Das deutsche Team hat von Donnerstag bis Sonntag bei der U18-EM in Rieti starke Leistungen gezeigt. Die DLV-Talente überzeugten nicht nur mit elf Medaillen, sondern auch mit drei Deutschen U18-Bestleistungen. In der Breite konnte sich das Mannschaftsergebnis ebenfalls sehen lassen.
72 DLV-Talente sowie das Trainer- und Betreuerteam kehren am Montag von der U18-EM in Rieti (Italien) nach Hause zurück. Die meisten von ihnen dürften die Heimreise hochzufrieden antreten. Denn das deutsche Team konnte sowohl in der Spitze mit elf Medaillen als auch in der Breite überzeugen. Chef-Bundestrainerin U18 Elke Bartschat betonte bei der abschließenden Teamsitzung: „Neben zahlreichen persönlichen Bestleistungen haben wir 32 Top-Acht-Platzierungen erreicht. Das ist ein herausragendes Ergebnis.“
In der Nationenwertung erreichte das deutsche Team mit 144 Punkten Rang zwei. Einzig Großbritannien war mit 157,5 Punkten dank acht Goldmedaillen noch stärker. Die DLV-Youngster gewannen mit elf Medaillen ebenso viele Medaillen wie vor zwei Jahren in Banskà Bystrica (Slowakei), lediglich 2022 in Jerusalem (Israel) war ein deutsches U18-EM-Team schon einmal erfolgreicher. Viermal standen DLV-Talente auf dem obersten Podest – ein bemerkenswertes Ergebnis vor allem angesichts dessen, dass sie in keiner Disziplin als europäische Jahresbeste angereist waren.
Vier Goldmedaillen überstrahlen alles
Den ersten Titel gewann am dritten Tag der Meisterschaften überraschend Hindernisläuferin Franziska Gräter (TSG Schwäbisch-Hall), die sich mit 15 Jahren in ihrem erst vierten Hindernisrennen gegen die höher eingeschätzte europäische Konkurrenz durchsetzte. Einige Stunden später folgte die zweite: Stabhochspringer Jonathan Hummel (LG Leinfelden-Echterdingen) schwang sich in einem aufgrund der Hitze kräftezehrenden Stabhochsprung-Finale Höhe um Höhe über die Latte und musste mehrmals Nervenstärke beweisen, bevor er die neue Bestleistung von 5,15 Metern meisterte und sich zum Europameister krönte.
Auch Clesio de Carvalho (LG Steinlach-Zollern) bewahrte in einem spannenden Kugelstoß-Finale mit mehreren Führungswechseln die Nerven. Im letzten Durchgang zeigte er mit 20,15 Metern den einzigen 20-Meter-Stoß der Konkurrenz und holte Gold. Vierte deutsche Europameisterin war Hürdensprinterin Delisha Benelisa Domingos (TuS Lichterfelde). Die 16-Jährige ließ sich von der Konkurrenz um Heimfavoritin Alessia Succo nicht beirren und sprintete schon im Halbfinale neue Deutsche U18-Bestleistung (13,04 sec), die sie im Finale noch einmal um vier Hundertstel nach unten schraubte.
Hinzu kamen zwei Silber- und fünf Bronzemedaillen sowie zwei weitere Deutsche U18-Bestleistungen. Siebenkämpferin Svea Funck (TV Jahn Walsrode) lieferte sich über zwei Tage ein hochklassiges Duell mit der Finnin Alisa Launonen. Beide erzielten mehr als 6.000 Punkte, Launonen siegte mit 6.154 Punkten vor der Niedersächsin, die mit 6.065 Punkten gleich 119 Zähler auf die Deutsche U18-Bestleistung draufpackte. Die dritte Deutsche U18-Bestleistung ging auf das Konto von Sprinter Timur Ilik (LAC Quelle Fürth), der im 200-Meter-Halbfinale nach 20,86 Sekunden über die Ziellinie sprintete. Im Finale belegte er in einer knappen Entscheidung Rang vier.
Vierte Plätze mehr wert als Blech
In der Statistik der vierten Plätze liegt das DLV-Team übrigens mit sieben ganz vorn. Einige Entscheidungen waren wie bei Ilik sehr knapp, etwa im Fall von 3.000-Meter-Läuferin Luise Brzoska (Eintracht Frankfurt), die Bronze nur um acht Hundertstel verfehlte, oder Weitspringer Phil Janitz (Düsseldorf Athletics), der im letzten Durchgang bis auf einen Zentimeter an den Bronzerang heransprang.
Die vielleicht glücklichste Viertplatzierte der Titelkämpfe war Langsprinterin Anna Pantchev (LAZ Ludwigsburg), die ihren Hausrekord im 400-Meter-Finale um fast eine halbe Sekunde verbesserte. Eva Marie Weisbrodt (MTG Mannheim) war mit eingestellter Freiluftbestleistung als Vierte und beste Stabhochspringerin des Jahrgangs 2010 mehr als zufrieden.
Auch jenseits der Medaillenränge konnten einige Athletinnen und Athleten über sich hinauswachsen. Etwa die Hindernisläufer Emil Oppelt (LG Sempt) und Paul Euskirchen (Eintracht Hildesheim), die in der Meldeliste auf den hinteren Plätzen zu finden waren, aber in Rieti beide im Vorlauf Bestzeit liefen, dieses Niveau im Finale noch einmal bestätigten und sich mit den Plätzen sieben und neun teuer verkauften. 800-Meter-Läufer Ole Steinbach (Dresdner SC 1898) bereitete dem deutschen Team ebenfalls viel Freude, wenngleich er nach seinem vermeintlichen Goldlauf disqualifiziert wurde.
Starke Leistungen trotz herausfordernder Bedingungen
Dementsprechend sprach Elke Bartschat dem DLV-Team ein großes Lob aus. „Ich bin sehr stolz auf euch und hoffe, möglichst viele von euch in den U20-Nationalmannschaften wiederzusehen“, sagte sie und fügte hinzu: „Unser erfolgreiches Abschneiden ist euer Verdienst und auch der Verdienst eurer Heimtrainerinnen und -trainer sowie unseres Trainerteams vor Ort.“
Einen besonderen Dank richtete die Chef-Bundestrainerin U18 an das medizinische Team mit Dr. Philipp Kleemann, Dr. Johanna Kubosch und fünf Physiotherapeut:innen, die sich bei Temperaturen von bis zu 40 Grad intensiv um das Thema Hitzemanagement kümmerten. „Die Bedingungen waren eine große Herausforderung. Dem medizinischen Team ist es zu verdanken, dass alle gesund durchgekommen sind.“
Auffällig war das hohe Niveau der Meisterschaften. Neben zahlreichen Meisterschaftsrekorden gab es auch zwei europäische U18-Bestleistungen. Eine zur Freude der Gastgeber durch Italiens Sprintstar Kelly Doualla mit 11,14 Sekunden über 100 Meter. Die zweite folgte am Abschlusstag durch die Tschechin Linda Botkova über 400 Meter Hürden (55,19 sec). Sie führte ein sehr starkes tschechisches Team an, das sechs Goldmedaillen gewann.