lohn für Jan Emanuel Merheim
Fünf Halbfinal-Tickets wurden pro Lauf vergeben. Eins davon hätte sich gern Theo Hielscher (TSV 1860 Stralsund) gesichert, der im ersten Vorlauf im Einsatz war. Nach den ersten 400 Metern hatte er noch aussichtsreich auf Rang vier gelegen, doch auf der Zielgeraden wurde er durchgereicht bis auf Rang acht. 1:54,41 Minuten – kein zufriedenstellendes Resultat für den noch 17-Jährigen, der in Bestform schon unter 1:50,00 Minuten geblieben ist. "Ich versteh's nicht", lautete seine erste Reaktion. "Normalerweise ist der Endspurt meine Stärke, heute so gar nicht."
Anschließend sah er sich auf dem Monitor in der Mixed Zone noch den nächsten Vorlauf an und feuerte Teamkollege Jan Emanuel Merheim (TuS Köln rrh.) an. Der zweite Lauf erwies sich als deutlich schneller als der erste: Shafeck Murungi aus Uganda siegte in 1:46,64 Minuten. Für Jan Emanuel Merheim gab es auf Platz sieben zwar kein großes Q, aber mit 1:49,32 Minuten eine neue Bestzeit. "Das reicht", lautete die Einschätzung von Theo Hielscher. Und der Fachmann sollte recht behalten: Mit dem neuen Hausrekord schnappte sich der Kölner eins von zwei kleinen qs, alle anderen Vorläufe waren deutlich langsamer.
"Ich bin superhappy!", jubelte er schon, als er noch gar nicht wusste, dass er im Halbfinale noch einmal laufen darf. "Das Rennen motiviert total für mehr! Ich glaube, heute wäre auch eine 1:48er-Zeit drin gewesen." Im Halbfinale hat er erneut die Chance, die neue Bestzeit nochmals anzugreifen.
Kugelstoß | Qualifikation
Simon Kunkel souverän
Nach seiner erfolgreichen Qualifikation erkundigte sich Simon Kunkel zunächst nach seinen Teamkollegen. "Wie war's bei Matti [Hummel]? Wie lief's für Jakob [Kemminer]?", nahm der Mainzer regen Anteil am Abschneiden der weiteren deutschen Starter. Beim 19-Jährigen selbst lief es wie gewünscht: Nach einem Stoß auf 18,06 Meter im ersten Durchgang ("Das war viel zu zögerlich") beförderte er sein Arbeitsgerät in Runde zwei auf 19,45 Meter. Damit fehlten zum einen nur fünf Zentimeter zur direkten Qualifikationsmarke und zum anderen nur 30 zu seinem Hausrekord. Ein rundum gelungener Auftritt also.
Simon Kunkel war sogar viertbester Stoßer im Feld, das der Grieche Aristion Anastasios Papadopoulos mit 19,82 Metern anführte. "Ich bin froh, dass ich es ins Finale geschafft habe. Ich hatte einen schleppenden Start, auch die Stöße im Warm-up waren nicht besonders gut. Im zweiten Stoß habe ich mich selbst gut getroffen, kam hinten besser weg und dann ging es deutlich weiter", sagte er. Fürs Finale am Abend hat sich der Mainzer vorgenommen, sechs Versuche zu machen, sprich: es in die Top Acht zu schaffen.
Hammerwurf | Qualifikation
Freud und Leid
Die Hammerwerfer absolvierten ihre Qualifikation auf dem Nebenplatz. In der ersten Gruppe war zunächst Max Baier (TV Fränkisch-Crumbach) im Einsatz. Der 19-Jährige wollte es besser machen als bei seinem ersten internationalen Einsatz: Bei der U18-EM 2024 in Banskà Bystrica (Slowakei) waren ihm drei ungültige Versuche unterlaufen. So war die Erleichterung groß, als der Hammer gleich im ersten Durchgang auf 68,52 Meter flog.
Im zweiten Versuch gelang dem 19-Jährigen mit 70,50 Metern eine Steigerung seiner Bestmarke um vier Zentimeter. Und im dritten setzte er noch einen drauf: 71,16 Meter! Das reichte nicht zur direkten Qualifikationsmarke von 72,50 Meter, sollte aber später mit einem Finalplatz belohnt werden. "Es war ganz schön heiß, zumal wir nicht wirklich Schatten hatten", erzählte Max Baier anschließend. "Es war nicht einfach zu werfen. Mit der Bestleistung bin ich aber natürlich zufrieden."
Gern wäre Matti Hummel seinem Teamkollegen ins Finale gefolgt. Immerhin war der Frankfurter als Achter der Meldeliste angereist. Doch in Eugene musste er zunächst zwei ungültige Versuche hinnehmen und stand vor seinem letzten Wurf mit dem Rücken zur Wand. Der 19-Jährige hielt dem Druck stand und produzierte in dritten Durchgang einen gültigen Versuch – der ihm jedoch mit 70,13 Metern nur den "verflixten 13. Platz" einbrachte. 70,90 Meter wären für den Finaleinzug notwendig gewesen, eine Weite, die der 73-Meter-Werfer auch draufhat. Anschauungsunterricht gab in der Qualifikation der Chinese Jiawei Chen mit Weltjahresbestleistung von 80,39 Metern.
Speerwurf | Qualifikation
DLV-Starter auf Platz 15 und 16
Die 72,50 Meter, die für die direkte Final-Qualifikation verlangt waren, haben Niklas Könnemann und Mogens Braun (beide SC Magdeburg) in ihrer Karriere noch nicht geworfen. Die 68,07 Meter, die schlussendlich zur Qualifikation reichten, aber schon. Entsprechend ließen beide nach der Qualifikation die Köpfe hängen. "Mindestens 70 Meter hatte ich mir schon vorgestellt", sagte Niklas Könnemann, dessen Bestleistung bei 71,46 Metern steht. "Aber die ersten beiden Versuche waren einfach technisch nicht gut." Er startete mit 64,44 Metern, im zweiten Durchgang kam er nicht über 60,72 Meter hinaus, bevor er im dritten 66,94 Meter folgen ließ. Damit belegte er Platz 15.
Direkt dahinter reihte sich Vereinskollege Mogens Braun ein. "Der Beginn war zu verhalten, der zweite okay, im dritten musste ich dann alles raushauen", beschrieb er seinen Wettkampf. Sein weitester Wurf, der zweite, wurde mit 66,35 Metern vermessen. "Ich bin ein bisschen enttäuscht vom Ergebnis", sagte er, "aber es war trotzdem eine tolle Erfahrung. Dieser riesige Monitor in der Kurve gegenüber war ungewohnt, so hat man sich auf einmal selbst beim Werfen zugeguckt."
Mixed
4x400 Meter | Vorlauf
DLV-Quartett kratzt am Deutschen U20-Rekord
Das deutsche Quartett schwankte nach dem Vorlauf zwischen ganz viel Freude über das tolle Erlebnis, im Hayward Field gegen die Weltelite laufen zu dürfen, Zufriedenheit über ein wirklich starkes Rennen und Ärger über den vierten Platz in ihrem Vorlauf. Denn nur die Top Drei der drei Läufe qualifizieren sich für das Finale am Abend. Und die DLV-Auswahl hatte das Pech, dass ihnen als Gesamt-Zehnte bei neun Finalisten nur drei Zehntelsekunden fehlten.
Dabei hatten alle vier ein wirklich starkes Rennen abgeliefert. Amir Bilal Chaib Cuti (TSV Marktoberdorf) brachte das Quartett gut ins Rennen und wechselte als Dritter auf Ida Carlotta Schröder (Hamburger SV), die einen Platz gutmachte und lediglich die jamaikanische Kontrahentin enteilen lassen musste. Als Zweite übergab sie an Michal Fatyga, der die Position trotz mehrerer Angriffe von anderen Teams verteidigte. Als Schlussläuferin war Hannah Schwind (Post-Sportverein Trier) im Einsatz. Sie konnte gemeinsam mit der kolumbianischen Läuferin wieder zu Jamaika aufschließen. Allerdings konnten auch Südafrika und Italien die Lücke auf die führenden Teams wieder zulaufen.
Eingangs der letzten Kurve gab es etwas Gerangel und das Ergebnis stellte sich noch einmal auf den Kopf: Jamaika (3:21,47 min) siegte vor Südafrika (3:22,12 min) und Kolumbien (3:22,14 min). Für das deutsche Team wurden 3:22,44 Minuten gestoppt. Ein starkes Resultat ohne Wenn und Aber: Sie verpassten den Deutschen U20-Rekord gerade einmal um drei Hundertstelsekunden.
"Es war so geil!", befand Amir Bilal Chaib Cuti nach seinem internationalen Debüt. "Ich habe es so genossen, das Rennen ging viel zu schnell vorbei", schwärmte Ida Carlotta Schröder. Ein bisschen Wehmut schwang aber doch mit, Hannah Schwind haderte mit dem Ausgang des Rennens. "Ich habe auf dem Monitor gesehen, dass plötzlich drei neben mir waren, und konnte nicht mehr reagieren", bedauerte die eigentliche Siebenkämpferin. Und Michal Fatyga konstatierte: "Ich bin letztes Jahr bei der U20-EM mit der deutschen Staffel im Finale Vierter geworden. Das ist der undankbarste Platz, den man haben kann." Auf die starke Zeit waren aber alle vier stolz.