Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid hat Owen Ansah am Samstag seinen 100-Meter-Titel erfolgreich verteidigt und erneut an der 10,00-Sekunden-Schallmauer gekratzt. Hürdensprinterin Franziska Schuster steigerte ihre Bestzeit deutlich und stellte den Meisterschaftsrekord ein. Im Weitsprung flog Simon Batz in einen neuen Weitenbereich.
Der Deutsche 100-Meter-Rekordler Owen Ansah (Hamburger SV) hat am Samstag bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid für eines der Highlights auf der Sprintgeraden gesorgt. Der Titelverteidiger sprintete im mit 14.000 Zuschauern ausverkauften Lohrheidestadion in 10,00 Sekunden zur drittbesten Zeit seiner Karriere. Seinen Meisterschaftsrekord (9,99 sec) verpasste der 25-Jährige nur um eine Hundertstelsekunde und seinen Deutschen Rekord (9,98 sec) nur um zwei Hundertstelsekunden. „Die Stimmung war unfassbar. Mein Rennen ist auch eine Leistung für die Zuschauer. Wir haben das alle zusammen geschafft“, erklärte der EM-Fünfte.
Auch die Konkurrenz pushte den Sieger und blieb ihm auf den Fersen. Heiko Gussmann (Sprintteam Wetzlar) steigerte seine Bestzeit als Zweiter auf 10,06 Sekunden und blieb erstmals in diesem Sommer unter der Direkt-Norm (10,15 sec) für die EM in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August). Die verfehlte sein Vereinskollege Kevin Kranz als Dritter (10,16 sec) nur um eine Hundertstelsekunde.
Im 100-Meter-Finale der Frauen stürmte wie schon in der Halle eine neue Generation an die Spitze. Allen voran eine Athletin, die in Wattenscheid zu Hause ist. Mit Bestzeit (11,26 sec) sicherte sich Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01) den ersten DM-Titel ihrer Karriere. Nur drei Tausendstelsekunden dahinter gewann U20-Athletin Emma Goretzka (LAC Berlin) zeitgleich Silber. Titelverteidigerin Gina Lückenkemper (SCC Berlin; 11,29 sec) kam als Dritte an. Die Europameisterin von 2022 hatte in den vergangenen Wochen mit den Folgen eines Zeckenbisses zu kämpfen.
Franziska Schuster stellt Meisterschaftsrekord ein
Ein Feuerwerk an guten Leistungen brachte auch das 100-Meter-Hürden-Finale der Frauen. In 12,69 Sekunden stellte Franziska Schuster (TSV Bayer 04 Leverkusen) den Meisterschaftsrekord von Pamela Dutkiewicz aus dem Jahr 2018 ein. „Das ist eine Zeit, von der ich nicht einmal geträumt habe“, erklärte die 24-Jährige. Ihre Bestleistung (12,92 sec) steigerte die Siegerin um mehr als zwei Zehntel und blieb erstmals unter der Direkt-Norm für die EM (12,88 sec). Mehr dazu lesen Sie hier...
Das gelang auch noch drei weiteren Athletinnen des Finals. Die als Jahresschnellste angereiste Rosina Schneider (TV Sulz; 12,81 sec) wurde Zweite. Lia Flotow (1. LAV Rostock) steigerte ihre Bestzeit als Dritte um neun Hundertstel auf 12,83 Sekunden. Ricarda Lobe (MTG Mannheim) verpasste das Podium trotz Saisonbestzeit (12,86 sec) als Vierte. Auch die Deutsche Hallenmeisterin Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen; 12,95 sec) blieb als Fünfte noch unter 13,00 Sekunden.
Bei den Männern unterbot Titelverteidiger Gregory Minoué (Tracksrunners Bonn; 13,51 sec) über 110 Meter Hürden erstmals die EM-Bestätigungsnorm (13,55 sec) und stürmte zu Gold. Manuel Mordi (Hamburger SV; 13,61 sec) verfehlte diese Vorgabe nur um sechs Hundertstelsekunden. Stefan Volzer (TSV Bayer 04 Leverkusen; 13,80 sec) kam als Dritter ins Ziel.
Flugshow von Simon Batz und Kevin Brucha
Die Weitsprung-Anlage wurde beim Wettbewerb der Männer zur Jubel-Zone. Zuerst war es Titelverteidiger Simon Batz (MTG Mannheim), der den nächsten Leistungsschritt in seiner Karriere machte und so weit hinaus flog wie noch nie. Schon in Führung liegend landete der Olympia-Sechste im fünften Durchgang bei 8,29 Metern. Seine Freiluft-Bestleistung steigerte der 23-Jährige um 17 Zentimeter. Weiter sprang bei einer DM zuletzt sein Trainer Sebastian Bayer mit 8,49 Metern im Jahr 2009. „Die Tribüne am Weitsprung war wirklich unfassbar. Wir konnten die Energie wirklich aufsaugen“, so Simon Batz.
Im sechsten Durchgang war es dann Kevin Brucha (TLV Germaia Überruhr), der nach seinem Versuch jubelnd aus der Grube sprang und aus dem Feiern gar nicht mehr herauskam. Mit 8,04 Metern war ihm sein erster Acht-Meter-Sprung der Karriere gelungen, der ihm Silber einbrachte. Auch bei Simon Plitzko (TSG Bergedorf; 8,00 m) stand die Acht vor dem Komma. Bei dieser Weite wurde der Drittplatzierte allerdings von 2,4 m/sec Rückenwind unterstützt, so dass die Leistung nicht in die Bestenlisten eingeht.
Zu den Gästen im Lohrheidestadion gehörte auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der die Stimmung genoss. „Ich war schon einmal hier im Stadion, aber ohne Zuschauer. Heute sorgen die vielen Zuschauer für eine tolle Atmosphäre“, sagte der CDU-Politiker am Stadionmikrofon.
Karl Bebendorf gewinnt trotz Sturz, Frederik Ruppert spurtet unwiderstehlich
Auch von einem zwischenzeitlichen Schreckmoment ließ sich Karl Bebendorf (Dresdner SC 1898) über 3.000 Meter Hindernis nicht aufhalten. Der Titelverteidiger stolperte vier Runden vor Schluss nach einem Hindernis, stürzte, rappelte sich aber wieder auf und stellte den Anschluss an seine Konkurrenz schnell wieder her. 600 Meter vor Schluss setzte sich der EM-Dritte dann an die Spitze und lief am Ende doch souverän in 8:21,01 Minuten zum Sieg, gefolgt von Niklas Buchholz (8:22,29 min) und Brian Weisheit (beide Franconia Athletics; 8:28,16 min).
Die 5.000 Meter wurden erst auf der Zielgeraden entschieden. Hindernis-Spezialist Frederik Ruppert (LAV Stadtwerke Tübingen) zündete einen pfeilschnellen Endspurt, dem auch Titelverteidiger Florian Bremm (Franconia Athletics) nicht folgen konnte. In umgekehrter Reihenfolge war das Duo in Turku (Finnland) erstmals unter 13:00,00 Minuten geblieben. Den DM-Titel sicherte sich Frederik Ruppert in 14:08,15 Minuten vor Florian Bremm (14:09,03 min). Über Bronze jubelte in seinem letzten Rennen Maximilian Thorwirth (LAV Stadtwerke Tübingen; 14:11,15 min).
Im 5.000-Meter-Rennen der Frauen konnte Vanessa Mikitenko (Silvesterlauf Trier) auf der Schlussrunde die meisten Reserven mobilisieren. Die erst 21-Jährige zog davon und spurtete in 15:29,46 Minuten zu ihrem ersten nationalen Titel in der Frauenklasse. Elena Burkard (LG Farbtex Nordschwarzwald) kämpfte sich zu Silber (15:30,31 min). Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen; 15:34,67 min), die lange Tempoarbeit geleistet hatte, kam auf Platz drei.
Shanice Craft gelingt Saisonbestweite, Julian Weber verteidigt Titel
Noch im Diskusring reckte Shanice Craft (SV Halle) die Faust in die Luft, nachdem ihr Arbeitsgerät im fünften Durchgang weit hinaus geflogen war. Es folgte ein Freudenschrei, als die Weite feststand: 66,18 Meter. Das bedeutete Saisonbestleistung und nach 2014 und 2018 DM-Titel Nummer drei. Ein Befreiungsschlag, auch weil die dreimalige EM-Dritte im Vorfeld des Wochenendes von Adduktorenproblemen ausgebremst worden war. Kristin Pudenz (OSC Potsdam; 64,00 m) machte als Zweite ebenfalls ein EM-Ticket klar. Aufsteigerin Leia Braunagel (Eintracht Frankfurt; 63,15 m) wurde Dritte. Mehr dazu lesen Sie hier...
Gleich im ersten Versuch machte Titelverteidiger Julian Weber (USC Mainz; 82,60 m) den Sieg im Speerwurf der Männer klar. Für den Europameister von 2022 war es nach einem verspäteten Saisoneinstieg erst der zweite Wettkampf des Sommers. Nick Thumm (VfB Stuttgart) kam im sechsten Durchgang der Tagesbestweite mit 81,45 Metern noch einmal näher. Es blieb aber bei Rang zwei. Max Dehning (LG Offenburg) verbesserte sich mit Saisonbestleistung (79,33 m) im abschließenden Durchgang noch auf Rang drei.
Den Hammerwurf der Frauen dominierte Aileen Kuhn (Eintracht Frankfurt) mit drei Würfen über die 70-Meter-Marke, die alle zur erfolgreichen Titelverteidigung gereicht hätten. Der beste Versuch der WM-Neunten landete bei 71,38 Metern. Wie im Vorjahr ging Silber an Vereinskollegin Samantha Borutta (69,71 m). Mit Clara Hegemann (LG Stadtwerke München; 67,80 m) gewann eine U20-Athletin Bronze.
Im Kugelstoßen der Männer gelang Titelverteidiger Eric Maihöfer (VfL Sindelfingen) zum Abschluss des Wettkampfs der einzige 20-Meter-Stoß. Mit 20,16 Metern setzte sich der 25-Jährige gegen den zweimaligen U23-Europameister Tizian Lauria (VfL Sindelfingen; 19,97 m) durch. Nachdem er sich zu Beginn des Wettkampfes schwer getan hatte, schaffte es der Deutsche Hallenmeister Georg Harpf (LG Stadtwerke München; 19,64 m) noch als Dritter aufs Podest.
Kira Wittmann fliegt zweimal über die 14,00-Meter-Marke
Mit den bisher besten beiden Sprüngen der Karriere krönte Kira Wittmann (Hannover 96) ihren Titel im Dreisprung. Mit 14,14 Metern steigerte die 26-Jährige ihre Freiluft-Bestleistung im vierten Durchgang um 14 Zentimeter und legte zum Abschluss noch einmal 14,10 Meter nach. Bei diesen beiden Sprüngen traf die Deutsche Meisterin das Brett nicht optimal und deutete damit Potenzial für noch größere Weiten an. Mehr dazu lesen Sie hier...
Titelverteidigern Caroline Joyeux (LG Nord Berlin) verbesserte sich im sechsten Durchgang noch auf 13,98 Meter und den Silberrang. Die erst 21-jährige Ruth Hildebrand (TSV Bayer 04 Leverkusen) stellte mit 13,92 Metern ihre Bestleistung ein und sicherte sich als Dritte ihre erste DM-Medaille.
Hochspringer Tobias Potye (Munich Athletics) gewann mit 2,15 Metern, gemeistert im ersten Versuch, seinen insgesamt achten nationalen Titel. Bei der nächsten Höhe von 2,19 Metern brach der 31-Jährige dann seinen ersten Anlaufversuch ab und griff sich an die Wade. Er probierte es dennoch weiter, stieß dann aber auch noch im zweiten Versuch mit dem Kopf gegen die Anlage und zog sich eine Platzwunde am Kopf zu. Damit war sein Wettkampf beendet. Aber auch Falk Wendrich (LAZ Soest) schaffte die 2,19 Meter nicht mehr. Der Deutsche Hallenmeister hatte 2,15 Meter im zweiten Anlauf übersprungen. Bronze holte Julius Vollmers (Garbsener SC; 2,10 m).