Ein hochklassiges Leichtathletik-Wochenende ganz im Zeichen der besten Nachwuchsathleten: Bereits zum 32. Mal bietet die Bauhaus Junioren-Gala in Mannheim Talenten die Möglichkeit, sich abseits von großen Meisterschaften internationalen Spitzenfeldern zu stellen. Mit einer Vielzahl an Bestleistungen, U20-WM-Normen und Podestplatzierungen für sich genutzt haben das auch die DLV-Stars um die Sprinter Jakob Kemminer, Lennox Schmidt und Emma Goretzka sowie Hammerwurftalent Clara Hegemann. Jakob Kemminer lief die 100 Meter so schnell wie kein anderer deutscher U20-Sprinter seit 25 Jahren.
Nicht immer lässt sich anhand der Vorlaufzeiten auf den Rennverlauf im Finale schließen. Exemplarisch aufgezeigt hat dies die Entscheidung über 100 Meter der männlichen U20 am ersten Tag der 32. Bauhaus Junioren-Gala am Samstag in Mannheim. Während etwa der U18-Europameister von 2024 Jakob Kemminer (LAC Quelle Fürth) mit starken 10,29 Sekunden vorgelegt hatte, konnte er die Geschwindigkeit im Finale zwar noch einmal erhöhen, musste sich aber trotz einer Bestzeit von 10,23 Sekunden mit Rang drei zufrieden geben.
An der Spitze war es indes der Schweizer Akira Eghagha, der den Speed noch höher schrauben konnte und mit 10,16 Sekunden nicht nur U20-Landesrekord lief, sondern auch den vom französischen Topsprinter Jimmy Vicaut 2010 aufgestellten Meetingrekord einstellte. Platz zwei ging in einem denkbar engen Finish an Bright Otiora (Belgien; 10,18 sec), Lennox Schmidt (SCC Berlin) wurde in 10,26 Sekunden Fünfter. Als Gewinner des B-Finales gelang Tyrese Stewart (TSV Amicitia Viernheim; 10,50 sec) eine Punktlandung auf die U20-WM-Norm. Um die Zeiten von Jakob Kemminer und Lennox Schmidt einzuordnen: Der letzte deutsche U20-Sprinter, der schneller war, lief vor 25 Jahren 10,21 Sekunden: Tim Goebel. Jakob Kemminer steigerte bei leichtem Rückenwind seine Bestzeit um vier Hundertstel, Lennox Schmidt gleich um zwölf Hundertstel.
Emma Goretzka schnell wie nie
Für großen Jubel sorgten auch die Sprinterinnen über 100 Meter, allen voran die Schweizerin Xenia Buri. Nachdem die 18-Jährige bereits im Vorlauf sensationelle 11,14 Sekunden auf die Bahn gebracht hatte, verbesserte sie sich im Finale noch einmal auf 11,13 Sekunden und schnappte sich nicht nur den Meetingrekord der britischen Edelsprinterin Dina Asher-Smith (11,14 sec), sondern auch die Poleposition in der europäischen Jahresbestenliste sowie den Schweizer Rekord. Ihre eigene nationale Bestmarke steigerte sie um eine Zehntelsekunde.
In beeindruckender Manier lieferte dicht dahinter auch Emma Goretzka (LAC Berlin) das bisher schnellstes Rennen ihrer jungen Sprintkarriere ab und kam nach 11,33 Sekunden vor Lena Anochili (Hamburger SV; 11,39 sec), die ebenfalls in Bestzeit Dritte wurde, ins Ziel. Beide blieben natürlich klar unter der U20-WM-Norm von 11,75 Sekunden.
Starke 400-Meter-Hürden-Rennen mit deutschen U20-WM-Normen
Verteilt auf vier Zeitendläufe ging es für die Spezialisten über 400 Meter Hürden auf die Stadionrunde. Wenngleich die drei schnellsten Zeiten auf das Konto der internationalen Konkurrenz gingen und angeführt vom Sieger Kristen Colly (Frankreich; 50,56 sec) im letzten Lauf erzielt wurden, konnten sich auch die Ergebnisse der DLV-Starter sehen lassen.
Gleichermaßen wie ein Großteil des Feldes verbuchten sie in Mannheim persönliche Bestleistungen und mit Nikolas Raeth (SV Union Salzgitter; 51,48 sec) auf Rang vier und Jannis Gartmann (VfL Sindelfingen; 52,21 sec) als Siebter blieben sogar zwei von ihnen unterhalb der Norm für die U20-WM (52,25 sec). Das Ticket sicher haben sie allerdings noch nicht, denn auch Tjark Schult (LG Flensburg; 52,31 sec) und Magnus Skulpin-Alfa (52,48 sec) zeigten mit starken Rennen ihr Potenzial.
Bestzeiten für Rebekka Feirle und Lynn Pöppelmann
Im Rennen der weiblichen U20 setzte sich die deutsche Jahresschnellste Rebekka Feirle (LG Östl. Bodenseekreis) durch und holte sich in einer Bestzeit von 57,55 Sekunden den Sieg vor Megan Nieman (Südafrika; 58,27 sec) und Zoë van Gils (Niederlande; 58,43 sec). Auf Rang vier folgte ebenfalls mit Bestzeit Lynn Pöppelmann (TuS Köln rrh.), die sich in 59,35 Sekunden wie auch Rebekka Feirle für einen Start bei der U20-WM empfehlen konnte.
Über die 400 Meter flach verbesserte im Michael-Hoffmann-Stadion der Südafrikaner Leendert Koekemoer, der mit 44,94 Sekunden in dieser Saison als nur einer von nur fünf U20-Athleten schon unter 45 Sekunden geblieben ist, seinen eigenen Meetingrekord aus dem Vorjahr auf starke 45,11 Sekunden. Damit verwies er die Konkurrent klar auf die Plätze. Bester DLV-Athlet war mit Bestzeit Adrian Primus (SCC Berlin; 47,97 sec) auf Rang fünf. In der weiblichen U20 ging der Sieg an Lenka Gymerska (Slowakei; 52,59 sec) vor Shade Laporal (52,98 sec) aus Frankreich. Auf Platz drei und vier jeweils mit Bestleistung und erstmals auch mit Erfüllung der U20-WM-Norm (54,50 sec) liefen Liana Barragan de Luyz (OSC Berlin: 54,14 sec) und Ida Carlotta Schröder (Hamburger SV; 54,17 sec).
Clara Hegemann wieder dicht dran an den 70 Metern
Für einen der Höhepunkte am ersten Wettkampftag der Bauhaus Junioren-Gala sorgte Wurftalent Clara Hegemann (LG Stadtwerke München). Auf einer Außenanlage zwar nicht vollends im Fokus des Publikums lieferte die deutsche U20-Rekordhalterin (69,81 m) erneut ab und beeindruckte als Siegerin mit einem neuen Meetingrekord von 69,28 Metern.
Damit verwies sie die Nummer zwei der U20-Weltjahresbestenliste Pinja Kärhä (Finnland; 67,31 m) und U20-Europameisterin Nova Kienast (Berlin Athletics Capital Club; 64,87 m) auf die Ränge zwei und drei. Damit überbot das DLV-Duo auch souverän die Norm für die U20-WM (59,00 m). Ein Erfolg, den auch Max Baier (TC Fränkisch-Crumbach) wiederholt bestätigen konnte und den sechs Kilogramm schweren Hammer als U20-Sieger auf eine neue Bestweite von 70,46 Metern schleuderte.
Simon Kunkel eine Klasse für sich
Ebenfalls einen Favoritensieg gab es im Kugelstoßen der männlichen U20. Wenngleich Simon Kunkel (USC Mainz) seine Bestleistung (19,75 m) klar verfehlte, mit der er die deutsche Jahresbestenliste überlegen anführt, reichten ihm in Mannheim 18,60 Meter sowohl für den Sieg als auch für die Bestätigung der U20-WM-Norm (18,30 m). Mit seinem ersten 17-Meter-Stoß in der laufenden Sommersaison und Platz drei schob sich Max Louis Emmerich (LV 90 Erzgebirge; 17,25 m) in der deutschen Jahresbestenliste der männlichen U20 vor auf Platz zwei.
Sogar ein deutsches Triple gab es bei den Juniorinnen zu feiern. Angeführt von Johanna Guggemoos (LG Stadtwerke München; 15,39 m), schafften es auch Anna-Maria Weber (VfB Stuttgart 1893; 15,20 m) und Antonia Heberle (TV Rottenburg; 14,83 m) auf das Podium. Da alle drei Kugelstoßerinnen schon die U20-WM-Norm in der Tasche haben, wird sich erst bei der U20-DM in vier Wochen in Bochum-Wattenscheid entscheiden, wer letztlich die Tickets in die USA lösen wird.
Hop-Step-Jump: Klarer Sieg für Antonia Bronner
Den 26 Jahre alten Meetingrekord (13,79 m) im Dreisprung der weiblichen U20 zwar knapp verpasst, dafür aber auf Rang eins der europäischen Jahresbestenliste in ihrer Altersklasse gesprungen, ist in Mannheim Antonia Bronnert (VfL Löningen). Im dritten Versuch sprang sie starke 13,65 Meter und machte sich damit zugleich zur Medaillenkandidatin für die U20-WM im August. Die Norm (13,00 m) hatte sie bereits mehrfach in der Saison erfüllt. Ebenfalls eine Weite über 13 Meter gelang auch der zweitplatzierten Solveig Zola aus Frankreich (13,05 m), Dritte wurde die Schwedin Ella Alvelin Malm (12,98 m).
Den Wettbewerb der männlichen Konkurrenz entschied Tito Odunaike für sich. Der 17 Jahre junge Brite flog im vierten Durchgang auf 16,12 Meter und damit zu einer neuen Bestleistung. Das gelang auch Benedikt Maurer (LG Stadtwerke München). Eine Woche nach seiner starken 100-Meter-Bestzeit in Regensburg (10,56 sec) setzte er seinen Speed in Weite um. Mit 15,65 Metern steigerte er seinen Hausrekord um 13 Zentimeter auf 15,65 Meter und übertraf die U20-WM-Norm um 20 Zentimeter. Rang fünf ging mit neuer Bestleistung von 14,66 Metern an Felix Remmele (TV 1891 Bürstadt).
Wind ärgert die Höhenjägerinnen
Die längste Strecke zu bewältigen hatten an Tag eins der Junioren-Gala die Läuferinnen und Läufer über 800 Meter. Beachtlich war das Ergebnis der männlichen U20 – die acht Erstplatzierten erreichten allesamt eine persönliche Bestzeit. Am schnellsten unterwegs war Peter Csikos (Slowakei; 1:51,24 min), bester deutscher Mittelstreckler war Bastian Schön (LAZ Mosbach/Elztal; 1:55,23 min) auf Rang acht. Bei der weiblichen U20 siegte Mariana Moreira (Portugal; 2:07,50 min), Smilla Bauer (Erfurter LAC; 2:09,29 min) wurde Dritte.
Der Stabhochsprung wurde ein wenig vom Winde verweht und bot den Athletinnen herausfordernde Bedingungen. Damit am besten zurecht kam damit die deutsche Jahresbeste Lotte Gretzler (USC Mainz). Die Zweite der U20-DM schwang sich als einzige Springerin über 4,05 Meter – ihre zwei Jahre jüngere Schwester Line erlebte hingegen einen gebrauchten Tag und musste den Wettkampf mit großen Anlaufschwierigkeiten nach einem Salto Nullo frühzeitig beenden.
Platz zwei ging an Josefin Fischer (3,95 m), Dritte wurde mit Bestleistung und höhengleich Tessa Böttner (beide SC Potsdam). Außer Konkurrenz war zudem die sechsmalige Deutsche Meisterin Anjuli Knäsche (VfB Stuttgart 1893) am Start, die erfolgreich 4,50 Meter im ersten Versuch meisterte und erst an 4,60 Metern, gleichbedeutend mit neuer Bestleistung, scheiterte.
Niklas Könnemann mit 70-Meter-Premiere
Für die besten Weiten im Speerwurf der weiblichen U20 sorgten am Samstag die internationalen Teilnehmerinnen. Beim Sieg von Jolie Baerveldt (Niederlande; 52,49 m) schaffte es Elisa Hölzlwimmer (SG Schönau) als beste Deutsche auf Rang sechs. Im vierten Versuch warf sie ihr 600 Gramm schweres Arbeitsgerät auf eine neue Bestweite von 45,63 Metern. Bei der männlichen Jugend fuhr der SC Magdeburg einen Dreifachsieg ein. Niklas Könnemann knackte mit 71,46 Metern erstmals die 70-Meter-Marke und übertraf die U20-WM-Norm (69,00 m) deutlich. Dahinter folgten seine Teamkollegen Emil Wydmuch (65,17 m) und Mogens Braun (64,80 m).
In der abschließenden Mixed-Staffel über 4x100 Meter wurde die ganze Faszination der jungen Disziplin ersichtlich. Denn die vier Staffeln trennten im Ziel nur drei Zehntelsekunden. Das Rennen gewannen die Briten mit 42,21 Sekunden vor dem belgischen Quartett (42,32 sec) und der ersten deutschen Staffel mit Jaimito Kreher (LAC Erdgas Chemnitz), Anne Böcker, Philip Stroh (ASC Darmstadt) und Paula Springstein (Laufteam Rostock), die nach 42,40 Sekunden im Ziel war. Bei der männlichen U20 setzte sich das belgische Quartett mit neuem Landesrekord von 39,80 Sekunden durch, bei der weiblichen U20 die Schottinnen mit 44,36 Sekunden.
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