| Bochum-Wattenscheid

DM am Sonntag | Zwei Meisterschaftsrekorde und ein emotionaler Comeback-Sieg

© Theo Kiefner
Jeweils mit Meisterschaftsrekorden haben Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause und Langhürdler Emil Agyekum am Sonntag die Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid gekrönt. Langsprinter Jean Paul Bredau glänzte mit neuer Bestzeit. Im Weitsprung der Frauen feierte Mikaelle Assani ein emotionales Comeback und landete vor Olympiasiegerin Malaika Mihambo.
Jan-Henner Reitze

DM 2026

Über 400 Meter Hürden setzt eine Trainingsgruppe aus Frankfurt national die Maßstäbe und Emil Agyekum (SCC Berlin) hat sich in diesem Sommer Rekordniveau erarbeitet. Das zeigte sich auch am Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid. Der WM-Sechste unterbot am vergangenen Wochenende in 47,45 Sekunden den 44 Jahre alten Deutschen Rekord von Harald Schmid (47,48 sec) und legte am Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften im Lohrheidestadion den Meisterschaftsrekord von 47,65 Sekunden nach. „Ich bin super drauf. Die Konkurrenz war auch da und ich natürlich sehr motiviert, mein Bestes zu geben“, erklärte der 27-Jährige. „Es hat hier sehr viel Spaß gemacht, das Publikum war super und das Stadion auch.“

Mit diesem starken Rennen holte sich Emil Agyekum den DM-Titel von seinem Trainingskollegen Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) zurück. Der U23-Europameister und Aufsteiger des Vorjahres überzeugte mit 48,08 Sekunden, die zweitschnellste Zeit seiner Karriere. Auch der drittplatzierte Lasse Schmitt (Königsteiner LV; 49,89 sec) trainiert gemeinsam mit den beiden anderen Athleten auf dem Treppchen. Das gilt auch für die Siegerin bei den Frauen. Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg; 55,71 sec) sicherte sich ihren dritten DM-Titel in Folge. Mit Bestleistung Zweite wurde Sabrina Heil (VfL Sindelfingen; 56,07 sec) vor Yasmin Amaadacho (Frankfurt Athletics; 56,37 sec).

Ein positives Fazit zog am Ende der Wettkämpfe Dr. Jörg Bügner: „Wir haben hier in Wattenscheid eine volle Hütte, packende Leichtathletikwettbewerbe und sehr starke Leistungen an beiden Tagen erlebt. Die Deutschen Meisterschaften haben begeistert und unterstreichen den deutlichen Aufwärtstrend.“ Mit Blick auf die bevorstehende EM in Birmingham (Großbritannien; 10. bis 16. August) ergänzte der DLV-Vorstand Leistungssport: „Die Stimmung im Team ist gut – und wir sind sehr optimistisch, dass wir auch in Großbritannien erfolgreich sein werden.“

Jean Paul Bredau kratzt am Meisterschaftsrekord

Vor mit 14.000 Zuschauern wieder ausverkauften Haus ging Titelverteidiger Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) über 400 Meter mutig an, die Konkurrenz kam zum Schluss zwar etwas näher heran. Aber in 44,72 Sekunden war der 27-Jährige nicht aufzuhalten und kratzte mit dieser Bestzeit am Meisterschaftsrekord von Karl Honz (44,70 sec) aus dem Jahr 1972. Seit 2001 ist kein DLV-Athlet mehr schneller gewesen. Mehr dazu lesen Sie hier...

Im Sog des Siegers unterbot U23-Athlet Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel) seine Bestzeit um 42 Hundertstelsekunden und mit 45,08 Sekunden auch erstmals die Direkt-Norm (45,25 sec) für die EM. Mit Thilo Traue (LG Stadtwerke München; 45,30 sec) ging auch Bronze an einen Aufsteiger der Saison.

Die Favoritin setzte sich auch bei den Frauen über 400 Meter durch. Die erst 20-jährige Johanna Martin (1. LAV Rostock) bestätigte bei ihrem ersten nationalen Freiluft-Titel in 51,28 Sekunden außerdem ihr gesteigertes Niveau. Jana Lakner (LG Telis Finanz Regensburg; 51,60 sec) und Annkathrin Hoven (TSV Bayer 04 Leverkusen; 52,02 sec) empfahlen sich dahinter mit Bestzeiten für einen Staffel-Einsatz bei der EM.

Owen Ansah glänzt auch über 200 Meter

Das Sprint-Double am DM-Wochenende machte der 100-Meter-Sieger vom Samstag Owen Ansah (Hamburger SV) mit dem Titel über 200 Meter perfekt. Dabei steigerte der Deutsche 100-Meter-Rekordler seine Bestzeit auf 20,13 Sekunden. Noch näher an die 20,00-Sekunden-Schallmauer ist bisher nur der Deutsche Rekordler Joshua Hartmann (ASV; 20,02 sec) gelaufen. Der wurde diesmal in 20,43 Sekunden Dritter hinter Kameron Horton (Cologne Athletics; 20,40 sec). Das Duo blieb damit ebenfalls unter der Direkt-Norm (20,45 sec) für die EM. Joshua Hartmann gelang das erstmals in diesem Sommer.

Hochklassig und eng war auch das Finale der Frauen, ganz vorne setzte sich eine Aufsteigerin durch. U20-Europameisterin Judith Bilepo Mokobe (USC Mainz) ließ in einem engen Finish in 22,78 Sekunden ihre Konkurrentinnen hinter sich. Die 19-Jährige wurde für diese Bestzeit nicht nur mit ihrem ersten nationalen Titel in der Frauenklasse belohnt, sondern erfüllte auch erstmals die Direkt-Norm für die EM (22,85 sec). Talea Prepens (TV Cloppenburg; 22,89 sec) und Jessica-Bianca Wessolly (VfL Sindelfingen; 22,92 sec) kämpften sich auch noch an Titelverteidigerin Sophia Junk (LG Rhein-Wied; 22,93 sec) vorbei.

Meisterschaftsrekord auch durch Gesa Felicitas Krause 

Das Finale über 3.000 Meter Hindernis der Frauen entwickelte sich zu einem Steigerungslauf. Auf dem ersten Kilometer (3:19,14 min) warteten die Favoritinnen ab. Dann ergriff Lea Meyer (VfL Löningen) die Initiative und führte auf dem zweiten Kilometer (3:08,10 min) ein Spitzentrio an. In der Schlussrunde war es dann Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier), die unwiderstehlich zum Sieg in Meisterschaftsrekord (9:24,40 min) davonzog. Den Schlusskilometer absolvierte die zweimalige Europameisterin deutlich unter 3:00,00 Minuten. In ihrem Schlepptau lief Vereinskollegin Olivia Gürth zu Silber (9:27,08 min) vor Lea Meyer (9:30,96 min).

Über 800 Meter wartete Alexander Stepanov (VfL Sindelfingen) lange ab. Auf den abschließenden 200 Metern demonstrierte der Titelverteidiger der Konkurrenz dann seine Überlegenheit und setzte sich in 1:48,44 Minuten durch. Das Podest komplettierten Adrian Engster (TV Villingen; 1:48,95 min) und Tom Stöber (TV Wetzlar; 1:49,27 min).

Auch das 800-Meter-Finale der Frauen war eine taktische Angelegenheit. Titelverteidigerin Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) zeigte mit einer Schlussrunde unter 60 Sekunden ihre Klasse und lief ungefährdet in 2:02,20 Minuten zum Sieg. U20-Europameisterin Jana Becker (Königsteiner LV) arbeitete sich aus einer ungünstigen Position noch auf den Silberrang (2:02,72 min) nach vorne. Lara Tortell (Athletics Team Karben; 2:03,08 min) spurtete als Dritte erstmals aufs DM-Podest.

Emotionale Rückkehr von Mikaelle Assani, Malaika Mihambo diesmal Zweite

Wie schon am Vortag bei den Männern schrieb der Weitsprung auch bei den Frauen eine ganz besondere Geschichte. Bei wechselnden Windbedingungen war es nicht Olympiasiegerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz), die ihren nächsten Titel abräumte. Die zweimalige Weltmeisterin landete mit 6,63 Metern diesmal auf Rang zwei. Trotz der Niederlage ging ein herzlicher Glückwunsch an Siegerin Mikaelle Assani (Karlsruher SC).

Denn die 23-Jährige ist erst in diesem Sommer nach einer schweren Verletzung in den Wettkampf-Zirkus zurückgekehrt. Im fünften Durchgang steigerte die Olympia-Teilnehmerin ihre Saisonbestleistung auf 6,67 Meter. Damit übertraf sie auch erstmals in diesem Sommer die EM-Bestätigungsnorm (6,60 m). Obendrauf gab es den ersten nationalen Titel.

„Es ist einfach unglaublich“, erklärte die überraschende Siegerin. „Ich kann das kaum in Worte fassen, weil während des Wettkampfs so viele Emotionen zusammengekommen sind. Ich bin einfach nur dankbar und unglaublich glücklich.“ Bronze ging an Tabea Christ (LG Brillux Münster) mit windunterstützten (+4,7 m/sec) 6,52 Metern.

Merlin Hummel und Yemisi Mabry werden Favoritenrolle gerecht

Als großer Favorit ging der WM-Zweite Merlin Hummel (Eintracht Frankfurt) in den Hammerwurf-Ring. Aber der Wettbewerb wurde nicht die erwartete One-Man-Show. Der 24-Jährige konnte sich am Ende mit einer starken Serie und der Tagesbestweite von 79,18 Metern den Titel sichern. Aber auch Vereinskollege Sören Klose mischte auf Top-Niveau mit, übertraf im fünften Versuch mit der Bestleistung von 77,53 Metern erstmals die Direkt-Norm (77,50 m) für die EM und legte dann sogar noch 78,18 Metern nach – und das alles in seinem Comeback-Jahr. Den vergangenen Sommer hatte der 24-Jährige verletzungsbedingt verpasst. Bronze holte Lukas Winkler (LAC Erdgas Chemnitz; 70,54 m). Mehr dazu lesen Sie hier...

Die Olympiasiegerin im Kugelstoßen ist auch wieder Deutsche Meisterin. Yemisi Mabry (MTG Mannheim) übertraf mit 19,04 Metern als einzige Athletin die Marke von 19,00 Metern. Der dritte Freiluft-Titel nacheinander war damit perfekt. Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge) untermauerte mit Silber und 18,57 Metern ihre Position als nationale Nummer zwei und kann für die EM planen. Vor dem sechsten Versuch nur Fünfte schob sich Nina Ndubuisi (SG Schorndorf 1846) mit 18,32 Metern noch auf den Bronze-Platz.

Mit einer Bestleistung von 74,00 Metern und einen U23-EM-Titel ging Steven Richter (LV 90 Erzgebirge) im Diskuswurf an den Start. Aus dem Ring nahm der 23-Jährige seinen ersten DM-Titel der Karriere mit. 66,27 Meter sind eine starke Siegesweite im geschlossenen Lohrheidestadion. Vorjahressieger Henrik Janssen (Sportclub Magdeburg; 64,64 m) wurde diesmal Zweiter vor Mika Sosna (TSG Bergedorf; 63,57 m).

Demonstration der Stärke von Robert Farken

Im Rennen über 1.500 Meter lief Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) in seiner eigenen Liga. Obwohl das Tempo schon zügig war, beschleunigte der Deutsche Rekordler 600 Meter vor Schluss und zog immer weiter davon. Im Ziel stoppte die Uhr für den Titelverteidiger nach 3:35,33 Minuten. Marc Tortell (Athletics Team Karben) folgte in 3:38,69 Minuten vor Florian Zittel (Cologne Athletics; 3:40,94 min).

Ganz so überlegen war die Titelverteidigerin im Rennen der Frauen nicht. Aber auch Jolanda Kallabis (FT 1844 Freiburg) setzte sich in der Schlussrunde entscheidend ab und siegte in einem taktischen Rennen in 4:21,15 Minuten. Die Jahresschnellste Verena Meisl (TV Wattenscheid 01; 4:21,93 min) sammelte ihre nächste DM-Medaille ein. Gold fehlt aber weiter in der Sammlung. Die Titelträgerin von 2024 Vera Petrykowski (Cologne Athletics; 4:22,32 min) wurde Dritte.

Julia Ulbricht steigert sich und übertrifft EM-Norm

Speerwerferin Julia Ulbricht (1. LAV Rostock) hat schon mehrfach angedeutet, dass sie den Anschluss an die internationale Klasse herstellen kann. Und im Lohrheidestadion gelang ihr dazu der nächste Schritt. Als Jahresbeste angereist wurde die 25-Jährige nicht nur ihrer Rolle als Favoritin gerecht. Im zweiten Durchgang schickte sie den Speer auch noch auf die neue Bestleistung von 61,58 Metern und übertraf damit erstmals in diesem Sommer die EM-Direkt-Norm (60,80 m). Mit etwas Abstand entschieden nur wenige Zentimeter über die weiteren Platzierungen. Victoria Krause (Düsseldorf Athletics; 57,11 m) gewann Silber vor Luisa Tremel (LG Stadtwerke München; 56,92 m).

Im Hochsprung überraschte die erst 19-jährige Dorothea Gantert (SpVg Laatzen). Nachdem die U23-Athletin für 1,86 Meter drei Versuche gebraucht hatte, meisterte sie 1,89 Meter gleich im ersten Anlauf. Diese Vorstellung wurde mit dem ersten DM-Titel der jungen Karriere belohnt – möglicherweise kommt nach einer konstanten Saison noch ein Start bei der EM dazu. 

Im Kampf um den Titel konnte Johanna Göring (SV Salamander Kornwestheim), die als einzige Athletin 1,86 Meter im ersten Durchgang geschafft hatte, nicht mehr vorbeiziehen, obwohl sie die Latte nach einem ersten Fehlversuch über 1,89 Meter gleich auf 1,92 Meter legen ließ. Auch bei dieser Höhe scheiterte die 21-Jährige. Bronze teilten sich Joana Herrmann (SV Teuto Riesenbeck) und Ella Obeta (LG Nord Berlin) mit jeweils 1,83 Metern.

Mohammed Amin Alsalami triumphiert mit einem Zentimeter Vorsprung

Ein Zentimeter-Krimi war der Dreisprung der Männer. Im sechsten Durchgang übertraf Mohammed Amin Alsalami (LAC Berlin) mit 15,67 Metern die Weite des bis dahin führenden Benedikt von Hardenberg (LAC Quelle Fürth) um einen Zentimeter, dem noch ein Versuch blieb. Der 26-Jährige flog noch einmal weit in die Grube hinaus, es wurden aber erneut 15,66 Meter gemessen. Diese zweimal erzielte neue Bestleistung bedeutete damit Silber. Auf den Bronzerang sprang Pascal Lehmann (SC Potsdam; 15,51 m).

Nach Bronze in der Halle über 4x200 Meter jubelten die Sprinterinnen von Munich Athletics über den Titel über 4x100 Meter. Als Jahresschnellste angereist steigerten sich Veronika Miller, Denise Uphoff, Svenja Pfetsch und Daryl Ndasi auf 44,01 Sekunden und verwiesen damit die Staffeln des Hamburger SV (44,47 sec) und der LG Rhein-Wied (45,29 sec) auf die weiteren Podestplätze. Bei den Männern waren Joshua Hartmann, Marvin Schulte, Ben Steinhoff und Chidiera Onuoha vom ASV in 39,57 Sekunden das schnellste Quartett. Wie bei den Frauen ging Silber an den Hamburger SV (39,70 sec), nur zwei Hundertstelsekunden dahinter folgte der TSV Bayer 04 Leverkusen (39,72 sec).

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