Mehr als 1.600 Athletinnen und Athleten aus 49 Nationen: Das Alexander Stadium von Birmingham empfängt vom 10. bis 16. August die besten Leichtathletinnen und Leichtathleten Europas. Wer sind die Favoritinnen? Die Hoffnungsträgerinnen? Und mit welchen Erwartungen gehen die DLV-Athletinnen in diese Titelkämpfe? Wir werfen einen Blick voraus. Heute: die Entscheidungen in den Sprüngen und Würfen der Frauen sowie im Siebenkampf.
Hochsprung
Triple für Mahuchikh und Happy End für Honsel?
Mit 1,95 Metern hat sie 2022 in München zum ersten Mal EM-Gold gewonnen, 2024 folgte mit 2,01 Metern der EM-Sieg in Rom. Und auch in Birmingham gilt Yaroslava Mahuchikh (Ukraine) als klare Favoritin auf das Triple. Zwar ist die Olympiasiegerin von Paris in dieser Saison noch nicht wieder an Höhen im Bereich ihres Weltrekordes (2,10 m) herangekommen, hat aber als einzige Europäerin schon Sprünge über die Zwei-Meter-Marke gezeigt. Eine Höhe, die vor vier Jahren auch ihre Landsfrau Iryna Gerashchenko schon überquert hat. Nach Bronze bei den Olympischen Spielen sowie der EM 2024 reist sie mit einer Saisonbestleistung von 1,97 Metern nach Birmingham.
Zudem gilt es, die Polin Maria Żodzik im Blick zu haben, die bereits bei der WM 2025 unter Beweis gestellt hat, dass sie zum Saisonhöhepunkt abliefern kann und in Tokio mit übersprungenen 2,00 Metern Silber gewann. Für eine Überraschung könnte die EM-Zweite von 2022 Marija Vuković sorgen. Inzwischen 34 Jahre alt, hat sie sich dieses Jahr bereits in Bestform präsentiert und den montenegrinischen Rekord auf 1,98 Meter gesteigert. Fehlen wird indes Zwei-Meter-Springerin Yuliya Levchenko (Ukraine). Anders Angelina Topic: Die junge Serbin meisterte in der Hallensaison 2,00 Meter, im Freien bisher 1,96 Meter.
Ein kleines Fragezeichen steht hinter der Form von Christina Honsel (TSV Wattenscheid 01). Nachdem die Freiluftsaison der Zwei-Meter-Springerin vielversprechend begonnen hatte, folgte aufgrund anhaltender Probleme lediglich ein weiterer Wettkampf in Essen, selbst den Start bei den Deutschen Meisterschaften musste sie aufgrund der hohen Belastung für den Fuß absagen. Zuletzt lief das Training jedoch wieder nach Plan, sodass sie zuversichtlich auf die EM blickt. Eine Medaille wäre ein absoluter Erfolg, seit ihrem Silberrang bei der U23-EM 2019 blieb ihr ein Platz auf dem Podium bei internationalen Höhepunkten stets verwehrt. Für die beiden Nachwuchsspringerinnen Anna-Elisabeth Ehlers (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Dorothea Gantert (SpVg Laatzen) ist bereits die Nominierung ein großer Schritt, für sie geht es darum, wertvolle Erfahrung zu sammeln, Spaß zu haben und sich in der Qualifikation so teuer wie möglich zu verkaufen.
Titelverteidigerin: Yaroslava Mahuchikh (Ukraine; 2,01 m)
Jahresbeste: Yaroslava Mahuchikh (2,01 m)
DLV-Starterinnen: Anna-Elisabeth Ehlers (TSV Bayer 04 Leverkusen), Dorothea Gantert (SpVg Laatzen), Christina Honsel (TV Wattenscheid 01)
Stabhochsprung
Anjuli Knäsche mit „PB“ im Gepäck
Bei der EM 2022 in München holte Wilma Heltelä (Finnland) Gold, zwei Jahre später war es Angelica Moser (Schweiz), die in Rom den obersten Platz auf dem Treppchen einnahm. Beide Athletinnen gehören auch in diesem Jahr wieder zu den Favoritinnen auf die Medaillen. Während die Finnin als europäische Jahresbeste die Meldeliste mit 4,81 Metern anführt, folgt die Titelverteidigerin mit einer Saisonbestleistung von 4,80 Metern auf dem geteilten zweiten Platz. Denn auch die Britin Molly Caudery hat diese Höhe bereits gemeistert. Vor zwei Jahren noch EM-Bronze gewonnen, würde die Hallenweltmeisterin von 2024 und 2026 gern ihren Satz an Goldmedaillen erweitern und vor Heimpublikum in neue Sphären springen.
Gefährlich werden könnten dem Trio unter anderem Tina Šutej (Slowenien; 4,75 m), die Norwegerinnen Kitty Augusta Friele Faye (4,70 m) und Lene Onsrud Retzius (4,61 m) sowie vier weitere 4,60-Meter-Springerinnen – unter ihnen auch die Deutsche Meisterin Anjuli Knäsche (VfB Stuttgart). Nur einen Tag nachdem der von ihr trainierte Nachwuchsspringer Jonathan Hummel (LG Leinfelden-Echterdingen) Gold bei der U18-EM gewonnen hatte, setzte die 32-Jährige am 19. Juli selbst zu einem Höhenflug an und sprang so hoch wie nie zuvor in ihrer Karriere. Zehn Jahre hatte ihre alte Bestleistung Bestand. Und vielleicht beflügelt sie dieser Erfolg auch zu außergewöhnlichen Leistungen in Birmingham. Der Einzug in das Finale ist möglich, die erste internationale Medaille wäre eine kleine Sensation.
Titelverteidigerin: Angelica Moser (Schweiz; 4,78 m)
Jahresbeste: Wilma Heltelä (Finnland; 4,81 m)
DLV-Starterin: Anjuli Knäsche (VfB Stuttgart)
Weitsprung
Malaika Mihambo auf Mission Titelverteidigung
Nur zwei europäische Athletinnen sind in dieser Saison bereits über sieben Meter weit gesprungen. Eine der beiden ist Titelverteidigerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz; 7,05 m). Zu gern würde die Tokio-Olympiasiegerin in Birmingham nach 2018 und 2024 zum dritten Mal einen Goldsprung bei Europameisterschaften landen. Dass sie dazu in der Lage ist, daran besteht kein Zweifel. Einzig die Anzahl ihrer Fehlversuche gilt es auf der Anlage im Alexander Stadium besser in den Griff zu bekommen – zu oft waren ihre weitesten Versuche in dieser Saison ungültig. Wie wichtig es ist, das Brett richtig zu treffen, zeigte sich zuletzt auch bei den Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid, als die 32-Jährige wertvolle Zentimeter verschenkte und ihren neunten DM-Titel verpasste. Eine solche Ungenauigkeit könnte ihr auch bei der EM zum Verhängnis werden – und die Chancen für die Jahresbeste Larissa Iapichino (Italien; 7,12 m) erhöhen, nach Silber 2024 dieses Mal an Malaika Mihambo vorbeizuziehen.
Doch auf ein Duell lässt sich der Weitsprung-Wettbewerb in Birmingham keinesfalls reduzieren. Allein mit der Französin Hilary Kpatcha (PB 7,02 m) und der Portugiesin Agate de Sousa (PB 7,03 m) warten zwei weitere Sieben-Meter-Springerinnen darauf, sich in den Medaillenrängen ganz nach vorn zu katapultieren. Und auch Jazmin Sawyers reist mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen zur EM: Bei den Commonwealth Games in Glasgow gewann die Engländerin am Samstag mit windunterstützten 6,93 Metern die Goldmedaille.
Ähnliches gilt für die Deutsche Meisterin Mikaelle Assani (Karlsruher SC; PB: 6,91 m), die sich pünktlich zum Saisonhöhepunkt nach langer Verletzungspause wieder in Top-Form zurückgemeldet hat. Bereits bei der EM 2024 in Rom auf Platz vier gesprungen, gilt es für sie an ihre Leistungen aus dem Lohrheidestadion anzuknüpfen und es der Konkurrenz so schwer wie möglich zu machen. Für Imke Daalmann (TSV Bayer 04 Leverkusen) wird die Teilnahme an den Europameisterschaften eine Premiere sein, für sie gilt es vor allem den Wettkampf auf solch einer großen Leichtathletik-Bühne zu genießen und noch einmal ihre im Juli aufgestellte Bestleistung (6,69 m) anzugreifen.
Titelverteidigerin: Malaika Mihambo (LG Kurpfalz; 7,22 m)
Jahresbeste: Larissa Iapichino (Italien; 7,12 m)
DLV-Starterinnen: Mikaelle Assani (Karlsruher SC), Imke Daalmann (TSV Bayer 04 Leverkusen), Malaika Mihambo (LG Kurpfalz)
Dreisprung
Offenes Rennen um die Medaillen, DLV-Trio am Start
Hop, Step, Jump – doch wer landet am weitesten in der Grube? Seit Jahren war die Entscheidung im Dreisprung der Frauen so offen wie die in Birmingham. Während die spanische Titelverteidigerin Ana Peleteiro-Compaoré nach der Geburt ihres zweiten Kindes noch im Mutterglück ist und bei der EM fehlen wird, gibt es eine ganze Reihe von Athletinnen, die in ihre Fußstapfen treten können. Eine der Anwärterinnen auf einen vordersten Podestplatz ist mit Diana Ana Maria Ion die Jahresbeste aus Rumänien. Nachdem sie bei der Hallen-EM 2025 noch Silber hinter Peleteiro-Compaoré gewann, könnte sie nun das erste Freiluft-Gold bei kontinentalen Meisterschaften gewinnen. Ihre Bestleistung steigerte sie in diesem Jahr bereits auf 14,56 Meter.
Ein Bereich, in den auch etwas überraschend die Belgierin Ilona Masson (14,52 m) vorgestoßen ist und somit zum Kreis der Medaillenkandidatinnen gehört. Ebenso wie die Slowenin Neja Filipič (14,50 m) und die U20-Europameisterin aus dem vergangenen Jahr, Erika Saraceni (Italien; 14,41 m). Und nicht zu vergessen ist die EM-Zweite aus Rom. Gelingt der Türkin Tuğba Danışmaz erneut eine Weite um die 14,57 Meter, mit der sie 2024 aufs Treppchen sprang, könnte sie sich auch in diesem Jahr wieder mit Edelmetall belohnen. Gleiches gilt für die Französin Ilionis Guillaume, die vor zwei Jahren Bronze gewann.
Nicht außer Reichweite ist das Podest auch für Caroline Joyeux (LG Nord Berlin), die eine Bestweite von 14,45 Metern vorzuweisen hat. Zwar musste sie sich zuletzt bei den Deutschen Meisterschaften Kira Wittmann (Hannover 96; 14,16 m) geschlagen geben, doch vielleicht pushen sie sich gegenseitig zu Top-Leistungen und können sich in Birmingham teuer verkaufen. Komplettiert wird das DLV-Trio von der deutschen U23-Meisterin Ruth Hildebrand (TSV Bayer 04 Leverkusen), die bei ihrem ersten internationalen Höhepunkt bei den Erwachsenen wichtige Erfahrungen sammeln und erneut einen Angriff auf die 14 Meter starten kann – bislang stehen für sie 13,92 Meter in den Bestenlisten.
Titelverteidigerin: Ana Peleteiro-Compaoré (Spanien; 14,85 m)
Jahresbeste: Diana Ana Maria Ion (Rumänien; 14,56 m)
DLV-Starterinnen: Caroline Joyeux (LG Nord Berlin), Ruth Hildebrand (TSV Bayer 04 Leverkusen), Kira Wittmann (Hannover 96)
Kugelstoß
Hohe Leistungsdichte: Mabry gegen Schilder – oder eine andere?
Sie dominiert die weltweite Konkurrenz in dieser Saison mit konstant weiten Stößen: Jessica Schilder. Bereits im Mai beeindruckte die Niederländerin mit einem Landesrekord und katapultierte ihr vier Kilogramm schweres Arbeitsgerät auf 21,09 Meter. Damit gilt die amtierende Weltmeisterin auch in Birmingham als große Favoritin auf den Titel – es wäre ihr drittes EM-Gold in Folge. Erschwert wird ihr dieses Vorhaben aktuell von einem geschwollenen rechten Zeigefinger, den sie mit Schmerzmitteln behandelt.
Ebenfalls zu den Goldfavoritinnen zählt Olympiasiegerin Yemisi Mabry (MTG Mannheim), die in dieser Saison bereits 20,37 Meter weit gestoßen hat. Nach Bronze bei der EM 2024 und Silber bei der Hallen-EM 2025 wäre es der erste kontinentale Sieg für die 27-Jährige. Noch zuletzt bei den Deutschen Meisterschaften hatte sie betont, dass ihre Saison auf den Höhepunkt in Birmingham ausgerichtet ist und sich entsprechend zuversichtlich gezeigt, im Alexander Stadium abzuliefern. Zugleich verwies sie auf die hohe Leistungsdichte im europäischen Kugelstoßen der Frauen und sagte: „Es wird in Birmingham auf die Tagesform ankommen“.
Mit einem schwedischen Rekord im Gepäck reist Axelina Johansson zur EM. Mitte Mai hatte sie sich auf 19,97 Meter verbessert und wird nicht nur eine Medaille, sondern auch die 20-Meter-Marke im Blick haben. Gleiches gilt für ihre Landsfrau Fanny Roos (19,70 m), die sich zuletzt Anfang Juli steigern konnte und bereits unter dem Hallendach EM-Medaillen gewonnen hat. Zu vergessen sind darüber hinaus ebenfalls nicht die Portugiesinnen Jessica Inchude (19,62 m) und 20-Meter-Stoßerin Auiol Domingo, die 2022 bereits WM-Gold in der Halle sowie in München EM-Bronze holte – wenngleich die Saisonbestleistung der 36-Jährigen „nur“ bei 19,17 Metern steht. Vielversprechender sieht es da bei der WM-Zweiten Jorinde van Klinken (19,57 m) aus. Die Niederländerin könnte ihren Medaillensatz bei Europameisterschaften nach Bronze 2022 und Silber 2024 mit einem Überraschungssieg golden erweitern.
Für Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge) wird es vor allem darum gehen, sich in der Top Ten gut zu platzieren und zum Saisonhöhepunkt wieder in Richtung ihrer „PB“ aus dem Vorjahr vorzustoßen und eine Weite im Bereich der 19,25 Meter zu erzielen. Für U23-Europameisterin Nina Chioma Ndubuisi (SG Schorndorf 1846) wird es das Debüt auf großer Bühne. Gelingt ihr dabei ein guter Wettkampf sowie eine Annäherung an ihre Bestweite (18,91 m), ist auch der Einzug ins Finale möglich. Denn bekanntlich schreibt eine Qualifikation stets ihre eigenen Regeln.
Titelverteidigerin: Jessica Schilder (Niederlande; 18,77 m)
Jahresbeste: Jessica Schilder (21,09 m)
DLV-Starterinnen: Yemisi Mabry (MTG Mannheim), Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge), Nina Ndubuisi (SG Schorndorf 1846)
Diskuswurf
DLV-Trio mit Medaillenchancen
Siebenmal in Folge stand Sandra Elkasevic (Kroatien) bei Europameisterschaften ganz oben auf dem Treppchen, in dieser Saison setzt sie aus und bereitet sich intensiv auf die WM 2027 vor. Das bedeutet, dass es seit 2010 erstmals wieder eine neue Europameisterin geben wird. Und die Chancen stehen gut, dass diese mit Jorinde van Klinken oder Alida van Daalen aus den Niederlanden kommt. Während die WM-Zweite van Klinken bereits in Rom Silber gewann und die europäische Jahresbestenliste als einzige Werferin mit einer Weite von mehr als 70 Metern anführt – im April warf sie mit 70,99 Metern Landesrekord –, kratzte auch ihre Landsfrau mit 69,31 Metern bereits an der 70-Meter-Marke.
Direkt dahinter ist es das DLV-Duo aus Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen; 67,31 m) und der Deutschen Meisterin Shanice Craft (SV Halle; 66,18 m), die zum Kreis der Medaillenkandidatinnen gehören. Für die 33 Jahre alte Hallenserin wäre es das vierte Edelmetall bei Europameisterschaften – bereits von 2014 bis 2018 gewann sie dreimal in Folge Bronze. Und auch Kristin Pudenz (OSC Potsdam) könnte mit einem guten Wettkampf an ihren Erfolg von 2022 in München anknüpfen. Während sie damals Silber gewann, lief es in dieser Saison noch nicht wie gewünscht für die 33-Jährige. Die EM wäre der perfekte Zeitpunkt, wieder in den Bereich ihrer Bestleistung (67,87 m) zu kommen. Denn das sind Weiten, die etwa die in der Meldeliste vor ihr platzierte mittlerweile 47-jährige Französin Melina Robert-Michon (66,73 m), Vanessa Kamga (Schweden; 66,61 m) und Daisy Oskakue (Italien; 64,68 m) noch nicht geworfen haben.
Titelverteidigerin: Sandra Elkasevic (Kroatien; 67,04 m)
Jahresbeste: Jorinde van Klinken (Niederlande; 70,99 m)
DLV-Starterinnen: Shanice Craft (SV Halle), Kristin Pudenz (OSC Potsdam), Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen)
Hammerwurf
Finnisches Favoriten-Duo
Angeführt wird die Meldeliste von zwei Finninnen: Krista Tervo (77,35 m) und Silja Kosonen (77,07 m). Beide haben im Lauf der Saison immer wieder konstant weite Würfe gezeigt, bleibt die Frage wer auch auf der internationalen Bühne einer EM die Nerven behält. Denn während die 23-jährige Kosonen bereits 2023 Gold bei der U23-EM gewann und im vergangenen Jahr WM-Vierte wurde, galt Tervo als Sechste der Olympischen Spiele von Paris sowie mit dem zuvor geworfenen und mittlerweile verbesserten finnischen Rekord – damals 77,14 Meter – zwar als eine der Favoritinnen bei der WM in Tokio, spielte im Finale nach drei ungültigen Versuchen jedoch keine Rolle mehr im Kampf um die Medaillen. Für sie wird es wichtig sein, eine gute Qualifikation zu werfen und dann im Finale zu zeigen, dass sie auch bei internationalen Meisterschaften glänzen kann.
Erste Verfolgerin der beiden finnischen Werferinnen ist die Titelverteidigerin Sara Fantini (75,77 m) aus Italien, gefolgt von der dänischen Landesrekordhalterin Katrine Koche Jacobsen (75,52 m) und Rose Loga (75,19 m) aus Frankreich. Und dann gibt es noch die polnische Hammerwurf-Legende Anita Włodarczyk. Viermal hat die dreimalige Olympiasiegerin schon EM-Gold gewonnen, dazu einmal Bronze und vor zwei Jahren in Rom noch einmal Silber. Wenngleich sie in der Meldeliste mit 75,01 Metern „nur“ auf Rang sechs liegt und weit von ihrem Weltrekord (82,98 m) entfernt ist, ist die 40-Jährige nicht abzuschreiben und immer für eine Medaille gut.
Das DLV-Trio wird von der Deutschen Meisterin Aileen Kuhn (Eintracht Frankfurt; 72,53 m) angeführt. Nachdem sie im vergangenen Jahr Gold bei der U23-EM gewonnen hatte, schaffte sie es auch bei der WM in Tokio ins Finale und wurde Neunte. Für sie gilt es gleichermaßen wie auch für Samantha Borutta (Eintracht Frankfurt; 72,14 m) und Jada Julien (LV 90 Erzgebirge; 70,48 m), sich in der Qualifikation bestmöglich zu präsentieren und mit etwas Glück den Einzug ins Finale zu schaffen.
Titelverteidigerin: Sara Fantini (Italien; 74,18 m)
Jahresbeste: Krista Tervo (Finnland; 77,35 m)
DLV-Starterinnen: Samantha Borutta (Eintracht Frankfurt), Jada Julien (LV 90 Erzgebirge), Aileen Kuhn (Eintracht Frankfurt)
Speerwurf
Titelrennen offen wie selten zuvor
Die Titelverteidigerin Victoria Hudson wird in Birmingham fehlen, die Österreicherin hat sich in den vergangenen Wochen in die Babypause verabschiedet. Somit rückt etwa die europäische Jahresbeste Sigrid Borge in den Fokus, die im Mai beim Diamond-League-Meeting in Xiamen (China) den Speer auf exakt 65,00 Meter warf. Aber auch Adriana Vilagoš (Serbien) würde nach EM-Silber 2022 und 2024 nun endlich gern ganz oben auf dem Podium stehen. Mit ihrer Bestweite von 67,22 Metern hätte sie gute Chancen, bislang stehen für sie in der laufenden Saison 63,83 Meter im Protokoll. In einen ähnlichen Bereich wirft aktuell auch die Polin Maria Anderejczyk (62,78 m), die in ihrer Karriere sogar schon die 70-Meter-Marke übertroffen hat (71,40 m). Und auch die Olympiasiegerin von 2016 Sara Kolak (Kroatien; 68,43 m) kommt für eine Medaille infrage.
Zwar weniger vom Podium, dafür vom Einzug ins Finale und einer Top-Acht-Platzierung träumen, darf die Deutsche Meisterin Julia Ulbricht (1. LAV Rostock). Nachdem sie sich im Laufe der Saison stetig steigern konnte, flog der Speer bei der DM in Bochum-Wattenscheid auf 61,58 Meter. Nun heißt es für sie, auch im Alexander Stadium noch einmal abzuliefern und die Bestweite zum Saisonhöhepunkt anzugreifen. Die zweite DLV-Starterin ist Luisa Tremel (LG Stadtwerke München), die DM-Bronze gewann und eine Bestweite von 58,78 Metern aufweist.
Titelverteidigerin: Victoria Hudson (Österreich; 64,62 m)
Jahresbeste: Sigrid Borge (Norwegen; 65,00 m)
DLV-Starterinnen: Luisa Tremel (LG Stadtwerke München), Julia Ulbricht (1. LAV Rostock)
Siebenkampf
Deutsches Trio mit guten Aussichten
Sie ist die Siebenkämpferin der Stunde: Annik Kälin. Die Schweizerin begeisterte bereits in Götzis mit einem 6.726-Punkte-Sieg und konnte sich in Ratingen auf starke 6.819 Punkte steigern. Damit hält sie nicht nur den Landesrekord, sondern führt auch die Weltjahresbestenliste an. Somit ist sie die heißeste Anwärterin auf die Nachfolge von Nafissatou Thiam, die zuletzt dreimal in Folge EM-Gold gewann. Aufgrund einer Oberschenkelverletzung wird die Belgierin in Birmingham fehlen. Und auch hinter der zweifachen Weltmeisterin und Lokalmatadorin Katarina Johnson-Thompson (PB: 6.981 pt) steht ein Fragezeichen, da sie in der laufenden Saison lediglich ein einziges Ergebnis im Kugelstoßen von Mitte Mai vorzuweisen hat und ansonsten keinerlei Wettkämpfe bestritten hat.
Entsprechend rücken andere Athletinnen in den Fokus, wenn es um die Medaillenvergabe geht. Etwa die Niederländerinnen Emma Oosterwegel (6.705 pt) und Sofie Dokter (6.627 pt), die mit ihrer Landsfrau Anouk Vetter gleichziehen wollen. Die Zweite der Olympischen Spiele von Tokio krönte sich 2016 bei ihrer Heim-EM zur Königin der Athletinnen und hat ihre Karriere inzwischen beendet. Mit Gold bei den Commonwealth Games hat die WM-Zweite Kate O'Connor (Irland; SB: 6.569 pt) kurz vor der EM gezeigt, dass mit ihr zu rechnen sein wird. Zudem sind auch die deutschen Siebenkämpferinnen zu beachten – in einem Jahr, in dem insgesamt 13 Europäerinnen die 6.300-Punkte-Marke geknackt haben, liegen sie in der Meldeliste gut positioniert.
Auf Rang vier der Meldeliste könnte etwa Sophie Weißenberg (TSV Bayer 04 Leverkusen) ihre Comeback-Saison mit einer Medaille krönen. Mit 6.449 Punkten hat sie in Götzis gezeigt, dass sie international vorn mitmischen kann. Und auch Sandrina Sprengel (VfB Stuttgart) darf von Edelmetall träumen, wenn alles zusammenpasst. Die WM-Fünfte von Tokio weiß sich auf großer Bühne zu behaupten und bringt eine Bestleistung von 6.434 Punkten mit nach Birmingham. Vanessa Grimm (Königsteiner LV; 6.381 pt) reist mit einer Bestleistung aus Götzis an und liegt ebenfalls in aussichtsreicher Position.
Titelverteidigerin: Nafissatou Thiam (Belgien; 6.848 pt)
Jahresbeste: Annik Kälin (Schweiz; 6.819 pt)
DLV-Starterinnen: Vanessa Grimm (Königsteiner LV), Sandrina Sprengel (VfB Stuttgart), Sophie Weißenberg (TSV Bayer 04 Leverkusen)