Am dritten Tag der Deutschen U16- und U20-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid hat Arne Otto am Sonntag über 80 Meter Hürden die deutsche U16-Bestleistung seines Trainingspartners aus dem Vorjahr eingestellt. Im Weitsprung setzte sich mit Hannah Knüfer eine Athletin durch, mit der im Vorfeld wohl niemand gerechnet hatte.
| WEIBLICHE U16 |
Vom Underdog zum Meistertitel: Das gelang Hannah Knüfer (TV Friesen Telgte) im Weitsprung. Um ihren Namen in der Meldeliste zu finden, musste man erstaunlich weit nach unten blicken. Angesichts ihrer Vorleistung von 5,45 Metern gehörte sie nicht unbedingt zu den Favoritinnen. Doch auf einmal war sie mittendrin im Kampf um die Medaillen und sogar um den Meistertitel. Bereits im ersten Versuch steigerte sie ihre Jahresbestleistung auf 5,53 Meter. Und damit nicht genug: Im dritten Durchgang gelang ihr ein Satz auf 5,76 Meter, mit dem sie sogar die Führung übernahm.
Die ging zwischenzeitlich zwar wieder verloren, doch Hannah Knüfer hatte ihren besten Sprung noch immer nicht gezeigt. Mit neuer Bestleistung von 5,89 Metern im sechsten Durchgang durfte sie in einer packenden Entscheidung um den Meistertitel jubeln. „Ich hatte das nicht erwartet, weil ich mit als Letzte gemeldet war. Ich hatte gar keine Erwartungen an diesen Wettkampf. Ich wollte einfach Spaß haben“, berichtete die Siegerin. Die als Jahresbeste angereiste Luka Anuschka Nemitz (LAC Berlin) lag mit 5,86 Metern nur drei Zentimeter hinter der Siegerin. Sophie Neumann (SC DHfK Leipzig) stellte ihre Bestleistung mit 5,80 Metern ein und gewann Bronze.
Klare Entscheidung im Hürdensprint, enge Entscheidung über 300 Meter Hürden
Am Schnellsten durch den Hürdenwald ging es für Maxima Gioia Minchella (LC Jena). Im Finale toppte sie nochmals ihre erst im Halbfinale aufgestellte Bestzeit von 11,53 Sekunden, sprintete 11,38 Sekunden und durfte im Ziel über den deutschen Meistertitel jubeln. „Ich bin richtig erstaunt und stolz. Ich freue mich riesig“, sagte eine sichtlich sprachlose Siegerin. Vom Start bis ins Ziel gelang ihr ein sauberer Lauf auf der blauen Bahn. „Am Start habe ich erstmal versucht, ganz ruhig zu bleiben, bis das Startsignal kam. Dann schnell aus dem Startblock, nicht so nah ran an die Hürden und zwischendurch schnell treten“, beschrieb sie ihren Weg zum Titel. Auf den weiteren Medaillen-Plätzen folgten Klara Schlemer (TSV Bad Endorf; 11,58 sec) und Olivia Wolf (LG Kindelsberg Kreuztal; 11,67 sec).
Über 300 Meter Hürden gab es einen engen Zieleinlauf. Nach einigen Sekunden des Wartens wurde Antonia Möller (Ludwigsfelder Leichtathleten) als Siegerin angezeigt. Sie durfte jubeln – in neuer persönlicher Bestzeit von 43,74 Sekunden gewann sie Gold. „Auf den letzten Metern habe ich gemerkt, dass ich irgendwie noch Kraft habe – und bin dann einfach nur gerannt“, resümierte sie nach dem Rennen. „Ich hätte nicht geglaubt, dass ich als Erste ankomme.“ Persönliche Bestzeiten gingen auch für Alicja Bedyk (LG Stadtwerke München; 43,80 sec) als Zweitplatzierte und Amelie Tschirch (Dresdner SC 1898; 43,94 sec) als Drittplatzierte in die Ergebnisliste ein.
Zu Beginn des Finals über 800 Meter war das Tempo nicht allzu hoch. Ganz vorn dabei: Magdalena Kroiß (TG Kitzingen), die gut 250 Meter vor dem Ziel das Rennen etwas flotter gestaltete. Die letzten 100 Meter wurden zu einer Spurtentscheidung. Wer hat noch Körner und das nötige Stehvermögen? Es war Magdalena Kroiß, die sich für ihre Führungsarbeit mit dem Titel in 2:23,95 Minuten belohnte, gefolgt von Annemieke Ewens (SuS Oberaden; 2:24,32 min) und Johanna Hoffeins (LG Brillux Münster; 2:24,45 min).
Miriam Ertl steigert sich von Versuch zu Versuch
Um in den Medaillenkampf im Speerwurf einzugreifen, waren Weiten über 40 Meter gefragt. Gleich fünf Werferinnen knackten diese Marke. Und eine kam sogar der 50-Meter-Marke sehr nahe. Das war Miriam Ertl (LG Sempt). Sie glänzte mit zwei Spitzenweiten. Nach dem fünften Versuch auf 48,09 Meter war die Freude bereits riesengroß. Getoppt nur noch vom sechsten Durchgang, als sie ihren Speer auf 49,10 Meter segeln ließ. Mit persönlicher Bestmarke und deutscher Jahresbestleistung gewann sie die Goldmedaille.
„Die Weiten kamen völlig überraschend, sie haben sich nicht mal im Training angekündigt. Ich war davor bei 46 Metern“, sagte eine sichtlich emotionale Siegerin. Ihr Wettkampf begann keinesfalls optimal. „Der erste Versuch war knapp ungültig und natürlich wurde ich ein bisschen nervös.“ Nach nur 34 Metern im zweiten Wurf folgten im dritten Durchgang 41 Meter, die für den Endkampf reichten.
Zwischen den Versuchen sprach sich die spätere Siegerin immer wieder Mut zu: „Bei mir bleiben, locker bleiben, ich pack das schon. Ich möchte einfach zeigen, was ich kann.“ Und das tat Miriam Ertl dann auch mit dem goldenen Ende. Mit 42,41 Metern holte Malina Joana Richter (LC Eilenburger Land) Silber, Bronze sicherte sich Julia Bungic (TV Rendel; 42,21 m).
| Männliche U16 |
Erst blinkte auf der Anzeige hinter dem Namen von Arne Otto (Erfurter LAC) eine Zeit von 10,26 Sekunden auf. Nur wenige Sekunden später wurde die Zeit auf 10,25 Sekunden nach unten korrigiert. Das war zugleich die Siegerzeit über 80 Meter Hürden. Aber noch weit mehr als das. Nämlich die Einstellung der deutschen U16-Bestleistung. Im Vorjahr war diese Zeit bereits sein Trainingspartner Ole Jannis Gratz (Erfurter LAC) bei den Deutschen U16-Meisterschaften in Ulm gelaufen. Nun war Arne Otto genauso schnell.
„Wenn ich ehrlich sein soll: Letztes Jahr, als Ole Gratz die Zeit gelaufen ist, dachte ich mir die Wochen danach, vielleicht kann ich das auch“, erzählte der Sieger, der im Vorfeld der Meisterschaften dann aber doch nicht mit einer solchen Leistung gerechnet hatte. „Ein großer Traum hat sich erfüllt“, so Arne Otto, der im gleichen Atemzug ein paar Worte an seinen Konkurrenten Fabian Stadie (SG Egelsbach 1874 e.V.) richtete. Dieser war im Finale gestürzt. „Schade natürlich für ihn. Ich denke, für ihn wäre im Finale auch viel gegangen.“ Mit persönlichen Bestzeiten gingen Silber und Bronze an Marik Julian Scholz (TSV Bayer 04 Leverkusen; 10,60 sec) und Matthias Deml (TV Geisenfeld; 10,64 sec).
Wurf über 60 Meter führt zum Sieg
Louis Charles Görtz (Gothaer LAC) zeigte im Speerwurf, dass sein erster Wurf über 60 Meter bei den Thüringer Landesmeisterschaften in Arnstadt keine einmalige Sache war. Zu seinem ersten 60er kam nun in Wattenscheid der zweite hinzu. Im dritten Versuch jagte er sein Arbeitsgerät auf eine neue Bestleistung von 60,63 Metern. „Das war ein purer Adrenalinschub. Alle haben für mich angeklatscht. Dann wirfst du 60,63 Meter – einfach ein geiles Gefühl“, erzählte der als Jahresbester angereiste Athlet. „Ich habe es sofort gespürt, dass es sehr weit geht.“
Im Versuch davor hatte er sich mit 58,05 Metern der Marke schon langsam angenähert. „Die 60 Meter waren auch für heute das Ziel. Es hätte vielleicht noch ein Stück weiter gehen können. Aber wir wollen uns nicht beschweren – Titel ist Titel.“ Der Sieger war der einzige Werfer, dem ein 60-Meter-Wurf gelang. Auf Rang zwei kam Simon Thelen (Kieler TB; 57,26 m), den dritten Platz sicherte sich Jonas Kleine (LC Taucha) mit neuer Bestleistung von 56,78 Metern.
Bastian Arnold läuft nach Zwangspause zum Titel
Nachdem es im Vorlauf nicht optimal gelaufen war, gelang Bastian Arnold (Dresdner SC 1898) im Finale über 300 Meter Hürden ein Rennen, in dem alles passte wie erhofft. Er setzte sich in neuer Bestleistung von 40,34 Sekunden durch. „Es ist eine super Zeit. Der Lauf hat sich gut angefühlt“, resümierte der Sieger, der sich nach einer Verletzungspause zurückgekämpft hat. „Ich habe lange dafür gearbeitet. Ich bin durch schwere Zeiten gegangen und jetzt einfach nur froh, hier zu stehen, und das mit dem Titel.“
Ausgebremst hatte ihn im vergangenen Jahr ein Muskelfaserriss, den er sich im Weitsprungtraining zugezogen hatte. Der Sieg war an diesem DM-Wochenende schon seine zweite Medaille. Einen Tag zuvor hatte Bastian Arnold bereits Silber über 100 Meter gewonnen. Weiteres Edelmetall über die 300 Meter Hürden ging ebenfalls mit Bestzeiten an Maximilian Dost (ASV Köln; 40,62 sec) und Nelson Abdramane Henschen (LG Flensburg; 41,60 sec).
Johannes Zschau kontert Angriff auf der Zielgeraden
Nach der ersten Runde des Finals über 800 Meter lag das Feld noch dicht beisammen, es wurde angeführt von Johannes Zschau (SC DHfK Leipzig), der nach der ersten Runde das Tempo verschärfte und eingangs der Zielgeraden schon einen kleinen Vorsprung hatte. Es sah nach einem sicheren Sieg aus.
Doch dann kam noch Christian Konrad Falk Kessler (LC Mengerskirchen) herangestürmt. Johannes Zschau spürte den herannahenden Konkurrenten und mobilisierte noch einmal alle Kräfte, um den Angriff abzuwehren. Das gelang ihm mit einem starken Schlussspurt. Der Athlet vom SC DHfK Leipzig setzte sich in 2:01,02 Minuten durch. Christian Konrad Falk Kessler folgte in persönlicher Bestzeit von 2:01,08 Minuten. Zu Bronze lief Joris Woite (OSC Potsdam) in 2:01,26 Minuten.