Zwei internationale Rekorde und eine Deutsche Bestleistung: W60-Sprinterin Iris Opitz hat mit einem Weltrekord über 200 Meter für einen grandiosen Schlusspunkt der Deutschen Masters-Meisterschaften in Mönchengladbach gesorgt. Die 60-Jährige steigerte am Sonntag ihre eigene Deutsche W60-Bestzeit sowie den Weltrekord auf 27,30 Sekunden. Barbara Gähling fügte ihrem W60-Weltrekord über 300 Meter Hürden vom Freitag einen Europarekord über 400 Meter hinzu. Die Deutsche W75-Bestleistung im Hürdensprint verbesserte Grania Leaping Rabbit. Einen ganz speziellen Wettkampf erlebte Kugelstoßer Andy Dittmar.
Erst bei den Mitteldeutschen Meisterschaften in Haldensleben vor wenigen Wochen hatte Iris Opitz (LAV Elstertal Bad Köstritz) für einen überraschenden Moment gesorgt, als die W60-Sprinterin über 200 Meter in 27,68 Sekunden unter der Weltrekordmarke und ihrer eigenen Deutschen W60-Bestleistung blieb. Zum Abschluss der Deutschen Masters-Meisterschaften am Sonntag in Mönchengladbach dominierte sie das Rennen über 200 Meter in 27,30 Sekunden und war damit deutlich schneller als zuletzt in Haldensleben.
„Ich war so ein bisschen im Flow, wo du am Ende eigentlich gar nicht mehr weißt, was du gemacht hast. Du kommst ins Ziel, schaust auf die Anzeige und bist einfach nur überrascht. Ich konnte es in dem Moment selbst nicht fassen und freue mich total darüber“, sagte Iris Opitz, die nach ihren zwei grandiosen Auftritten über 100 und 200 Meter noch über 400 Meter startete. Die Stadionrunde bleibt für sie „ausbaufähig“. Dennoch gab es in neuer Jahresbestzeit von 68,02 Sekunden Silber.
Weltrekord, Europarekord und sechs Titel: Barbara Gähling überragend
Schneller unterwegs war nur Barbara Gähling (LT DSHS Köln), die ihrem W60-Weltrekord über 300 Meter Hürden vom Freitag einen Europarekord über 400 Meter hinzufügte. Ihr Zielzeit betrug 62,69 Sekunden. Der Europarekord lag bei 64,31 Sekunden. Sogar der Weltrekord von 61,73 Sekunden scheint für sie in Reichweite zu sein. Für sie endeten die nationalen Titelkämpfe mit einem dicken Ausrufezeichen. Zuvor war sie noch in drei weiteren Disziplinen erfolgreich unterwegs. Im Hürdensprint setzte sie sich in neuer Saisonbestzeit von 13,40 Sekunden durch. Mit neuer persönlicher Bestmarke von 4,46 Metern verließ sie die Weitsprunggrube als Siegerin. Weiterhin griff sie zum Speer, der im vierten Versuch auf die Tagesbestweite von 31,87 Metern und zum Sieg segelte. Sie wurde an den drei Tagen mit sechs Titeln, davon ein Weltrekord und ein Europarekord, zur erfolgreichsten DM-Athletin.
Aller guten Dinge sind bekanntlich drei: Eine weitere nationale Bestmarke gelang Grania Leaping Rabbit (Alsfelder Sport-Club). Die W75-Athletin lief die 80 Meter Hürden in 17,95 Sekunden und verbesserte damit die bisherige Deutsche Bestleistung von 18,66 Sekunden deutlich. Auch international besitzt die Leistung hohes Gewicht, denn der Weltrekord liegt bei 17,24 Sekunden. Darüber hinaus gewann sie den Speerwurf ihrer Altersklasse mit 20,75 Metern.
Zentimeter-Krimi im Weitsprung
Auch abseits der Rekorde bot der dritte Wettkampftag zahlreiche bemerkenswerte Leistungen. Im Weitsprung der M40 sprang Thomas Giese (TV Abenheim) mit 6,67 Metern die Tagesbestweite und näherte sich der Sieben-Meter-Marke. Für Spannung sorgte der Wettbewerb der M60, in dem Volker Lellek (SG DJK Hattersheim) mit 5,14 Metern den Titel gewann. Erst der letzte Versuch von Reinhard Gruhn (TuS 09 Erkenschwick), der auf 5,13 Meter kam, entschied den engen Wettbewerb. Im Hochsprung der M70 griff Günter Zimmer (TuS Saulheim) nach einer noch größeren Höhe. Nach seinem Sieg mit 1,50 Metern ließ er die Latte auf 1,56 Meter – die aktuelle deutsche Jahresbestleistung – legen und scheiterte nur denkbar knapp.
Für eine besondere Geschichte sorgte Kugelstoß-Weltrekordhalter Andy Dittmar (BIG Basketball in Gotha). Eigentlich wollte der M50-Athlet erstmals in dieser Saison die 18-Meter-Marke angreifen. Doch heftige Unwetter in seiner Heimatstadt Gotha setzten seinen Keller unter Wasser, sodass er bis kurz vor der Abfahrt mit Aufräumarbeiten beschäftigt war. Erst am Morgen entschied er sich, die rund 400 Kilometer nach Mönchengladbach zu fahren, seinen Wettkampf zu bestreiten und anschließend sofort wieder die Heimreise anzutreten. Unter diesen Voraussetzungen waren seine 17,58 Meter dennoch eine beeindruckende Leistung – der Vorsprung auf den Zweitplatzierten betrug mehr als zwei Meter. „Ich war noch nie so platt. Ohne Beine und Kopf woanders“, resümierte der 52-Jährige kurz nach seinem Wettkampf.
Sprint-Triple für Roland Gröger, Gerhard Zorn und Hillen von Maltzahn
Auch andere Athletinnen und Athleten durften neben Barbara Gähling am Abschlusstag mehrfach jubeln. Wie Johannes Wagner (LG Meckenheim) in der M35, der über 200 und 400 Meter in 22,03 und 49,14 Sekunden die Titel holte. In der M40 glänzte Jan Scheidemann (SV 1860 Minden) mit seinen beiden Titelgewinnen über 200 und 400 Meter mit gleich zwei neuen Bestzeiten von 23,26 und 52,39 Sekunden. Fábio Santana Evangelista (LG Aachen) gelang ebenfalls das Titel-Double über 200 und 400 Meter in 23,59 und 53,57 Sekunden. Zu den Schnellsten in der M55 gehörte Bernd Lachmann (TSV 1885 Friedberg-Fauerbach e.V.), er gewann über 200 und 400 Meter in 24,42 und 56,19 Sekunden.
Sprint-Triple für Roland Gröger (TopFit Berlin) in der M60: Er dominierte neben den 100 Metern (12,43 sec) auch die 200 Meter (25,35 sec) und 400 Meter (57,86 sec). In der M65 entschied eine Hundertstel zugunsten von Kai-Steffen Frank (LAC Essingen) über den Sieg über 200 Meter (27,50 sec). Deutlicher fiel sein Vorsprung bei seinem Sieg über 400 Meter in 61,99 Sekunden aus. Tags zuvor hatte er sich bereits den Titel über 800 Meter gesichert. Gerhard Zorn (TSV Vatterstetten) gelang selbiges wie Roland Gröger nur in der M70. Er gewann auf allen drei Sprintstrecken – 100 Meter (12,93 sec), 200 Meter (26,28 sec) und 400 Meter (61,68 sec). Drei Titel gingen auch an Wolfgang Ritte (SC Krefeld) in der M70: Er siegte im Weitsprung (4,49 m), Stabhochsprung (3,20 m) und über 80m Hürden (14,41 sec).
Auch Hillen von Maltzahn dreimal vorn
In der W45 siegte Tanja Kuckelkorn (TV Kalkum-Wittlaer) über 200 Meter in 26,88 Sekunden und steigerte sich Weitsprung mit dem sechsten und letzten Versuch auf 5,14 Meter. Über 200 Meter und 80 Meter Hürden war Michaela Zwiener (LC Paderborn) in der W55 in 28,98 und 14,61 Sekunden die Schnellste. In der W75 gelang Hillen von Maltzahn (TSV Burgdorf) ein Dreifach-Erfolg über 100 Meter (16,79 sec), 200 Meter (35,39 sec) und 400 Meter (89,49 sec).
So schnell wie nie ging es für Anja Warias (Cologne Athletics) und Sinah Hänßler-Hug (FT 1844 Freiburg) durch den Hürdenwald in der W40. Als Erste und Zweite blieben sie in 11,95 und 11,98 Sekunden erstmals unter zwölf Sekunden. Mit all ihren fünf gültigen Versuchen über die 40-Meter-Marke hätte Mareike Metz (Post-Sportverein Trier) im Speerwurf der W45 den Sieg geholt. Im vierten und sechsten Versuch landete der Speer bei einer neuen Bestmarke von 42,03 Metern. In der W50 blieb Silke Byner (LC Paderborn) erstmals über 200 Meter unter 27 Sekunden, sie setzte sich in 26,91 Sekunden durch. Eine neue Bestzeit verbuchte auch Tina Schulz (LG Nord Berlin) in 14,29 Sekunden über 80 Meter Hürden. Einen neuen Hausrekord im Hammerwurf verbuchte Luzia Burgbacher (TV Furtwangen) mit 36,33 Metern in der W65. Bemerkenswert die Leistung im Speerwurf von Lotte Leiß (TV Borghorst) in der W90. Sie verbesserte ihre Saisonbestweite auf 10,20 Meter. Für sie sind es die letzten Wettkämpfe in ihrer Altersklasse. Lotte Leiß ist Jahrgang 1932. Im kommenden Jahr gehört sie bereits zur W95.
Matti Schmidt bleibt unter 24 Sekunden
Die 200 Meter in der M50 gewann Matti Schmidt (LG Stadtwerke München) in neuer Bestzeit von 23,78 Sekunden. Richtig eng ging es über die 400 Meter zu, bei denen Tim Ahrens (LAG Mittlere Isar) in neuer Bestzeit von 54,78 Sekunden das bessere Ende für sich verbuchte. Starker Auftakt von Paul Emck (LAC Essingen) mit dem Diskus, den er im ersten Versuch auf 49,41 Meter beförderte und mit neuem Hausrekord den Titel in der M55 holte. Bei seinem Sieg über 80 Meter Hürden in der M75 steigerte Eckhard Rambow (VfL 1860 Marburg) seine persönliche Bestzeit auf 18,13 Sekunden.
Zum Abschluss der Meisterschaften überwog bei den Teilnehmenden ein durchweg positives Fazit. Gelobt wurden die hervorragenden Wettkampfstätten, der reibungslose und zügige Ablauf sowie die engagierte Betreuung durch das Organisationsteam. Auch das sommerliche Wetter trug dazu bei, dass die Deutschen Masters-Meisterschaften 2026 in Mönchengladbach vielen Athletinnen und Athleten in bester Erinnerung bleiben werden.
Die kompletten Resultate finden Sie in unserer Ergebnisrubrik...
Foto: Iris Opitz auf dem Weg zum 200-Meter-Weltrekord.