| DM U16/U20

Freitag | U16: Hindernis-Talente brechen DLV-Bestleistungen

Lilly Förster überquert ein Hindernis © Dirk Gantenberg
Zwei deutsche U16-Bestleistungen haben den ersten Tag der Deutschen U16-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid gekrönt. Für diese Highlights sorgten am Freitag Lilly Förster und Johannes Bach, jeweils über 1.500 Meter Hindernis.
Sandra Arm
WEIBLICHE U16

Es war ein Rennen allein gegen die Uhr: Lilly Förster (Post-Sportverein Trier) übernahm ab dem ersten Meter die Führung im Rennen über 1.500 Meter Hindernis. Peu á peu baute sie diese Runde und Runde weiter aus. Ganz souverän von vorn löste sie ihre Aufgabe – und durfte den Meistertitel bejubeln. Wenngleich sie auch zu kämpfen hatte. „Auf der Gegengerade war Gegenwind, das hat das Rennen etwas erschwert, weil ich keinen vor mir hatte, wo ich den Windschatten ausnutzen konnte. Mein Trainer hat gesagt, es wird so sein, dass du vorlaufen musst. Darauf habe ich mich eingestellt – und das hat geklappt. Obwohl es sehr hart war“, resümierte die Siegerin.

Zum Titelgewinn gesellte sich noch die Verbesserung der Deutschen U16-Bestleistung auf 4:41,74 Minuten. Die alte U16-Bestleistung von 4:45,23 Minuten hatte Mila Klein (Berliner SV 1892) erst im Vorjahr bei den Deutschen U16-Meisterschaften in Ulm aufgestellt. „Nach den Süddeutschen Meisterschaften hatte ich eine sehr gute Zeit. Ich dachte, zum deutschen Rekord sind es sieben Sekunden und das könnte möglich sein mit mehr Hindernis-Training und einfach hart arbeiten. Ich bin umso glücklicher, dass es jetzt geklappt hat“, freute sich Lilly Förster. In einem packenden Kampf um Silber setzte sich Magdalena Irlinger (SG Schönau) in neuer Bestzeit von 4:54,27 Minuten durch. Mit neuer Bestzeit von 4:54,33 Minuten ging Bronze an Jarla Schlütter (LAZ Rhede).

Lenya Mette besiegt die Aufregung

Von Runde zu Runde kämpfte sich Lenya Mette (SV Halle) mit dem Diskus nach vorn. Nach dem Vorkampf hatte die Jahresbeste mit 38,11 Metern noch auf Rang sechs gelegen. „Der erste Versuch mit 38 Metern war für mich der wichtigste, damit ich erstmal einen Versuch sicher habe. Ich habe mir kleine Ziele für den Wettkampf gesteckt. Da war ich echt zufrieden, dass ich im Endkampf stand. Dann habe ich nur noch gesagt, Spaß haben und weit werfen.“ Anschließend fand sie immer besser in den Wettkampf und steigerte sich zunächst auf 40,29 Meter. „Der Versuch hat mir schon Sicherheit gegeben, weil ich wusste, mit der Weite kann man schon vorn mitmischen.“ Doch damit nicht genug, folgte im fünften Versuch eine weitere Steigerung auf 42,51 Meter.

„Ich bin sehr erleichtert, weil meine ersten Versuche nicht so gut waren. Ich habe zwischendurch nochmal den Diskus gewechselt, ich hatte zwei dabei. Dann habe ich den einen genommen, mit dem ich zuletzt schon relativ gut geworfen habe, und das hat dann einigermaßen gut funktioniert. Die Technik war zwar nicht ganz so, wie ich sie mir erhofft habe“, resümierte die Siegerin, die mit ordentlich Aufregung zu kämpfen hatte: „Ich war sehr aufgeregt, meine Hand hat gezittert und dazu die Einflüsse rundherum, das war schon extrem toll.“ Im sechsten Versuch schob sich Nele Kleinschmidt (SG Gaselan Fürstenwalde) mit 41,64 Metern auf den zweiten Platz nach vorn. Dritte wurde Jule Wechsler (LG Landkreis Roth; 41,30 Meter).

Alissa Reiter scheitert erst an neuer Bestleistung

Bei 3,20 Meter war Alissa Reiter (Stabhochsprungverein Horn-Bad Meinberg-Lippe) in die Stabhochsprung-Konkurrenz eingestiegen – und das ohne Fehlversuch. Die nachfolgenden Höhen von 3,30 bis 3,50 Meter meisterte sie dann erst im zweiten Versuch. Dennoch sollten die 3,50 Meter für sie zum Titelgewinn reichen. „Meine Bestleistung liegt natürlich ein wenig höher, aber ansonsten bin ich schon sehr zufrieden. Es war schon sehr aufregend, aber ich habe einfach versucht cool zu bleiben und versucht, mich darauf einzulassen“, resümierte die neue Deutsche U16-Meisterin.

Anschließend ließ sie 3,61 Meter, die eine neue Bestleistung für sie bedeutet hätte, auflegen. Nach allen drei Versuchen fiel die Latte. „Auf jeden Fall habe ich die Höhe probiert. Ich weiß gar nicht, was mir noch für die neue Höhe gefehlt hat. Man war natürlich am Ende schon ein wenig erschöpft. Ich habe nochmal alles gegeben. Im letzten Versuch hätte ich vielleicht noch ein bisschen mehr durchziehen müssen, aber das wird sich schon irgendwann ergeben“, sagte Alissa Reiter. Ihre Bestleistung stellte derweil Felicia Richter (Leichlinger Turnverein) mit 3,40 Metern ein. Sie gewann Silber vor der höhengleichen Lale Luise Mesch (LG Lippe-Süd), die sich einen Fehlversuch mehr leistete und mit 3,40 Metern Bronze gewann.

In den hohen Norden nach Hamburg ging der Staffeltitel über 4x100 Meter: Erfolgreich war die Sprintstaffel des Hamburger SV in der Besetzung Jule Kuznik, Janne Marie Keller, Liselotte Schnöckel und Svantje Buhse, die ihre Jahresbestzeit auf 47,83 Sekunden drückten. Zwischen Gold und Silber lag am Ende eine Zehntelsekunde. Zu Silber stürmte das Quartett des SC Potsdam mit Laura Chlebosch, Noura Ziri, Mia Meerstein und Elma Neumann in 47,93 Sekunden. Über Bronze durfte sich die Staffel der LG Olympia Dortmund 1 mit Zoe Timusk, Samuela Appiah, Emmanuela Appiah und Hailey Sophie Fofara in 48,20 Sekunden freuen.

Trio macht die Medaillen unter sich aus

Aus fünf Geherinnen über 3.000 Meter wurde irgendwann ein Trio mit Anni Schenk (TSV Dresden), Kalinda Marie Achazi (DJK Novesia Neuss) und Nila Czogalla (Erfurter LAC), die die Medaillen unter sich ausmachen sollten. Etwa 200 Meter vor dem Ziel konnte sich Kalinda Marie Achazi etwas absetzen und den Titel in neuer Bestzeit von 16:06,27 Minuten holen. Als Zweite erreichte die Jahresbeste Anni Schenk in 16:08,27 Minuten das Ziel.

„Die Bedingungen waren schwierig. Einerseits weil es so spät war und eher ungewohnt, anderseits wusste ich, es wird ein taktisches Rennen. Im Endeffekt muss ich eher anziehen, weil ich wusste, dass Kalinda einfach stärker ist auf den letzten Metern. Dafür war es okay und die Zeit war auch nicht schlecht. Die Bedingungen waren einfach nicht da für eine PB“, resümierte die Zweitplatzierte, die erst vor knapp zwei Jahren mit dem Gehen begonnen hat. Bronze erreichte Nila Czogalla in 16:14,52 Minuten.

 

Männliche U16

Als die letzte Runde über 1.500 Meter Hindernis eingeläutet wurde, führte Franz Hahn (Erfurter LAC) das Teilnehmerfeld an. Gefolgt von Johannes Bach (TV Ludweiler), der sich auf den letzten Metern einen packenden Zweikampf mit Franz Hahn um den Titel liefern sollte. Das bessere Finish hatte Johannes Bach, der sich mehrfach belohnte. Zu dem Titelgewinn gesellte sich eine Spitzenzeit. Nämlich 4:25,90 Minuten. Damit lief er zu einer neuen deutschen U16-Bestleistung. „Ich wusste das gar nicht. Echt? Geil“, war seine erste Reaktion.

Nach seinem Meisterstück rang er sichtlich um Worte. „Ich muss erstmal runterkommen.“ Zuvor hatte er auf den letzten Metern noch alles gegeben. „Der größte Teil war noch Willenskraft. Ich wollte das hier unbedingt gewinnen“, sagte er über seinen starken Schlussspurt. Ebenfalls mit neuer Bestleistung erreichte Franz Hahn in 4:26,81 Minuten als Zweiter das Ziel. Auch er verfehlte die vorherige nationale U16-Bestmarke von Noah Möller (TSV Staffelstein; 4:26,20 min) aus dem Jahr 2023 nur um wenige Zehntel. Dritter wurde Julius Wiedemann (SC DHfK Leipzig) mit neuer Bestzeit von 4:32,74 Minuten. Generell sollten nach den beide Zeitläufen die Bestleistungen nur so purzeln.

Douglas Pentecost: Von Wattenscheid zurück nach Australien

Das hat es wohl auch noch nicht gegeben, dass ein Austauschschüler aus Australien bei den Deutschen U16-Meisterschaften groß auftrumpft. Genau das ist Douglas Pentecost (TSG Bergedorf) gelungen. Der junge Diskuswerfer hatte bereits im Vorfeld mit 57,97 Metern eine Jahresbestweite erzielt. Drei gültige Versuche brachte er ins Protokoll ein. Der weiteste gelang ihm in der sechsten und letzten Runde mit einer neuen Bestweite von 61,02 Metern. „Ich wusste vor dem sechsten Versuch, dass ich gewonnen habe. Ich war dann mehr entspannt. Nur Technik fokussieren, dann schaffen wir das“, verriet er sein Rezept für den neuen Hausrekord, womit er sich auch den Titel holte. „Der Titel fühlt sich schon sehr komisch an. Großen Dank an meine Familie. Ich bin sehr glücklich“, sagte er nach seinem Wettkampf.

Bereits am Samstag hebt sein Flieger zurück nach Australien ab. Drei Monate war er zum Austausch in Deutschland „Meine Mutter kommt aus Hamburg, ich komme aus Sydney. Sie sagte, ich solle einen Austausch machen, für mein Deutsch und um die Familie zu sehen. Meine Mutter hat einen Coach gefunden. Sie meinte: Dann könntest du vielleicht ein paar Wettkämpfe machen. Und es ging jetzt so weit, dass ich hier bei den Deutschen Meisterschaften starten konnte“, erklärte Douglas Pentecost, der in seiner Heimat seit anderthalb Jahren den Diskus wirft. Auf dem zweiten Platz trumpfte Willy Wienarick (VfL Brandenburg) mit einer neuen Bestmarke von 56,40 Metern auf. Dritter wurde Nico Levenhagen (1. Leichtathletik-Club Dessau) mit 52,81 Metern.

Lorenz Knorr macht's im ersten

Im Weitsprung setzte Lorenz Knorr (Erfurter LAC) die Konkurrenz gleich im ersten Versuch mit 6,64 Metern gehörig unter Druck. Für ihn war es zugleich eine neue Bestmarke, an der die anderen Teilnehmer verzweifeln sollten. „Keine Ahnung, wo ich den Sprung hergeholt habe. Manchmal hat man einfach so einen Sprung. Meiner Trainer hat gesagt, der Sprung war sehr gut. Für mich hat er sich im ersten Moment nicht so weit angefühlt. Ich war ein wenig geschockt“, berichtete der Erfurter, der mit einer schönen Serie glänzte. „In den anderen Versuchen war dann der Druck ein bisschen weg, man ist nicht mehr so angespannt und fühlt sich freier.“

Im sechsten und letzten ging es nochmal auf 6,44 Meter. Der erste Versuch war am Ende Gold wert. „Der Titel bedeutet mir sehr viel. Ich bin gar nicht mit dem ersten Platz in die Konkurrenz gegangen. Ich wollte das Podest erreichen. Mit dem Titel ist es jetzt umso schöner“, freute er sich über den ersten Platz. Auf Rang zwei sprang Cedric Zibelius (Hamburger SV) mit 6,40 Metern, Dritter wurde Rafael Hesse (LAZ Soest; 6,34 m).

Das schnellste Quartett kommt aus Leverkusen: David Rusakov, Marik Julian Scholz, Leonidas Tefke und Fitus Kürten entschieden im vierten von vier Zeitläufen über 4x100 Meter das Rennen in neuer Jahresbestzeit von 43,94 Sekunden für sich. Nur eine Zehntelsekunde trennten die weiteren Medaillenplätze. Zu Silber sprintete das Quartett des SC Potsdam mit Julius Schneider, Moritz Volkmer, Paul Felgner und Anton Barucha in 44,67 Sekunden. Bronze sicherste sich die StG Berlin Nord-Ost 2 mit Noah Plaue, Maximilian Sieckmann, Fritz Brummer und Richard Hoffmann in 44,77 Sekunden.

U16-/U20-DM Bochum-Wattenscheid 

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