Seit 1981 zählen die FBK Games im niederländischen Hengelo zu den bedeutendsten Meetings der europäischen Leichtathletik. Auch am Sonntag trafen sich hier bei hochsommerlichen Bedingungen Spitzenathleten aus der ganzen Welt. Für einen der Höhepunkte sorgte Lokalmatadorin Femke Bol-Broeders als Siegerin über 800 Meter. Aus deutscher Sicht überzeugten vor allem Diskuswerfer Henrik Janssen sowie Mittelstrecklerin Majtie Kolberg.
Während über 800 Meter der Frauen alle Augen auf Femke Bol-Broeders gerichtet waren, die das top besetzte Feld als Local Hero mit kontrolliertem und leichtfüßigem Schritt anführte, zeigte sich auch Majtie Kolberg erneut in guter Form und lieferte bei den FBK Games am Sonntag in Hengelo (Niederlande) das nächste Rennen unter 1:59 Minuten sowie unterhalb der EM-Norm (1:59,80 min) ab. Eine Woche nach ihren 1:58,67 Minuten in Pfungstadt wurden für die 26-Jährige in Hengelo 1:58,78 Minuten gestoppt. Beim Sieg von Femke Bol-Broeders (1:57,41 min), Inhaberin des Europarekords über 400 Meter Hürden, in ihrem dritten 800-Meter-Rennen, reichte die Zeit von Kolberg für Rang vier. Insgesamt blieben sechs Athletinnen unterhalb der Zwei-Minuten-Marke.
Auch bei den Männern war das Tempo an der Spitze hoch. Mit Bestzeit als Erster über die Ziellinie kam Niels Laros (Niederlande). Der Landesrekordhalter über 1.500 Meter und die Meile verbesserte sich vor heimischer Kulisse auf starke 1:43,83 Minuten, was zugleich Rang sieben in der aktuellen europäischen Jahresbestenliste bedeutet. Platz zwei ging ebenfalls in die Niederlande – Samuel Chapple (1:44,63 min) setzte sich in einer Tausendstel-Entscheidung denkbar knapp gegen Marino Bloudek (Kroatien; 1:44,63 min) durch.
Janssen mit Sieg und im DLV-Duell vor Richter
Bereits am Samstag gemeinsam beim Schönebecker SoleCup am Start, den U23-Europameister Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) mit starken 67,49 Metern gewinnen konnte, war es in Hengelo wieder der Deutsche Meister Henrik Janssen (SC Magdeburg), der sich im nationalen Dauer-Duell durchsetzen konnte. Und nicht nur das – nach 66,12 Meter am Samstag legte der 28-Jährige gut zwei Meter drauf und holte sich mit 68,21 Meter auch den Sieg in der Gesamtkonkurrenz.
„Ich hatte einen wirklich guten Wurf, der mich an die Spitze gebracht hat. Beim Blick auf die Konkurrenz wusste ich, dass ich in der Vergangenheit schon besser war als sie. Sie sind zwar alle sehr stark, aber mit einem guten Wurf ist alles möglich. Wir hatten heute viel Sonne, was es ziemlich schwierig gemacht hat, bei diesen Bedingungen im Ring zu stehen. Mein nächster Wettkampf sind die Deutschen Meisterschaften und danach kommen schon Europameisterschaften in Birmingham. Dort hoffe ich, dass ich unter die besten Vier komme – oder vielleicht sogar eine Medaille gewinnen kann“, sagte der Magdeburger..
Steven Richter ließ die zwei Kilogramm schwere Scheibe im Fanny-Blankers-Koen-Stadion auf 64,16 Meter fliegen und wurde Siebter. In Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften Ende Juli geht es für ihn noch einmal ins Trainingslager nach Latsch. Bestreiten wird es dieses gemeinsam mit Vereinskameradin Katharina Maisch, die nach 18,57 Meter am Samstag in Schönebeck nur den ersten Versuch gültig machte und mit 18,43 Metern Fünfte vor Julia Ritter (TV Wattenscheid 01; 17,22 m) wurde. Der Sieg ging mit 20,03 Meter an 21-Meter-Stoßerin Jessica Schilder vor ihrer Landsfrau Jorinde van Klinken (beide Niederlande), die mit 19,34 Meter Saisonbestleistung stieß.
Florian Bremm läuft auf Rang sechs
Bei gut 30 Grad in der prallen Nachmittagssonne ließ es das Feld über 5.000 Meter zunächst gemächlich angehen und suchte erst nach dem ersten Kilometer den Anschluss an die beiden vorweg laufenden Pacemaker. Aus dem Pulk, in dessen Mitte sich auch Florian Bremm (Franciona Athletics) auf der Innenbahn noch zurückhaltend zeigte, entwickelte sich zunächst eine lang aufgereihte Kette, bevor sich an der Spitze eine Dreiergruppe absetzen konnte, die schließlich auf der Zielgeraden um den Sieg spurtete.
Mit einer Platzierung auf dem Podium hatte Florian Bremm diesmal nichts zu tun. Während er sich Anfang Juni in Turku zuletzt auf starke 12:56,80 Minuten steigern konnte, kam er am Sonntag nach 13:25,67 Minuten als Sechster hinter Lokalmatador Mike Foppen (13:19,47 min) ins Ziel. Die schnellste Zeit wurde für Keneth Kiprop (Uganda; 13:13,43 min) gestoppt. Über die kürzeren 1.500 Meter setzte sich Samuel Prakel (USA; 3:33,23 Minuten) vor den beiden Franzosen Paul Anselmini (3:33,26 min) und Titouan le Grix (3:33,51 min) durch.
Beinahe unbeeindruckt von den hochsommerlichen Bedingungen zeigten sich die Sprinterinnen über 400 Meter. Während Bassant Hemida aus Ägypten in 50,10 Sekunden über die Stadionrunde nationalen Rekord lief, sprang auch für die zweitplatzierte Irin Sharlene Mawdsley (50,14 sec) eine neue Bestleistung heraus. Platz drei ging zur Freude des Publikums an die Niederländerin Lieke Klaver, die in 50,60 Sekunden Saisonbestleistung lief.
Nadine Visser gewinnt Rennen vor Heimpublikum
Bei den Männern machten die Niederländer Jonas Phijffers (44,84 sec) und Eugene Omalla (45,03 sec) das Rennen im wahrsten Sinne des Wortes zum Heimspiel und liefen auf Rang eins und drei. Die schnellste Zeit über 100 Meter ging bei den Frauen auf das Konto von Brianna Lyston (Jamaika; 10,99 sec), bei den Männern ging der Sieg nach einem Foto-Finish an Akani Simbine (Südafrika; 10,08 sec) vor Landsmann Bradley Nkoana (10,08 sec) und Ronnie Baker (USA; 10,11 sec).
Vor heimischem Publikum glänzen konnte einmal mehr Hürdensprinterin Nadine Visser. Die Niederländerin setzte sich über 100 Meter Hürden in 12,52 Sekunden vor den beiden US-Amerikanerinnen Alia Armstrong (12,60 sec) und Rayniah Jones (12,62 sec) durch und meldete erneut ihre Medaillenambitionen für die Europameisterschaften in Birmingham an. Gleiches gilt für den Belgier Michael Obasuyi. Der aktuell Führende der europäischen Jahresbestenliste (13,22 sec) über 110 Meter Hürden kam in Hengelo am besten durch den Hürdenwald und gewann das Rennen in 13,30 Sekunden vor Shunsuke Izumiya (Japan; 13,32 sec) und Romain Lecoeur (Frankreich; 13,54 sec).
Einen recht kurzen Auftritt in Hengelo hatte Hochsprung-Olympiasiegerin Yaroslava Mahuchikh. Nachdem sie 1,91 Meter und 1,94 Meter jeweils im zweiten Versuch überfloptte und als Siegerin feststand, waren die zwei Meter dieses Mal auch für die Weltrekordhalterin (2,10 m) zu hoch und die Latte fiel dreimal. Im Weitsprung gewann Marthe Koala (Burkina Faso; 6,77 m) vor Larissa Iapichino (Italien; 6,73 m) und Hilary Kpatcha (6,63 m). Am höchsten hinaus ging es am Sonntag im Stabhochsprung für Christopher Nilsen (USA; 5,82 m) vor Ben Broeders (5,72 m) und Menno Vloon (5,64 m).
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